Forum: Stil
Prêt-à-porter in Paris: Kühle Blicke auf Moos
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Die Pariser Modenschauen sind weitgehend spaßbefreit. Doch diesmal gab es einen Lichtblick. Modisch ist jetzt Leder gefragt. Sehen Sie selbst und stimmen Sie ab!

Papazaca 07.03.2018, 09:18
1. Ich lass mich mal auf das Spiel ein (zu viel Zeit....?) ....

Erstmal: Alles dabei. Viel Gutes, wenig sehr Gutes, und und. Sicher viel besser als die Oskars. Für mich sind klar die Besten Yamamoto, sehr skulptural, Miyake, kinetisch, erinnert an Vasarely und Givenchy, zeitlos elegant. Was auffällt: Viele schwarze Modells, groß und dünn. Bei APC und Beautiful People: kein Lachen, keine Selbstironie nur die Stereotype forcierter Ernsthaftigkeit. OK, es geht um viel Geld, da ist Humor nicht angebracht. Thom Brown fand ich kreativ, mit Chanel würde ich meine verhasste Erbtante anziehen und dann gab es auch einige folkloristische Fehltritte wie Jour/ne.
Haider Ackermann würde ich den Preis für mutigsten Auftritt geben, ich hätte diesen Mut nicht, H&M Studio - auch japanisch inspiriert - gefiel mir auch.

Wenn man das alles gesehen hat, zieht man sich gerne ganz simple an: 501 Jeans und weißes T Shirt. Alles ist schön zu sehen, gut, um bei langweiligen Empfängen aufzufallen. Das Problem ist: Wer zum Beispiel Miyake trägt, wird zur Prothese der Kleidung, denn die ist so außergewöhnlich. Und außerdem eignet sie sich nicht zum Staubsaugen und Fahrstuhl fahren.

Eine tolle Auswahl, gut das Männer das Problem nicht haben, wir geben uns in der Regel mit langweiligem Kram zufrieden und vertrauen auf die inneren Werte .... Das ist natürlich sehr ernst gemeint ...

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birdie 07.03.2018, 11:52
2. Die absolut nichtssagenden Gesichter der Models entsprechen ...

der absolut nichtssagenden Mode, die sie als seelenlose Kleiderständer über die Laufstege stapfen. Das erinnert an Kästners Gedicht über die sogenannte Klassefrauen: ".... sie hauen sich die Nägel blau, wenn sie hören, dass das Mode ist ....". Persönlichkeit und Ausstrahlung scheinen in diesem Metier geschäftsschädigend zu sein. Was für eine ärmliche Welt.

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dasfred 07.03.2018, 12:36
3. So richtig vom Hocker gerissen hat mich nichts

Der Trend zum Überwurf-Sack hat zumindest den Vorteil, dass die Kalorienzählerei für eine Saison ausgesetzt werden kann. Was Chanel angeht, so muss ich dem ersten Foristen beipflichten. Die Bluse erinnerte mich sofort an die Lieblingsbluse einer alten Tante aus den siebzigern und das güldene Röckchen ist die XXL Interpretation des Discofummels ihrer Tochter aus der selben Zeit. Lediglich der wadenlange graue Pullover von Poiret strahlt eine gewisse Wärme und Behaglichkeit aus.

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Papazaca 07.03.2018, 13:22
4. Frage: Gehören wir zur Zielgruppe?

Zitat von birdie
der absolut nichtssagenden Mode, die sie als seelenlose Kleiderständer über die Laufstege stapfen. Das erinnert an Kästners Gedicht über die sogenannte Klassefrauen: ".... sie hauen sich die Nägel blau, wenn sie hören, dass das Mode ist ....". Persönlichkeit und Ausstrahlung scheinen in diesem Metier geschäftsschädigend zu sein. Was für eine ärmliche Welt.
Ich weiß jetzt nicht, ob Sie zur Zielgruppe gehören. Falls nicht: Was wir Männer davon halten, ist sowieso irrelevant. Und ob sich die Zielgruppe für Kästner interessiert? Das es absolut nichtssagende Mode ist sehe ich anders. Ist Geschmacksache oder? Und das Sie der Branche keine Persönlichkeit unterstellen, ist etwas vorschnell. Man muß zum Beispiel Karl Lagerfeld nicht gut finden, Persönlichkeit kann man Ihm kaum absprechen. Und ärmlich ist diese Welt schon mal gar nicht: Pinault gehört zu einem der reichsten Männern Frankreichs. Das es Ihnen nicht gefällt ist etwas anderes. Ich bin inzwischen auch bei Jeans/T-Shirt. Aber ich laß Welten, die mir nicht gefallen, trotzdem leben. Man nennt es Koexistenz.

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birdie 07.03.2018, 21:54
5. zu 4. Papazaka

Lieber Forist, ich stimme gerne Ihrem Gedanken an Koexistenz zu. Nur möchte ich um Verständnis dafür bitten, dass Koexistenz dem Gedanken nach nur unter der Prämisse der Gleichwertigkeit bestehen kann. Und wenn es um den Bereich der Kunst geht, haben wir als Problemfelder Ästhetik, Farblehre, Komposition, künstlerische Gestaltung, handwerkliche Techniken und viels andere mehr vor Augen, die in vielen Jahrhunderten erarbeitet und zu definierten Regelwerken entwickelt wurden. Denn Kunst ist niemals ein Zufallsprodukt, weil Kunst und Können sich gegenseitig bedingen. Wodurch wir heute entscheiden können, was Kunst oder Zufallsprodukt ist. Und wenn Sie mehr dazu wissen möchten, dann lege ich Ihnen den Besuch einer Kunthochschule oder Kunstakademie nahe. Und um einen versöhnlichen Gedanken beizusteuern: es ist Ihr unabdingbares persönliches Recht, die neuen Modekreationen schön zu finden und sich daran zu erfreuen. Auf der anderen Seite wäre ich zufrieden damit, wenn sie meine persönliche Betrachtungsweise tolerieren könnten. Denn dann würden wi miteinander in Frieden koexistieren. Und das wäre wünschenswert.

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Papazaca 08.03.2018, 08:27
6. @ birdie Die Frage, ob Sie zur Zielgruppe gehören, .....

haben Sie trotzdem nicht beantwortet. Ihre Abhandlung über den Kunstbegriff, obschon sehr tradiert, war nie das Thema.

Es ging eher um die sprachliche Auseinandersetzung ihres Kommentars. Ich bin auch nicht immer unbedingt sensibel. Ich würde mir aber schon überlegen, ob ich eine ganze Branche pauschal als nichtssagend, ohne Persönlichkeit und ärmlich bezeichnen würde. Und dann auch noch den armen Erich Kästner quasi als Zeugen bemühe.

Aber Sie können es doch viel besser, wie Sie in Ihrer Replik demonstrieren. Ich kann Ihnen übrigens die Basquiat-Ausstellung in Frankfurt empfehlen, als quasi Exkurs zu Ihrem tradierten Kunstbegriff. Grüße...

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birdie 09.03.2018, 13:17
7. @ 6. Papazaca

Ihre Frage, welcher Zielgruppe ich angehöre, kann ich leider nicht beantworten, weil ich nicht weiss, was Sie mit "Zielgruppe" genau meinen. Und dass Sie meine "tradiierten" Wertvorstellung von dem, was Kunst und Zufallsproduktionen unterscheidet, verwerfen, macht mich nachdenklich. Denn ich liebe und bewundere die Werke des genialen Picasso, der den Regeln der Tradition folgte und sie um logisch konsequente Schritte ergänzt und erweitert hat. Vor diesem Hintergund darf ich um Ihr Verständnis dafür bitten, dass mich das finanzgeile Show-biz der Modeindustrie incl. der seelenlosen Kleiderständer ärmlich anmutet, weil hier der Begriff und Inhalt von dem, was Kunst ist, regelmässig pervertiert wird. Ceterum censeo: Mode ist ein Geschäft und keine Kunst sui generis.

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Papazaca 09.03.2018, 15:21
8. Warum ist alles so kompliziert? Selbst ohne Latein ..

Zitat von birdie
Ihre Frage, welcher Zielgruppe ich angehöre, kann ich leider nicht beantworten, weil ich nicht weiss, was Sie mit "Zielgruppe" genau meinen. Und dass Sie meine "tradiierten" Wertvorstellung von dem, was Kunst und Zufallsproduktionen unterscheidet, verwerfen, macht mich nachdenklich. Denn ich liebe und bewundere die Werke des genialen Picasso, der den.....
Die Frage nach der Zielgruppe ist doch ganz einfach: Sind Sie eine Frau? Haben Sie genug Geld, um sich diese Mode leisten zu können? Ist es Ihnen auch wert, soviel Geld dafür auszugeben?
Picasso hatte in der Tat eine traditionelle Ausbildung. Die alleine erklärt aber nicht seine unterschiedlichen Perioden.

Showbiz gibt es nicht nur in der Mode, wenn Sie an Damien Hirst und Jeff Koons denken. Und nochmal zur "Rabulistik": Ich habe im Leben einige Menschen kennengelernt, die sich oft überspitzt bis martialisch ausdrückten. Wenn es ernst wurde, verschwanden die ganz schnell. Aus diesem Grunde habe ich es auch nicht so mit"seelenlos", Kleiderständer", "ärmlich"und "pervertiert". Außerdem geht es ja letztlich um Menschen, die man so direkt oder mittelbar tituliert. Und wer bin ich , wer sind Sie, das wir andere so herabwürdigen? Humorvoll und witzige Auseinandersetzungen finde ich da sympathischer.

Außerdem hatte ich bisher ein gutes Leben, kein Grund, der Welt "einen gegen den Latz zu knallen". Aber wie so oft ist das eine Geschmacks- und Stilfrage. Ihr Latein habe ich verstanden, aber leider nie gelernt (Abendabitur). Grüße

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