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Ausbildung in Solartechnik - der richtige Weg der Entwicklungshilfe?

Ein indisches College bildet Frauen, die nicht lesen und schreiben können, zu Solartechnikerinnen aus. Die Geschichte einer Großmutter, die ihrem Dorf das Licht brachte - und einen Haufen Probleme.

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Subco1979 11.09.2016, 08:19
1. Kann nicht funktionieren

Ein System ist ein System, weil es aus mehreren einzelnen Komponenten besteht, die miteinander interagieren, um zusammen zu funktionieren.
Z.B. ein Öko-System. Hier haben zumindest die Regierungen und auch viele Menschen bereits verstanden: Führe ich von aussen eine neue Tier- oder Pflanzenart ein, kann es jeder guten Absicht zum Trotze zu massiven Problemen kommen. Egal ob Nutz- oder Haustier.

Ein kulturelles System ist genauso: Verstellt man eine Schraube, kommt es aus dem Gleichgewicht. Die Probleme wurden auch - im Gegensatz zu vielen anderen Artikeln über Entwicklungshilfe - klar und ehrlich benannt: Soziale Ungleichheit, finanzielle Abhängigkeit und Regierungen, die Geld lieber in die eigene Tasche stecken, als für Landsleute etwas zu bewegen.

Ich denke, der Strom kommt für diese Menschen viel zu früh. Vor allem sowas kompliziertes wie Solar-Strom. Angenommen alle Menschen in allen Dörfern hätten schon diesen Strom - sie alle wären vom Wohlwollen einer einzigen Organisation abhängig. Und der Regierung des Landes, in dem sie ihren Sitz hat. Damit wäre das Land selber von einem anderen Land abhängig. Das ist in höchstem Maße gefährlich für das abhängige Land.

Besser wäre, eine langsame aber breitere Entwicklung zu verfolgen: Schulpflicht, sowie die wirtschaftliche Voraussetzung dafür. Das wären z.B. einfache Maschinen für einfache Menschen. Besseres Werkzeug und Dampfmaschinen beispielsweise. Da es sich hier um ein Henne-Ei-Problem handelt, kann dies nur langsam und iterativ erfolgen. Wie bei uns in Europa.

Dennoch ist das Projekt insgesamt ein etwas besserer Ansatz als viele andere zuvor.

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i.dietz 11.09.2016, 08:26
2.

Wie so alles im Leben gibt es zwei Seiten.

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mira.aleksic 11.09.2016, 08:31
3. großartig!

Es bestätigt meine Gedanken dass die Emanzipation der Frau die Emanzipation der Zivilisation ist!

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dtrhnrch 11.09.2016, 08:47
4. Kleiner Mut?

Und zugleich großer Ehrgeiz. Zusammen verhindern sie offensichtlich die volle Wirkung des sehr lobenswerten Ansatzes bei den Stärken der DorfbewohnerInnen. Konsequent wäre, jeweils ein ganzes Dorf zu elektrifizieren - und damit der gesamten Dorfgemeinschaft die Verantwortung zu übertragen, ohne Spaltung zwischen Laternenbesitzern und Nichtbesitzern. Niemand könnte sich herausreden, wenn es für alle mehr Geld kostet - oder gar zum DIeb werden. Der Neid der Nachbardörfer würde den eigenen Zusammenhalt noch stärken - aber wenn man statt höherer Gebühren die Dorfgemeinschaft verpflichten würde, eine Zuschussrücklage zu bilden für den Zeitpunkt, an dem das Nachbardorf an der Reihe ist, dann könnte deren Neid in Grenzen gahalten werden. Und es gäbe einen guten Grund mehr, sich nachbarschaftlich regelmäßig auszutauschen und nicht mit allem und jedem auf eine weit entfernte, nichtsnutzige Regierung zu warten...

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ThomasRoller 11.09.2016, 09:10
5. Was soll das gebashe???

Ich fasse die genannten "Probleme" mal zusammen:

1. die geräte wuden offenbar nicht gerecht verteilt
2. die laufenden kosten sind vielen zu hoch

...imo beides lösbare kommunikationsprobleme, die nicht das gesamtprojekt in verruf bringen sollten! Wenn man im Voraus besser kommuniziert, sollten diese probleme doch lösbar sein...!!

=> sehr gut barefood college, und bitte weiter so!!!

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xc6lx45 11.09.2016, 09:27
6. Akkus

Ich hoffe, dass die Bleibatterien nicht zu neugeschaffenen Problemen führen: Wenn erfinderische Menschen ihre eigenen Lösungen zu Reparatur und Recycling finden, dann besteht Lebensgefahr (Vergiftung durch Blei, Erblindung durch Schwefelsäure, Knallgasexplosion, ...)

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torsten_schreiber 11.09.2016, 09:30
7. Fortschritt und Tradition im Wandel

Hallo liebe Redakteure,

ein sehr guter Artikel und ein ganz tolles Projekt, dass ich schon lange verfolge. Wir sind mit unseren mobilen Solarcontainern im gleichen Umfeld aktiv und ich kenne die beschriebenen Probleme.

Allerdings klingt der Kontext so, als ob man deshalb diesen Weg oder das Projekt hinterfragen sollte, das sollte man nicht, denn die positiven Effekte überwiegen.

Natürlich können sich in sehr unterentwickelten Regionen nicht "sofort" alle Menschen Strom oder später sauberes Wasser leisten, zunächst können das nur diejenigen die bereits eine Wertschöpfung haben. Doch auch dann entstehen in geringem Umfang Sozialsysteme, Nachbarschaftshilfe. Die Leute leihen sich die techn. Geräte oder teilen sie gar.

Der "Haufen Probleme" ist daher eine typisch westliche und "arrogante" Sicht, denn es lässt außer Acht wie schlecht die Situation davor war.

Wir müssen unsere Entwicklungshilfe nicht nur kritisch hinterfragen, sondern diesen Wirtschaftszweig in neue Kanäle leiten. Statt zu schenken, sollten wir die Mittel an Social Entrepreneurs als zinsfreie Darlehen vergeben, die diese Themen dann vorort lösen.

Vorallem sollten wir anfangen unser internationalen Organisationen und Konzernen auf die Finger zu gucken, dass sie aufhören die Länder auszubeuten, Steuern für ihre "Entnahmen" zu bezahlen und die Menschen nach vernünftigen Sozialstandards entlohnen. Dann würde die Wirtschaft der Länder sich verbessern.

Wir profitieren von der Armut, denn für jede Entnahme von 10 Dollar aus Afrika geben wir nur 1 Dollar als Entwicklungshilfe zurück.

Wenn wir den Menschen und Ländern den reellen Gegenwert bezahlen würden für die Rohstoffe die wir ihnen klauen, gäbe es die Armut nicht in diesen Dimensionen.

Und der letzte Punkt ist der Klimawandel, wir verbrennen 13 Tonnen CO2 pro Kopf. Ein Madagasse vielleicht 0,5 Tonnen. Die Dürre, erosionsfördende Wolkenbrüche, die Temperaturanstiege treffen aber als erstes diejenigen, die sich dagegen weder wehren können, noch die Verursacher sind.

Deshalb sollte man weniger auf die Menschen dort gucken als in den Spiegel.

Organisationen wie Bearfoot sind ein Katalysator einer jahrzehntelangen Fehlentwicklung die von uns ausgeht und nicht von den Menschen deren Vanille wir zu Spottpreisen abkaufen.

beste Grüße
Torsten Schreiber
Gründer social-startups.de
Gründer africagreentec.com

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haresu 11.09.2016, 09:34
8. Die richtige Richtung

Mikrokredite, Fonds oder Gemeinschaftsgeräte könnten ergänzende Instrumente sein. Die sozialen Auswirkungen sind immer problematisch aber ohnehin unausweichlich. Vielleicht kann man mit solchen Projekten ja doch mehr Menschen in den ländlichen Regionen halten und dort zunehmend qualifizierte Arbeitsplätze schaffen. Nur Bildung zu fördern kann hingegen sogar oft kontraproduktiv sein. Das Wichtigste aber ist, dass die lokalen ökologischen Ressourcen unangetastet bleiben. Großprojekte dagegen sind eigentlich immer zerstörerisch.

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karlheinz-hesse 11.09.2016, 09:35
9. Hört sich gut an.

Besser als den Regierungen die Kohle zu geben um Waffen zu kaufen.

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