Forum: Wirtschaft
Kümmern sich die Unternehmen genug um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter?

Der Job macht viele Menschen fertig - Stress, Überstunden, kurze Pausen verlangen immer mehr Anstrengungen von den Arbeitnehmern. Burnout ist inzwischen kein exotisches Phänomen mehr in deutschen Betrieben, sondern häufige Diagnose bei Krankheit. Kümmern sich die Unternehmen ausreichend um die Gesundheit ihres Personals?

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querulant_99 23.07.2011, 16:57
1.

Zitat von sysop
Der Job macht viele Menschen fertig - Stress, Überstunden, kurze Pausen verlangen immer mehr Anstrengungen von den Arbeitnehmern. Burnout ist inzwischen kein exotisches Phänomen mehr in deutschen Betrieben, sondern häufige Diagnose bei Krankheit. Kümmern sich die Unternehmen ausreichend um die Gesundheit ihres Personals?
Nein! Da müssten sich die AN selbst darum kümmern.
Das Problem dabei: Als Einzelner kann man hierbei herzlich wenig erreichen, und die Interessenvertreter der AN, die Gewerkschaften, hüllen sich dazu in Schweigen.

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Martin Franck 24.07.2011, 09:41
2. Natürlich nicht

Nehmen wir einmal an, ein Chef rechnet aus, er benötigt übers Jahr das Äquivalent von 10,5 Stellen.
Er könnte elf Leute einstellen, und sagen: So habe ich etwas Puffer wenn unvorhergesehenes eintrifft, und falls nicht, kann ich die Leute auf Fortbildung etc. schicken.
Er könnte auch versuchen exakt auf 10,5 Stellen zu kommen. Ist die Berechnung zu knapp kalkuliert, so stellt er zur Überbrückung Leiharbeitskräfte ein.
Oder aber, er stellt bewusst nur zehn Leute ein. Ist durch Krankheit, Urlaubszeit oder starken Arbeitsanfall doch offensichtlich nicht genügend Personal vorhanden, so ruft er zum Zusammenhalt auf, um die widrigen äußeren Umstände durchzustehen. Klappt es, so kann er das Personal noch einmal reduzieren. Denn offensichtlich ist widerlegt, dass 10,5 Stellen notwendig waren.
Szenario 1 gibt es in der Realität nicht. Szenario 2 gibt es nur bei einigen weltfremden Träumern. Szenario 3 ist das Vorbild für Chefs, die voran kommen wollen.

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heinrichp 24.07.2011, 09:53
3. die Gier nach immer mehr

Zitat von sysop
Der Job macht viele Menschen fertig - Stress, Überstunden, kurze Pausen verlangen immer mehr Anstrengungen von den Arbeitnehmern. Burnout ist inzwischen kein exotisches Phänomen mehr in deutschen Betrieben, sondern häufige Diagnose bei Krankheit. Kümmern sich die Unternehmen ausreichend um die Gesundheit ihres Personals?
Es geht wie in allem heute nur um das liebe Geld, die Gier nach immer mehr. Die Menschen werden regelrecht ausgebeutet.
http://die-welt-der-reichen.over-blog.de/#

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wintergreen 24.07.2011, 10:07
4. ist das nicht bereits der zweiter Titel über Burnout innerhalb eines Jahres?

In einigen Unternehmen muss es ja schlimm stehen!

Nm Erfahrung kümmern sich bloss grosse und gutorganisierte Unternehmen einigermassen um Burnoutprävention, dies nicht selten mit der versteckten Drohung, die Mitarbeiter hätten gefl. gesund zu bleiben. Aber wenigstens ist man sich des Problems bewusst.

In einem kleinen Unternehmen, in dem ich gel. arbeite, schenkte die Chefin anlässlich einer anrollenden Grippewelle persönlich ein Gläschen Orangensaft an die Mitarbeiter aus, mit der Bemerkung "bleiben Sie gesund" (war immerhin Bio, der Saft). In diesem Unternehmen sind die Burnouts (die unter der Bezeichnung Depression laufen) an der Tagesordnung. Es muss allerdings gesagt werden, dass die abhängig beschäftigten Kollegen kaum noch den Mut aufbringen, sich gegen Arbeitsüberlastung und andere Zumutungen zu wehren. Zu gross ist die Angst vor Repressalien - die oft nicht einmal eintreten würden. Meinen Status als Selbstständig habe ich dazu benutzt, die Leitung auf gesetzliche Verpflichtungen ggüber den Angestellten aufmerksam zu machen (Versicherungen, Pausen, Schutz vor toxischen Substanzen, u.ä.), die dann auch befolgt wurden. Trotzdem beschäftigt man mich immer noch (weil man mich braucht).

Der Verfasser des vorangehenden Posts hat Recht: wo bleiben die Gewerkschaften? Feig, fett und opportunistisch geworden, das ist häufig der Eindruck - dafür immer auf dem Posten, wenn es ums Einkassieren der Mitgliedbeiträge geht!

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heinrichp 24.07.2011, 10:26
5. Burn-out, Überforderung

Zitat von sysop
Der Job macht viele Menschen fertig - Stress, Überstunden, kurze Pausen verlangen immer mehr Anstrengungen von den Arbeitnehmern. Burnout ist inzwischen kein exotisches Phänomen mehr in deutschen Betrieben, sondern häufige Diagnose bei Krankheit. Kümmern sich die Unternehmen ausreichend um die Gesundheit ihres Personals?
Flexibilität, Burn-out, Überforderung
Immer mehr sind psychisch krank
Die Studie der DAK klingt alarmierend. Immer mehr Arbeitnehmer leiden unter psychischen Krankheiten. Fast jeder zehnte zwischen 15 und 29 Jahren hat körperliche Probleme ohne organische Ursachen, oft begleitet von Depressionen.

Eine Untersuchung der Techniker Krankenkasse (TK) stellt bei jüngeren Beschäftigten in den letzten Jahren einen deutlichen Anstieg von Krankschreibungen aufgrund psychischer Diagnosen fest. Die Ursache könnten gestiegene Anforderungen der Arbeitswelt sein. Berufseinsteigern würde ein hohes Maß an Qualifikation und Flexibilität abverlangt, sagt TK-Expertin Gudrun Ahlers. Hinzu komme die Unsicherheit durch befristete Arbeitsverträge.

Für Unternehmen sei es angesichts des demografischen Wandels und der sinkenden Zahl qualifizierter Fachkräfte wichtig, die Gesundheit ihrer Mitarbeiter langfristig zu fördern. Laut TK-Erhebung stagnierte der Krankenstand im Jahr 2010 in Deutschland bei rund 3,3 Prozent.*

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Martin Franck 24.07.2011, 11:11
6.

Zitat von wintergreen
ist das nicht bereits der zweiter Titel über Burnout innerhalb eines Jahres?
Zuerst dachte ich auch, aus Versehen sei ein alter Titel online gestellt worden.

Zitat von wintergreen
Aber wenigstens ist man sich des Problems bewusst.
Nicht nur der Spiegel hat ja auch in Fernsehbeiträgen darüber berichtet, sondern auch andere Printmedien haben ausführliche Beiträge gebracht. Welcher Chef noch behauptet er sei sich des Problems nicht bewusst, der hat sich schon disqualifiziert.

Zitat von wintergreen
In diesem Unternehmen sind die Burnouts (die unter der Bezeichnung Depression laufen) an der Tagesordnung. Es muss allerdings gesagt werden, dass die abhängig beschäftigten Kollegen kaum noch den Mut aufbringen, sich gegen Arbeitsüberlastung und andere Zumutungen zu wehren. Zu gross ist die Angst vor Repressalien
Neben direkten Repressalien gibt es natürlich auch eine Stimmung: Ach das ist doch dieser Kollege, der immer wieder mit seinen gesetzlichen Verpflichtungen gegenüber den Angestellten (Versicherungen, Pausen, Schutz vor toxischen Substanzen, u.ä.), kommt. Da ist mir der Kollege, der einfach die Dinge abarbeitet lieber.

Obwohl der Titel anderes suggeriert: "Jetzt mal langsam!: Bislang sollten Arbeitnehmer möglichst rund um die Uhr effizient, erreichbar und einsatzbereit sein. Doch viele halten dem Dauerstress nicht mehr stand. Nun suchen ausgerechnet die Unternehmen nach Entspannung und Entlastung - aus betriebswirtschaftlichem Kalkül. "
scheint es sich ja bei vielen Unternehmen betriebswirtschaftlich eben nicht zu rechnen.

Das ist so ähnlich wie das ewige Gerede vom angeblichen Fachkräftemangel. Denn gäbe es einen solchen, hätten wir auch weniger burnout.

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Bigsby 24.07.2011, 12:19
7. Überall dasselbe Spiel

Nicht nur in den Unternehmen,sondern auch im öffentlichen Dienst ist der Druck "von oben" immer mehr zu spüren.
Die kranken Ideen der Unternehmer werden hier nur allzu gern übernommen.
Zu wenig Neueinstellungen,Lebens-Wochenarbeitszeiterhöhungen,
Überstunden,Lohneinbußen,familienfeindliche Schichtmodelle und permanenter mentaler Druck durch Vorgesetzte, sind z.B.bei der Berliner Polizei/Feuerwehr so ausgeprägt,daß den Mitarbeitern oft kein anderer Ausweg bleibt,als der zum Arzt.
Immer öfter wird ein "Burnout Syndrom" diagnostiziert. Für ein allgemeines Umdenken der Verantwortlichen in Deutschland wird es höchste Zeit.

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scharfrichter1 24.07.2011, 12:32
8. Neustart?

.. oder auch nur Neuausrichtung? Ein "Reset", ein "Gehe-zurück-auf-Los"?

Wie www.plan-be.de zu beschreiben versucht?

Jedenfalls gehört radikales umdenken dazu! Für den Einzelne und die Gesellschaft.

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GM64 24.07.2011, 13:03
9. Es ist nur der Egoismus

Zitat von sysop
Der Job macht viele Menschen fertig - ....
Das einzige Ziel eines Unternehmens ist der Gewinn und dem wird alles untergeordnet.

Aber dieses Problem kennen wir ja auch aus dem Zwischenmenschlichen.

Bei den Freundschaften ist es ja genau so, und weil es im Zwischenmenschlichen nicht stimmt, stimmt es auch in den Firmen und in der Gesellschaft insgesamt nicht.

Ich hatte vor wenigen Wochen ein sehr interessantes Gespräch mit einer Freundin. Sie hat mich wegen einem Klassentreffen angerufen. Sie hatte noch gesagt: "ruf zurück, und schick mir Deine e-mail", aber als ich mich dann etwas verspätet gemeldet hatte, hat sie nicht mehr aufgehoben und die e-mails und SMS hat sie gar nicht mehr beantwortet.
Ich war wieder, wie seit so vielen Jahren, nutzlos geworden.

Wir sind nur dann an jemanden interessiert, wenn wir einen direkten Nutzten an ihm erkennen. Können wir aus der Beziehung keinen Profit erwarten, ist der Mensch für uns tot.

Das Gleiche hat mir ein Bekannter gesagt, ich ziehe jetzt nach München, jetzt habe ich an Freunden hier keine Interesse mehr. Seither ist er für mich am Telefon und per e-mail nicht mehr zu sprechen.

Auch ist mir ein ein Mädchen bekannt, die vom Freund sitzen gelassen wurde, weil er eine Freundin vor Ort haben wollte.

Das mag zwar vielleicht für viele vernünftig klingen, ist aber im Prinzip verhängnisvoll. Weil jene die so handeln eigentlich zur Freundschaft nicht fähig sind.

Es ist so, als ob man einem Blinden ein Bild erklären sollte oder einem Tauben eine Symphonie.

Wahre Freundschaft muss zweckfrei sein. Ich mag einen Menschen, weil ich mich einmal für ihn entschlossen habe und bin dafür auch bereit etwas zu tun. Es ist wie mit dem Fußball, er ist auch sinnlos, aber es macht doch Spaß.

Es ist gut, wenn in einer Gesellschaft auch solche Dinge getan werden. Zum Beispiel ist mir aufgefallen, das Kirchen zwar auf den ersten Blick zwecklos sind, dennoch sind sie für einen Ort sehr wichtig. Sie bilden Identität, und bringen die Gemeinde wöchentlich zusammen. Die schönsten Orte sind jene mit einem großen Kirchturm und kleinen Häuschen drumherum. Eine Trabantenstadt hat keine Seele.
Leider haben viele dieses Verständnis verloren und eine Ortschaft ist nicht mehr eine Gemeinschaft sondern nur noch eine Menge von Individuen.

Aber auch ein Unternehmen braucht so etwas wie eine Kirche. Es gibt Dinge die man nicht in Geld messen kann. Und dass ist der Stoff der aus einer Menschen Menge eine Gemeinde macht. Nur eine Gemeinschaft kann Großes vollbringen.

Wenn ich meine Freunde nur nach dem Nutzen aussuche bin ich am Ende auch alleine, weil ich den Anderen, wenn ich keinen Nutzen mehr bringen kann, mich auch fallen lassen.

Aber es ist noch ein anderer Grund, Freundschaft ist eine Art von Liebe, Nächstenliebe. Wenn ich dazu nicht fähig bin, bin ich wie einer der Taub ist, oder Blind, mir fehlt das Entscheidende, das was das Leben glücklich macht.
Bei den anderen ist das Leben wie ein Computerspiel, man stresst sich von einem Level zum anderen und am Ende ist man müde.

Firmen sollten auf ihre soziale Kompetenz geprüft werden. Wir brauchen einen Chef Führerschein. Ist der Ausstoß an Burnout Kranken Mitarbeitern hoch, wird der Firma die Betriebsgenehmigung entzogen. Aber der Chef hat nicht immer die gesamte Schuld, das Team kann auch daran Schuld sein.
Eigentum verpflichtet, nicht nur zu Steuer.

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