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RB Leipzigs holpriger Saisonstart: Rangnick hat ein Löw-Problem
SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Ralf Rangnick ist einer der größten Verfechter des Tempofußballs. Denn Ballbesitz, das habe die WM gezeigt, genüge nicht. Mit Leipzig steht er nun vor einem Problem: Was, wenn der Raum zum Kontern fehlt?

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gammoncrack 04.09.2018, 12:12
10. Trotz Ballbesitz von über 65% hat die deutsche Mannschaft

bei der WM nichts erreicht.

Trainer, die ausschließlich mit Ballbesitz versuchen ein Spiel zu gewinnen, stehen auf verlorenem Posten. Es funktioniert gegen eine gut gestellte Abwehr einfach nicht. Und je nervöser seine Mannschaft wird "immer noch kein Tor", desto anfälliger werden sie für Konter.

Hier ist die Flexibilität in Sachen "mehrfache Taktikänderung während des Spiels" gefragt. Dafür benötigt man einen Trainer, der das seiner Mannschaft so vermitteln kann, dass das in der Praxis auch funktioniert. Und natürlich benötigt man hierfür auch eine Mannschaft, die das intellektuell erfassen kann.

Ich halte, menschlich betrachtet, überhaupt nichts von Tuchel. Aber in dieser Richtung ist er einer der besten Trainer der Welt.

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zylinderkopf 04.09.2018, 12:20
11.

Das Problem des Herrn Rangnick und des Herrn Löw hat der Herr Tedesco auch neuerdings. Ist einfach Kacke, wenn die Gegner sich plötzlich für ein schönes Konterspiel verweigern. Plan B - wie mache ich aus Ballbesitz Tore? War ein schöner Anschauungsunterricht am Sonntag in GE.

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uli_san 04.09.2018, 12:22
12. Ich sehe es auch so,

Zitat von CancunMM
sehe es etwa anders. Ich sehe Rangnick nicht als Trainer der ersten Reihe. Völlig überschätzt. Hasenhüttl war der ideale Trainer.
vordringliche Aufgabe von Rangnick sollte sein, baldmöglichst einen Übergangstrainer zu suchen. Er selbst ist zu tief in die Organisation und Verwaltung des Vereins involviert. Bundesligatrainer ist heute ein Fulltimejob, da ist für Managementaufgaben kein Platz.
Im schlimmsten Fall geht alles den Bach runter und Nagelsmann hat dann im nächsten Sommer auch keinen Bock mehr, die Mannschaft zu übernehmen.
Ich fürchte allerdings, sollte es noch ein paar Wochen schlecht laufen, dass man dann an Nagelsmann herantritt, um ihn zu einem sofortigen Wechsel zu überreden. Das wäre für Hoffenheim dann der nächste Aderlass, aber mit denen kann man ja scheinbar alles machen, wie die Vergangenheit zeigte.

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panta_re 04.09.2018, 12:27
13. Re: Ballbesitz

@globaluser: Fußball ist tatsächlich im Großen ein total banaler Sport. Natürlich muss eine Mannschaft den Ball behaupten und "verarbeiten" können. Aber auch die spanische Nationalmannschaft (und noch mehr Bayern unter Guiardiola) zeigte, dass Ballbesitz ohne Dynamik und Kreativität nichts wert ist. Gut organisierte Defensivreihen können reinen Ballbesitz beliebig verteidigen und auskontern. Deswegen hat sich seit 50 Jahren nichts geändert: Jede Mannschaft braucht ein Konzept, um HINTER die gegenerische Abwehrreihe zu kommen. Das geht mit Ticki-Tacke, das geht mit Dribblings, das geht mit genialen Vertikalpässen (und -Laufwegen) - aber das passiert nicht von alleine bei Ballbesitz.

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velo20 04.09.2018, 12:43
14. Rangick ist überbewertet

Also ich finde der Rangick ist überbewertet. Er hätte lieber den alten Trainer behalten und dann auf Julian Nagelsmann gewartet. Dem traue ich zu, dass er aus RB ein starke Mannschaft macht. Grundsätzlich finde ich sollte eine Mannschaft zwischen Ballbesitzt und Tempofussball variieren können. Klar ist das nicht einfach und nicht für jede Mannschaft in perfektion umzusetzen. Die Aussicht auf Erfolg finde ich aber größer statt nur eine Taktik haben.

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ge1234 04.09.2018, 12:47
15. Richtig....

Zitat von panta_re
@globaluser: Fußball ist tatsächlich im Großen ein total banaler Sport. Natürlich muss eine Mannschaft den Ball behaupten und "verarbeiten" können. Aber auch die spanische Nationalmannschaft (und noch mehr Bayern unter Guiardiola) zeigte, dass Ballbesitz ohne Dynamik und Kreativität nichts wert ist. Gut organisierte Defensivreihen können reinen Ballbesitz beliebig verteidigen und auskontern. Deswegen hat sich seit 50 Jahren nichts geändert: Jede Mannschaft braucht ein Konzept, um HINTER die gegenerische Abwehrreihe zu kommen. Das geht mit Ticki-Tacke, das geht mit Dribblings, das geht mit genialen Vertikalpässen (und -Laufwegen) - aber das passiert nicht von alleine bei Ballbesitz.
... das passiert nicht "von alleine bei Ballbesitz", aber die Voraussetzung, dass es passiert, ist "Ballbesitz"!

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karlsruher_kind 04.09.2018, 13:52
16. Guter Artikel

Ein ordentlicher Artikel, der endlich mal anspricht, dass Ballbesitz im Sinne von fruchtlosem Ballgeschiebe einfach oft aus der defensiven Ausrichtung der gegnerischen Mannschaften resultiert.
In keiner Topliga scheint das dann auch noch so ausgeprägt zu sein wie in der Bundesliga. Von Minute 1 an wird sich dann gegen den vermeintlichen Favoriten auf den Strafraum konzentriert, und zwar auf den eignen. Der Qualität und Art des Fußballs nach wird in der Liga gefühlt bei 16 Mannschaften Underdogfußball gespielt/trainiert. (Eventuell kann man auch Hoffenheim da herausnehmen)

Selbst größere Teams wie Schalke, fokussieren sich dann eine ganze Saison lang auf Underdogfußball und rutschen aufgrund vieler teils glücklicher und hauchzarter Siege mal eine Saison nach oben in der Tabelle. (trotz miserabler Punkteausbeute für einen Zweitplatzierten) Dann wird gleich mit dem Defensivfetischisten auf der Trainerbank bis anno dazumal verlängert, ohne zu wissen ob dieser der Mannschaft auch beibringen kann, etwas mit dem Spielgerät anzufangen, wenn es ihm die Gegner bereitwilliger überlassen.
Der Fußball in der Buli hat sich zu einem Kampf und Krampf entwickelt und fußballerische Fähigkeiten an sich scheinen kaum mehr gefragt zu sein. Wozu auch, Athletik und Physis reichen fürs Verteidigen aus. Der Ball scheint irgendwie nur noch im Weg zu sein bei diesen Leichtathletik-Veranstaltungen.
Das wurde dann von den Sportmedien auch noch jahrelang hochgejubelt. Geniale Spieler wie Thiago und Co. galten dann ausschließlich als "Schönspieler" während wild um sich grätschende Lokomotiven, die böse gucken können, wild beklatscht wurden. Die Balance zwischen Metzgern und Chirurgen hat sich dann eben extrem ungünstig verschoben und auf dem Platz versuchen sich dann oft 22 Metzger an einer Hirn-OP. Kein Wunder, dass man da kaum mehr hinschauen kann.

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Allgemeinbetrachter 04.09.2018, 14:28
17. Fehler einbauen...

wenn du eine zweikampfstarke Mannschaft hast, die dem Gegner überlegen ist, wäre vielleicht eine Möglichkeit absichtlich Fehler zu verursachen, dass die gegnerische Mannschaft aus ihrer Defenisvreihe ausbricht und so die Ordnung in der Defensive verliert. Anschließend versuchen durch ein sehr präsentes Mittelfeld (massives Mittelfeld) den Ballbesitz wieder zu bekommen und anschließend extrem schnell den Konter ein zu leiten. Ballbesitz hilft hier wenig weiter oder nur mit Kopfballstarken Stürmern, die 2m groß sind und dazu noch extrem hoch springen können. Damit einfach hoch reinflanken und gut is.

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Pless1 04.09.2018, 14:55
18.

Zitat von ge1234
... so einer wird Fussball-Professor genannt? Willkommen in der Welt des FC Bayern, Herr Rangnick, bei denen ist es nämlich in 98% der Spiele so, dass sich der Gegner dem Spiel verweigert und vor dem eigenen Strafraum einigelt. Da nutzt einem dann der schönste Tempofussball "im sechsten oder siebten Gang" nix, wenn es niemanden zu überrennen gibt. Da fragt man sich natürlich, warum der FC Bayern trotzdem regelmäßig mit 10 + X Punkten Meister wird. Hmmmm......Stichwort Ballbesitzfussball, Herr Professor!
Nein, das sehen Sie glaube ich falsch. Die Frage ist auch gar nicht: "Ballbesitz" oder "schnelles Umschaltspiel" oder "Konterfußball". Richtig ist, dass man, wenn man der gejagte ist, mit reinem Ballbesitzfußball alleine nur oben bleibt, wenn man es mit deutlich schwächeren Gegnern zu tun hat. Das ist bei der gegenwärtigen Schwäche der Bundesliga zwar bei den Bayern der Fall. Aber die Bayern können auch nicht nur Ballbesitzfußball, sie können ihre Spielweise durchaus anpassen. Nicht genug sicherlich, um in Europa in der höchsten Kategorie mithalten zu können - dass die Bayern noch immer im ersten Topf sind ist ja der Trägheit des Systems geschuldet.

Spätestens die WM hat aber gezeigt, dass der reine Ballbesitz - ohne Variabilität im System - nicht weiterhilft.

Dass man im Umkehrschluss mit dem Ansatz, allein mit schnellem Umschaltspiel Gefahr zu erzeugen auch nicht weiterkommt, wenn man erst einmal zum Establishment gehört ist die andere Seite der Medaille und das bekommt nun auch RB zu spüren wie seinerzeit auch der BVB unter Klopp.

Wer heute um Fußball höchste Erfolge feiern will muss verschiedene Ansätze beherrschen und zwischen diesen auch innerhalb einer Partie wechseln können. Das verlangt allerdings nach Spielern mit einem Niveau, das nur wenige mitgehen können. Thomas Tuchel ist ein Trainer, der dies einfordert. Selbst beim BVB, der ja bei aller berechtigten Kritik nun wirklich nicht aus dem Fallobst der Liga besteht, stieß er damit bei zahlreichen Spielern deutlich an Grenzen. Bislang beherrschen nur sehr wenige Teams diese Fähigkeit. Real Madrid, Atletico, Juventus, Liverpool - viel mehr fallen mir da nicht ein. Selbst Bayern hat da wie gesagt Defizite. Gut möglich aber, das Kovac diesbezüglich eine gute Wahl ist, denn der kommt eher von anderen Spielansätzen her als vom Ballbesitz, den die Bayern ja bereits verinnerlicht haben. Er kann das Repertoire verbreitern und wurde vielleicht auch gerade deshalb geholt.

Frankreich und Belgien wären noch auf Ebene der Nationalmannschaften mit dieser Qualität zu nennen.

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Pless1 04.09.2018, 15:06
19.

Zitat von ge1234
... das passiert nicht "von alleine bei Ballbesitz", aber die Voraussetzung, dass es passiert, ist "Ballbesitz"!
Ja und nein.

Natürlich muss man den Ball haben, um ihn spielen zu können. Aber je länger man ihn hat um so besser hat der Gegner die Räume belegt. Wenn der Gegner hervorragend verteidigt nützt der Ballbesitz also nur etwas für etwa 10 Sekunden. Danach können Sie den Ball genauso gut auch gleich freiwillig wieder hergeben, damit der Gegner seine "Ordnung gegen den Ball" aufgeben muss.

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