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Rezept für Lupinengeschnetzeltes mit Roter Quinoa: Für Aufschneider
Peter Wagner/ Foodbild

Fleischersatzprodukte haben meist den Nachteil, dass die Sojabohnen ökologisch eine Menge Dreck am Stecken haben. Ein auf Dauer weitaus nachhaltigerer Rohstoff wächst vor unseren Augen: Lupinensamen.

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dasfred 15.12.2018, 10:57
1. Was, nur zwanzig verschiedene Zutaten?

Wieviel Lupinen mussten für dieses Gericht sterben? Ich zähle mich ja schon zu den fast alles Fressern, aber bei dem, was seit meiner Kindheit an Fleisch, Obst und Gemüse überall erhältlich ist, habe ich nach einigen Versuchen entschieden, die Finger von diesen Laborexperimenten zu lassen. Auch Quinoa hat meine Sinne nicht im Übermaß beglückt. Wer allerdings schon als Kind gerne gebastelt hat, ist mit dieser Zutaten Liste sicher gut bedient. Und als selbstgemachte Mahlzeit gibt es zumindest ein paar interessante Fotos für Instagram.

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ancoats 15.12.2018, 12:09
2.

"Diese schlechte Eigenschaft [bitterer Geschmack] trieben die prämierten Forscher der durch Gen-Auslese schon ein gutes Stück erträglicher gewordenen, landwirtschaftlich gut nutzbaren "Blauen Süßlupine" mit einem neuen Verfahren komplett aus. "
Ha! Ist da etwa böse Technik im Spiel, die massiv in "die Natur" eingreift? Das geht doch eigentlich gar nicht...
Scherz beiseite. Why not mal ein Lupinensteak? Klingt auf jeden Fall interessanter als diese ganzen elenden Sojaprodukte. Und allergische bzw. Unverträglichkeits-Reaktionen können sehr viele Gemüse und Obste auslösen, im übrigen auch gerne Soja. Da ist man allein bei Fleisch (vor allem Schwein) einigermaßen auf der sicherern Seite.

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Zitrone! 15.12.2018, 13:51
3.

Lupinenmehl findet sich häufiger in Fertiggebäck, und ich habe den starken Verdacht, dass ich nach dem Verzehr mit heftigen allergischen Hautreaktionen rechnen muss. Obwohl ich mit Nüssen keinerlei Probleme habe.

Als allergisch veranlagter Mensch habe ich Experimente am eigenen Körper inzwischen reichlich satt und bleibe bei dem, was ich kenne und vertrage: Soja allenfalls in homöopatischen Dosen (Sojasoße), lieber einheimisches (europäisches) Obst und Gemüse mit mäßig Fleisch - das tuts. Ergo: Das Rezept ist nichts für mich.

Gut, Herr Wagner erwähnt das Allergiepotential, aber ich treffe immer wieder Leute, die glauben, von "natürlichen" Produkten könne man keine Allergien bekommen ...

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FrieFie 16.12.2018, 13:19
4.

Man soll ja auch mal loben, also das Lob vorweg: Endlich brät Wagner die Champignons mal richtig an. Allerdings ist die Beschreibung "dünsten, bis sie quietschen" nicht ganz richtig: Wenn die Pfanne heiß genug ist, tritt erst gar kein Wasser aus und die Pilze "dünsten" nicht, sondern braten. Das klappt aber nur, wenn man sie höchstens viertelt und nicht, wenn man Scheiben schneidet. Außerdem sollte man erst hinterher salzen.
Außerdem gibt es mal frische Kräuter, die sonst oft fehlen.
Aber dann... Warum soll man überhaupt den Fleischersatz verwenden? Ist die Textur so toll? Denn Röstaromen hätte man auch reichlich, wenn man die Möhren, Petersilienwurzel und Zwiebeln anbraten würde (und könnte sich dann die bei Wagner allgegenwärtige Gemüsebrühe sparen), Basilikum-Geschmack hätte man durch ein paar Blätter Basilikum, dann noch fehlende Umami-Aromen liefert auch Aubergine (in Scheiben auf dem Backbleck grillen und zuletzt in die Sauce geben) und gegen Proteinmangel helfen auch andere Nahrungsmittel. Ein nachvollziehbares Argument findet sich nicht, das relativ teure, denaturierte Produkt einzusetzen.
Und dann auch noch Quinoa... als würden wir in den westlichen Ländern unter Proteinmangel leiden, wird "Superfood" konsumiert und der Markt für die einheimischen Bauern und Konsumenten in den Anbauländern zerstört. Profitieren können inzwischen nur noch Farmen, die Quinoa im großen Stil anbauen - mit den üblichen Folgen von Monokulturen für die Umwelt und Kleinbauern. Und das, damit Konsumenten in Ländern, in denen überhaupt kein Mangel an Proteinquellen herrscht, "Superfood" essen können.
Alternative: Linsen, Erbsen, Kichererbsen, Buchweizen, ... vieles wächst auch in Europa und muss nicht um die halbe Erde transportiert werden.
https://www.bzbasel.ch/leben/leben/die-schattenseite-des-quinoa-booms-wie-der-superfood-das-oekosystem-zerstoert-131250260
(Zwar wird Quinoa inzwischen auch in Deutschland angebaut, es findet sich im Netz aber keine Bezugsquelle.)
Merke: Um sich (umwelt-)bewusst und gesund zu ernähren genügt es nicht, wenn man einfach kauft, was im Biolanden angeboten wird und in Nährwerttabellen ganz oben steht.
Nun könnte das Gericht trotzdem kulinarisch eine Entdeckung sein, aber für mich ist das eher ein Studentenküchen-Experiment.

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Bobby Shaftoe 16.12.2018, 19:28
5. bitte mal Fakten checken

Für Soja für Fleischersatzprodukte müssen keine Regenwälder sterben, sie stammen in der Regel aus heimischem Anbau - im Gegensatz für Soja für Tierfutter. Wer solchen Unsinn schreibt, hat entweder keine Ahnung oder versucht gezielt, den Fleischalternativen ein schlechtes Image anzudichten.
https://www.zeit.de/wirtschaft/2013-11/soja-bilanz

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markus.pfeiffer@gmx.com 17.12.2018, 00:05
6. Das ist falsch

Zitat von Bobby Shaftoe
Für Soja für Fleischersatzprodukte müssen keine Regenwälder sterben, sie stammen in der Regel aus heimischem Anbau - im Gegensatz für Soja für Tierfutter. Wer solchen Unsinn schreibt, hat entweder keine Ahnung oder versucht gezielt, den Fleischalternativen ein schlechtes Image anzudichten. https://www.zeit.de/wirtschaft/2013-11/soja-bilanz
Für die Sojaproduktion sterben definitiv Regenwälder - ob Tiere oder sie dieses Soja essen.

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markus.pfeiffer@gmx.com 17.12.2018, 00:11
7. Hände über dem Kopf zusammenschlag***

Kaiserschoten (im Winter! - woher kommen die), fettreduzierte Kokosmilch und rote Quinoa. Diese Zutaten sind definitiv weniger nachhaltig und korrekt als ein gutes heimische Rindergeschnetzeltes (z.B. vom Boeuf de Hohenlohe) mit gekochtem Dinkel oder Weizen und ohne weit gereistes Kokos als Aufpepper.

Da muss das gute gewissen beim vegan-Essen jedenfalls schlechter sein als bei der fleischlichen Alternative! ;)

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Dr.Krümelmonster 17.12.2018, 18:37
8. Pipi Lotta

Zitat von markus.pfeiffer@gmx.com
Kaiserschoten (im Winter! - woher kommen die), fettreduzierte Kokosmilch und rote Quinoa. Diese Zutaten sind definitiv weniger nachhaltig und korrekt als ein gutes heimische Rindergeschnetzeltes (z.B. vom Boeuf de Hohenlohe) mit gekochtem Dinkel oder Weizen und ohne weit gereistes Kokos als Aufpepper. Da muss das gute gewissen beim vegan-Essen jedenfalls schlechter sein als bei der fleischlichen Alternative! ;)
Klar, wenn man den enormen Rohstoffverbrauch und die ökologischen Konsequenzen der Fleischwirtschaft ignoriert, passt das. ;-)

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FrieFie 20.12.2018, 11:35
9.

Zitat von Dr.Krümelmonster
Klar, wenn man den enormen Rohstoffverbrauch und die ökologischen Konsequenzen der Fleischwirtschaft ignoriert, passt das. ;-)
Die Lösung kann aber nicht sein, dass wir Quinoa statt Fleisch essen. Über die Probleme des großflächigen Anbaus in Monokultur hatte ich schon geschrieben, das sind die gleichen wie bei allen anderen Feldfrüchten - auch Soja.
Quinoa wird auf die Antwort auf den Hunger der Weltbevölkerung bezeichnet, aber bei uns muss niemand Proteinmangel leiden (und kulinarisch ist es nicht sooo eine Offenbarung). Bei den derzeitigen Weltmarktpreisen (durch die Nachfrage als "Superfood") kann man die Hungernden damit gar nicht erreichen, sogar für die Bevölkerung der Anbauländer ist Quinoa zu teuer geworden.
Die Alternative heißt natürlich nicht, ständig Fleisch zu essen. Die meisten Menschen in Deutschland würden auch mit sehr viel weniger Fleischkonsum gesund leben - sogar gesünder. Weniger Massenproduktion käme dem Tierschutz und der Qualität zugute. Das halte ich für sinnvoller, als auf Produkte zu setzten, die durch unseren Konsum für andere nicht mehr verfügbar sind.

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