Forum: Wirtschaft
Biotech-Star Qiagen: Deutsche Gen-Detektive rollen den Weltmarkt auf

Diese deutsche Firma schafft, wovon andere träumen: Weltmarktführer in einer Zukunftstechnik, beste Wachstumsperspektiven inklusive. Die Biotech-Firma Qiagen ist mit Erbgut-Tests groß geworden und will jetzt den Gesundheitsmarkt revolutionieren. Eine Erfolgsgeschichte - mit Folgen für jeden Patienten.

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Telon 29.04.2010, 14:00
1. ... das war die eine Seite

... und ohne mich hier als berufspessimist outen zu wollen; von den Risiken spricht keiner?

Denn mit diesem Test kann man ja auch wahrscheinlich die erblichen Anlagen für die verschiedensten Krankheitsbilder und damit die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung selber bestimmen.
Landen diese Daten bei der Lebens- oder Krankenversicherung werden hohe individuelle Prämien nicht ausbleiben .... bis hin zur Unmöglichkeit einer Versicherung.

Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt neben den enormen Chancen dieser Technologie die negativen Begleiterscheinungen bereits frühzeitig zu erkennen und dem politisch entgegenzuwirken.

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wincel 29.04.2010, 14:24
2. Das Wunderkind ...

... ist leider gar nicht so Wunder, wie hier verkauft werden soll. Groß geworden ist Qiagen mit Säulenkits zur Aufreinigung von DNA. Jeder hat Qiagen gekauft, weil die einfach preislich und qualitativ die Besten waren. Und dann fing es an, Probleme mit der Säulenqualität zu geben. Qiagen Customer Support? Verlangte, daß wir nachträglich Chargennummern raussuchen, von sich aus würden sie keine Tests anfangen. Inzwischen sind die Labore und Institute (darunter auch Max-Planck-Institute, die ich kenne, zum Konkurrenten Macherey-Nagel gewechselt: weil da Qualität UND Preis stimmt. Und zwar konstant ... Die sind nämlich ein gutes Stück preiswerter.
Kommentar vom Qiagen-Vertreter (und wir waren Großkunde): Unsere Qualitätsstandards kosten halt, das müssen sie doch verstehn.

Ahja ...
Validierte qPCR-Primer? Nun ja, wir haben nichts gesehen in der qPCR, mit Primern aus der Literatur sehr wohl. Zumal die Streitigkeiten wegen der Tests jetzt mit Roche auch einiges erwarten lassen. Sorry aber Wunderkind? Ich hab eher den Eindruck, da hat jemand seine Wurzeln vergessen.

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Mr...T 29.04.2010, 14:28
3. Viel mehr Vorteile

[QUOTE=Telon;5426596]... und ohne mich hier als berufspessimist outen zu wollen; von den Risiken spricht keiner?

Natuerlich muss man sicher den Machenschaften welche z.B. Versicherungen treiben/wuerden mit vertraulichen Risiko Einschaetzungen witmen. Dennoch sind die Vorteile der individuel angepasten Medizin derart Immenz verglichen zur momentanen Pauschalbehandlung welche leider auch mangels Moeglichkeiten viel zu oft angewendet wird bei Krankheiten welche alles andere als pauschal sind. Der einzige Weg individuelle Medizin im grossen Stil anzupassen ist das kommerzielle Entwickeln derartiger Tests. Die Nachteile bzw. ethischen bedenken welche diese gesunde und begruessenwerte Entwicklung mit sich bringt sind verschwindent gering wenn man diese mit den Vorteilen Vergleicht. Ich hoffe sehr das dieser Entwicklung nicht irgendwelchen irsinnigen Gesetzesentwuerfe oder Meinungen voellig unqualifizierter Leute im Wege steht, wie es doch leider zu haeufig der Fall ist.

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Arabidopsis 29.04.2010, 14:35
4. Konkurrenten

Naja, ich selbst habe auch mal die Aufreinigungskits von Quiagen benutzt. Aber ebenso wie ein anderer Forumsteilnehmer, bin auch ich auf andere Firmen umgestiegen. Quiagen Säulen sind überhaupt nicht zuverlässig. Von Qualität kann da gar keine Rede mehr sein. Die ruhen sich leider auf ihrem Namen aus.
Einer der wirklichen Giganten der Branche aus Californien (Invitrogen) dagegen hat viel bessere Aufreinigungskits - entwickelt diese ständig weiter und dürfte evtl. auch einer der Grossen Fische im Teich sein, der jemanden wie Quiagen schlucken könnte. Schliesslich hat Invitrogen sich letztes Jahr ABI einverleibt und wer die Branche kennt, weiss, was das für ein Brocken war.
Ich hab der Aussendienstlerin von Quiagen sogar den persönlichen Vergleich zwischen deren und Invitrogens Kit gezeigt. Habe seitdem nix mehr von denen gehört...

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Maschinchen 29.04.2010, 15:56
5. Qiagen

Qiagen hat sich seine führende Marktposition redlich verdient. Colpan & co hatten Mitte der 80er die richtige Idee zur richtigen Zeit: DNA-Isolation auch ohne fundierte wissenschaftliche Expertise. Jeder Laborant war nun in der Lage, routinemäßig Nukleinsäure aufzureinigen (Ausnahmen bestätigen die Regel, s.o.). Die typischen blauen Qiagen-Kartons finden sich heute in nahezu jedem molekularbiologischen Labor. Das appellative "Qiagen-Säulchen" hat seinen festen Platz im alltäglich Laborjargon, ein wirklich hübsches Beispiel einer Deonymisierung.

Ich stimme überein, dass "molecular diagnostics" ein riesiger Wachstumsmarkt ist, gebe aber zu bedenken, dass man sich nicht einzig auf Nukleinsäurediagnostik beschränken sollte. Vielmehr sollte man auch die Proteindiagnostik mit ins Boot holen.

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altruist 29.04.2010, 16:07
6. die lieben mitwettbewerber

ich möchte gerne wissen,wieviele konkurrenten hier im forum die firma niedermachen.miese mitwettbewerber.

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Arabidopsis 29.04.2010, 16:51
7. Anwender

Zitat von altruist
ich möchte gerne wissen,wieviele konkurrenten hier im forum die firma niedermachen.miese mitwettbewerber.
Nana, es gibt auch Anwender so wie mich, die akademische Forschung betreiben und keiner Firma angehören. Ich bin z.B. kein grosser Freund von Invitrogen (auch wenn deren Kit besser ist). Die Politik kleine Firmen wegen eines guten Produktes einfach aufzukaufen und dann die Produktpalette dieser Firma total zu minimieren, zerstört meiner Meinung nach individuelle Produktvielfalt (Das war jetzt gegen Invitrogen gerichtet).
Wenn der Artikel über Tempotaschentücher gewesen wäre und im Forum jemand Aldi-Taschentücher als besser anpreisen würde, würden Sie ihn dann als "Mitwettbewerber" abstempeln? Oder kann es sich nicht um einen verschnupften handeln, der aus Erfahrung spricht?

Im Übrigen muss ich "Maschinchen" recht geben - Quiagen waren die Ersten, die mit den Kits auf den Markt gekommen sind. Aber wie ich bereits gesagt habe, die ruhen sich seitdem auf ihrem Namen aus und optimieren nicht.

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banjodido 29.04.2010, 16:53
8. Re

Zitat von altruist
ich möchte gerne wissen,wieviele konkurrenten hier im forum die firma niedermachen.miese mitwettbewerber.
Ich bin Doktorand zur Zeit und mit den Qiagen Kits zur Plasmid-DNA und RNA Isolierung gross geworden. Dennoch muss ich sagen das es besseres und billigeres auf dem Markt gibt. Nach einem Forschungsaufenhalt in den USA habe ich dort mit Kits von Zymo Research gearbeitet welche mich vollends ueberzeugt haben, sie sind schneller und haben eine bessere Ausbeute und zudem sind die ein Drittel billiger. Leider hat Qiagen sich wirklich auf ihrer Entwicklung ausgeruht und viele Labors kaufen die blauen oder auch roten Kisten nur weil sie die schon immer gekauft haben. Probieren manche erstmal was anderes merken viele schnell das Qiagen-Produkte nicht ueberall das non-plus-ultra sind.

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pulegon 29.04.2010, 21:15
9. Naja

Die Prämisse... 'Man kennt seine Gene, also weiß man alles' ist doch mittlerweile seit fast 10 Jahren überholt, weil das vorhanden sein von Genen noch nichts über ihre Expressionsaktivität aussagt?
Sprich zwischen Genotyp und Phenotyp liegt immernoch der nicht bekannte Methylierungsgrad?

Aber klar... wenn Krankheitshäufigkeit mit Genhäufigkeit korrelieren kann man wahrscheinlich Wahrscheinlichkeiten bestimmen.

Große Chancen sehe ich eher in der Analyse von Genmutationen die die Pharmakokinetik beeinflussen.
Dann könnte man die Medikamente wirklich patientengerecht nach der individuellen Stoffwechselausstattung dosieren.
Schließlich gibt es etliche Medikamente wo genetisch bedingt
Wirkstärke und -dauer aufgrund weniger häufiger genetischer Ausstattung vom Durchschnitt abweichen, so dass es zu Problemen kommt.

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