Forum: Wirtschaft
Thema: Was heißt schon arm?
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Armut wird am Einkommen gemessen, doch das wird dem komplexen Phänomen nicht gerecht. Die Forschung hat längst bessere Konzepte entwickelt. Bestehen sie den Praxistest? Eine Spurensuche in Deutschland.

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moritz27 22.05.2016, 17:22
10. Die Armutseinteilung nur aufgrund des Einkommens

ist absurd. Wenn ich mit wenig Rente im Alter in den eigenen vier Wänden (Kredite getilgt oder auch Wohnung/Häuschen geerbt) leben kann, fällt ein großer Teil der Ausgaben (Miete) schon mal weg. Wenn es mir darüber hinaus gelungen ist, etwas zur Seite zu legen, kann ich auch aus diesen Ersparnissen entnehmen. Das taucht aber in keiner Statistik auf. Bei manchen "Armen", die ich persönlich kennengelernt habe, würde schon die Führung eines Haushaltsbuches ausreichen, um die Schwachstellen beim Geld ausgeben festzustellen. Häufig sind das: Kredite für alles Mögliche, Zigaretten, allerneueste technische Geräte und Pay-TV. Da schrumpft der Verfügungsrahmen schnell dahin.
Wenn Herr Huber, im Beispiel, wirklich keine Freunde mehr hat, dann ist er wirklich arm dran. Was hindert ihn aber dann auch daran, in eine günstigere Gemeinde umzuziehen? Ein Bekannter, mit ähnlichem Lebenslauf, lebt in Ungarn. Und nach eigenen Angaben lebt er mit seiner kleinen Rente dort sehr gut.

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casbavaria 22.05.2016, 17:23
11. Ich verstehe nicht ganz...

....warum eine Familie sich erst ein Haus kauft, das gerade so mit 2 Gehältern finanzierbar ist, dann 4 Kinder bekommt und sich zudem noch entschliesst, auf ein Gehalt künftig zu verzichten. Und wenns dann eng wird, soll der Staat einspringen??
Hätte man da nicht vorher mal durchrechnen sollen, ob sich das ausgeht mit einem Gehalt und Kindern?

Ich glaube durchaus, dass es viele gibt in Deutschland - Alleinerziehende, Rentner - die wirklich unverschuldet arm sind - aber diese Familie ist es in meinen Augen nicht! Ausserdem - wenn sie im Nachtdienst arbeiten würde, wäre doch ihr Mann zuhause - wo ist das Problem?

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Isfet 22.05.2016, 17:34
12.

Zitat von amidelis
Es ist wirklich schwierig Armut zu definieren. Früher, vor 100 Jahren mag das einfacher gewesen sein - die Welt war weniger komplex und es hatte weniger Einflussfaktoren..... Ich würde sehr gerne noch einen Faktor muteinberechnet sehen - hat man die Chance seine derzeitige Situation zu verlassen? Also der Faktor Zeit - ein armes Kind muss keine Katastrophe sein, aber wenn das Kind keine Chance hat mit Schulabschluss seine Chancen deutlich zu verbessern, dann ist das eine Katastrophe. Armut und Armutsgefährdet zu sein ist ein grosses Risiko für eine Gesellschaft und die Demokratie.
Wenn man vor 100 Jahren arm war, dann hatte man nicht genug zu essen und meist auch kein Dach über dem Kopf - wer heute in Deutschland arm ist, kann sich zu essen kaufen und auch die Miete bezahlen, das übernimmt nämlich das "Amt".

Und natürlich hat man die Möglichkeit, mit Schulabschluss seine Chancen zu verbessern - aber dazu muss man lernen und sich gegebenenfalls auch gegen die bildungsfernen Eltern durchsetzen. Ist aber alles kein neues Problem. Vor 100 Jahren gab es übrigens keine kostenfreie Schulausbildung.

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amidelis 22.05.2016, 17:40
13. Frage

Zitat von casbavaria
Hätte man da nicht vorher mal durchrechnen sollen, ob sich das ausgeht mit einem Gehalt und Kindern?
Selbst wenn man eine Familienplanung auf zwei Kinder abgestimmt hat, kann es sein, dass das nicht klappt. Ich finde es unfair diese Familie so anzugehen. Im Osten oder vor 80 Jahren im Westen wäre eine grössere Familie dagewesen die unterstützt hätte. Diese Aufgabe musste und wurde immer mehr dem Staat übergeben. Was ist denn jetzt bitte das Problem, wenn diese Leute jetzt danach fragen? Gar keins, finde ich. Darüberhinaus finde ich es gut, wenn Leute eine Work Life Balance suchen und finden, anstatt sich zu reinen Gewinnvehikeln zu machen. Wozu auch - immer mehr Menschen arbeiten immer mehr um am Ende wieder nichts zu haben.

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cosifantutte 22.05.2016, 17:41
14. Das Problem ist nicht die Armut

sondern der überbordende Reichtum. So fühlen sich auch Leute mit gutem Einkommen arm, weil man halt den Reichtum täglich vermittelt bekommt, und sei es nur durch vorbeifahrende 100.000 Euro Autos. Die Massstäbe haben sich verschoben, heute ist der Milliardär so weit vom Normalbürger entfernt, dass sich dieser nur arm fühlen kann, selbst wenn er ein gutes Einkommen und eine Million auf der hohen Kante hat.
Mehr als die Grundbedürfnisse kann halt auch der gutverdienende Normalbürger nicht befriedigen, evtl. macht er einen etwas teureren Urlaub. Wer eine warme Wohnung, warmes und kaltes Wasser und genug zu essen hat ist nicht arm.

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amidelis 22.05.2016, 17:45
15. Retour

Zitat von Isfet
Ist aber alles kein neues Problem. Vor 100 Jahren gab es übrigens keine kostenfreie Schulausbildung.
Gab es nicht? Stimmt, auf den Gymnasien zahlte man. Da wurde die Ungleichheit zementiert, vor allem im universitären Bereich, die erst 1970 endete. Die damit verbundenen Einkommens- und Vermögensunterschiede haben sich letztlich nur durch zwei Kriege wieder etwas angeglichen, heute sind sie grösser als je zuvor. Ursache? Bildung und Startchancen.
Und was Ihre Armutsdefinition angeht - kein Dach über dem Kopf - was glauben Sie denn, wer das Geld für 1200 Kaltmiete in Hamburg oder Berlin hat? (Nein, man kann nicht wohin ziehen, weil man dann 2 Stunden täglich mit der Bahn/Auto fährt oder einen schlechter bezahlten Job findet). Hunger? Heute war ich beim Bibergottesdienst - unterstützt von der Suppenküche - ostdeutsche Kleinstadt im Speckgürtel an der Ostsee - 600 Essen täglich. Also - es gibt eine Armut die der vor 100 Jahren in nichts nachsteht.

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lindenbast 22.05.2016, 17:45
16.

Zitat von amidelis
Jeder Mensch, der mehr als 5 Millionen Euro in Bar- oder Vermögenswerten hat, muss das hergeben. Bei Unternehmen gilt das natürlich nicht. Verdienen darf jeder soviel er will, ob als Banker, Unternehmer oder Lottogewinner. Nur bei 5 Millionen ist Schluss. Was brauch t ein Aldi Erbe oder eine Quandt Milliarden?
Finde ich zu rigoros. Ich würde schon noch eine Null dranhängen. Und das noch verdoppeln, wenn's unbedingt sein muss und weil ich nicht neidisch sein will. Dann reicht's aber auch wirklich.

Man muss sich mal klar machen, dass jemand, der 1 Milliarde hat, rein rechnerisch 10.000 Jahre lang jedes Jahr 100.000 Euro verbraten kann. Von den Pyramiden bis heute - gerade mal Halbzeit. Das ist eine Vermögensgröße, die tut einfach nicht not.

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kojak2010 22.05.2016, 17:47
17.

Zitat von Isfet
Und natürlich hat man die Möglichkeit, mit Schulabschluss seine Chancen zu verbessern - aber dazu muss man lernen und sich gegebenenfalls auch gegen die bildungsfernen Eltern durchsetzen. Ist aber alles kein neues Problem. Vor 100 Jahren gab es übrigens keine kostenfreie Schulausbildung.
Hören Sie bitte mit diesem Bildungsunsinn auf. Ich kenne Hauptschüler die haben heute ne Firma mit 19 Vollzeitfachkräften, und ich kenne hochstudierte Leute, die nix auf die Reihe bekommen.

Bildung ist keine Schande. Das gilt in beide Richtungen!

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Frida_Gold 22.05.2016, 17:48
18.

Zitat von Isfet
Wenn man vor 100 Jahren arm war, dann hatte man nicht genug zu essen und meist auch kein Dach über dem Kopf - wer heute in Deutschland arm ist, kann sich zu essen kaufen und auch die Miete bezahlen, das übernimmt nämlich das "Amt".
Eine steile These. Wie viele Arme kennen Sie persönlich? Die stehen nämlich je nach Lebenslage auch mal vor der Entscheidung Elektrizität oder Essen und schlagen dann bei den Tafeln aus, holen Klamotten aus dem Rote-Kreuz-Laden und fliegen aus der Wohnung, weil das "alles übernehmende Amt" aus Sturheit eines Bearbeiters rechtswidrig die Miete eben nicht überweist. Da hilft es auch nicht, wenn das nach etlichen Wochen gerichtlich geklärt wird, die Wohnung ist weg. Finden Sie mal eine neue.
Oder da ist z.B. die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, die Teilzeit arbeitet. Der Sohn wird wegen Lappalien aus dem Hort geworfen (Raufereien mit anderen Jungs - wie alle Jungs dort, keine Verletzten, aber angeblich fängt er immer an, sogar bei Raufereien, in die er gar nicht involviert war - Betreuer mag ihn nicht), den er nach der Schule besucht. Da er nun nicht mehr betreut wird, musste die Mutter den Job aufgeben und lebt voll von HartzIV, denn es gibt ja keine Garantie auf Hort-Betreuung und ihr Arbeitgeber kann ihr keine Arbeitszeit ausschließlich zur Schulzeit garantieren. Und kommen Sie mir nicht mit Lebensplanung - man hat es nun einmal nicht immer selbst in der Hand, ob der Partner bei einem bleibt oder nicht.

Steigen Sie runter vom Hohen Ross und erkennen Sie, dass in diesem Land seit über 10 Jahren der Weg für die meisten Bürger eine Tendenz nach unten weist und es verflixt einfach ist, seinen Lebensstandard zu verlieren und in die Armutsfalle zu rutschen.

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LorenzSTR 22.05.2016, 17:50
19. Is klar

Zitat von womo88
Rentner Huber kann sich also Weißbier, Obatzda und Brezn im Sehaus nicht mehr leisten. Deswegen gilt er als arm. Vorweg: wir gehören zu denen, die mehr als 100.000 € jährlich zu versteuern haben. Da gibt es wohl so eine Grenze. Wir wollen uns gar kein Weißbier im Seehaus für 4,90 € leisten, weil wir das hier bei uns aus der Flasche oder vom Fass für 2,80 € bekommen. Um es kurz zu machen: Wer 15 € für einen bunten Tomatensalat oder 12 € für einen Blattsalat im Seehaus ausgibt, hat eben einen besonderen Geschmack und der war schon immer etwas teurer. Für 16,90 € bekomme ich hier im Hotel ein 250 gr Rumpsteak mit Kräuterbutter, Pommes und Salat. In der Oberpfalz dürfte es noch preiswerter sein. Muss man in München wohnen?
Motto: Selbst schuld, schaut her, wie schlau wir sind... Haben Sie schon mal daran gedacht, dass es mit HartzIV im Rücken nirgendwo einfach ist, Wohnraum zu finden - oder gar neuen Wohnraum, wobei Sie ja dann auch noch einen kompletten Umzug finanzieren müssen? Und das ist doch schön, wenn Sie im Hotel so günstig speisen und das dann alles von der Steuer absetzen können. Herr Huber wird wahrscheinlich gar nicht mehr wissen, was ein Hotel überhaupt ist.

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