Forum: Wirtschaft
Die Bahn - Ständig neben der Spur?

Die Bahn kommt nicht aus den Negativschlagzeilen. Mal schrecken die Preise potenzielle Kunden ab, mal ärgert die Unpünktlichkeit, dann wieder wecken Pannen beim neuen ICE Ärger und Besorgnis. Wann kommt das Unternehmen wieder auf Kurs? Wird die Bahn je fit für die Börse? Sind Pech oder Missmanagement Schuld an den Problemen? Oder ist die Bahn ist vielleicht besser als ihr Ruf?

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Bernotat 15.05.2006, 15:13
960.

Zitat von syntagma
Ich lese in diesem Forum von "katastrophalen Verspätungen im Fernverkehr". Einen solchen Unsinn kann man nicht unkommentiert lassen. Die Pünktlichkeit der Bahn liegt im Fernverkehr bei 87 %!
Das ist katastrophal! Ich möchte gerne mal wissen, welche Güter des täglichen Bedarfs Sie konsumieren, bei denen Sie jedes fünfte wegschmeißen. Stellen Sie sich das vor: Jedes fünfte Brot wird weggeworfen, jede fünfte Wasserflasche weggeschüttet, weil die Qualität nicht stimmt.

Zitat von
Komfortübersättigt, flugängstlich (sonst würde er ja den in der Regel billigeren Flieger von Düsseldorf nach Berlin nehmen), und a priori besseres gewohnt, raunt er, -wenn der Zug 5 Minuten später als erwartet im Bahnhof Zoo einläuft-, etwas von verklagen und von einem Zeitplan, welcher nun über den Haufen geworfen sei. Nicht zuletzt möchte er jetzt noch einen Teil des Reisepreises erstattet bekommen.
Typisches monopolistisches Bahnverhalten: Der Beförderungsfall wird beschimpft. Die Reisekostenerstattung wird bald gesetzlich geregelt, trösten Sie sich. Und verklagen...das macht vor allem ein gewisser Herr Mehdorn gerne mit seinen Kritikern. Vielleicht, weil Sie den Punkt getroffen haben?

Zitat von
Die 13 % Verspätungen der Bahn im Fernverkehr resultieren aus technischen Mängeln (was bei einem derart komplexen System vorkommen können muss), sind wetter- oder personenbedingt (Menschen auf den Gleisen, zum Teil in suizidaler Absicht).
Selbstmorde sind nur ein geringer Anteil. Verspätungen kommen ständig wegen organisatorischer Mängel vor, nicht weil die Technik dauernd ausfällt (auch das kann man aber in den Griff bekommen). Ich fahre täglich Bahn und kenne die ganzen Ausreden zur Genüge.

Zitat von
Ich rechne allerdings nicht mit Einsicht, des Bahn-Klientels, selbst wenn sich so mancher beim lesen dieser Zeilen wiedererkannt haben sollte.
Nochmal, damit auch Sie das verstehen: Ich bin Kunde. Ich habe bezahlt, und zwar die Kleinigkeit von 3.300 Euro. Ich nehme mir deshalb das Recht, die Bahn an das mir gegebene Leistungsversprechen (Fahrpläne) zu erinnern. Und wenn ich 10mal in der Woche Bahn fahre, dann sind zwei Verspätungen im Schnitt eine katastrophale Qualität. Denn das bedeutet, dass ich an zwei von fünf Tagen im Schnitt irgendwohin zu spät komme. Und mich nervt es, dass ich für diese offensichtlich freche Erwartung, pünktlich befördert zu werden, auch noch kritisiert werde. Wie kann man als Bahnkunde auch Leistung erwarten - so eine Unverschämtheit! Man hat dankbar zu sein, dass die Bahn in ihrer grenzenlosen Güte nach Zahlung von 3.300 Euro einen ein Jahr lang mitnimmt, ansonsten hat man wohl die Klappe zu halten?!

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gekaf 15.05.2006, 22:14
961. Komplexes system - Rad-Schiene

Zitat von Bernotat
Das katastrophal! Ich möchte gerne mal wissen, welche Güter des täglichen Bedarfs Sie konsumieren, bei denen Sie jedes fünfte wegschmeißen. Stellen Sie sich das vor: Jedes fünfte Brot wird weggeworfen, jede fünfte Wasserflasche weggeschüttet, weil die Qualität nicht stimmt.
Ohne die Bahn AG in Schutz nehmen zu wollen, werden die Züge aus den Zugverbindungen, welche eine Verspätung aufweisen, nicht aus den Schienen gehoben und verschrottet (weggeworfen). Die Duden interpretiert "Verspätung" als "nichteinhaltung einer zeitlichen Vereinbarung" und nicht als wegwerfen.

Zitat von Bernotat
Typisches monopolistisches Bahnverhalten: Der Beförderungsfall wird beschimpft. Die Reisekostenerstattung wird bald gesetzlich geregelt, trösten Sie sich. Und verklagen...das macht vor allem ein gewisser Herr Mehdorn gerne mit seinen Kritikern. Vielleicht, weil Sie den Punkt getroffen haben?
Eine Reisekostenerstattung im Rad-Schiene Verkehr, wie Sie sich das Vorstellen,
wird es vermutlich nicht geben.

Zitat von Bernotat
Selbstmorde sind nur ein geringer Anteil. Verspätungen kommen ständig wegen organisatorischer Mängel vor, nicht weil die Technik dauernd ausfällt (auch das kann man aber in den Griff bekommen). Ich fahre täglich Bahn und kenne die ganzen Ausreden zur Genüge.
Dies kann nur jemand sagen, der von dem System Rad-Schiene und dessen komplexität keine Ahnung hat.

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klausab 16.05.2006, 09:52
962. Undifferenziert

Zitat von Bernotat
Das katastrophal! Ich möchte gerne mal wissen, welche Güter des täglichen Bedarfs Sie konsumieren, bei denen Sie jedes fünfte wegschmeißen. Stellen Sie sich das vor: Jedes fünfte Brot wird weggeworfen, jede fünfte Wasserflasche weggeschüttet, weil die Qualität nicht stimmt.
Natürlich sind 80% pünktlicher Züge nicht in Ordnung. Betrachtet man sich die Entwicklung über die Monate, kann es einen schon wundern, daß in manchen Monaten 90 % erreicht werden, in anderen nur 80 %. Bedenken Sie aber, daß es kaum anderswo eine Leistung gibt, die zum Zeitpunkt der Erstellung bereits konsumiert wird. So ziemlich alle anderen Dinge, die Sie konsumieren, können bereits vor Auslieferung geprüft werden. Weiterhin haben Sie es beim Erwerb von Gegenständen zumeist mit routinemäßiger Fließband Produktion zu tun. Alle Abläufe sind jeden Tag identisch, und es gibt keine Einwirkungen von außen dergestalt, daß ein Passant sich in die Maschine schmeißt, 20 Radfahrer mit Gepäck über die Maschine klettern oder ein anderer Hersteller wegen eigener technischer Probleme mal kurz die Maschine anhält. Aber selbst wenn dem so wäre: Die Maschine liefert die Schokolade nicht sekundengenau in Ihren Mund, das Auto nicht sekundenganau auf Ihren Hof oder die Pizza sekundengenau auf Ihren Teller. Wenn Sie eine Verkehrsdienstleistung in Anspruch nehmen und es kommt zu einer Verspätung, kann das Unternehmen nicht nachbessern, damit sie nachträglich doch pünktlich waren.

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DJ Doena 16.05.2006, 10:14
963.

Zitat von gekaf
Die Duden interpretiert "Verspätung" als "nichteinhaltung einer zeitlichen Vereinbarung" und nicht als wegwerfen.
Also wäre die korrekte Analogie, dass sie 5 Quarks kaufen, wovon einer "mindestens haltbar bis gestern" ist.

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Bernotat 16.05.2006, 10:20
964.

Zitat von klausab
Bedenken Sie aber, daß es kaum anderswo eine Leistung gibt, die zum Zeitpunkt der Erstellung bereits konsumiert wird.
Ich bin selbst in der Dienstleistungsbranche tätig und werde sozusagen "bei Erstellung konsumiert". Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Unternehmensberater z.B. machen alle genau dies. 80% Qualität würde in allen diesen Fällen zu Arbeitslosigkeit, ggf. sogar rechtlichen Konsequenzen führen. Das ist also natürlich eine Herausforderung, aber ich kann das als Erklärung nicht gelten lassen.
Übrigens: Die Deutsche Post AG schafft bei ähnlich komplexer Logistik deutlich bessere Qualitätszahlen.

Zitat von
Weiterhin haben Sie es beim Erwerb von Gegenständen zumeist mit routinemäßiger Fließband Produktion zu tun.
Die Bahn ist auch Routine.
Zitat von
Alle Abläufe sind jeden Tag identisch, und es gibt keine Einwirkungen von außen dergestalt, daß ein Passant sich in die Maschine schmeißt, 20 Radfahrer mit Gepäck über die Maschine klettern oder ein anderer Hersteller wegen eigener technischer Probleme mal kurz die Maschine anhält.
Wenn ich es richtig verstanden habe, sind die Mehrzahl der Verspätungsgründe organisatorische und technische Mängel, nicht Selbstmörder oder amoklaufende Reisende. Und selbst wenn es so wäre: Warum werden dann die Fahrpläne nicht auf diese lange bekannten Phänomene abgestimmt? Wenn ich z.B. weiß, dass ich Kupplungsprobleme beim ICE 3 habe, dann mache ich eben die Slots im Bahnhof ein wenig länger. Wenn ich weiß, dass der Zubringerzug von F HBf. nach F Flughafen sehr häufig (!) verspätet ist, dann mache ich einen größeren Puffer oder organisiere das anders. Das alles passiert aber nicht. Meine Hausstrecke mit bekannten Mängeln fahre ich seit über drei Jahren nahezu täglich (Fernverkehr). Da hätte man längst nachbessern können.

Zitat von
Aber selbst wenn dem so wäre: Die Maschine liefert die Schokolade nicht sekundengenau in Ihren Mund, das Auto nicht sekundenganau auf Ihren Hof oder die Pizza sekundengenau auf Ihren Teller.
Schon mal von "just in time" im Automobilbereich gehört, da geht das logistisch komischerweise. Nur die Bahn soll sich hier nicht mehr anstrengen müssen?

Zitat von
Wenn Sie eine Verkehrsdienstleistung in Anspruch nehmen und es kommt zu einer Verspätung, kann das Unternehmen nicht nachbessern, damit sie nachträglich doch pünktlich waren.
Das stimmt. Ich würde aber erwarten, dass die Probleme dann gelegentlich mal abgestellt werden. Fünf Minuten mehr Lücke helfen da manchmal schon aus. Und ich wäre für eine wesentlich verbesserte Kommunikation: Ich erlebe es wirklich ständig, dass wegen Verspätungen, die dem Bahnpersonal zwingend bekannt sein müssen, weil der Zug bereits verspätet woanders abgefahren ist, viel zu spät informiert wird bzw. die berühmte "Salamitaktik" angewendet wird ("5...10...15...20 Minuten verspätet"), obwohl Reisende bei rechtzeitiger Information ggf. einen Ersatzzug hätten nehmen können. Auch hier setzt sich die katastrophale Qualität fort.

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Bernotat 16.05.2006, 10:43
965.

Zitat von gekaf
Ohne die Bahn AG in Schutz nehmen zu wollen, werden die Züge aus den Zugverbindungen, welche eine Verspätung aufweisen, nicht aus den Schienen gehoben und verschrottet (weggeworfen). Die Duden interpretiert "Verspätung" als "nichteinhaltung einer zeitlichen Vereinbarung" und nicht als wegwerfen.
OK, um im Bild zu bleiben: Würden Sie 20% verschimmeltes Brot essen, ohne sich zu beschweren?

Zitat von
Eine Reisekostenerstattung im Rad-Schiene Verkehr, wie Sie sich das Vorstellen, wird es vermutlich nicht geben.
Abwarten, was die Politik z.Zt. tut. Es ist von bis zu 30% Erstattung die Rede, das wäre doch schon mal was.

Zitat von
Dies kann nur jemand sagen, der von dem System Rad-Schiene und dessen komplexität keine Ahnung hat.
Beförderungsfallbeschimpfung durch den Monopolisten, wäre ja gelacht, wenn man das nicht unterbringen könnte. Da wagt es ein Beförderungsfall, Kritik zu üben, weil er ja nur 3.300 Euro für 80% Qualität bezahlt, obwohl er mit Fug und Recht mehr erwarten darf, weil das im restlichen Leben von anderen und auch von ihm selbst zu recht erwartet wird. "Ihr habt ja keine Ahnung" ist dann das beliebte Totschlagargument. Die Post mit ähnlich komplexer Logistik hat wesentlich bessere Qualitätszahlen. Soviel dazu. Ansonsten interessieren mich interne Abläufe der Bahn nicht; wenn ich es richtig verstanden habe, liegt es an organisatorischen und technischen Problemen und nicht an Selbstmördern. Und selbst wenn - das weiß man ja nicht seit gestern und könnte die Fahrpläne soweit entspannen, dass mit etwas mehr Puffer kleinere Verspätungen nicht so ins Gewicht fallen wie heute. Und schliesslich kann man die Beförderungsfälle deutlich besser und aktiver informieren, damit sie nicht, wenn sehr spät der Bahn einfällt, dass ein Zug doch verspätet ist, in entwürdigender Manier über den Bahnhof rennen müssen, um irgendwelche Ersatzzüge zu erreichen.

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Spanier 16.05.2006, 12:09
966. Zugverbindungen, welche eine Verspätung aufweisen

Die Bahn kommt....der Slogan..... wann hat keiner gesagt!

Ansonsten ist das Unternehmen Bahn ein Treppenwitz. Man stelle sich vor, als Dienstleister, irgendeiner Branche, sie wuerden solche Preissysteme offerieren, man wuerde wahrscheinlich den Hofhund auf sie hetzen. Service gleich null, dafuer aber extrem teuer.

aber, die Bahn kommt..................das troestet!

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GLA 16.05.2006, 12:11
967.

Zitat von Bernotat
Ich bin selbst in der Dienstleistungsbranche tätig und werde sozusagen "bei Erstellung konsumiert". Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Unternehmensberater z.B. machen alle genau dies. 80% Qualität würde in allen diesen Fällen zu Arbeitslosigkeit, ggf. sogar rechtlichen Konsequenzen führen.
Super Beispiel.
Was passiert denn, wenn Sie trotz teurem Anwalt verknackt werden? Bekommen Sie dann Ihr Geld zurück oder müssen Sie auch noch die Kosten des Verfahrens tragen?

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GLA 16.05.2006, 12:19
968.

Zitat von Bernotat
"Ihr habt ja keine Ahnung" ist dann das beliebte Totschlagargument. Die Post mit ähnlich komplexer Logistik hat wesentlich bessere Qualitätszahlen. Soviel dazu.
So langsam glaub ich echt, dass Sie keine Ahnung haben.
Ihre Meinung mal auf den Punkt gebracht: Es interessiert Sie nicht, wie, aber die Bahn soll Sie pünktlich an Ihr Reiseziel bringen. Diese Forderung ist natürich berechtigt, nur in der Praxis nicht umsetzbar. Sie werden wohl auf kurz oder lang den Vekrehrsträger wechseln müssen.
Ihr Vergleich mit der Post hinkt natürlich gewaltig.

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Bernotat 16.05.2006, 12:51
969.

Zitat von GLA
Super Beispiel. Was passiert denn, wenn Sie trotz teurem Anwalt verknackt werden? Bekommen Sie dann Ihr Geld zurück oder müssen Sie auch noch die Kosten des Verfahrens tragen?
Was wollen Sie von mir?

Es wurde behauptet, Dienstleistungen, die zum Zeitpunkt der Erstellung konsumiert werden, könnten nur schlecht qualitätsmäßig gesteuert werden. Ich habe dem entgegengehalten, dass bei dem Qualitätsniveau der Bahn andere Berufe, die ebenfalls Produktion=Konsumption haben, längst out of business gegangen wären. Man kann nämlich auch hier Qualität steigern. Und 80% ist im gesamten Dienstleistungsbereich eine absolute Katastrophe.

Man stelle sich vor:
- Jeder fünfte Rechtsrat inhaltlich falsch
- Jede fünfte Steuererklärung mit inhaltlichen Mängeln
- Jedes fünfte Beratungsergebnis mit inhaltlichen Fehlern
- Jede fünfte Überweisung bei der Bank falsch
...
Nur die Bahn, die darf das und sich außerdem noch über die lustig machen bzw. beschweren, die es wagen, das zu benennen und zu kritisieren.

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