Forum: Wirtschaft
Dunkelflaute: Ist der Winter wirklich zu düster für den Ökostrom?
DPA

Deutsche Wind- und Solaranlagen haben im Januar kaum Strom produziert - im Fachjargon heißt das "Dunkelflaute". Die Vertreter der alten Energiewirtschaft warnen nun vor einer Versorgungslücke. Doch das ist Unfug.

Seite 1 von 62
esmitleeremkopfzutun 07.02.2017, 11:48
0. Man merkt, wer die Anzeigen bezahlt...

Die "Analyse" der Welt ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, mit welchen Anzeigen- und Marketingbudgets die großen Energieversorger derzeit versuchen, verlorenen Boden gut zu machen. Der Fantasiekonzern innogy etwa pumpt Millionen in Image-, PR- und Anzeigenkampagnen, die nicht zuletzt bei Springer & Co. landen. Mit dieser Macht ausgestattet können die den BDEW bestimmenden alten Energiekonzerne vielen Journalisten immer noch in den Block diktieren.

Es ist dem Spiegel daher hoch anzurechnen, dass er sich hier gedanklich unabhängig macht und nicht "alternativfaktisch", sondern anhand von nachvollziehbaren Zahlen, Gesetzen und Regelungen argumentiert. Blödsinn wird so nicht mit Blödsinn, sondern rationalen Argumenten begegnet. Die Energiewende geht weiter!

Beitrag melden
horst.koehler.2 07.02.2017, 11:50
1. Ich warte auf einen großen Vulkanausbruch ...

... mit daraus resultierender monate- oder jahrelanger Abschwächung des Sonnenlichtes. Einen Vorgeschmack bot vor 7 Jahren ja der Ausbruch des isländischen Eyjafjallajökull, der zu einer Woche Einstellung des Flugbetriebes in Teilen Skandinaviens führte, aufgrund von Sichtbehinderungen. und dies ist nur ein kleiner Ausbruch gewesen. Was wäre wohl los, wenn es einen großen Ausbruch von Vesuv oder den Phlegräischen Feldern gäbe oder gar die gigantische Magmablase unter dem Yellowstone Nationalpark hochgehen würde? Das hieße in letzterem Fall jahrelange Dunkelheit auf der ganzen Welt. Aber hey, immer schön alles auf eine Karte setzen, die das Sonnenenergie heißt ...

Beitrag melden
kunibertus 07.02.2017, 11:52
2. Das ist aber nun wirklich

eine bahnbrechende Erkenntnis. Jeder, der eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hat weiß, dass die ertragsstärksten Monate Mai - Juni sind. Bei mir macht das jeweils rund 13% aus, während es im Januar nur 2% und im Dezember sogar nur rund 1% sind. Genau deswegen benötigen wir ja die Reservekapazitäten und dafür bezahlen wir ja auch.

Beitrag melden
M. Michaelis 07.02.2017, 11:52
3.

Zwangsbetrieb unrentabler konventioneller Kraftwerke ist faktisch eine Versorgungslücke. Wenn es tatsächlich so wäre dass Solar und Wind selbst im schlechtesten Fall immer noch Exporte ermöglicht könnte man ja sofort alle konventionellen Kraftwerke abschalten. Das Problem ist dass der Autor schlichtweg keine Ahnung von der Physik eines Wechselstromnetzes hat und den Fehler macht Stromproduktion nur aus Marktsicht zu betrachten.

Beitrag melden
Sibylle1969 07.02.2017, 11:53
4. In Frankfurt

Hier in Frankfurt war der Winter bisher sonniger als in den Vorjahren. Während in den Vorjahren wirklich wenig die Sonne schien und es häufig trüb war, hatte es in diesem Winter bisher auch längere sonnige Perioden durch Hochdruckgebiete. Die Ausbeute von Solaranlagen müsste im Winter also zumindest besser als in den Vorjahren gewesen sein. Geografisch bedingt ist die Ausbeute im Winter aber per se gering.

Beitrag melden
gelbesvomei 07.02.2017, 11:55
5. Ist doch alles kein Problem!

Es ist doch bloß das Geld anderer Leute ...
Die Ökostrom-Profiteure fressen aus demselben Trog, an dem schon die "alten" Stromkonzerne fraßen. Das Geschäftsmodell basiert auf Zwangsabgaben Abhängiger. Als die Stromversorgung noch in öffentlicher Hand war, konnte man dafür Verständnis haben. Die erfolgte halbherzige Liberalisierung - also Privatisierung der Erlöse, Sozialisierung der Lasten - ist die Wurzel des Übels. Ich sehe nur niemanden, der sich trauen würde, das Problem anzupacken.

Beitrag melden
derdingens 07.02.2017, 11:57
6. negative Preise

Es wäre schön gewesen auch etwas über "must run Kapazitäten" zu lesen, die ein wesentlicher Grund für negative Preise sind. Da bisher nie eine 100% Versorgung mit Erneuerbaren erreicht wurde, kann die hohe Produktion allein ja kein Grund für negative Preise sein.

Beitrag melden
rgryf 07.02.2017, 11:57
7. Das Problem ist, wir kommen mit unserer Lebensweise nicht von der Kohle los

Der Verkehr ist ja im Verbrauch großteils gar nicht eingerechnet. Würden wir die Elektromobilität weiter fördern , würde in diesen Phasen noch mehr Kohle verbrannt.
Dennoch, die Ernergiewende muss nicht gestoppt werden, sondern gesteuert. Innovationen wie Power to Gas und Kleinlösungen brauchen Freiraum. Ich betreibe ein Kleinwindrad und eine Solaranlage auf zugegeben großen Grundstück. Ich speise das auch in die Heizung ein und mein Gasverbrauch ging auch im Januar gegen 0.
Übrigens Europäischen Lösungen gibt es nur ansatzweise. Hier dürfen die Spotmärkte schalten mit Goldeselfunktion.
Ich arbeite im Energiebereich und sehe hier, dass sich die Kohlebetreiber nur so die Hände reiben und eine goldene Zukunft erwarten. Und warum, weil die Politik mit dem Problem nicht klar kommt.

Beitrag melden
jbochow 07.02.2017, 12:00
8. Exporte belegen leider nichts

Die Tatsache, dass aus im Januar täglich Strom exportiert wurde, belegt leider nicht, dass es Ökostrom im ausreichenden Maße gab/gibt. Sie beutetet lediglich, dass der zu einem Zeitpunkt überschüssige Ökostrom in Deutschland nicht richtig gespeichert werden kann/konnte. Auch sagen die Exporte gar nichts darüber aus, wie häufig konventionelle Kraftwerke hinzugeschaltet werden mussten, um die drohenden Lücken in der Stromversorgung zu schließen.

Beitrag melden
Seite 1 von 62
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!