Forum: Wirtschaft
Merkel und die Russen-Pipeline: Deutschland zahlt einen zu hohen Preis für Nord Strea
DPA

Wirtschaftlich hat Deutschland im Streit um Nord Stream 2 recht: Die Pipeline macht Europa nicht abhängig von Russland. Das spielt nur längst keine Rolle mehr - weil sich Berlin politisch ungeschickt anstellt.

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michael_1976 08.02.2019, 15:10
1.

Der Autor hat die wesentlichen Punkte richtig hervorgebracht.
Politisch ist es leider eine Katastrophe. Ich habe mir etwas zu diesem Projekt in Litaun anhören müssen. Eben Solidarität wurde bemängelt, was DE von anderen Partnern immer fordert

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Chris CNX 08.02.2019, 15:11
2. Anspruch auf Durchleitungsgebühren

Das wäre vergleichbar als wenn die Lufthansa sich überlegt auf dem Weg nach Asien nicht mehr über die Ukraine zu fliegen und die dortige Regierung sich beschwert, dass ihnen ja nun die Einnahmen der Überflugrechte verloren gehen.
Oder wenn polnische LKW statt quer durch Deutschland z.B. in die Schweiz zu fahren und damit Autobahnmaut generieren, die Spediteure sich nun überlegen eine Route über Österreich zu nehmen und den Deutschen dadurch Gelder entgehen.

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Mehrleser 08.02.2019, 15:14
3.

Ein gutes Image bekommt Deutschland in der EU nur, wenn es Geld springen lässt. Dann lieber wirtschaftlichen Nutzen und schlechtes Image.

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biesi61 08.02.2019, 15:26
4. Der Fertigbau der Pipeline steht nicht zur Disposition.

Ich gebe dem Autor inhaltlich recht. Es war und ist richtig, Nord Stream 2 zu bauen! Der diesbezügliche Druck aus den USA ist durch eigene Interessen motiviert und entsprechend verlogen. Mit der Kritik aus den anderen EU-Staaten hätte unsere Regierung aber viel aktiver und offensiver umgehen müssen. Das Verhalten Deutschlands in der EU ist mit "ungeschickt" aber nur unzureichend kritisiert. Unser Land setzt eigene Interessen wie Nord-Stream 2 rücksichtslos und weitgehend ohne erklärende Kommunikation durch, ist unter Merkel und Schäuble aber gegenüber den anderen EU-Partnern beinahe permanent arrogant und belehrend, hat dabei aber bei weitem nicht immer recht. So werden die andauernden Austeritätsforderungen nicht nur von unseren Partnern kritisiert. Praktisch alle führenden Ökonomen der Welt (von denen bezeichnenderweise kein einziger aus Deutschland kommt) sind strikt dagegen. Und alle Länder, die aus dem Austeritätsdiktat ausgebrochen sind bzw. niemals so einer Politik gefolgt sind (Portugal, Island, USA) stehen wirtschaftlich heute viel gesünder da als die Austeritätsopfer. Auch der Umgang (bzw. besser Nichtumgang) mit Macrons Vorschlägen zur Weiterentwicklung der EU war und ist reichlich unverschämt. Da lädt jemand mit einer guten Gesprächsgrundlage ein und Deutschland schafft es über Jahre nicht, auch nur in irgend einer Form zu antworten. Auch bei der Streichung der Erdgasleitung Southstream, deren Nutznießer vor allem Bulgarien, die Balkanstaaten und Italien gewesen wären, hat Deutschland eine erschreckend unrühmliche Rolle gespielt!

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sagichned 08.02.2019, 15:27
5. Genau am

1.01.2020 wird der Gashahn für die Leitung durch die Ukraine zugedreht. Was auch immer dann mit der Leitung passiert, Russland wird kein Gas mehr mit einer Zahlung der Durchleitungsgebühren an die Ukraine durchleiten. Eine Lösung wäre es, wenn die EU die Leitung kauft und dann ihr Gas direkt an Russlands Grenze abholt.

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truka 08.02.2019, 15:28
6. Richtige Entscheidung

Endlich handelt die Regierung mal im Interesse des Landes und schon ist es wieder nicht recht. Wie weit es mit der Solidarität in der EU bestellt ist muss ich jeden Tag lesen.

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ruediger 08.02.2019, 15:29
7.

Nord Stream 2 ändert gar nichts an unserer Abhängigkeit von Russland (weil auch das Gas der grösseren anderen Pipelines aus Russland kommt). Sie reduziert aber unsere Abhängigkeit von der Ukraine. Und dass ist, völlig losgelöst von der Frage, wer auf der Krim im Recht ist, erstmal gut für uns, weil eine Energieversorgung die abhängig von einer Durchleitung des Gases durch ein (Bürger-)Kriegsgebiet sicherlich problematisch ist.

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reever_de 08.02.2019, 15:32
8.

Es geht um Geld, und zwar um deutsches Geld: nicht für den Endverbraucher (wo bitte sind denn Energiepreise für Strom und Gas in den letzten Jahren mal gesunken), sondern für die Polen und Russen, die am jammern sind, das ihnen Geld verloren geht: in der Ukraine geht es Herrn Poroschenko direkt ans Portemonnaie wenn er sich nicht mehr an den Durchleitegebühren und am Gas, das er zu „Testzwecken“ abzwackt, bereichern kann. Und den Polen geht es zusammen mit dem Geld aus gleichen Gründen darum, dem Erzfeind Russland wieder mal einen überbraten zu können. Den Amerikanern geht es darum, ihr mieses Fracking-Gas an den Mann zu bringen, für das ein riesiges Überangebot besteht und das derzeit viel zu wenig abgenommen wird.

Normalerweise ist grade die Energieversorgung eines Staates „nationales Interesse“ pur - die Amerikaner, die Franzosen würden sich deutsche Einmischungen in aller Form und drastisch verbeten. Grade wegen ihrer Atompolitik, die auf Atomwaffen und Atomenergie setzt. Nur wie Deutschen meinen, sich durch ganz Europa und den USA unter Druck setzen zu müssen.

Aber, man argumentiert ja richtig - es ist nur zu hoffen, dass das Projekt auch weitergeführt wird und das Gas dann wie geplant zu uns kommt. Und nicht vergessen: die Russen haben IMMER geliefert und waren IMMER ein verläßlicher Partner. Etwas, was man von den Amerikanern nicht mehr sagen kann. Verzichten wir auf russisches Gas, sind wir von den Amerikaner abhängig. „Spuren“ wir nicht, wie diese wollen, haben alle US-Gastanker auf einmal mitten auf dem Meer für Wochen alle zusammen Motorschaden. Und dann?!?!

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MännlicheMinderheit 08.02.2019, 15:36
9. Ukraine-Argument

Es würde Deutschland gut stehen in der Sache auch einmal standhaft gegenüber den USA und sonstigen ausländischen Interessen zu bleiben (Diplomatie förderliche Kompromisse aber zuzulassen).

Das oft von Gegnern herangeführte Ukraine-Argument lässt sich dadurch entkräften, dass Deutschland dann über Nord-Stream 2 die östlichen Länder wieder mitversorgen könnte. Die Ukraine, Polen und andere Ostblockstaaten würden dann nicht ohne Gas dastehen.
Das man als Land (Ukraine, Weißrussland) nicht langfristig auf das Pferd "Durchleitungsgebühren" als Mittel zur Staatsfinanzierung setzten darf, sollte der Ukraine auch klar sein. In welchen korrupten Senken dieses Geld verschwindet ist sowieso zu hinterfragen. Da würde ich zum Ausgleich der entgangenen Einnahmen eher für eine gezieltere Investition in die Wirtschaft unter Umgehung der korrupten Klasse in der Ukraine plädieren.

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