Forum: Stil
Verplemperte Zeit: Ordnung ist nicht das halbe Leben
Getty Images

Ordnung führt zu schlechter Laune, weil sie ständig gefährdet ist, weil sie viel Arbeit macht, aber keinen Spaß. Genau deshalb sollten wir nicht das halbe Leben damit verbringen.

Seite 1 von 6
kumi-ori 30.09.2017, 11:45
1.

Unordnung kann aber auch ganz schön anstrengend sein. Seit einer Woche suche ich verzweifelt nach meinem Reisepass. Die alte Matraze liegt vor meinem Kleiderschrank, davor drei Pappkartons. Weil ich an meinen Kleiderschrank jetzt nicht mehr rankomme, ist mein Kleiderschrank jetzt der Schreibtischstuhl. Hosen liegen auf der Sitzfläche, Unterwäsche darunter, ich selbst sitze ganz vorne auf der Kante. Wenn ich mich bewege erhebt sich eine Staubwolke wie ein Krähenschwarm. Diese Situation ist nur teilweise selbstverschuldet, zum anderen Teil einer besonders unerfreulichen Lebenssituation geschuldet, aber ich fände es nicht schlecht, mal wieder auf den Boden zu sehen, und zu wissen, wo ich drauftrete.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
max-mustermann 30.09.2017, 12:01
2.

Jeden Tag "Stunden" damit zu verbringen seinen Kram im Chaos zu suchen ist natürlich viel zeitsparender und macht auch viel mehr Spaß als ein bisschen Ordnung zu halten. Ja ne is klar.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Newspeak 30.09.2017, 12:23
3. ...

Wie wäre es mit...jeder wie er meint und wie es praktisch ist? Mein Schreibtisch z.B. wuchert regelmäßig mit Papier zu. Das ist am Anfang gut, weil man alles schnell zur Hand hat. Nach einer Weile fängt man an zu suchen. Irgendwann ist es dann so schlimm, dass ein halber Arbeitstag mit Aufräumen draufgeht. Es befreit aber wirklich, sich dann von einem Teil zu trennen und den anderen Teil sortiert wegzulegen. Danach macht es wieder Spaß. Ich finde beides, Ordnung und Unordnung, hat seine Berechtigung. Oder die Wohnung. Nichts ist so deprimierend wie in eine unaufgeräumte Wohnung zurückzukommen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
G. Seiters 30.09.2017, 12:59
4. Das Leben selbst

ist auch ein "vorübergehender Zustand", der unweigerlich vom Tod abgelöst wird. Trotzdem würde es niemand deshalb gering schätzen. Mit der "Ordnung" ist es wie mit allen Dingen, die Stress auslösen: Wenn man es aus innerem Antrieb macht, ist es kein Stress. Wenn man eine Schönheit in der Ordnung entdeckt und diese wertschätzt, dann ist sie eine Motivation und natürlich Erfüllung. Wenn man allerdings erst einen Ratgeber braucht, ist es wohl verschwendete Zeit.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Grenor 30.09.2017, 13:22
5. Das Maß halten

Wie bei den meisten Dingen ist es wichtig das Maß zu halten. Ja, es gibt sows wie Ordungsbesessenheit und die ist sicherlich zu viel des Guten. Allerdings ist ein gewisses Maß an Ordnung für viele schon sehr wichtig. Es spart Zeit, es macht auch sauber machen einfacher. Es ist einfach etwas das auch bei vielen etwas Selbstrespekt ausdrückt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kanadasirup 30.09.2017, 14:18
6. Stimmt total

Gebe Ihnen völlig Recht.
Ordnung ist mitnichten das halbe Leben.
Ordnung ist das ganze Leben!

Welcher Berufstätige kommt ohne Ordnung aus? Völlig absurd!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
dweik01 30.09.2017, 15:28
7. Unfug!

So ein Problem können nur Menschen haben, die derartig langsam und ineffizient sind, dass ihnen Ordnung Mühe bereitet! „Aufgeräumte“ schaffen das nebenher, indem sie grundsätzlich alles an den Ort zurückbringen, von dem sie es nahmen, statt es einfach nur fallen zu lassen und indem sie bei den unzähligen täglichen querungen der eigenen vier Wände immer etwas mitnehmen was irgendwo vergessen wurde. Ganz simpel. Wem Ordnung ein Problem macht der ist entweder faul oder grandios undiszipliniert. Beides ist sozial nur begrenzt förderlich und bringt einem im Leben auch nur begrenzt weiter.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
steffen.ganzmann 30.09.2017, 15:53
8. Ich erinnere mich da auch an zwei Vorfälle:

Zitat von Newspeak
Wie wäre es mit...jeder wie er meint und wie es praktisch ist? Mein Schreibtisch z.B. wuchert regelmäßig mit Papier zu. Das ist am Anfang gut, weil man alles schnell zur Hand hat [...]
Der erste war mit meinem letzten Chefarzt, der mich nie zu sich ins Bureau rief, sondern mich netterweise immer in meinem Arztzimmer besuchte - sehr selten bei deutschen Chefärzten - und beim ersten Mal meinte, er habe ja schon immer mal ein geniales Chaos sehen wollen. Aber solange es mich nicht bei der Arbeit beeinträchtige würde, sei ihm das völlig recht. Allerdings, beim Verlassen meines Zimmers murmelte er sich in seinen nicht vorhandenen Bart: "Und dem will ich wirklich mal meine Klinik übergeben?"

Schlimmer war die Affaire mit der Reinemachefrau. Noch in der Schweiz, Samstagsdienst, kaum "Kundschaft". Also sortierte ich endlich mal meine Patientenakten in noch zu diktieren, korrekturzulesen und nur noch zu unterschreiben - alle schön gestapelt auf meiner Untersuchungsliege.

Als ich am Montag Morgen mein Zimmer betrat, traf mich beinahe der Schlag, alle Akten lagen zwar noch auf der Liege, aber wieder völlig durcheinander! Die Reinemachefrau hatte die Liege geputzt und die Aktenstapel hatten ihr im Weg gelegen ...

Gut, etwas abgeregt erklärte ich ihr so ruhig wie irgend möglich, dass sie in meinem Zimmer kein einziges Blatt Papier mehr berühren dürfe, solange es nicht im Mülleimer wäre, und selbst wenn es zusammengeknüllt mitten auf dem Fussboden liegen sollte. Aber das war auch der allerletzte Versuch, Ordnung halten zu wollen!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
steffen.ganzmann 30.09.2017, 15:57
9. Soll ich ehrlich sein?

Zitat von kanadasirup
Gebe Ihnen völlig Recht. Ordnung ist mitnichten das halbe Leben. Ordnung ist das ganze Leben! Welcher Berufstätige kommt ohne Ordnung aus? Völlig absurd!
Wenn ich einen Menschen operiere, ist es mir so 'was von piepwurstegal, wie mein Schreibtisch aussieht ...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 6