Forum: Wirtschaft
Tarifkampf der IG Metall: Schräges Lohnsystem
DPA

Die IG Metall sollte jetzt ein fettes Lohnplus herausholen. Doch sie verhandelt über Arbeitszeiten - und lässt sich damit wohl eine historische Chance entgehen. Schuld daran ist unser leistungsfeindliches Abgabensystem.

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curiosus_ 14.01.2018, 12:50
1. Herr Müller, da...

Zitat von Henrik Müller
Mehr Geld jetzt, mehr zeitliche Flexibilität später: In beiden Situationen könnten die Gewerkschaften Schwachstellen der Arbeitgeberseite ausnutzen - und entsprechend viel für ihre Mitglieder erreichen.
...bin ich völlig bei Ihnen. Zumal die geforderte Ausgleichszahlung von 200 Euro pro Monat (wohlgemerkt, vor Steuern und Sozialabgaben!) bei einer Reduzierung von 35 auf 28 Stunden (also bei durchschnittlich 20 Arbeitstagen im Monat = 28 h im Monat) einem Bruttolohnausgleich von sage und schreibe 7,14 Euro pro Stunde entspricht. Also netto weniger als die Hälfte. Bei den Tarifen in der Metallindustrie ist das für die Arbeitnehmer vernachlässigbar. Und für die Arbeitgeber schon zweimal, da es ja nur einen kleinen Teil der Belegschaft trifft.

Aus meiner Sicht ist das ein absoluter Nebenkriegsschauplatz (finanziell gesehen), eine willkommene Steilvorlage der IGM für Gesamtmetall:

Die können mit dem Thema jetzt einen Popanz aufblasen. Und den lassen Sie sich dann teuer abkaufen. In Form von niedrigen effektiven Lohnsteigerungen. Also entweder über wenig Prozente mit einem Jahr Laufzeit. Oder über mehr Prozente mit höherer Laufzeit.

Wobei die Gewerkschaft sicher für Zweiteres ist, das lässt sich ihren Mitglieder gegenüber besser verkaufen. Auch wenn z.B. 4% über zwei Jahre effektiv weniger als 2% pro Jahr sind.

Entweder ist die Gewerkschaft so blöd. Oder, was ich befürchte, noch schlimmer: Das Ganze ist nur eine "show for the customer", also die Mitglieder. Dummenfang.

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ElOmda 14.01.2018, 12:56
2. Historische Chance schon immer vertan

Die Gewerkschaften haben es in den letzten 70 Jahren versäumt eine wirklich vernünftige und gerechte Lohnerhöhungspolitik zu betreiben.
Statt für alle die selbe Erhöhung zu fordern, hat man immer wieder die prozentuale Erhöhung gefordert.
Beispiel ohne Währung
1947 verdient einer 1000 Lohneinheiten, ein zweiter 2000 !
Lohnabstand 1000
Gesetzt alle 2 Jahre 3 % ergibt sich nach 35 Lohnerhöhungen folgendes Bild:
Aus 1000 wurden 2800. Aus 2000 wurden 5600.
Zugewinn 1800 bzw. 3600
Lohnabstand 2800 statt 1000.
Der Kaufpreis ist jedoch für alle gleich gestiegen.

Was letztlich sowohl die Besserverdienenden direkt stärkt - aber auch ihre Rentenhöhe erheblich beeinflusst !

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Suppenelse 14.01.2018, 13:03
3. Und, wer hat’s gesagt?

Als FDP-Wähler kann ich dem Artikel nur zustimmen, denn er diagnostiziert die Situation - leider - völlig zutreffend. (Bis auf den Fall Dänemark - dort ist die Abgabenlast insgesamt NICHT höher als in Deutschland, sondern nur Belgien liegt in Europa vor Deutschland, wenn es um die gesamte Steuern- und Abgabenlast geht.) Das im Artikel beschriebene Problem scheint die meisten Deutschen allerdings nur wenig zu stören. Die FDP liegt in Umfragen bei 10 %, und wir steuern auf eine erneute GroKo zu - die auch 2017, in Zeiten einmalig sprudelnder Steuereinnahmen, nicht willens ist, den Soli abzuschaffen oder grundlegende steuerliche Entlastungen anzugehen. Lieber werden weitere staatliche Wohltaten verteilt.

Also, beschwert euch nicht...

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Teile1977 14.01.2018, 13:05
4. Mitglieder

Zitat von curiosus_
Entweder ist die Gewerkschaft so blöd. Oder, was ich befürchte, noch schlimmer: Das Ganze ist nur eine "show for the customer", also die Mitglieder. Dummenfang.
Eine Gewerkschaft ist nur Mächtig wenn sie viele Mitglieder hat. In Zeiten jedoch wo die meisten jüngeren eine Mitgliedschaft für unnütze Kosten halten die man sich sparen kann (sollen doch die anderen für mich streiken und bezahlen) haben die Gewerkschaften immer weniger Macht.
Welches Drohpotential hat die IGM wenn nur 30% der Mitarbeiter Mitglieder sind? Da läuft jeder Streik ins leere.

Solange für die meisten das Geld automatisch vom Arbeitgeber kommt ( inkl Steigerungen aus dem Nichts) wird sich daran auch nichts ändern.

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diorder 14.01.2018, 13:17
5. Schräger Beitrag

Alle seriösen Untersuchungen über die Sozialsysteme vergleichbarer Industriegesellschaften zeigen: Die Steuer- und Abgabenlast liegt bei allen etwa gleich. Wenn man öffentliche und private Vorsorge zusammennimmt . Das Lohnsystem ist davon zu unterscheiden, da haben sie recht, das ist wirklich "schräg"; weil je nach der Zahl der Gewerkschaftszugehörigkeit, der Region, dem Geschlecht , dem Alter , der Betriebshierarchie usw. sehr unterschiedliche Löhne und Gehälter gezahlt werden. Ein System, das angeblich leistungsgerecht ist. Vor allem : Das alte ungeschriebene Übereinkommen im korporativen Deutschland ist aufgekündigt: Dem in etwa gleichbleibenden Anteil der Arbeitnehmerschaft am Erwirtschafteten. Die Lohnquote variiert ungeheuerlich und sinkt insgesamt. Statistisches Bundesamt. Aber solche Fakten haben wohl in diesem Forum keine Chance aufgenommen zu werden.

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vooodooo 14.01.2018, 13:20
6. es wäre alles ganz einfach....

Umbasierung der AG-beiträge weg von den Personalkosten hin zum Anlagevermögen !!

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sdmuc 14.01.2018, 13:20
7. Die Andrea Nahles unter den Gewerkschaften..

Die IG Metall ist die Andrea Nahles unter den Gewerkschaften. Primitive Sprüche, meistens zu laut, viel Meinung aber dafür sehr wenig Ahnung. Und vor allem immer am Thema vorbei.

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Der Name 14.01.2018, 13:21
8. Das ist leider so

Aufstieg lohnt sich nicht immer. Ich kann aus eigener Erfahrung sprechen. Für 300€ brutto mehr würde ich keine Führungsposition annehmen. Und mit jedem zusätzlichen verdienten Euro zieht mir die Kinderbetreuung der Kommune 3 € wieder ab. Im Endeffekt hab ich mit einer Lohnerhöhung weniger Geld in der Tasche.

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curiosus_ 14.01.2018, 13:23
9. Damit plädieren Sie...

Zitat von ElOmda
Die Gewerkschaften haben es in den letzten 70 Jahren versäumt eine wirklich vernünftige und gerechte Lohnerhöhungspolitik zu betreiben. Statt für alle die selbe Erhöhung zu fordern, hat man immer wieder die prozentuale Erhöhung gefordert. Beispiel ohne Währung 1947 verdient einer 1000 Lohneinheiten, ein zweiter 2000 ! Lohnabstand 1000 Gesetzt alle 2 Jahre 3 % ergibt sich nach 35 Lohnerhöhungen folgendes Bild: Aus 1000 wurden 2800. Aus 2000 wurden 5600. Zugewinn 1800 bzw. 3600 Lohnabstand 2800 statt 1000. Der Kaufpreis ist jedoch für alle gleich gestiegen. Was letztlich sowohl die Besserverdienenden direkt stärkt - aber auch ihre Rentenhöhe erheblich beeinflusst !
...faktisch für den Einheitslohn für alle. Denn der stellt sich damit langfristig zwangsläufig ein.

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