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Südkoreas Wirtschaft: Reif für die Spiele
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Olympia 1988, WM 2002 und jetzt die Winterspiele: Findet ein Sportereignis statt, präsentiert sich Südkorea wirtschaftlich stets in guter Verfassung. Doch unter der Oberfläche schwelen die Krisen weiter.

henninghuno 12.02.2018, 12:52
1. Versöhnliche Töne

Versöhnliche Töne sind noch lange keine Wiedervereinigung. Die Probleme, die sich aus einer Wiedervereinigung ergeben, sind in Deutschland zu sehen: die eine Seite hat die andere komplett über den Tisch gezogen, die "Schwestern und Brüder" werden verachtet wie nie zuvor.
Einer Entspannung auf der koreanischen Halbinsel ist uneingeschränkt zuzustimmen, ist doch die Kriegsgefahr in den letzten Monaten extrem angestiegen. Wenn jetzt diese olympischen Spiele ganz im Zeichen der koreanischen Entspannung stehen, mag das in den Augen der westlichen Wertegemeinschaft bedauerlich sein, weil der kleine Sieg über Russland dadurch in den Hintergrund getreten ist, aber für Korea und die Welt ist es ein großer Gewinn. Mehr als alle sportlichen Erfolge erbringen könnten.

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rabandie 12.02.2018, 13:16
2. Zwischen Tiger und Bär…

Südkorea ist ein äußerst diszipliniertes, arbeitsames und sympathisches Land. Die Menschen sind kulturorientiert, entdecken ihre alten Wurzeln gerade wieder und verbinden Tradition mit einer Moderne, die man sich hierzulande nicht vorstellt. Die Züge fahren pünktlich, die Autoindustrie produziert wegweisende Technologie, gleichzeitig sind die Menschen naturverbunden und lieben es zu malen, zu lesen und gemeinsam zu essen. Gravierende Nachteile liegen allerdings in der Versorgung von Alten und Armen ebenso, wie in einem gnadenlosen Leistungsdruck, besonders für die Jugend. Das gilt besonders für Frauen, den traditionell zählen Söhne immernoch mehr als Töchter. Aber Koreaner schaffen es, durch friedliche Demonstrationen korrupte Regierungen abzulösen und auch die Gesellschaft weiter zu reformieren - wie gerade jetzt, wo man sich darauf besinnt, die Ungleichheit zwischen Arm und Reich wieder zu verringern. Alles in allem: Ein fantastisches Land mit einer liebenswerten Bevölkerung.

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makromizer 12.02.2018, 13:52
3.

Dass ausgerechnet Südkorea "mehr als fast jedes andere Land unter der Asienkrise von 1997 gelitten" haben soll, halte ich für eine ziemlich seltsame Aussage. Zwar war Südkorea unter den betroffenen Staaten die größte Volkswirtschaft und mag daher in absoluten Zahlen den größten Rückgang verzeichnet haben, aber im Vergleich zu Thailand oder insbesondere Indonesien war die Krise in Südkorea geradezu mild.

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brasshead 12.02.2018, 14:02
4.

"Doch viele Ökonomen bezweifeln, ob sich die Regierung die neue Lohnpolitik auf Dauer leisten kann."
Ökonomen wissen, dass eine Regierung mit souveränem Währungsmonopol sich, zumindest finanziell, jede Lohnpolitik dauerhaft leisten kann. Ansonsten liegt die Inflation um 1%, die produktiven Kapazitäten scheinen nicht ausgelastet. Soweit kein Problem in Sicht.

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wallot10 17.02.2018, 19:53
5.

Zitat von rabandie
... ebenso, wie in einem gnadenlosen Leistungsdruck, besonders für die Jugend....
Ich befürchte, dass genau deswegen es zu keiner Vereinigung kommen wird. Südkorea hat gelernt mit dem Leistungsdruck umzugehen. Nordkorea nicht. Die würden nach einer Vereinigung vom Leistungsdruck plattgemacht werden. In Deutschland gab es bei der Wiedervereinigung noch keinen so großen Leistungsgedanken wie heute (und der ist bestimmt immer noch niedriger als in Südkorea). Heute wäre eine Wiedervereinigung in Deutschland noch schwieriger als 89/90.

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