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Innovationsforschung: Vielfalt bringt mehr Fortschritt als Spezialisierung
DPA

Schwellenländer wie Russland und Brasilien hängen die Bundesrepublik beim Wachstum ab? Keine Sorge: Neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Deutschland auch in Zukunft die Nase vorn haben könnte. Zugleich räumen Wissenschaftler mit uralten Freihandels-Dogmen auf.

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cuby 13.04.2013, 19:22
1. Ricardos Theorie

Ist vielleicht nur eine kleine Randbemerkung, aber: Nach Ricardos Theorie des komparativen Kostenvorteils soll sich ein Land auf die Güter spezialisieren, die es relativ (!) gesehen am günstigsten produzieren kann. Im Artikel steht nur etwas von "am billigsten". Genau diesen absoluten Kostenvorteil meinte Ricardo aber eben gerade nicht! http://de.wikipedia.org/wiki/Komparativer_Kostenvorteil

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shardan 13.04.2013, 20:36
2. Klingt alles so schön

Aber entspricht das auch der Wahrheit? Sicherlich ist Überspezialisierung ein Irrweg - daher kommt auch der Ausspruch "Spezialisten sind Leute, die immer mehr über immer weniger wissen, bis sie alles über nichts wissen". Spezialisten werden immer nötig sein. Es mangelt an anderen Punkten hierzulande. Es fehlen Koordinatoren, die genug wissen, um die Spezialisten zusammenzuhalten und zu führen. An diesen stellen sitzen viel zu oft reine Wirtschaftler, die nicht auf ihre Spezialisten hören und "politische" Gründe für ihre Entscheidungen vorschieben. Daneben gehören aber auch Arbeits- und Aufstiegsbedingungen. Hierzulande ist man als Techniker in jeder Hinsicht Mitarbeiter zweiter Klasse, von den Aufstiegsmöglichkeiten bis zum Gehalt. Wer wirklich gut ist, bleibt nicht hier. Dagegen helfen auch keine Greencards, die eher auf Billiglöhner abzielen - was da dann kommt, ist dem entsprechend auch nicht erstklassig.

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newliberal 13.04.2013, 20:46
3. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt,

wer aber mit offenen Augen durch dieses Land fährt sieht leider mehr Verfall als Neubeginn, Blüte gab es zuletzt vor einem Vierteljahrhundert. Diejenigen die die Innovation vorantreiben sind dünn gesät, das war schon immer so, in einem vergreisenden Land wird diese Schicht noch weitaus dünner. Wenn diese Schicht nur zur Hälfte geht, können wir hier das Licht ausknipsen. Mit sozialen Innnvationen, IntegrationsbeauftragtINen, Erlebnispädagogen und Verwalungsfuzzys kann auf Dauer kein Land überleben. Warum ? Weil all diese "Dienstleister" nicht produktiv sind.

Kleines Gedankenexperiment. Augen schliessen und an das letzte Klassentreffen (minimum Zwanzigjähriges) denken. Wer aus diesem Abschlussjahrgang hat ein Unternehmen neu gegründet und mindestens 50 Arbeitsplätze neu geschaffen (Pflegedienst zählt nicht) ? Na ? Falls überhaupt EINER dabei ist, Glück gehabt. Auf diese Schicht kommt es an, alles andere ist schmückendes Beiwerk. Ein Land das Individualismus verteufelt, Leistung für eine Vokabel aus jenen schweren zwölf Jahren hält und das "Kollektiv" oder die "Gesellschaft" und den "Sozialstaat" für etwas Quasigöttliches hält, wird es in Zukunft schwer haben.

BTW. Etwas vergleichbares wie die Nasdaq hat es hierzulande nie gegeben, auch Apple, Google oder MS wird man hierzulande vergeblich suchen. Aber immerhin sind wir Exportweltmeister, Reiseweltmeister und was weiss ich noch wasfürnmeister, warum sieht es dann in weiten Teilen des Landes nur so abgewrackt aus ?

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Esistich 13.04.2013, 20:46
4. Und wer kauft die Produkte, wenn...

durch Robotik und Digitalisierung 75 Prozent aller Industriebeschäftigten arbeitslos sind? Oder wird sich der durchschnittliche Bankster und Allesinseinetaschesteckende Turbokapitalistenmanager dann plötzlich seiner sozialen Verantwortung bewußt?
Wahrscheinlicher ist da, meiner Ansicht nach, die Tatsache, dass das soziale Gleichgewicht noch mehr kippen wird. Noch mehr sehr Reiche, ein kleines Mittelfeld - das den Reichen den Laden am laufen hält und eine sehr sehr breite verarmte Masse. Dann ist es wieder da, dass 19 te Jahrhundert Kapitalistenwunderland.

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greentiger 13.04.2013, 21:22
5. Bezüglich dieser Teilaussage hier...

Zitat von sysop
Billiglöhne und miese Arbeitsbedingungen sind dann kein Wettbewerbsvorteil mehr, weil Roboter einfache Tätigkeiten auch selbst erledigen können - egal, wo sie stehen.
...habe ich so meine Bedenken.

Wenn Roboter wenig kosten würden und wartungsfrei lange haltbar sind und ihr Betrieb sehr kostengünstig gestaltet werden kann, dann wäre das möglich.

Da aber Menschen, denen man für ihre Arbeit wenig oder nichts gibt, was über den das Verhungern verhindernden Teil hinausgeht, fast keine weiteren Kosten verursachen - die Produktion von Nachschub erfolgt durch die Menschen selber - sehe ich das Ende dieser Art von Arbeit für Menschen und den massenhaften Einsatz von Robotern noch lange nicht kommen.

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robin-masters 13.04.2013, 21:47
6. Nicht wirklich neu

das durch Automatisierung die Produktion gesteigert wird und dadurch auch das Wirtschaftswachstum.
Produktvielfalt sorgt auch für wirtschaftliche Stabilität und solides Wachstum, auch nicht neu. Genauso stehts mit der Qualität von Produkten. Das einzige was wirklich neu ist, das die Komplexität wohl dermaßen zunehmen wird das viele Mensch damit nicht mehr zurecht kommen wie bei der industriellen Revolution. Es stellt sich dann auch die Frage wieviele Menschen der Arbeitsmarkt dann auch noch benötigt und was mit den "Verlierern" passieren soll...
noch weniger Hartz4 vermutlich... Es muss ein neues Gesellschaftssystem her!

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raly 13.04.2013, 21:54
7. ...

Zitat von newliberal
wer aber mit offenen Augen durch dieses Land fährt sieht leider mehr Verfall als Neubeginn, Blüte gab es zuletzt vor einem Vierteljahrhundert. Diejenigen die die Innovation vorantreiben sind dünn gesät, das war schon immer so, in einem vergreisenden Land wird diese Schicht noch weitaus dünner. Wenn diese Schicht nur zur Hälfte geht, können wir hier das Licht ausknipsen. Mit sozialen Innnvationen, IntegrationsbeauftragtINen, Erlebnispädagogen und Verwalungsfuzzys kann auf Dauer kein Land überleben. Warum ? Weil all diese "Dienstleister" nicht produktiv sind. Kleines Gedankenexperiment. Augen schliessen und an das letzte Klassentreffen (minimum Zwanzigjähriges) denken. Wer aus diesem Abschlussjahrgang hat ein Unternehmen neu gegründet und mindestens 50 Arbeitsplätze neu geschaffen (Pflegedienst zählt nicht) ? Na ? Falls überhaupt EINER dabei ist, Glück gehabt. Auf diese Schicht kommt es an, alles andere ist schmückendes Beiwerk. Ein Land das Individualismus verteufelt, Leistung für eine Vokabel aus jenen schweren zwölf Jahren hält und das "Kollektiv" oder die "Gesellschaft" und den "Sozialstaat" für etwas Quasigöttliches hält, wird es in Zukunft schwer haben. BTW. Etwas vergleichbares wie die Nasdaq hat es hierzulande nie gegeben, auch Apple, Google oder MS wird man hierzulande vergeblich suchen. Aber immerhin sind wir Exportweltmeister, Reiseweltmeister und was weiss ich noch wasfürnmeister, warum sieht es dann in weiten Teilen des Landes nur so abgewrackt aus ?
schon mal durch andere Laender gefahren? Ich vermute schon (zumindest ihrem Beitrag nach). Soo schlimm sieht es aber in Deutschland auch nicht aus... Ihre Aussagen sind aber dennoch zutreffend

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cofdan 13.04.2013, 22:03
8. optional

Wie nett, dass Wirtschaftswissenschaftler den Hausverstand bestätigen.

Übrigens ist das Erdöl für die ölexportierenden Länder nicht deshalb gefährlich, weil sie das einzige nennenswerte ist, was diese Länder hervorbringen, sondern weil es in naher Zukunft fertig sein wird. Wäre Erdöl unendlich da und auch noch umweltfreundlich, müsste sich der nahe und mittlere Osten keine Sorge um den Wohlstand machen.

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GevatterGans 13.04.2013, 22:19
9. Naja

"Diese Erkenntnisse rütteln an einem Dogma der Wirtschaftswissenschaften [...] wonach Nationen ihren Wohlstand am besten mehren, wenn sie sich auf jene Produkte spezialisieren, die sie am billigsten herstellen können"......

Und da ist man wieder ganz stolz wenn man meint den Wirtschaftswissenschaften nachgewiesen zu haben, dass sie Blödsinn erzählen. Blöd ist aber auch wenn man dann zeigt, dass man Ricardo nich mal verstanden hat. Bei Ricordo geht es gerade um den relativen (komarativen) Kostenvorteil. Also um Opportunitätskosten, die dadurch entstehen, dass man die Alternative eben nicht produziert. Das heißt aber nicht, dass dann jeder nur ein Produkt produzieren soll, sondern lässt sich auf auch Industriesparten übertragen. Der Wirtschaftshistoriker Abelshauser nennt diese Sparte in Deutschland "nachindustrielle Maßschneiderei, mit wissenschaftlich fundierter Qualität" in der Deutschland einen relativen Vorteil hat. Damit lässt sich dann mehr Geld verdienen als mit z.B. Textilmassenproduktion, die man dann eben nicht hat, was aber nicht falsch, weil sich damit ohnehin nich soviel Geld verdienen lässt.

Ricardo behält nachwievor recht. Dann besteht zukünftig eben der relative Vorteil in einer weit diversifozierten Wirtschaft.

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