Forum: Wirtschaft
Angst vor Rezession: Was die Frühwarnsysteme der Wirtschaft taugen
DPA

Viele Indikatoren deuten darauf hin, dass bald ein Wirtschaftsabschwung kommen könnte. Aber wie aussagekräftig sind die Daten der Experten überhaupt?

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awini 13.01.2019, 00:21
1. Die Kaffeesatz-Leser und Glaskugel-Gucker ...

... geben sich wieder mal hochbezahlt die Ehre. Sind das nicht die gleichen "Wirtschafts Experten" die auch schon die Lehmann Pleite punktgenau vorhergesagt haben?

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spon-facebook-10000012354 13.01.2019, 00:49
2. Warum werden ökonomische Prognosen nicht besser?

Der Artikel liefert eine sorgfältige Zusammenstellung vieler relevanter Indikatoren, die allerdings den Leser eher ratlos zurück lässt. Während Prognosefehler z.B. bei kurzfristigen Wetterprognosen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich reduziert werden konnten, hat sich der durchschnittliche absolute Prognosefehler ökonomischer Prognosen für die jährliche Veränderung des Bruttoinlandsprodukts in den vergangenen 45 Jahren kaum geändert. Holtemöller hat sich die Vorhersagen des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (die fünf Weisen) und die Gemeinschaftsdiagnose der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute angeschaut, die regelmäßig das Wirtschaftswachstum für Deutschland prognostizieren."Der absolute Prognosefehler für die Veränderungsrate des realen Bruttoinlandsprodukts im jeweils folgenden Jahr lag seit 1967 bei Gemeinschaftsdiagnose und Sachverständigenrat im Schnitt über einem Prozentpunkt", sagt Holtemöller im Gespräch. "Das hat sich in den letzten Jahren auch nicht wesentlich verbessert. Die Experten lagen mal zu hoch daneben oder zu tief ", so die traurige Feststellung. Aber immerhin: "Einen systematischen Fehler machen sie nicht." Holtemöller sucht nach Erklärungen für diesen Tatbestand. So sei das Bruttoinlandsprodukt mit erheblicher Messungenauigkeit behaftet, während sich die Temperatur sehr genau messen lasse. Zweitens bestehe in der Wirtschaftswissenschaft eine große Unsicherheit über tatsächliche Wirkungszusammenhänge. "Experimente sind im makroökonomischen Kontext so gut wie unmöglich." Stimmt schon, man kann die Realwirtschaft nicht ins Labor stecken. Drittens unterscheide sich menschliches Verhalten und damit auch wirtschaftliche Aktivität in einem für Prognosen zentralen Punkt vom Wetter: "Das Wetter reagiert nicht auf Wetterprognosen." Wenn aber Prognostiker zum Schluss kämen, dass sich die wirtschaftliche Lage verändere, dann reagiere die Politik mit wirtschaftspolitischen Eingriffen. "Außerdem beeinflussen Konjunkturprognosen die wirtschaftliche Aktivität von Marktteilnehmern", so der Ökonom. Aktuell dürfte angesichts der Situation im UK (Brexit) und des Wirtschaftskrieges zwischen den USA und China zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine Prognose schlicht ein Ding der Unmöglichkeit sein.
https://www.iwh-halle.de/fileadmin/user_upload/publications/wirtschaft_im_wandel/2-14-4.pdf
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaftsprognosen-schlechter-als-der-wetterfrosch-1.1852952-2

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soisses1 13.01.2019, 00:50
3. Und

was sagt uns diese Aufzählung in der Zudammenfassung? Vielleicht soviel: Der sicherste Indikator überhaupt fehlt in der Auflistung des Artikels. Es ist der, wenn deutsche Wirtschaftspolitiker sagen: Robuste Wirtschaftslage, alles deutet darauf hin, dass das Wachstum weitere Jahre nur eine Richtung kennt, nämlich nach oben. So geschehen vor ca. 6 bis 9 Monaten. Einen klareren Indikator für eine konjunkturelle Entwicklung gibt es nicht, heisst: Ab jetzt geht es abwärts.

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Shismar 13.01.2019, 01:10
4. Danke für den Überblick

Man muss den Prognosen nicht folgen, allzu einheitlich sind sie in DE noch nicht, aber die strukturierte Auflistung einflussreicher Indizes fand ich sehr informativ.

Persönlich mache ich mir keine Sorgen. Die deutsche Wirtschaft sollte einige Reserven aufgebaut haben und auch die Politik verfügt über Spielräume. Allerdings wäre es schade um die zuletzt positive Lohnentwicklung und Beschäftigungssituation wenn sich der Aufschwung nicht noch eine Weile fortsetzen würde. Da gibt es noch einiges nachzuholen.

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fredotorpedo 13.01.2019, 01:22
5. Sehr gute Zusammenstellung

Das ist mal eine sehr gute Zusammenstellung. Daraus kann jeder Anleger für sich selbst die Schlüsse ziehen, wie er seine Analgeprioritäten gewichtet.
Oft publizieren Analysten nur die Indikatoren, die ihre eigene Meinung, pessismistisch/optimistisch, gerade unterstützen.

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spon-facebook-10000012354 13.01.2019, 01:42
6. Prof. Oliver Holtemöllers Prognose

Prof. Oliver Holtemöllers eigene Prognose konvergiert mit der Einschätzung in SPON, ist allerdings möglicherweise noch zurückhaltender was die Möglichkeit einer Prognose überhaupt betrifft:
Im zweiten Halbjahr 2018 ist der Aufschwung der deutschen Wirtschaft ins Stocken geraten. Im dritten Quartal sank die Produktion zum ersten Mal seit dreieinhalb Jahren. Der Rückschlag geht vor allem auf Probleme der Automobilbranche zurück: Viele Fahrzeugtypen waren nicht lieferbar, weil sie nicht nach dem neuen Abgas-Prüfverfahren zertifiziert waren. Allerdings hätte die Produktion wohl auch ohne diese Dämpfer langsamer expandiert als zuvor. Das Auslandsgeschäft schwächt sich schon seit Beginn des Jahres ab, denn die internationale Konjunktur hat den hohen Schwung des Jahres 2017 nicht halten können. Binnenwirtschaftlich dürfte sich aber der Aufschwung in Deutschland im Lauf des Jahres kaum verlangsamt haben. Ein Hauptgrund dafür sind die weiter günstigen Finanzierungsbedingungen. Sie werden aufgrund der expansiven Geldpolitik der EZB auch im Jahr 2019 günstig bleiben. Allerdings ist zu erwarten, dass das weniger freundliche außenwirtschaftliche Umfeld nicht nur die Exporte dämpft, sondern bald auch auf Investitionsentscheidungen und Personalpolitik der Unternehmen durchschlagen wird – zunächst wohl im Verarbeitenden Gewerbe, dann auch bei den Dienstleistern. Weiter bremsend wirkt zugleich der Fachkräftemangel am Bau, aber auch in anderen Branchen. Alles in allem ist damit zu rechnen, dass die Produktion im Jahr 2019 nur noch in etwa so stark zulegt wie die Produktionskapazitäten. Alles in allem steigt nach vorliegender Prognose das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland im Jahr 2018 um 1,5% und im Jahr 2019 um 1,4%.
Die Faktoren, welche die gesamtdeutsche Konjunktur dämpfen, gelten auch für Ostdeutschland. Knappheiten bei qualifizierten Arbeitskräften sind hier sogar eher noch gravierender als im Westen. (...)
Die Risiken für die Konjunktur in Deutschland entsprechen im Wesentlichen denen für die Weltwirtschaft. Freilich haben die mit dem Brexit und dem Konflikt um den italienischen Staatshaushalt verbundenen Unsicherheiten für Deutschland als in beiden Fällen engem Handelspartner des jeweils betroffenen Landes eine besondere Bedeutung. Darüber hinaus würde die Einführung hoher US-Zölle auf Automobilimporte wegen der großen Bedeutung der Branche hierzulande die deutsche Konjunktur wohl besonders treffen. Mit dem Automobilsektor sind noch andere Risiken verbunden: Es ist denkbar, dass der dortige Produktionseinbruch nicht nur auf die Zertifizierungsprobleme zurückging. Schließlich dürfte mit dieselgetriebenen Fahrzeugen eine Produktklasse an Attraktivität eingebüßt haben, die für deutsche Anbieter besonders wichtig ist. Allgemeiner gesagt könnte ein von vielen Experten erwarteter Strukturwandel der Automobilindustrie rascher notwendig werden als hier unterstellt und schon kurzfristig die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland belasten.
https://www.iwh-halle.de/nc/presse/pressemitteilungen/detail/konjunktur-aktuell-konjunktur-in-der-welt-und-in-deutschland-verliert-an-dynamik/

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ellenbetti 13.01.2019, 02:12
7. das Problem ist das man keine Experten braucht

um einen stets wiederkehrenden Auf- und Abschwung zu erklären. Beim Aufschwung brauchen wir Millionen und Abermillionnen fremde Hilfe ( SpOn ich hoffe das ist OK so beschrieben ) um das zu bewerkstelligten. Im Abschwung wird bei den Firmen groß aufgeräumt. Die teuren / gut dotierten Arbeitsplätze durch fremde Helfer mit einem Praktikantenvertrag ersetzt. Der Rest wird dann der Gemeinschaft aufgebürdet. Der Abschwung kommt immer völlig überraschend und unvorhersehbar. Beim Aufschwung ist es nie so!

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thequickeningishappening 13.01.2019, 02:58
8. Was für Ein Mischmasch

Da werden Indikatoren aufgeführt und erklärt um dann darauf hinzuweisen dass keiner Dieser Indikatoren eindeutig aussagekräftig sei ?! Meine Indikatoren: 1. Bewertungen 2. Privatverschuldung 3.Der Immobilien Markt dreht (Gier - Vorsicht - Angst - Panik). In Sydney sind Die Preise letztes Jahr um 10% gefallen. Die Cleareance Rate bei Auctions lag im Dezember bei 41% ! Ein dunkelrotes Alarmsignal für Real Estate Agents! 4. Der schwelende Handelskonflikt 5. Der nahe Osten (Oelkrise nicht ausgeschlossen). Das groesste Problem sind Die Derivate aber Das ist Eine andere Baustelle.

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DJ Bob 13.01.2019, 05:53
9. hm ob es stimmt

oder nicht stimmt hinter jeden "Boom" kommt immer ein Abschwung.

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