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Nostalgie in Deutschland: Heimat - ein Ort im Gestern
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Deutschland droht von einem Land mit Fernweh zu einem Land mit Heimweh zu werden. Früher gab es zu viel Heimat, heute gefühlt zu wenig. Ein Phantomschmerz.

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xberg99 03.10.2017, 17:06
1. Habe

noch nie verstanden was Heimat sein soll. Bin
18 x in meinem Leben umgezogen, mal in mal Ausland. An manschen Orten habe ich mich wohler gefühlt an anderen weniger, aber letztendlich war und ist die Welt meiner Heimat so lange ich mich mit mir im Reinen bin.

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hakim 03.10.2017, 17:06
2. Das bekannte Geschichtspendel

....es pendelt hin und her. Alles wiederholt sich. Einmal als Tragödie und einmal als Komödie. "Heimat" ist gerade abgesagt, wird zu Geld gemacht. Für mich eher eine Komödie.

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nic 03.10.2017, 17:31
3.

Zitat von xberg99
noch nie verstanden was Heimat sein soll. Bin 18 x in meinem Leben umgezogen, mal in mal Ausland. An manschen Orten habe ich mich wohler gefühlt an anderen weniger, aber letztendlich war und ist die Welt meiner Heimat so lange ich mich mit mir im Reinen bin.
Das heißt aber nicht, weil Sie es nie verstanden haben, dass es keine Leute gibt für die Heimat etwas bedeutet. Ich fühle mich z.B. am wohlsten in meiner Heimatstadt. Bin ich auf dem Mars, würde ich behaupten, dass ich mich am wohlsten auf meinem Heimatplaneten Erde fühle. Wechsle ich das Universum usw...

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burlei 03.10.2017, 17:38
4. Heimat ist für mich da, wo ich zu Hause bin.

Das muss nicht mein Geburtsort sein, noch nicht einmal "mein" Land. Ich muss mich da wohl fühlen, mehr nicht. Wenn ich heute sehe, was mit dem Begriff "Heimat" für ein Schindluder getrieben wird, kann es einem nur schlecht werden. Das ist keine "Heimatliebe", das ist dumpfe Deutschtümelei. Ich bin Deutscher, Biodeutscher sogar. Meine Familie lässt sich bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen, bis ein Brand einer Kirche alle Dokumente vernichtet hat. Trotzdem fühle ich mich eher als Europäer und kann mit dem ganzen Schwulst um die "Heimat" nichts anfangen.

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MartinBeck 03.10.2017, 18:00
5. Aha, jetzt ist die Heimat schuld

Soso, jetzt geht's also der Heimat an den Kragen. Sie ist altmodisch, sie ist tümelnd, sie ist vielleicht sogar rechtslastig. Und nur die heimatlosen und wurzellosen Jetsetter sind die Leute der Zukunft? Weit gefehlt, liebe Leute. Ich habe mein halbes Berufsleben im Jetset verbracht, aber ich pflege meinen Dialekt, gehe gerne wieder in die Wälder meiner Heimat und wandere in den heimischen Mittelgebirgen. Was also bin ich jetzt? Wenn wir auf unsere Nachbarländer schauen, dann denken die meisten längst wieder in Regionen, sei es in UK oder in Spanien oder in Italien oder in Belgien, um mehr oder weniger geglückte Beispiele zu nennen. Diese Anti-Heimat-Diskussion ist nach meiner Beobachtung vor allem ein Thema von Journalisten, die ihre Wurzeln verloren haben, sich ihres früheren Dialekts schämen und nirgends mehr richtig angekommen sind. Arme Kerle!

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gelegentlicher_spon_leser 03.10.2017, 18:04
6.

Heimatgefühl und Religion haben eines gemeinsam: wer es nicht hat, den stört es nicht -und - wie man in den Kommentaren sieht - ist gern auch stolz darauf. Eins ist klar: für unsere Wirtschaft ist es nicht nur unnötig, sondern störend, es ist irrational und kann zum Ausgrenzen verführen. Gilt übrigens auch für Musik.

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zeichenkette 03.10.2017, 18:23
7. Das war halt kein ersatzloser Verlust

Die kulturelle "Heimat" aus Geburtsort, erweiterter Familie und Nachbarn ist bei vielen Menschen ersetzt worden durch eine Verankerung in einer mehr oder weniger globalen Kultur, vermittelt über Medien und Internet und die Familie (die bei sinkenden Geburtenraten und hoher Mobilität ja eh immer dünner geworden ist) durch Wahlverwandtschaften. All das ist eher eine Verlagerung und technisch vermittelte Unabhängigkeit von der räumlichen Verankerung. Bei Vielen kommt sicherlich auch noch dazu, dass durch demographische und wirtschaftliche Änderungen (Überalterung, Wegfall von kleinen Unternehmen und Geschäften) die "Heimat" gar nichts mehr ist, was man sich ohne Grausen ansehen mag (weil dort eigentlich alles schlechter geworden ist und man gar nicht mehr zurück möchte), so dass man sich lieber der weiten Welt zuwendet und sich dort sucht, was einem besser gefällt. Bei mir ist das jedenfalls so: Meine Heimatstadt, der Stadtteil und die Straße haben nichts mehr mit dem zu tun, was ich als Kind darin gesehen habe. Dem kann man nun verzweifelt nachtrauern und sich in die gute alte Zeit zurücksehnen (die ja auch nicht nur gut war), oder man kann einen Strich drunter ziehen und nach vorne sehen anstatt nach zurück.

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chattagam 03.10.2017, 18:27
8.

Zitat von gelegentlicher_spon_leser
[XXX] und Religion haben eines gemeinsam: wer es nicht hat, den stört es nicht -und - wie man in den Kommentaren sieht - ist gern auch stolz darauf. Eins ist klar: für unsere Wirtschaft ist es nicht nur unnötig, sondern störend, es ist irrational und kann zum Ausgrenzen verführen.
Setze für [XXX] ein:
Konsum, Markenbewusstsein, , Arbeit, Bildung, Menschenwürde, ...
Da ergeben sich ganz neue tolle Denkanstöße ;)

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Ährengast 03.10.2017, 18:32
9. Sweet Home

Dem kann ich sehr zustimmen. Ich benutze das Wort Heimat fast gar nicht. Mit einer Ausnahme, nämlich wenn ich von meiner "alten Heimat" spreche, dem Ort oder der Region (je nachdem), wo ich aufgewachsen und dann weggegangen bin. Oft sage ich es mit einem ironischen Unterton, manchmal aber auch mit Traurigkeit. Denn es gab ja Gründe, warum ich entschieden habe, nicht dort mein Leben zu verbringen. Anderseits gibt es da noch ein paar liebe Menschen ... und wenn der letzte gestorben ist, werde ich nie mehr dorthin fahren.

Ganz anders verhält es sich mit dem "Zuhause". Das ist ein rein positiv besetzter Begriff, ein konkreter Rückzugsort im Jetzt mit Blick nach vorn. Ich fände es viel besser, nicht so viel von der pomadigen "Heimat" zu fantasieren, dafür ein bisschen mehr über das Zuhause nachzudenken. Denn einen gemütlichen, warmen Platz, wo die Welt auch mal ausgesperrt werden kann, ein schöner Blick aus dem Fenster - das braucht der Mensch nun mal. Das Zuhause eignet sich, im Gegensatz zur Heimat, auch gar nicht zur Rudelbildung, sondern ist eine sehr private Angelegenheit.

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