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Wertarbeit: Echt jetzt
Welter

Handgefertigte Produkte sind gefragt wie nie. Woher kommt die Sehnsucht nach Authentischem? Ermöglicht Tradition die Flucht aus dem Digital-Dschungel? Ein Essay über das Erfolgsgeheimnis deutscher Handwerkskunst.

BrunoGlas 12.10.2017, 03:46
1. Neue Sensibilisierung für Materialien - Wiederentdeckung des Analognen

Wie das Thema auf Seiten der Glasmanufakturen aussieht, kann man hier erfahren: www.dominic-schuster.com und www.spiegelart.com/antikspiegel Letztlich geht es darum, gewöhnlichen Alltagsmaterialien durch optische Kniffe der Molekularstruktur ihres Innenlebens zu entlocken und dies wiederum mit konventionellen wie auch mit futuristischen Gestaltungstechniken wie etwa Blattgold mit Holografie als optische Einheit zu verknüpfen. .

Eigentlich ist es die Wiederentdeckung der analogen Welt, die so anders ist wie die heutige. Im Grunde ist es die Wiederentdeckung des sinnlichen Gefühls uralter Kindheitsspiele im nassen Matsch am Gleisdreieck, und das Basteln von Runkelrübenfratzen mit Kerzen drin, und das Sammeln von Blättern, bis hin zum Sammeln von Patronen nach dem zweiten Weltkrieg, oder auch die Bewunderung eines von der Sonne ausgeleuchteten Eislochs mit Steinen drin. Also alles Erlebnisse aus einer Zeit, bevor mit dem PC und später mit dem Handy die große Langweile aufkam. Dafür wird jetzt viel Geld gezahlt, die einen können es sich leisten, gehen zu Tapeten Welter, die anderen rennen in Massen zu Ikea.

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hegri 12.10.2017, 10:23
2. Digital und Handwerk

schließen sich nicht aus, sondern können sich ideal ergänzen. Selbst auf vielen Weihnachtsmärkten findet man bei Kerzenheimeligkeit und Glühweingerüchen Erzeugnisse, welche zuvor am Rechner entworfen und auch mit dessen Hilfe erzeugt wurden. Kein Produkt wird allein durch handwerklicher Fertigung gut. Umgekehrt gilt's natürlich auch. Und das erlebt man häufig.

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BrunoGlas 12.10.2017, 17:59
3. das hat alles mit Weihnachtsmarkterzeugnissen nichts zu tun.

Hallo Hegri,

wenn Sie auf die Homepage von Tapeten Welter gehen, oder sein Name bei Google eingeben, sich die Bilderleiste anschauen, werden Sie sehen, dass dieser Art Handwerk nichts mit Weihnachtsmarkt zu tun hat. Mittlerweile entwickelt Welter sogar Verbundgläser als eine Art Glastapeten, aus vorgespanntem Glas.

Was im Spiegelbericht nur am Rande formuliert ist, der Trend geht zum Analogen wieder hin, aber unter Umständen genauso kombiniert mit Digitalem, aber eben anders. Zum Beispiel kann man bei Glas die Silberschicht regelrecht antikisieren und zugleich digital belichten.

In solche Oberflächen kann man, wenn man so will, nach der Lackiermethode von Antonio Stradivari Licht einlenken, sodass Kristalle und Mineralien räumlich sichtbar, auch vergrößert werden. Oder man kann in solchen Lack- und Farbsystemen wiederum Kohlestaub mit Gold zusammen mischen und vieles mehr.

Letztlich mischt sich ausgeklügeltes Handwerk oder koordiniertes Handling mit oft aus der Natur abgeschauter Alltagsphysik und ein
syn-ästhetisches Bewusstsein zu einem ganzen Kompendium an Techniken, ähnlich wie bei hochwertigen Uhren. Oder andersrum, die einen gehen auf Weihnachtsmärkte und finden alles toll, die anderen lächeln über solchen Schnickschnack, nennen es Kirmesschmuck.

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