Forum: Wirtschaft
Inflation, Lira, Wachstum: Wie die Türkei einen Crash verhindern kann
AFP

Die Wirtschafts- und Währungskrise setzt der Türkei massiv zu. Eine DIW-Studie zeigt, was dem Land droht - und wie Regierung und Notenbank gegensteuern könnten.

Seite 1 von 5
Rahvin 06.09.2018, 08:42
1.

Wenn man sich den Artikel durchliest, dann glaubt man fast, bei Wirtschaft handle es sich um eine Wissenschaft, die exakt vorhersagen könnte, was passiert, wenn man an bestimmten Stellschrauben dreht. Dem ist allerdings nicht so, und kein Mensch kann behaupten, man könne Börsencrashes vorhersehen, wirtschaftliche Entwicklungen beeinflussen, etc. Natürlich kann man im Nachhinein immer wieder derartige Szenarien analysieren, aber die Superkräfte von Captain Hindsight in Ehren: Vor neuen Crashes oder der Entstehung von Blasen hat das auch nicht geschützt. Stattdessen schlittern wir aufgrund der entfesselten Märkte von einer Krise in die nächste, die Abstände zwischen dem Auftreten von Blasen und Crashes verkürzt sich, und am Ende heisst es immer: Der IWF soll helfen. Dass das gewissen Staaten Bauchschmerzen bereitet, kann man nachvollziehen, handelt es sich beim IWF nicht um eine humanitäre Einrichtung sondern um ein finanzpolitisches Werkzeug der Amerikaner, die auf diese Weise ihren Einfluss auf Staaten, die finanziell in Bedrängnis geraten sind (nicht zuletzt aufgrund von Sanktionen seitens der Amerikaner, wie man am Beispiel Venezuela und Türkei sehen kann), ausweiten. Warum sich die Amerikaner die Türken auserkoren haben, mit denen sie doch gut Freund sind? Ein Schelm wer an eine weitere Destabilisierung Europas denkt: Flüchtlinge, finanzielle Engagements von Spanien, Italien oder Griechenland in der Türkei, etc...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Paddel2 06.09.2018, 08:52
2. Keine europäische Hilfe für Erdogan

Man kann sich leicht ausmalen, wie Erdogans Propagandaapparat die Maßnahmen verkaufen würde. Ungeachtet der Tatsache, dass er hauptverantwortlich für die Krise ist, würde er sich als erfolgreicher Krisenmanager darstellen. Vor allem Deutschland sollte sich gut überlegen, wie es mit der aktuellen türkischen Führung umgehen sollte. Wenn nun nach Putin auch noch Erdogan hofiert wird, zeigt es nur, dass Despoten walten können wie sie wollen und es nur eine Frage der Zeit ist, wenn der Westen wieder angekrochen kommt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Cyberfeld 06.09.2018, 08:52
3.

Erstens der Crash ist schon ihm vollen Gange soweit ich das aus den Zahlen sehen kann. Zweites wenn man was dagegen tun will müssten das auch Politische Maßnahmen sein also die Politische Landschaft der Türkei müsste sich ändern und das wird Erdogan überhaupt nicht gefallen.

Insgesamt muss man aber die hohen Kredite die in die Türkei und anderen Schwellenländern geflossen sind kritisieren auch wenn man genauer hinschaut den Investoren nicht viel Wahl /Optionen hatten. Das ist halt der Fluch des Fiatgeldes je mehr man hat desto mehr muss man erwirtschaften durch neue Kredite und Länder mit negativer Bilanz können das früher oder später nicht diese Bezahlen (b.z.w man hat zumindest einen Teilausfall) ob nun zur Kolonialzeit oder ihn Zeiten der Globalisierung.

Ausnahme ist dabei nur wer die Weltleitwährung stellt, allerdings unterminieren irgendwann die Schuldenberge und auf der anderen Seite absurde Geldmengen die Glaubwürdigkeit dieser Währung..

Beitrag melden Antworten / Zitieren
berndatlondon 06.09.2018, 08:52
4. Keine EU Hilfen fuer die Tuerkei!

Erdogan hat grade deshalb seine Wiederwahl vorgezogen da er genau wusste was passieren wird. Nun hat er aus der Tuerkei eine gelenkte Demokratie gemacht und baut mit seinem Schwiegersohn seinen direkten Nachfolger auf um das Familienerbe zu sichern.
Nur wenn die Tuerken sich von diesem Despoten befreien hat die Tuerkei und die Tuerken wieder eine Chance.
Jede Finanzhilfe fuer die Familie Erdogan verlaengert das leiden der Tuerkischen Bevoelkerung

Beitrag melden Antworten / Zitieren
horst-viersen 06.09.2018, 09:01
5. Griechische Krankheit

Aus Deutschland wissen wir, dass ein Geldüberhang von etwa 2% nützlich ist, um das Güterwachstum weiterhin zu initiieren. Dabei muss man darauf achten, dass man die VWL-Kapazitätsgrenze nicht überschreitet. Gelingt das, dann kommt man zu einem stetigen Wachstum bis man Sättigungsgrenzen in den wichtigsten Branchen erreicht.

Kern des Desasters der Türkei ist nicht das Geldmengenproblem, sondern die miese Handelsbilanz der Türkei. Es wird mehr im Ausland gekauft, als ans Ausland geliefer. Womit wir dann bei der griechischen Krankheit sind. Solange die Türkei nicht zu einem angesehenen Exporteur von Investitions- und Gebrauchsgütern wird, solange haben wir die griechische Krankheit.

Die bislang vorliegenden Modelle berücksichtigen die Fundamentaldaten zu wenig. Für die Türkei hilft auch keine "Heliokpter Geld"!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ihf53116 06.09.2018, 09:19
6.

Zitat von Rahvin
Wenn man sich den Artikel durchliest, dann glaubt man fast, bei Wirtschaft handle es sich um eine Wissenschaft, die exakt vorhersagen könnte, was passiert, wenn man an bestimmten Stellschrauben dreht. Dem ist allerdings nicht so, und kein Mensch kann behaupten, man könne Börsencrashes vorhersehen, wirtschaftliche Entwicklungen beeinflussen, etc. Natürlich kann man im Nachhinein immer wieder derartige .....
Wenn man sich mit einer Materie nicht auskennt sollte man entweder sich über das Thema (hier Wirtschaftswissenschaften) informieren oder besser den Mund halten! Es ist immer wieder erschreckend wie sich Halbwissende mit kruden Thesen gehör verschaffen wollen. Ich beschreibe Ihnen die Krise mal etwas plastisch: "Sie (die Türkei) gehen zur Bank und leihen sich Geld. Darüber hinaus animieren sie all Ihre Freunde (Unternehmen im Land) auch bei der Bank Geld zu leihen. Und weil Sie noch viel schlauer sind, animieren Sie Ihre Freunde dazu Kredite in Dollar zurück zuzahlen. Nach einigen Jahren merken Sie, dass die Kredite nicht mehr beglichen werden können. Weil sie so schlau sind, gehen Sie zur Bank bezeichnen diese als "Nazis", "Faschisten" und "Weltverschwörer". Und noch viel schlauer, dass der Dollar keine Leitwährung mehr sein sollte (wohlgemerkt nachdem Sie Kredit aus eigner Ambition in Dollar aufgenommen haben!)." Nun die Frage. Meinen Sie im ernst das solch ein Verhalten Ihre Situation verbessert?! Mit nichten! Eine Weisheit beschreibt die Situation ganz trefflich: Man beißt nicht die Hand, die einen füttert. ;-) Erdogan kann sich gerne über den Westen beschweren aber erst wenn er seine Kredite, die er so gerne aufgenommen hat, beglichen sind!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
MyMoon 06.09.2018, 09:47
7. Argentinien

Am Beispiel von Argentinien kann man aktuell genau beobachten was eine Leitzinserhöhung der Zentralbank (40% !!!) und ein IWF Kredit bringt.
Nichts.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Celegorm 06.09.2018, 09:47
8.

Zitat von ihf53116
Wenn man sich mit einer Materie nicht auskennt sollte man entweder sich über das Thema (hier Wirtschaftswissenschaften) informieren oder besser den Mund halten!
Es geht wohl weniger um Mechanismen und Tendenzen als der bei Prognosen gerne erweckte Schein vermeintlicher Präzision. Die Effekte verschiedener Massnahmen auf 2 Jahre hinaus auf ein oder zwei Stellen hinter dem Komma anzugeben (aber natürlich ohne Konfidenzintervalle) wirkt durchaus immer etwas lächerlich. Erst recht, wenn man weiss, wie dürftig solche Prognosen bei rückwirkender Überprüfung abschneiden. Die Vorhersagen von Notenbanken und Experten schneiden da wohl selten besser ab als irgendein autoregressiver Random Walk.

Man sollte also etwas vorsichtig sein, wenn solche Modellvorhersagen als Tatsachen verkauft werden, ohne zumindest auf die Annahmen, Limitierungen und Unsicherheiten einzugehen. Alleine da das Ganze ja immer eingebettet ist in eine status quo-basierte Grundannahme zur Entwicklung der Weltwirtschaft. Die kleinste Überraschung kann dementsprechend alles auf den Kopf stellen und Unerwartetes gabs ja gerade in den letzten Jahren mehr als genug..

Beitrag melden Antworten / Zitieren
jotha58 06.09.2018, 09:48
9. #5

Ich sehe es ähnlich. Die Firma, für die ich arbeite hat einen türkischen Zulieferer. Normalerweise werden unsere Zulieferer immer wieder mit neuen Aufträgen versorgt. Wir brauchen auch Stabilität. Nun müssen solche Aufträge aber auch betreut werden. Das bedeutet, dass ich oder ein Kollege in der Türkei sein muss. Werkzeugkonzepte begutachten, Bauteilqualität sichern usw. Seit drei Jahren hat der Zulieferer aufgrund der politischen Situation keine Aufträge mehr bekommen. So bröckelt ihm das Volumen weg und irgendwann liefert er halt nicht mehr.
Und es ist nicht nur die griechische Krankheit, es ist auch die us-amerikanische Krankheit. Zu wenig Eigenproduktion führt immer zu hohen Defiziten. Dazu noch die engstirnige und inkompetente Politik des Herrn Erdogan und schon ist das Desaster perfekt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 5