Forum: Stil
Bildband "Designed in the USSR": Blick hinter den Eisernen Vorhang
Moscow Design Museum/ Phaidon

Das visuelle Erbe der UdSSR ist ein oft übersehener Teil der Designgeschichte. Auch wenn es das Wort "Design" nicht gab, gestaltet wurde hinter dem Eisernen Vorhang trotzdem: oft in Kopie, teilweise visionär, immer ikonisch.

dasfred 06.06.2018, 03:46
1. Habe auch so ein Objekt

Mir fiel mal eine Lava Lampe in die Hand. Oben und unten Kapseln aus Bakelit, mit drei Alustäben verbunden, auf drei Alu Beinen. Dazwischen eine Flasche, die statt farbigem Wachs nur weißes Wachs enthält, dafür ist der Flaschenboden zweifarbig bemalt. Erinnert an eine stilisierte Rakete. Ich habe die Herkunft erst entdeckt, als ich sie zerlegte und unter dem Flaschenboden und bei der Lampenfassung die entsprechende Beschriftung fand.

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lachina 07.06.2018, 18:46
2. Oooch...

" Ihr "Sphinx"-System war eine Mischung aus Laptop, Telefon, Fernseher und Stereoanlage mit Fernbedienung. Ein Unterhaltungssystem, so futuristisch designt, dass es noch heute jedes Sideboard schmücken würde. Wie viele Ost-Upgrades kam es aber nie zu Serienreife."....davon hätte ich gerne ein Bild in der Fotostrecke gesehen, taucht aber nicht auf....

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franketfranke 07.06.2018, 22:23
3. Wenig Wissen, viel Arroganz!

Ich verstehe nicht, weshalb diese Kitsch- und Dekogestaltung im Osten hätte "Design" heißen sollen? Nur weil man im güldenen Westen davon ausgeht, daß alle Gestaltung "Design" genannt werden müsse? Dort hieß das halt "Formgestaltung" und man konnte es studieren, - beispielens an der "Huchschule für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein" in Halle, wo ich in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts mal studiert habe. Allerdings Malerei und freie Grafik, weil es dort einen Fachbereich dafür gab. Heute gestalte ich Bücher, was seinerzeit sowohl als freie grafische Gestaltung betrieben werden konnte, als auch als "Gebrauchsgrafik". Heute nennt man das ja flotterweis und zeitgeistig "Artwork" (obwohl wenig davon an "Art" erinnert). Also: wir und der Sowjetbruder betrieben das auch; es hieß nur anders. Mein Buchdesign wurde sogar im Westen von bekannten Verlagshäusern gebraucht und ich einige Male dafür mit westlichen Preisen ausgezeichnet. Und seien wir doch mal ehrlich und nicht so furchtbar arrogant: wenn ich mir das "Design" der Westprodukte aus dieser Zeit anschaue... naja..., das nimmt sich nicht viel.

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novoma 09.06.2018, 23:37
4.

Manchmal erschöpfte sich das „Design“ in der UdSSR auch im schlichten Abkupfern westlicher Produkte. Schonmal einen Vjatka VP 150-Roller gesehen? Oder einen Tula 200? Der erste ist eine exakte Kopie einer Vespa, der zweite eine solche eines Goggo 200. Fairerweise muss man aber sagen, dass spätere Modelle der Vjatka- und Tula-Roller ein eigenständiges Design zeigten, auch wenn dieses für westliche Geschmäcker eher „eigen“ ausfiel.

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IchWeissAuchWas! 15.06.2018, 16:27
5.

@franketfranke:
Ich habe an der Hochschule für KUNST UND DESIGN Burg Giebichenstein IndustrieDESIGN studiert. Wie sich die Zeiten doch ändern...!

Von Künstlern und „Gestaltern“ sollte man mehr Offenheit für neue Dinge und Zeitenwandel (Trends) erwarten als Wortklaubereien über Anglozismen. Als ich klein war, haben alte Herrschaften auch noch Trottoir und Paraplue gesagt.
Wer mit Ostalgie aufgewachsen ist kann daran vielleicht nichts finden. Aber auch die jungen Designer in andere Kulturen finden nichts Besonderes an ihrer eigenen Tradition (z.B. Japan), und schauen lieber in den Westen.

Osteuropäische und kommunistische Graphik weltweit hat ihre ganz spezielle Ästhetik und man kann sie kitschig oder geil finden. Wobei kitschig durchaus positiv gemeint ist!

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