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Prozess gegen überhöhte Preise: Die Fernwärme-Rebellen
DPA

Clevere Kunden und Verbraucherschützer wehren sich vor Gericht gegen einen Energieversorger. Bekommen sie Recht, wären 5,5 Millionen Fernwärme-Kunden deutlich besser gegen einseitige Preiserhöhungen geschützt.

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Benjowi 09.09.2017, 15:34
1. Chaotische Konstellation, wie in der Lobbyrepublik üblich.

Fernwärme ist zwar relativ umweltfreundlich, ist aber leider gleichzeitig die teuerste Methode zu heizen. Obendrein ist man einem Monopolanbieter ausgeliefert, der sich im Allgemeinen -wie in dem Artikel beschrieben- und offensichtlich nicht scheut, seine Kunden über den Tisch zu ziehen. Solange dort keine wie auch immer geartete Konkurrenzklausel eingezogen wird, wird sich ein solches Geschäftsgebaren auch nicht ändern. Das das alles noch mit Anschlusszwang verbunden wird, ist im Grunde ein Skandal und für die Anbieter eine wieder einmal lobbygesteuerte Liozenz zum Gelddrucken. Man kann nur hoffen, dass die Gerichte das reparieren, was abgehobene und offensichtlich lobbybeeinflusste Politiker eingebrockt haben!

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hein.ch 09.09.2017, 15:48
2. befangen?

Wie kann denn der Richter befangen sein, bloss weil er Kunde ist? Wenn die so toll sind und alles korekt ist, sollte das ja keine Rolle spielen. Wenn ich allerdings weiß, dass meine Verträge nicht ganz koscher sind, dann würde ich auch nicht wollen das ein Kunde von mir darüber entscheidet.

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gammoncrack 09.09.2017, 20:04
3. Natürlich muss der Richter sich für befangen erklären, auch wenn er

es nicht ist.

Würde er der Klage der Verbraucherschützer stattgeben, auch wenn rechtlich einwandfrei, wäre er ja Nutznießer seiner eigenen Rechtsprechung. Das darf natürlich nicht sein und wäre ein fetter Revisionsgrund.

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Stäffelesrutscher 10.09.2017, 00:45
4.

»Wie viele andere konnte Koepke nur mit einem ins Geschäft kommen: E.on Hanse (früher: Hein Gas).«

Um ein Missverständnis zu vermeiden: Hein Gas war der Markenname (früher Spitzname) des kommunalen Gasversorgers. Dieser wurde privatisiert (von lateinisch: privare = rauben) und an E.on verschachert.

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joking_hazard 10.09.2017, 07:27
5. Geschäftsmodell Systemrelevanz

Das neue Geschäftsmodell der Konzerne lautet: Mach dich systemrelevant, und du brauchst kein Investitionsrisiko mehr fürchten oder Gesetze befolgen, Profitausfälle übernimmt der Bürger (und 'Bürger' ist hier genau das richtige Wort!). Unsere Politiker liefern uns immer weiter den Abzockern aus. In den gesellschaftswichtigen Bereichen Infrastruktur und Grundversorgung haben nur (streng beaufsichtigte) Non-Profit-Unternehmen eine Existenzberechtigung, Renditegeier werden jedes Mittel zur Maximierung der Preise und ihrer Gewinne nutzen, das dürfte wohl jedem Einleuchten. Wie erzielt man denn 'Wachstum' in einem Bereich mit wenig Neukunden und immer weniger Verbrauch (und Verbrauchssenkungen sind auch politisch gewollt!)? Wenn kein Personal mehr eingespart werden kann bleiben nur Preiserhöhungen! Und je mehr Kaufkraft der Bürger für alle unvermeidbaren, existenznotwendigen Posten (Essen, Wohnen, Kleidung, Energie, Steuern usw.) ausgeben muss desto weniger Kaufkraft bleibt für Kultur, Bildung und Luxusgüter. Dies schädigt unsere Gesamtwirtschaft und führt zu Arbeitsplatzverlusten und schränkt die persönliche Konsumfreiheit ein. Ein Beispiel hierfür sind das 'Aussterben' der Innenstädte und die weitere Zunahme der Discounterläden. Warum kaufen die Bewohner der Innenstädte verstärkt in am Stadtrand gelegenen Supermärkten und Discountergebieten? Kaufkraft ist der Motor jeder Wirtschaft, wo aufgrund fehlender Kaufkraft keine Nachfrage mehr herrscht werden die Anbieter und die Arbeitsplätze verschwinden. Zusammenbruch statt Wohlstand weil die systemrelevanten Abzocker nicht in ihrer Gier gebremst wurden. Die 'unsichtbare Hand' spielt Monopoly, und wir alle wissen wie dieses Spiel endet.

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holy64 10.09.2017, 08:28
6. Fernwärmemarkt

gleicht - obwohl regional- Monopolen. Da müssen schon transparente und faire Regelungen gelten

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77fun 10.09.2017, 08:55
7. Dem Versorger ausgeliefert

Fernwärmezwang ist eine sehr einseitige Geschichte. Der Kunde ist dem Energieversorger völlig ausgeliefert. Er kann weder aus dem Vertrag aussteigen noch auf regenerative Energie umsteigen. Dennoch schreit die Politik dauernd nach mehr Fernwärme und die Zahl der Haushalte, die mit dieser Wärme beliefert werden, wächst sehr schnell. Profiteure sind ausschließlich Stadtwerke und wieder mal die großen Energieversorger.

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hup 10.09.2017, 09:50
8. Automatische Befangenheit des Richters als Kunde?

Die Rechnung des Unternehmens, der Richter sei als Kunde befangen und wird deshalb pauschal abgelehnt, geht nur auf, wenn das Unternehmen denkt, dass alle seine Kunden ihm automatisch feindlich gesinnt sind. Das ist doch mal ein Sachverhalt der nachdenklich stimmen sollte, und zwar jeden Richter der nun nachfolgt, auch wenn er nicht Kunde ist. Ein Unternehmen dass sich so verhält legt damit schon offen, dass es auf Partnerschaft mit den Kunden keinen Wert legt, sondern diese nur als potenzielle Gegner sieht die man "besiegen" muss. Sehr typisch fuer Monopolanbieter, und ein gutes Beispiel warum Monopole, wenn sie nicht ganz vermieden werden können, besonders reguliert werden müssen im Sinne des Verbraucherschutzes.

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augu1941 10.09.2017, 10:05
9.

Was in dem Artikel nicht gesagt wurde, aber auch von Bedeutung ist:
Bei Fernwärme bezahlt häufig (oder fast immer?) der Mieter direkt die Rechnung des Lieferanten der Fernwärme. Normalerweise, bei anderen Energieträgern der Heizwärme (Gas, Heizöl), zahlt der Vermieter die Rechnung und legt deren Betrag auf die Mieter um (nach Vorschrift der Heizkosten- VO). Umlage bedeutet, dass es keinen Aufschlag für Gewinn des Vermieters geben darf, während der Lieferant von Fernwärme sein Produkt zu selbst festgelegten Ptesen verkaufen kann.
Nun kann der Fernwärme-Lieferant natürlich auch gegenüber dem Vermieter Preise festlegen und erhöhen, was aber bei einer großen Wohnungsgesellschaft wahrscheinlich schwieriger ist als bei einem unbedarften Mieter Lieschen Müller.
Meine Schwiegermutter hat als Mieterin eine Wohnung bei der städtischen Wohnungsgesellschaft; alle Nebenkosten der Miete werden vom Vermieter abgerechnet (normale Umlage nach Wohnfläche und Verbrauch), nur bei Heizung und Wrmwasser bekommt sie eine Rechnung von den Stadtwerken mit deutlich höheren Preisen als wenn der Vermieter selbst Heizwärme und Warmwasser aus Erdgas erzeugen würde, z.B. 35,-€ je 1m3 Warmwsr.( allerdings bei niedrigem Jahresverbrauch von 6,1 m3.)

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