Forum: Wirtschaft
Thema: Was heißt schon arm?
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Armut wird am Einkommen gemessen, doch das wird dem komplexen Phänomen nicht gerecht. Die Forschung hat längst bessere Konzepte entwickelt. Bestehen sie den Praxistest? Eine Spurensuche in Deutschland.

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eschoeff 22.05.2016, 16:18
1. Sollen wir uns jetzt langsam

auf die Alterarmut einstellen. Immer nach dem Motto: ist doch nicht so schlimm....da gibt es Leute, die ihr ganzes Leben gearbeitet haben, um am Ende knapp über der Einkommensgrenze zumr Grundsicherung zu liegen, dann gibt es Menschen, die so viel Geld verdienen, dass sie es nicht merh ausgeben können. Unsere Regierung arbeitet in vollem Umfang für die zweite Gruppe, auf dass die Scg´here immer weiter auseinander klafft. Soziale Marktwirtschaft ist schon längst nicht mehr- smarte Diktatur, die den Reichen dient noch reicher zu werden.

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zynik 22.05.2016, 16:28
2.

Zitat von bellissimamaria
Armut per se ist halb so schlimm. Ungerechtigkeit ist richtig schlimm. Du verhälst dich moralisch, pflegst kranke Menschen, bringst Kinder auf die Welt, bezahlst deine Rechnungen, und siehst, wie der Ackermann, die Gier in Person, für seine Lebensleistung an höchster Stelle geehrt wird. Das zermürbt mehr als alles andere. Wie gesagt: Ungerechtigkeit tut mehr weh als Armut. Wie man diese Erkenntnis, die für jeden Armen nichts Neues ist, umsetzen kann, in Form eines statistischen Kriteriums oder eines Rechtsanspruchs auf staatliche Armenhilfe, ist mir allerdings unklar. Ich bin ratlos. Aber auch gespannt, ob es dazu Ideen gibt.
Eine Lösungssuche gegen die massiv wachsenden Ungerechtigkeit setzt voraus, dass ein Umdenken bei diversen Bürgern und Entscheidungsträgern stattfindet.
Dies ist leider nicht er Fall. Im Gegenteil wird weiterhin die Ideologie der Agenda 2010 gepredigt. Gerade gestern hat INSM-Hüther bei der Zeit wieder unwidersprochen eine Kampfschrift gegen vermeintliche "Sozialstaatsromantik" zum besten gegeben:

http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-05/spd-agenda-2010-partei-krise-gruende

Sowas zeugt nicht nur von Realitätsferne und ausgeprägten ideologischen Scheuklappen, sondern zeigt auch den nachdrücklichen Willen die Politik der sozialen Spaltung weiter fortzusetzen. Vernunft ist da offensichtlich kein Faktor mehr. Bis der Krug eben bricht. Das bisschen Armut lässt sich da sicher erstmal statistisch wegzaubern.

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prions.ku 22.05.2016, 16:43
3. Einstellungssache

2010 hatte ich einen schweren Unfall, bei dem eine Querschnittlähmung drohte. Unfallbeding wurde ich verrentet. Und ich wähnte mich arm, da die monatliche Verfügungsmasse um 2/3 schrumpfte. Jetzt kann ich wieder mit Einschränkungen laufen. Bin nicht mehr auf fremde Hilfe angewiesen. Komme mit meiner Rente aus. Nach den Testkriterien bin ich arm, aber ich bin zufrieden und sehe jeden Tag, dass es viele Senioren und Alleinerziehende gibt, welche ärmer (finanziell) daran sind wie ich. Bekannte wähnen mich arm, aber ich muss sagen, wenn Ihr mich als arm erachtet, seid Ihr realitätsfremd. Leider nehmen Politiker Leute wie mich als Standard und verkennen, dass die unmittelbare Nachkriegsgeneration wirklich verarmt ist. Aber das Problem löst sich ja bald biologisch gemäß dem Motto nur ein toter Rentner ist ein guter Rentner!

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ironpolem 22.05.2016, 16:47
4. Was heißt schon reich?

Um diesen blöden, unsinnigen, statistischen, wissenschaftlichen Forschungen eine Sinn abzugewinnen, muß man schon reich - oder zumindest nicht arm sein. Arme haben keine Lust sich auszurechnen, wie arm sie sind. Reiche schon. Die wollen wissen, ob sie zu den 100 oder 1000 reichsten, Deutschen gehören. Das ist oft nur noch ds einzig sinnspendente was die Leute haben. "Knackt" der Dax die 10.000 € Marke, sind siie froh gelaunt - wenn sie so gewettet haben.
Ich würde gerne mal eine Statstik sehen, in der folgende Parameter berücksichtigt sind:
Das Vermögen der 1000 reichsten Deutschen beträgt 50 Prozent aller Vermögen und soll um 3 Prozentpunkte jährlich wachsen. Die Volkswirtschaft, das BSP, wächst aber nur um 1 Prozent.
Frage: wie lange dauert es, bis diese 1000 Pesonen (oder Familien) über 100 Prozent der Vermögen verfügen.

Andere Frage: Um wieviel muß das Einkommen der 40 Millionen Arbeitnhmer und 15 Milionen Rentner sinken, damit die Einkommen der 1000 reichsten Deutschen weiterhn jährlich um 3 Prozent steigen kann.

Wer sich solche fragen stellt, der muß nicht ausrechen, wann die Armut beginnt. Der sollte besser ausrechnen, wann die nächste Revolotion statt finden wird, weil es den Menschen stinkt, für ander zu arieten und selbst nur Nahrung, Wohnung und Kleidung zu bekommen trotz 40 Stundenwoche und guter Gewinne der Unternrehmen.

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Mister Stone 22.05.2016, 16:48
5. Lieber arm, aber glücklich...

Ein einziges Kriterium - Einkommen - reicht nicht aus, um Armut zu definieren. Es identifiziert viele als arm, die wohl keine Armut verspüren...

...die "wohl" keine Armut verspüren? Das klingt so beruhigend wie die "gefühlte" Verteuerung nach der Einführung des Euros. Und ebenso beruhigend wie das Märchen, es ging den Menschen nicht um mehr Sicherheit, sondern um ein persönliches "subjektives" Sicherheitsgefühl.

Und ja: Man liest ja immer wieder, dass arme Menschen "eigentlich gar nicht" wohlhabender, sondern glücklich sein wollten. Und dass Wohlstand nichts mit Geld zu tun habe. Irgendwie muss es ja stimmen, sondern würden die Medien nicht ständig so berichten, oder?

Vermögen und Einkommen definieren das, was man als materiellen Wohlstand bezeichnet. Und genau der fehlt den Armen. Aber hey, wir haben ein funktionierendes Rentensystem und eine gesetzliche Krankenversicherung. Wir haben Tafeln, Suppenküchen und viele ehrenamtliche Helfer. Und eine verantwortungsvolle Kanzlerin.

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womo88 22.05.2016, 16:55
6. Ich verstehe es nicht ...

Rentner Huber kann sich also Weißbier, Obatzda und Brezn im Sehaus nicht mehr leisten. Deswegen gilt er als arm.
Vorweg: wir gehören zu denen, die mehr als 100.000 € jährlich zu versteuern haben. Da gibt es wohl so eine Grenze.
Wir wollen uns gar kein Weißbier im Seehaus für 4,90 € leisten, weil wir das hier bei uns aus der Flasche oder vom Fass für 2,80 € bekommen.
Um es kurz zu machen: Wer 15 € für einen bunten Tomatensalat oder 12 € für einen Blattsalat im Seehaus ausgibt, hat eben einen besonderen Geschmack und der war schon immer etwas teurer.
Für 16,90 € bekomme ich hier im Hotel ein 250 gr Rumpsteak mit Kräuterbutter, Pommes und Salat.
In der Oberpfalz dürfte es noch preiswerter sein.
Muss man in München wohnen?

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amidelis 22.05.2016, 16:58
7. Wertvoller Artikel

Es ist wirklich schwierig Armut zu definieren. Früher, vor 100 Jahren mag das einfacher gewesen sein - die Welt war weniger komplex und es hatte weniger Einflussfaktoren. Wenn man jeden Einflussfaktor den es gibt, Einkommen, Bildung, Vermögen, Umweltbedingungen, Lebensumstände etc. bewertet, dann kommt man zu einem sehr guten Ergebnis. Dann kann der Mercedes Fahrer im Land der Bugattieigentümer schon ein Hungerhaken sein.. Ich würde sehr gerne noch einen Faktor muteinberechnet sehen - hat man die Chance seine derzeitige Situation zu verlassen? Also der Faktor Zeit - ein armes Kind muss keine Katastrophe sein, aber wenn das Kind keine Chance hat mit Schulabschluss seine Chancen deutlich zu verbessern, dann ist das eine Katastrophe. Armut und Armutsgefährdet zu sein ist ein grosses Risiko für eine Gesellschaft und die Demokratie.

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amidelis 22.05.2016, 17:04
8. Danke

Zitat von eschoeff
....dann gibt es Menschen, die so viel Geld verdienen, dass sie es nicht merh ausgeben können. Unsere Regierung arbeitet in vollem Umfang für die zweite Gruppe, auf dass die Scg´here immer weiter auseinander klafft.....
vor ein paar Tagen haben wird darüber gesprochen - dabei kam mir die Idee, dass es nicht nur ein Mindesteinkommen, sondern auch ein Maximalvermögen haben muss. Jeder Mensch, der mehr als 5 Millionen Euro in Bar- oder Vermögenswerten hat, muss das hergeben. Bei Unternehmen gilt das natürlich nicht. Verdienen darf jeder soviel er will, ob als Banker, Unternehmer oder Lottogewinner. Nur bei 5 Millionen ist Schluss. Was brauch t ein Aldi Erbe oder eine Quandt Milliarden? Man sollte das Geld in einen Investitionsfonds einzahlen, der denen die nichts haben bei Bedarf ein Grundeinkommen gibt, mindestens bis zum 18 Lebensjahr.
Es gibt Gesetze die das Eigentum und Einkommen schützen und es gibt Gesetze die das Lebensminimum schützen. Beides zeigt, dass man durchaus Regeln aufstellen kann. Im Moment reissen die Regeln aber Lücken in die Gesellschaft, die katastrophale Wirkungen haben und haben werden. Bin mal gespannt, was das Forum zu meinem Geniestreich sagt.

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WeissAuchAllesBesser 22.05.2016, 17:12
9.

Ich finde es bezeichnend, dass in zwei von drei Beispielen Kinder eine Rolle spielen.
Es wundert mich allerdings auch nicht, da Kindererziehung in den letzten Jahren zum Hobby ohne Leistungsaspekt erklärt wurde.

Wer eine Gesellschaft mit vollzeit arbeitenden Müttern und Vätern möchte, der nimmt überall dort finanzielle Probleme in Kauf, wo nicht zwei Menschen in Vollzeit eine Familie ernähren. Das gilt für durchschnittliche Arbeitnehmer bei denen einer von zweien Teilzeit arbeitet genauso wie für Alleinerziehende.

Würde der Staat, und damit meine ich auch die Gesellschaft, Erziehung zumindest als Teilzeit-Job anerkennen, dann wäre Familie Ehlers und Frau Kramer zumindest ein bisschen geholfen.

Ob Herr Huber Kinder hat wird in dem Artikel leider nicht erwähnt; mit Kindern wäre die Wahrscheinlichkeit gelegentlich in den Biergarten eingeladen zu werden aber sicherlich höher.

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