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Milliardenplus der AOKen: Minus-Krankenkassen drängen auf Finanzreform
DPA

Vor der Bundestagswahl fordern viele Krankenkassen eine Reform des Risikostrukturausgleichs der gesetzlichen Krankenversicherung. Sie stört das Milliardenplus der AOKen.

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Walther Kempinski 19.06.2017, 09:59
1. HoksuPokus

Ich möchte nicht, dass Homöopathie und anderer Käse von den Kassen bezahlt wird. Über den Risikostrukturausgleich muss ich dann über meine Kasse den HokusPokus mitfinanzieren. Das Argument "ja dann geh doch zu der Kasse die es nicht zahlt" gilt also gar nicht! Ist so ähnlich wie bei der Kirchensteuer. Da hilft austreten nur bedingt.

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Ossifriese 19.06.2017, 10:06
2. Gesetzt

"...Die neue Bundesregierung müsse gleich zu Beginn der neuen Legislaturperiode geeignete Maßnahmen ergreifen, um Über- und Unterdeckungen auszugleichen und die bestehenden Wettbewerbsverzerrungen abzubauen. ..."
Inzwischen existiert doch so etwas wie eine (wenn auch regulierte) Konkurrenz unter den Kassen. Alle streben nach möglichst vielen Versicherten und bieten dazu Anreize. Scheinbar sind aber die Kosten für die kleineren Kassen inzwischen so hoch geworden, dass sie sich nur mit den "Zusatzbeiträgen" über Wasser halten können. Doch dann rennen ihnen die Beitragszahler weg und gehen zu einer günstigeren Versicherung. Die Synergieeffekte einer größeren, wachsenden Gesellschaft fördern natürlich die Unterfinanzierungen. Und in dieser Phase rufen nun alle zu kleinen Kassen nach einem "Finanzausgleich", der sie einerseits besser stellt - andererseits aber den vor allem von ihnen geforderten "Wettbewerb" ad absurdum führt.
Wenn die AOK bessere Leistungen bei geringeren Beiträgen bietet, so ist es normal, wenn in einer Wettbewerbssituation diese Versicherung immer leistungsstärker wird. Das ist das Gesetz der kapitalistischen Ökonomie.

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frankfurtbeat 19.06.2017, 10:18
3. wenn ...

auf den Beitrag von Forist Walther Kempinski könnte man eine seitenlange Antwort mit Medikamenten erstellen welche hinsichtlich Kosten/Wirkung fragwürdig sind und ebenso immense direkte Kosten und aufgrund von Nebenwirkungen hohe Folgekosten kreieren. Besser Homöopathie mit Placeboeffekt als irgendein Chemieschrott mit extremen Nebenwirkungen.
Zwecks Kostensituation der Kassen könnte man an folgenden Schrauben drehen:
- weniger Kassen
- weniger regionale Vorstände
- weniger Marketing
- weniger Glaspaläste in Spitzenlagen
oder gleich ein ähnlich der Kfz-Versicherung aufgebautes System anbieten mit Grundversorgung oder Premiumversorgung - das funktioniert nicht nur in der Schweiz. Damit kann man das Thema Homöopathie oder Schönheit deckeln ...

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florafauna 19.06.2017, 10:19
4. Überflüssig

So, wie es derzeit läuft, sind so viele Krankenkassen in Deutschland überflüssig.
Mein Vorschlag: eine Krankenkasse für alle. Spart: Vorstände, Verwaltungskosten, Miete etc.

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spon_2937981 19.06.2017, 10:20
5. Kern des Problems

Der Kern des Problems ist, dass die AOKn nicht dem Bund, sondern ihrem 'Heimat'-Bundesland 'unterstellt' sind.
Die Landesregierungen setzen sich politisch für 'ihre' AOK ein, und die Aufsichtsbehörden der Länder sind sehr wohlwollend gegenüber 'ihren' AOKn. Während das Bundesversicherungsamt sehr penibel ist und höchstens das Wohl einzelner Kassen im Blick hat, und nicht das Wohl einer Kassenart.

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hadriani 19.06.2017, 10:21
6. Risikostrukturausgleich ...

ja klar, der war geplant wegen der "schlechteren" Risiken. Und nu hat die AOK scheinbar einen deutlichen Vorteil davon, also geht das Geschrei bei den "benachteiligten" los. Aber ersten geht es dabei nicht um die Kassen, sondern um die Patientenstruktur. Und damit stellt sich für mich überhaupt die Frage, wozu die ca. 200 Krankenkassen in Deutschland??? Wir sind hier extrem überversorgt, genau wie bei der Diskussion mit dem Ärztemangel. Um 1995 hatten wir mit ca. 220000 eine Ärzteschwemme, heute mit ca. 370000 Ärzte einen Ärztemangel???? Im Gesundheitssystem steckt zu viel Geld und damit entstehen Begehrlichkeiten. Von daher würde was die Kassen anbelangt, eine einheitliche Pflichtkasse reichen, in der alle gesetzlich Versicherten drin sind. Die BKKs könnten sich ebenso zu einer gemeinsamen deutschlandweiten BKK zusammen-organisieren. Und damit sind einige Diskussionspunkte gelöst.

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Berliner42 19.06.2017, 10:23
7.

Zitat von Ossifriese
Inzwischen existiert doch so etwas wie eine (wenn auch regulierte) Konkurrenz unter den Kassen. Alle streben nach möglichst vielen Versicherten und bieten dazu Anreize. Scheinbar sind aber die Kosten für die kleineren Kassen inzwischen so hoch geworden, dass sie sich nur mit den "Zusatzbeiträgen" über Wasser halten können. ... Wenn die AOK bessere Leistungen bei geringeren Beiträgen bietet, so ist es normal, wenn in einer Wettbewerbssituation diese Versicherung immer leistungsstärker wird. Das ist das Gesetz der kapitalistischen Ökonomie.
Bitte keine Theorien aufstellen, wenn man die Fakten nicht kennt. Die AOKen können nur bessere Leistungen bieten, weil sie ihre Verluste ausgeglichen bekommen. Und deshalb funktioniert auch der Wettbewerb nicht. Dazu kommt die im Artikel erwähnte Problematik, daß die AOKen ihren Patientenstamm durchforsten und möglichst viele als chronisch krank einstufen. Dafür gibt's mehr Geld. So wird das System dann insgesamt noch teurer.

Der Gesundheitsfonds ist ein bürokratisches Monster und gehört abgeschafft. Defizitäre Kassen müssen pleite gehen.

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burgundy 19.06.2017, 10:23
8.

Zitat von Walther Kempinski
Ich möchte nicht, dass Homöopathie und anderer Käse von den Kassen bezahlt wird. Über den Risikostrukturausgleich muss ich dann über meine Kasse den HokusPokus mitfinanzieren. Das Argument "ja dann geh doch zu der Kasse die es nicht zahlt" gilt also gar nicht! Ist so ähnlich wie bei der Kirchensteuer. Da hilft austreten nur bedingt.
Die Lösung ist recht einfach: Eine einzige Krankenkasse genügt, der Rest muss weg. Dann braucht es auch keine teuren Unsinnstherapien mehr, die zuungunsten wirklich notwendiger Diagnostiken und Behandlungen aus Kundenorientierung gefördert werden.

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st.esser 19.06.2017, 10:26
9. Gesundheitsfonds nicht verstanden?

Zitat von Ossifriese
Wenn die AOK bessere Leistungen bei geringeren Beiträgen bietet, so ist es normal, wenn in einer Wettbewerbssituation diese Versicherung immer leistungsstärker wird. Das ist das Gesetz der kapitalistischen Ökonomie.
Aber Sie wissen schon, dass die Beiträge nicht an die Kassen gehen, sondern an den Gesundheitsfonds?
Der verteilt das Geld dann nach bestimmten Kriterien an die einzelnen Kassen. Dieses Verfahren sollte u.a. den AOKs helfen, die früher unter einem durchschnittlich geringerem EInkommen der Mitglieder und dadurch geringeren Beiträgen litten.
Inzwischen stellt sich heraus, dass nach diesem Schlüssel die AOKs erheblich mehr Geld erhalten als sie benötigen, während andere Kassen Zusatzbeiträge erheben müssen, und das obwohl ihre Mitglieder erheblich mehr in den Gesundheitsfonds einzahlen, als für ihre Behandlung nötig wäre.
Mit "Wettbewerb" hat das nichts zu tun und die Zusatzbeiträge sind nicht wegen schlechten Wirtschaftens zu kleiner Kassen nötig (von denen einige sehr "schlank" aufgestellt sind).
Die Frage ist, ob der Verteilungsschlüssel angemessen ist und insbesondere, ob Manipulationen stattfinden, die unterbunden werden müssten (z.B. das ein Arzt einen Patienten als "chronisch krank" bezeichnet, für den das gar nicht zutrifft - die Kasse erhält dann erheblich mehr Geld für dieses Mitglied aus dem Fonds).

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