Forum: Wirtschaft
Konsumkritiker Adam Fletcher: "Verbraucher sind froh, wenn man sie entmündigt"

Unternehmen preisen den mündigen Verbraucher - Internet-Provokateur Adam Fletcher hält das für eine Farce. Sich Gedanken über Kaffeesorten oder Sockenstoffe zu machen hält er für Zeitverschwendung. "Verbraucher wollen unfrei sein", sagt er im SPIEGEL-ONLINE-Interview.

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kuchenbob 12.05.2010, 17:09
1. .

Was für ein Quatsch. Aber gut, Spon schreibt etwas dazu, Leute wie ich regen sich über diesen Mumpitz auf, man hat also ein bisserl Buzz erzeugt: Funktioniert also, seine Seite wird sicher ganz ok laufen.

Inhaltlich ist das was er da behauptet natürlich idiotisch. Sowas trifft nur auf bestimmte Produktgruppen wie bestimmte Lebensmittel zu: Mehl, Zucker etc. Aber sonst liebt der Verbraucher es doch das seiner Meinung nach beste und passendste Produkt zu finden und zu kaufen.

Hätte er Recht, wären die Preis- und Produktvergleichs-Websiten nicht so erfolgreich, Fachzeitschriften die Produkttests durchführen gäbe es mittlerweile nicht mehr, es gäbe keine Amazon Kundenbewertungen usw. usf.

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CaptainSubtext 12.05.2010, 17:10
2. !

Zitat von sysop
Unternehmen preisen den mündigen Verbraucher - Internet-Provokateur Adam Fletcher hält das für eine Farce. Sich Gedanken über Kaffeesorten oder Sockenstoffe zu machen hält er für Zeitverschwendung. "Verbraucher wollen unfrei sein",
Das ist doch Unsinn. Man will nur nicht so viel Zeit unnötig verschwenden und da können Experten behilflich sein.
So ist ein ...
Zitat von
Funktionieren Blindkäufe auch bei anderen Sachen? : Ja. Selbst bei Handys oder Fernsehern könnten Shops einen Mystery-Kauf anbieten. Der Kunde würde nur die Preisobergrenze und wenige Kernfunktionen definieren. Die restliche Auswahl übernehmen unabhängige Experten.
Im Ansatz richtig, jedoch sollten die "Experten" eine Auswahl zur Verfügung stellen und der Kunde das letzte Wort haben. So wie es sich im guten Fachhandel seit jeher bewährt hat. Der "Mystery-Quatsch" wird sich jedenfalls nicht durchsetzen, da man spätestens nach dem ersten Fehlkauf nicht mehr darauf zurückgreifen würde.

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Zagreus 12.05.2010, 17:22
3. Recht hat der gute Mann.

"Fletcher: Ich spreche von obsessivem Entscheidungszwang. Verbraucher wollen unfrei sein. Sie sind froh, wenn man sie entmündigt. Wer hat Zeit, sich über Geschmacksnuancen von Kaffees oder den ökologischen Fußabdruck von Socken den Kopf zu zerbrechen? Die Leute wollen ihren Durst stillen und sich die Füße wärmen. Alles Weitere sollten andere übernehmen."

Der Typ hat Recht - zumindest für mich.

Wer kennt nicht diese wirklich schon nervige Fülle an Informationen und Entscheidungszwängen, die einem wirklich de facto nur Lebenszeit stehlen?
Da wird erwartet, daß man sich erst einmal stundenlang einfuchst in minimale Unterschiede - eine regelrechte Wissenschaft - um endlich dann den *richtigen Telephonanbieter* oder Handy für einen herauszufinden. Das meiste davon interessiert aber nicht, man will einfach irgendeinen Anbieter oder Artikel haben, der 2-3 bestimmte Punkte bietet und der ganze Rest ist einem gleichgültig dann - und man hat weder die zeit noch die Lust sich damit eingehender auseinanderzusetzen. Nicht, daß es diese Infos nicht geben sollte - es sollte sie geben für jeden, der sich mit ihnen aus welchen gründen auch immer eingehender beschäftigen möchte. Aber wenn man erst quasi ein neues Vokabular und was weis ich für kriterien herausfinden muss und letztendlich dann erst einmal über stunden, wenn nicht Tage de facto beschäftigt wäre, um möglicherweise etwas zu bekommen, daß eine einem selbst unwesentliche Kleinigkeit besser wäre als ein anders Angebot, dann nervt es halt nur noch.
Manche sachen müssen einfach nur *funktionieren*, *da sein*, *zur Verfügung stehen* zu einem vor einem selbst vertretbaren Preis und gut; mehr interessiert eigentlich nicht - im gegensatz zu anderen Dingen mit denen man sich gerne beschäftigt und sich auch auskennt, weil sie einem entsprechend Wichtig sind.

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blowup 12.05.2010, 17:34
4. vollkommen korrekt

Allerdings sind diese Theen schon länger bekannt und auch hinreichend verifiziert. Aus tiefenpsychologischer Marktforschung weiß man, dass z.B. der Erfolg von Aldi auch auf dem überschaubaren Angebot beruht. Im Vergleich dazu ist ein Einkauf bei Real der reinste Stress. Beispiel: bei Aldi gibt es eine Sorte Spaghetti auf deren Qualität ich mich verlassen kann. Die packe ich automatisch in Sekundenbruchteilen in den Einkaufswagen. Bei Real gibts wahrscheinlich ca. 10 bis 15 Sorten Spaghetti zwischen denen ich mich entscheiden muss.

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Bala Clava 12.05.2010, 17:39
5. Mündiger Käufer

Zitat von sysop
Unternehmen preisen den mündigen Verbraucher - Internet-Provokateur Adam Fletcher hält das für eine Farce. Sich Gedanken über Kaffeesorten oder Sockenstoffe zu machen hält er für Zeitverschwendung. "Verbraucher wollen unfrei sein", sagt er im SPIEGEL-ONLINE-Interview.
Niemand kann einen zwingen, sich bei Starbucks oder Balzac auf deren Kindergarten-Jargon einzulassen, Ich bestelle nach wie vor "klein" "zum Mitnehmen". Wenn die das nicht verstehen wollen, haben sie einen Verkauf weniger. Dazu kommt es aber seltsamerweise nie ...

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frank_lloyd_right 12.05.2010, 17:47
6. Er hat schon Recht...

...Menschen glauben gern mal irgendwas,
und lange Nachdenken ist nicht ihr liebstes Hobby -
der Mensch will Spaß und Geschenke, also kauft er sich was.

Drum funzt die Konsumgesellschaft so gut,
und auch der Markt, der sich selbst reguliert,
und all das ganze Zuig.

Im Marketing darf man es nicht kompliziert machen,
weil sonst keiner die Werbung rallt.
In den Beschreibungen braucht man es bloß ausführlich
zu gestalten, und schon kriegt es keiner mehr mit -
Lügen ist im Grunde überflüssig.

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Arion's Voice 12.05.2010, 17:48
7. jaja, wir sind alle selbst Schuld...

Zitat von sysop
Unternehmen preisen den mündigen Verbraucher - Internet-Provokateur Adam Fletcher hält das für eine Farce. Sich Gedanken über Kaffeesorten oder Sockenstoffe zu machen hält er für Zeitverschwendung. "Verbraucher wollen unfrei sein", sagt er im SPIEGEL-ONLINE-Interview.
Es gibt genügend Käufer, die es interessiert, was sie kaufen. Sonst hätten viele Bioläden, Fairtradeprodukte und andere Angebote für bewusste Konsumenten längst pleite gemacht. Stattdessen steigt deren Umsatz, weswegen ja gerade auch viele Discounter auf den Zug aufspringen.

Eins allerdings möchte ich anmerken:
Zeilenweise Kleingedrucktes zu lesen, das nervt mich auch. Deswegen wäre ich als Konsument für eine bessere Kennzeichnung der Waren. Aber da stellt sich ja unsere Wirtschaft und unsere Verbraucherschutzministerin (haha) quer.

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Hercules Rockefeller 12.05.2010, 17:50
8. Nur 25 Euro...

Na, wenn 25 Euro für den Shirtkrösus pillepalle sind, wieso bietet er denn nicht auch eine "Misteryzahlung" an? Da entscheidet der Kunde, in welcher Währung und wie viel Kohle für den Händler am Besten wären. Wonach er das entscheidet, der Kunde? Na, darüber entscheidet ein Psychotest...

Was der Shirtonkel anbietet, dass wird uns seit Gründung der BRD als "Demokratie" verkauft. Da hat man kaum bis mittlerweile keine Auswahl (ist ja wie in der DDR!), und was das Produkt kann bzw. tut, entscheidet es bzw. der Verkäufer selber. Resultat: Alle unglücklich, ausser dem Hersteller!

Ich fühle mich beim einkaufen nicht überfordert! Wenn ich ein grünes Shirt will, dann suche ich mir grüne Shirts! Will ich einen Laptop, dann gucke ich, was er kostet und vergleiche dann, was er kann. Reicht mir das, dann wird er gekauft. Ich sitze aber nicht da und gucke was die können, denn für mich sind 25 Euro eben 25 Euro und für Prekariatskunden ist es wurscht, was es an Auswahl gibt-denn die ist immer noch für den Durchschnittskunden durch den Geldbeutel begrenzt.

Und ein T-shirt für 25€ kaufe ich schonmal gar nicht! 50 Mark Misterykauf? Ja nee, is klar!

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fintenklecks 12.05.2010, 17:52
9. Gedankenlosigkeit vs. Verantwortung

Zitat von sysop
Unternehmen preisen den mündigen Verbraucher - Internet-Provokateur Adam Fletcher hält das für eine Farce. Sich Gedanken über Kaffeesorten oder Sockenstoffe zu machen hält er für Zeitverschwendung. "Verbraucher wollen unfrei sein", sagt er im SPIEGEL-ONLINE-Interview.
Ich will nicht in Abrede stellen, dass es gedankenlose Verbraucher gibt. Nur ich und mein Umfeld schauen oft genau auf die Qualität der Waren. Je teurer ein Artikel ist, desto genauer wird betrachtet, was man für sein teuer verdientes Geld auch bekommt. Ein Auto kauft man nicht gedankenlos.

Als nächstes kommt der Gesundheitsaspekt zum Tragen. Gerade bei Lebensmitteln wird oft genau auf Inhaltsstoffe wie Geschmacksverstärker geachtet. Ansonsten würde die Lebensmittelindustrie nicht besonders auf Verpackungen darauf hinweisen.

Die Bekleidungsindustrie wirbt mit textilem Vertrauen, weil der Verbraucher keine Schadstoffe auf der Haut haben möchte.

Die Elektroindustrie mit VDE Zeichen, CE Zeichen o.ä.. Schließlich will keinen der Schlag treffen.

Die Spielzeugindustrie wirbt mit Spiel gut. Besonders wertvolles Spielzeug.

Jeder hat seine Empfehlungen, Referenzen deutlich hervorgehoben und die Verbraucher springen darauf an.

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