Forum: Wirtschaft
Handelskrieg: Trumps Sorgen wegen China sind berechtigt
AFP

Donald Trump will das Handelsungleichgewicht mit China nicht mehr akzeptieren. Wir Deutschen verspotten ihn dafür und glauben an die Segnungen des freien Welthandels. Dabei ist gerade dieser Glaube ziemlich naiv.

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vlscout 13.04.2018, 01:30
1. sehr guter Kommentar

Nun ja, vielleicht liegt es ja nur daran, dass er meine Meinung widerspiegelt ;-)

Aber bei allem Trump-Bashing und berechtigter Kritik an seiner manischen Egozentrik sollte man die Fakten nicht außer Acht lassen. Und in vielen Punkten hat er schlicht Recht.

- Warum sind die Zölle der EU für Einfuhren aus den USA höher als anders herum? Die EU tut so, als sei sie die Geschädigte. Der Räuber schreit laut "haltet den Dieb!"
- China genauso. Warum lässt die Welt China diesen krotesk unfairen Handel durchgehen? Glauben Sie denn, Daimler könnte ohne weiteres in China Firmenbeteiligungen erwerben so wie es umgekehrt offenbar erlaubt wird? Es geht nicht nur um Zölle. Regelmäßig werden ausländische Marken in China durch staatliche Medien quasi "abgeschossen", und einheimische Mitbewerber übernehmen zufällig deren Marktanteile.
- Trumps Aussage zu Merkels Migrationspolitik, er habe immer viel von Merkel gehalten, aber was sie mit dieser Politik ihrem Land antue, sei eine Schande - damit hat er ja wohl auch Recht, siehe nur Jungfernstieg heute. Die ganze Welt sieht das so, nur wird das ungern in Deutschland berichtet

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Periklas 13.04.2018, 02:05
2. Finanzpolitik

Wirtschaftspolitik in den USA stellt sich anders da als wir Europäer es verstehen oder in Asien. Die USA perse generiert über die Finanzpolitik mehr Dollar über Banken, Investmentprodukte und Hypotheken darüber hinaus definieren sie diverse teure Produkte die nur in den USA hergestellt werden. Immobilien, Firmenanteile mit Wertsteigerung, Anleihen etc. Ausgegrenzt hat die Wirtschaftspolitik der USA alle Produkte die billig hergestellt werden, dazu wurden die Produktionswerkstätten und die Handelsniederlassungen nach Fernost und die Rohstoffbeschaffung nach Afrika, Südamerika oder im Nahen Osten verlagert. Die Finanzpolitik hat über Jahrzehnte kein wertschaffende Produkte oder Produktionslinien investiert.
Da der "Fox News" Zuschauer sich selbst wundert, dass er als solches kein Produkt "Made in der USA" besitzt und mit Hypothekendarlehen zugemüllt worden ist ist nicht die Schuld von Europa oder Fernost sondern der blutleeren Hybris jeden Krieg annehmen zu wollen. Klärender weise muss man sagen nicht jedes Land hat die Finanzpolitik so im Nacken dass es über einen Kriegsgrund entscheiden kann wie es für das Portmonnaie gerade erforderlich ist für neue Investmentprodukte oder Dienstleistungen aller Art. Schließt man die Kaimaninseln so hat man den Kopf eines gesättigten Mannes mit hellgelben Toupet und kein App auf dem Smartphone. Aber Jammern auf so hohen Niveau ist selbst in der USA einer dreisten Eitelkeit geschuldet.
Soll er doch neidvoll auf die Wirtschaftzahlen nach Europa blicken auf Gesundheitsförderung und Rentenzahlung. Er kann diese Werte seinem Volk nicht anbieten.

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obersterhofnarr 13.04.2018, 02:08
3. Die Abschottung

des Kapital- und Immobilienmarktes sowie der Entzug des Yuans von Spekulationsattacken. Das ist des Pudels wahrer Kern. Die chinesische Staats- und Parteiführung blockt politisch die Spekulanten ab, die gegen Währungen und ganze Volkswirtschaften wetten; und das passt Trumps Spekulantenfreunden nicht. Deshalb der "Handelskrieg" um China mürbe zu machen um sich dem Spekulantentum zu öffnen; welches mit Währungswetten und Heuschreckenfonds China angreifen möchte.
So ist die Lage. Trump ist ein Immoblienmarkler, schon vergessen? Ein Gaukler, der ein Zelt auf einer Müllhalde als Ferienvilla verkaufen will. Schaut man nämlich die gesamte "Wirtschaftspolitik" mit ein wenig Abstand an und in der Zusammenschau; wird schnell klar, es geht nur um den Profit von irgendwelchen Spekulanten. Das dabei vielleicht ein paar Jobs herausspringen ist nur der Kollateralnutzen, der für den Wahlkampf ausgeschlachtet werden kann.

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Orthoklas 13.04.2018, 02:11
4. Guter Kommentar

Allerdings bezweifle ich, dass Trump deshalb einen Handelskrieg vom Zaun bricht. Bei ihm wird das seine Grundlage in einem diffusen Bauchgefühl von Ungerechtigkeit haben.

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schemax 13.04.2018, 02:46
5. Es gibt einen Unterschied

Die meisten verspotten ihn nicht dafür, wegen den chinesischen Handelspraktiken besorgt zu sein. China spielt nicht fair, wie Sie richtig sagen. Das Problem ist, dass Trump gleichzeitig auch gegen alle anderen westlichen Länder vorgeht. Genau das ist kontraproduktiv.

Um gegen China zu bestehen, müssten sich die Länder zusammentun und diese Praktiken bestrafen. Trump hingegen stärkt China mit seiner Rhetorik und seinem Alleingang gegen alle Anderen.

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te36 13.04.2018, 02:54
6. Automatisierung als Achillesferse

Die Chinesen haben immer noch 1 Milliarde Menschen auf dem Land die immer noch in der 2ten Welt, wenn nicht in der dritten Welt leben. Die 300 Millionen, die in den groesseren Staedten leben und dort in die erste Welt aufgeruckt sind sind noch mehr abhaengig vom Export als die 80 Millionen Deutschen. Und die deutschen muessen nur Ihre Umverteilung innerhalb dieser 80 Million loesen. Die Chinesen muessen das ueber 1300 Millionen machen. Und die Chinesen haben zwar beim Bau von Infrastruktur und Erzeugung von Staatsmonopistischen Kapitalfirmen Vorteile, aber ansonsten ist das mit dem sozialen System doch eher wieder wie vor Mao - schlimmer als in den USA.

Ich wuerde mal sagen, dass China mit der schon einsetzenden Entwertung von Arbeit durch immer weiter fuehrende Automatisierung extreme Schwierigkeiten haben wird. Wenn die Lohnstuckkosten immer geringer werden, wer will denn dann fuer den amerikanischen und europaeischen Markt noch all die Probleme in Kauf nehmen, die China auslaendischen Investoren bereitet ? Automatisierte Produktion fliesst doch jetzt schon wieder zurueck. Und wie will China die 300 Millionen denen es jetzt gut geht vor dem Absturz schuetzen, wenn Roboter in 20 Jahren alles mit weniger als 50 Millionen Chinesen produzieren koennen ? Umverteilung von der Oligarchenklasse die sich in China bildet wie sie sich in Russland gebildet hat ? So stabil dass sie das wuppen koennte ist die Partei und ihr Fuehrer auch nicht.

Die Vorschlaege, die Trump derzeit gemacht werden sind es, in den USA aehnliche Einfuhr und Partnerbedingungen fuer Firmen einzufuehren wie China sie hat. Und damit China mit den eigenen Waffen zu schlagen. Mal schauen wie China darauf reagiert wenn es dazu kommt. Effektiv koennen die sich ja nur ins eigene Fleisch schneiden - weniger in die USA exportieren oder einfach das eigene Geld verbrennen indem sie Firmen in den USA die ihnen gehoeren schliessen.

Ich wuensche den Chinesen alles gute und wuerde hoffen dass die deutsche Politik das auch so sieht - ganz in der Tradition von Helmut Schmidt. Das groesste Problem ist es glaubhaft darzustellen, dass wir mit China auf Augenhoehe kollaborieren wollen im gegenseiten Interesse. Allerdings wird China halt wegen seines Traumes aus den letzten beiden Jahrhunderten eher eine Fuehrungsrolle in der Welt beanspruchen mit aehnlichem Status wie die USA aber halt mit einem ganz anderen Handlungskonzept. Da ist das dann natuerlich ein Problem, dass sich Europe doch sehr bereitwillig der amerikanischen Denkweise in der Oekonomie unterworfen hat seit dem zweiten Weltkrieg aber halt wohl eher weniger Lust hat das gleichermassen mit den Chinesen zu tun. Auch wenn der Ausverkauf nach China gerade lustig voran geht.

Es bleibt schwierig (TM)

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quark2@mailinator.com 13.04.2018, 02:58
7.

Das Problem ist doch, daß gerade von anglo-amerikanischer Seite der freie Handel immer dann massiv voran gestellt wurde, wenn es von Vorteil war. Man entsinne sich daran, wie Japan mit Gewalt zur Öffnung gezwungen wurde (Wikipedia:"Schwarze Schiffe") oder wie man auf China einwirkte, um es in die OECD zu bringen. Damals sah die westliche Industrie vor allem den riesigen Markt. Da wollte man rein. Dumm nur, daß man vor lauter Geldverdienen halt auch die ganze High Tech dahin verlagert hat. Statt so wie früher die High Tech im Westen zu lassen, hat man sie nach Asien gebracht. Und da bleibt sie nun. Das war pure Dummheit oder vorsätzliche Aufgabe, aber der Drops ist gelutscht. Warum ? Nun, weil China eine leidensfähigere Bevölkerung hat, die sich in historischer Euphorie befindet - wohingegen sich die Bevölkerung im Westen nur langsam und widerwillig daran gewöhnt, den Sozialstaat zu verlieren und dies mit mieser Stimmung und mangelnder Motivation quittiert. Wir in DE haben jetzt paar bessere Jahre gesehen. Hoffen wir, daß es noch bischen so bleibt. Wobei es ja nun auch nicht sooo toll ist, wenn man genau hinsieht.

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gägge 13.04.2018, 03:00
8. Das meckere ich schon seit etwa vierzig Jahren.

Vor langer Zeit war ich in Außenhandel für "schwere" Infrastrukturen tätig gewesen. Einfacher (Hin)Angestellter. Aufträge finden, verhandeln. Afrika, Indonesien und Polynesien. Die ehemals französischen Gegenden.
Als ich damals meinem Chef sagte, daß wir aufpassen müssen, da drückt China rein, die nehmen uns große Aufträge weg, Häfen, Schwerindustrie, Stromversorgung und so, verseckelte er mich voll, aber stark. "Du spinnst doch ! Du siehst gelbe Gefahr überall ! Du bist doch parano !".
Hab' mich natürlich geduckt.
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freddygrant 13.04.2018, 03:03
9. Es ist immer wieder dasselbe!

Man ruft die Geister selbst, welche man als Reaktion
selbst gefordert hat. Und wenn der Wind sich dann ganz
logisch dreht sagt man, daß man die Ungeister nicht
mehr los wird. Die Lösung des Problems wird dann aber
wie schon immer eine richtig "humane" Wirkung zeigen.

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