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Schach: Warum gibt es keine Top-Spieler aus Deutschland?
imago/ Sebastian Wells

Das Kandidatenturnier versammelt die weltweite Schach-Elite in Berlin-Kreuzberg. Doch unter den möglichen Herausforderern von Magnus Carlsen ist kein einziger Deutscher. Dafür gibt es mehrere Gründe.

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Ossifriese 13.03.2018, 18:58
1. Ratio

"...Es gibt auch hier große Talente, aber sie kommen irgendwann an einen Punkt, an dem sie sich entscheiden müssen. Gehen sie auf ein Abenteuer oder den sicheren Weg? Klar, sie könnten auch beim Abenteuer Erfolg haben, aber das wäre nicht rational. Und die Deutschen gelten nun mal als rationale Menschen. ..."
Schach scheint wirklich Irrationalität zur Voraussetzung zu haben - siehe das Schicksal B. Fischers. Wer sich darauf einlässt, im Kopf nur noch Schachfiguren und deren Spielzüge zu haben, wird wahrscheinlich irgendwo "irrational"... soll man das seinen Kindern antun? Wo bleibt das spielerische Moment, wenn gewonnen werden muss, um zu überleben?

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Marc87 13.03.2018, 19:27
2.

Warum genau braucht es eine Schach-Elite in Deutschland? Ist für mich genauso sinnlos wie eine Biathlon-Elite, eine Monolpoly-Meisterschaft oder die Meisterschaft im Kartoffel-Schnellschälen.

Es wäre schön, wenn mehr Leute in Deutschland Schach spielen würden. Denn Schach ist ein tolles Spiel. Aber wenn es irgendwas in Deutschland in Bezug auf Schach wirklich "braucht", dann wären es mehr Menschen, die in der Lage sind eine Schach KI zu programmieren.

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FakeBot 13.03.2018, 19:46
3.

Zitat von Ossifriese
Schach scheint wirklich Irrationalität zur Voraussetzung zu haben - siehe das Schicksal B. Fischers. Wer sich darauf einlässt, im Kopf nur noch Schachfiguren und deren Spielzüge zu haben, wird wahrscheinlich irgendwo "irrational"... soll man das seinen Kindern antun? Wo bleibt das spielerische Moment, wenn gewonnen werden muss, um zu überleben?
Was ist das denn für ein Unsinn? Fischer war ein Genie und bekanntlich liegen die Grenzen zwischen Genie und Wahnsinn sehr eng beeinander. Egal in welchem Feld. Gefühlt jeder zweite bekannte Künstler ist ein irrationaler Verrückter und hier dient Bobby Fischer als abschreckendes Beispiel? Herrje...

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quark2@mailinator.com 13.03.2018, 19:56
4.

Habe bis etwa mit 20 aktiv Turnierschach betrieben ... Das Spiel macht mir noch immer Spaß, aber es gibt beim Schach aus meiner Sicht ein Grundproblem - das Auswendiglernen. Effektiv braucht man eine ziemlich große Eröffnungsbibliothek im Kopf und ebenso eine umfangreiche Endspielbibliothek. Nur in der Mitte des Spiels spielt man wirklich Schach, d.h. betrachtet die Stellung und spielt frei. Anfang und Ende sind schematisch, oder man hat gegen Auswendiglerner gleich verloren, besonders am Anfang. Und um ehrlich zu sein, macht mir zwar das Spiel Spaß, also das selber denken, aber nicht das Abspulen von angelernten Varianten. Eine ähnliche Komponente stellt die Zeitnot bei ernsthaften Turnierpartien dar. Ich finde es nicht in Ordnung, wenn die Tiefe des eigenen Denkens von einer Uhr beschränkt wird, es sei denn, man blitzt. Man stelle sich vor, Einstein hätte seine Relativitätstheorie wegen Zeitüberschreitung nicht vollenden können. Was ich sagen will: Das Schöne am Schach ist die Anwendung des abstrakten, taktischen und strategischen Denkens im Wettstreit. Aber diese Komponente ist eben nur ein Teil der Partie. Und obendrein sind viele Züge schlechteren Spielern nicht zugänglich. Großmeister machen oft Züge, da kann man tagelang draufsehen und versteht sie ggf. dennoch nicht (OK, Computer haben das sehr verbessert) - und Daniel King macht einen tollen Job.

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Ossifriese 13.03.2018, 19:57
5.

Jepp! Genau das meine ich.

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uhrentoaster 13.03.2018, 19:59
6.

Zitat von Marc87
Warum genau braucht es eine Schach-Elite in Deutschland?
Damit man in Deutschland mit Schachspielen mehr Geld verdienen kann. Letztendlich geht es doch immer ums Geld. Breitensport ist für die Medien unwichtig.

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commandertom 13.03.2018, 20:23
7. Zugegebermaßen...

...halte ich es nur noch für eine Frage der Zeit, bis das zutiefst sexistische Schachspiel vor das BGH, das Verfassungsgericht oder gar bis vor den Europäischen Gerichtshof kommt. Zutiefst sexistisch, weil die wichtigste Figur bekanntermaßen der König ist, der nicht geschlagen wird. Alle übrigen Figuren (der Bauer, der Läufer, der Springer, der Turm) sind ebenfalls eindeutig maskuliner Natur, einzig die Dame ist weiblich. Und das Aggressionspotential dieser Dame ist wohlbekannt, sie schlägt in alle Richtungen. (im orientalischen Sprachraum heißt die Dame übrigens der Wesir...maskulin...). Warum also nicht „die Läuferin“ usw. Und überhaupt, wo bleibt das dritte Geschlecht? Übereifrigen Gleichstellungsbeauftragtinnen sei aber vorsichtshalber mitgeteilt: seit Einführung der ELO-Zahlen zur Bestimmung der Spielstärke sind durchgehend männliche Spieler auf den Spitzenplätzen zu finden - ein weit bekannter Umstand, der sicher geeignet ist, mancher Feministin die Zornesröte auf die Wangen zu treiben.

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TS_Alien 13.03.2018, 20:31
8.

Es gibt wesentlich spannendere und abwechslungsreichere Bereiche als Schach, wenn man seinen Geist fordern möchte. Bereiche, in denen Computer niemals besser sein werden als Menschen. D.h. es gibt für intelligente Menschen genügend Alternativen, ihr Leben abwechslungsreicher und sinnvoller zu gestalten als mit Schach.

Die Nationalität spielt beim Schach keine Rolle. Vor ein paar Jahren hätte niemand erwartet, dass ein Weltmeister aus Norwegen kommt oder dass die USA oder Frankreich Weltklassespieler haben. In einigen Jahren wird es wieder anders aussehen.

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c0re0n 13.03.2018, 20:49
9. Der Anfang ist wichtig.

Ich denke man sollte weniger versuchen, Schach im Profibereich zu fördern, sondern lieber in der Bildungspolitk ansetzen. Ich glaube Spiele wie Schach oder Go können wichtige Softskills vermitteln, die jenseits der klassischen Schulfächer wichtig werden.
Eine breitere Förderung sollte auf jeden Fall erfolgen.

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