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Umstrittene Praxis der Arbeitsagentur: Schnell vermittelt, schnell wieder arbeitslos
REUTERS

Ein immer größerer Anteil der Arbeitslosen wird an Zeitarbeitsfirmen vermittelt. Offenbar auch deshalb, weil die Jobcenter so am einfachsten Erfolge vorweisen können. Jetzt will Arbeitsagentur-Chef Frank Jürgen Weise gegensteuern.

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karhu1 12.01.2013, 16:16
60.

Zitat von Schweijk
bin ich kein Kunde beim Arbeitsamt, sondern ein Hilfesuchender. Das Wort Kunde in diesem Kontext ist einfach nur Menschenverachtend.
Als Kunde sind Sie Koenig.
Als Hilfssuchender eher Bettler.

Aber ganz wie Sie wollen ....

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rambazambah 12.01.2013, 16:17
61. optional

1. Zu allererst ein großes Lob an meine Sachbearbeiterin bei der Arbeitesagentur in meiner Stadt. Sie hatte begriffen, dass ich einige Beschäftigungsverhältnisse als Leiharbeiterin hinter mir hatte und mir nur Vorschläge geschickt, die eine Festanstellung - ohne Vermittlung durch oder über ZA-Firmen - versprachen.
2. Hier sind wir schon beim Thema: Versprechungen der ZA-Firmen: "mit Option auf Übernahme"... stand bei jeder Anzeige auf die ich mich damals beworben hatte dabei. Wurde auch während der Vorstellungsgespräche, zuerst bei der ZA-Firma, später bei Ihrem Kunden als Zückerchen gegeben. Natürlich will man so schnell wie möglich fest übernommen werden und nimmt daher mehr in Kauf, als man es eigentlich tun würde: unbezahlte Überstunden, man nimmt keinen Urlaub, traut sich nicht, krank zu sein, auch wenn man es ist, macht jede Arbeit, die einem angetragen wird, macht gute Mine zum bösen Spiel. Man arbeitet als Chefsekretärin für 7 Euro die Stunde. Fest übernommen wird man jedoch nicht, weil die Stelle - Überraschung - intern belegt wird.
3. "Wundert mich, dass sie dich als Leiharbeiterin zur Weihnachtsfeier einladen!" Kommentar denke ich, ist nicht nötig.
4. Resultat ist irgendwann ein Lebenslauf wie ein Schweizer Käse, für den man sich rechtfertigen muss. Man hat zwar in vielen verschiedenen Unternehmensformen gearbeitet, wurde jedoch nie übernommen (... an der muss doch was faul sein) und hat es dann irgendwann richtig schwer, wieder eine "richtige" Anstellung zu finden.

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TheBear 12.01.2013, 16:20
62. Wenn man

Zitat von jamiro32
In Frankreich bekommen Zeitarbeiter mehr als die Festangestellten für die gleiche Arbeit und das ist richtig so.
Ihre Aussage ist entweder falsch, oder irrelevant. Es geht doch nicht darum welche Prinzipien formal beachtet werden, sondern wie die Leute wirklich behandelt werden:
In Frankreich (und auch der Schweiz) wird der Lohn einfach dadurch gedrückt, dass man "Selbsständigen einen Subkontrakt" anbietet.

Das sind zwar formal keine Zeitarbeiter, sondern Chefs von "Unternehmen", die häufig wieder Subkontrakte anbieten, manchmal bis zu drei Stufen.
Auf der letzten Stufe arbeiten dann diese "Chefs" für 3-4 Euro die Stunde, und können jederzeit ihre Arbeit wieder verlieren (wenn sie nicht spuren). Sind aber keine Zeitarbeiter.

Halten Sie so etwas für besser, als das, was in D passiert?

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rvb 12.01.2013, 16:21
63. Der Denkfehler liegt auf Ihrer Seite

Zitat von statussymbol
Vielleicht ist das verstehen komplexer Zusammenhänge auch einfach nicht Ihres - aber wer "Kunde" als menschenverachtende Beleidigung versteht ist entweder nicht so ganz Helle oder versucht an dieser Stelle verkrampft irgendetwas negatives hinein zu interpretieren. Man ist ja auch bei einer privaten Versicherungsgesellschaft grundsätzlich "Kunde" und wird als solcher bezeichnet - was sollte also bei einem öffentlichen Institution falsch sein? Müssen sich alle Klienten der ARGE als "Hilfebedürfte", "Patienten" oder "Behinderte" bezeichnen lassen damit Sie das dann nicht mehr menschenverachtend finden?
Sie vergessen allerdings zu erwähnen, daß in der Deklaration der Menschenrechte steht, daß jeder Mensch ein Recht auf (bezahlte) Arbeit hat und nicht das Recht auf einen Versicherungsvertrag. Insofern sind Sie als Arbeitsloser weder Kunde noch Hilfesuchender sondern ein Staatsbürger, gegenüber dem der Staat seine PFLICHT zu tun hat: alles ihm Mögliche zu tun, Ihnen dabei zu helfen, wieder eine vernünftige Arbeit zu finden.

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massimo11 12.01.2013, 16:22
64. Es ist noch viel schlimmer

Ein Freund von mir ist in diese bedauerliche Lage gerutscht. (Er ist 62 Jahre!). Ich habe seine Bewerbungen gesehen. Es sind etwa 500 Stück in nur einem Jahr. Wegen seines Alter bekommt er sehr oft noch nicht mal eine Absage. (Die Kosten für diese Bewerbungen - Bewerbungsmappe, Papier, Umschlag, Porto - wurden im bis heute noch nicht erstattet. Nun hat ihn sein "Fallmanager" zu sich bestellt und ihn praktisch dazu gezwungen eine Eingliederungsvereinbarung zu unterschreiben. Jetzt sitzt mein Freund - 2 Diplome, vier Sprachen, früher selbst Arbeitgeber von 250 Leuten - unter "Analphabeten" in einem s.g. Coaching-Center.
Die Leute, die hier das Kommando haben, sind, um es gelinde auszudrücken, nicht kompetent. Sie machen mit der Not der anderen Umsatz und helfen dabei nur die Arbeitslosenstatistik zu schönen.
Das Niveau dieser s.g. "Fachleute" ist erschreckend und sie arbeiten Hand in Hand mit Zeitarbeitsfirmen. Man könnte annehmen, dass diese "Fachleute" auch Provisionen von den Zeitarbeitsfirmen einstecken.
Mein Freund hat kein Auto, so dass ich ihn zu einem Gespräch gefahren habe. Ich war bei diesem Gespräch selbst anwesend und mir ist das Kinn heruntergefallen.
Die Gesprächsführerin teilte meinem Freund mit, dass, sollte er ein Angebot von 5,10 Euro/pro Stunde nicht annehmen, dann werde sie Meldung an die Arbeitsagentur machen und es käme zu empfindlichen Kürzungen.
Dieses ganze Prozedere war derart menschenverachtend, dass man in diesem Zusammenhang nicht von Kunden sprechen sollte.
Fazit: Es besteht offensichtlich eine direkte Verbindung zwischen Arbeitsagentur und Zeitarbeitsfirmen.
Nach meinen Beobachtungen kommt da ein ganz, ganz dickes Problem auf uns zu.

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Blaufrosch 12.01.2013, 16:24
65.

Zitat von statussymbol
Stimmt "Kunde" ist schon ein ziemlicher Anglizismus... Seltsam bei meinen Versicherungen werde ich i.d.R. als "Kunde" geführt. Klar, man sagt auch Versicherungsnehmer - aber in Anschreiben heißt es dann immer "Verehrter Kunde der XY...". Seltsam - sie liefern sich das Argument warum "Kunde" hier das optimale Wort ist also schon selbst. Warum sollte ich nicht von der ARGE genauso respektvoll und neutral behandelt werden wie auch von einer privaten Institution auch?!
Nochmal auch für Sie langsam und zum mitmeißeln:

Die BA arbeitet auf Grundlage eines Gesetzesauftrags (SGBIII) - in diesem Spannungsverhältnis zwischen Beratungspflicht und Sanktionsprinzip ist es ziemlich irreführend von "Kunden" zu sprechen.

Der Hinweis auf Anglizismen bezieht sich mehr auf den internen Kommunikationsverkehr.

Die BA ist eine NON-Profit Organisation - Entschuldigung ... übersetzt: die BA muss nichts erwirtschaften! Aber nach Möglichkeit wenig ausgeben, insoweit ist der Vergleich mit anderen Versicherungen naheliegend. Jedoch müssen keine "Kunden" geworben werden - Stichwort Pflichversicherung - und auch keine "Kundenbindungsprogramme" (man will sie alle loshaben) entwickelt.

Respektvoller Umgang ist eigentlich selbstverständlich. Aber SERVICE im Sinne eines Unternehmens, dass mit ihnen etwas zu verlieren hätte, den sollten sie da nicht erwarten.

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honk2511 12.01.2013, 16:24
66. völlig sinnlos

Zitat von statussymbol
Nun da bin ich fast versucht zu sagen wem nicht klar ist dass die ARGE nur EINE Möglichkeit ist einen neuen Job zu finden
Jobs bei der Arge?
Blödsinn!!!
.....
Zitat von
Ein "Kunde" zu sein ist menschenverachtend? Wenn also Ihre Bank Sie "Kunde" nennt ist das menschenverachtend?
Ein Kunde hat die Möglichkeit den Dienstleister zu wechslen...
bei der ARGE ist das nicht möglich!
Zitat von
Übrigens hat die Umbenennung aus dem gegenteiligen Grund stattgefunden - das "Arbeitsamt" wollte davon wegkommen als Institution wegzubekommen die alle Klienten als "Hilfesuchende" bezeichnet. Das ist bzw. war nämlich in der Tat gegenüber den teilweise auch qualifizierten Leuten die Arbeit suchen respektlos und senkte natürlich auch aus Sicht der Bevölkerung und der Firmen das Ansehen der Arbeitssuchenden.
Schwachsinn....
Zitat von
Kunden als solche zu bezeichnen ist also genau das GEGENTEIL von menschenverachtend - es zeugt von Respekt. Auch die Bezeichnung Arbeitsvermittler ist doch deutlich sinnvoller und seriöser als "Arbeitsamt".
Der Begriff Arbeitsvermittler ist nicht geschützt und bedarf daher keinerlei fachlicher Qualifikation, auf die ARGEN bezogen kommt hier Betrug zum tragen, die Leute die da rumsitzen und die 'Hilfesuchenden' an Zeitarbeitsverbrecher, im Wissen, dass hier eine Aufstockung nötig wird vermitteln, schädigen das System zum eigenen Vorteil nachhaltig.
Zitat von
Vielleicht ist das verstehen komplexer Zusammenhänge auch einfach nicht Ihres - aber wer "Kunde" als menschenverachtende Beleidigung versteht ist entweder nicht so ganz Helle oder versucht an dieser Stelle verkrampft irgendetwas negatives hinein zu interpretieren.
Bei Ihnen ist definitiv Licht aus, ARGE geschädigt und zuviel Fehlversuche beim Verstehen komplexer Zusammenhänge.
Das gesamte ALGII ist menschenverachtend.
Zitat von
Müssen sich alle Klienten der ARGE als "Hilfebedürfte", "Patienten" oder "Behinderte" bezeichnen lassen damit Sie das dann nicht mehr menschenverachtend finden?
Behinderte, Patienten in Verbindung mit der ARGE und der Zeitarbeit?
Was Sind Sie für ein Vollpfosten?
Geschmackloser geht es nicht?

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Blindleistungsträger 12.01.2013, 16:25
67. Diese Aussage lässt noch tiefer blicken

Zitat von Dr.pol.Emik
… fangen wir einmal mit dem letzten Satz aus dem Artikel an, dann sollte schon jeder wissen wo der Hase lang läuft: na, hat es einer gerafft? Es geht gar nicht darum die Zeitarbeit zurückzudrängen, sondern nur im Arbeitsamt die schnellen Erfolge ein wenig zu relativieren. Als ob dies in irgendeiner Weise das ursächliche Problem beheben würde. Vielleicht sollten wir uns einfach vermehrt daran gewöhnen, das der Mensch … im Sinne von Humankapital … auch nicht viel mehr ist als ein Spekulationsobjekt, hier mal etwas verdeutlicht: (kleiner Leitfaden für Investoren) … eines sei schon vorweggenommen, weil es ohnehin nicht humaner, sondern nur noch perverser wird. Stichwort, Nachwachsender Rohstoff, aktuelles Überangebot und ökologische Abbaubarkeit! Na, wenn sich mit diesen Attributen Humankapital nicht vermarkten lässt, wie dann …
ZITAT: "Wir wollen weg von einer Erfolgsbetrachtung, die vor allem Zahlen im Blick hat", zitiert die Zeitung aus dem Papier Einsiedlers. "Wir wollen uns stärker an Qualität und am nachhaltigen Kundenwohl orientieren." Mit anderen Worten: Bisher hat man offensichtlich allein an sein Wohl gedacht. Die Interessen der "Kunden" gehen diesen Typen am Arsch vorbei. Der "Kunde" ist nur Mittel zum Zweck.

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mussnichtsein 12.01.2013, 16:29
68.

Ich arbeite seit Jahre in einer Branche in der Verträge Projektgebunden vergeben / abgeschlossen werden. Natürlich hatte ich immer wieder, zwischen verschiedenen Verträgen, das "Vergnügen" mit der Agentur für Arbeit bzw. dem Arbeitsamt in Kontakt zu kommen... Diesse Einrichtung ist nutzlos, inkompetent und überflüssig. Wie bitte sollen Menschen die noch nie auf dem Arbeitsmarkt nach einer Beschäftigung suchen mussten andere Menschen hier beraten??? Mir haben sie immer wieder gezeigt dass sie nicht wissen wovon sie reden. Es zeugt auch von einer unglaublichen Ignoranz die Arbeitssuchenden als "Kunden" zu bezeichnen. Auch wenn es bei den verschiedensten Verwaltungen zur Mode geworden ist, ICH habe noch keiner deutsche Verwaltung erlebt bei der ich mich als Kunde gefühlte habe oder wo man, zumindest im Ansatz, versucht hat Dienstleister zu sein.

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Gesinnungspreusse 12.01.2013, 16:31
69. Genau so sieht es aus

Die Zeitarbeit ist ein Übel, welches wir seit über 20 Jahren mit uns herumschleppen und einem Rot/Grünen Versuchsballon "Sozial ist was Arbeit schafft" zu verdanken haben. Seit dieser Zeit, wurden Milliarden von Euros umverteilt - weg von Arbeitnehmern und kleinen Einkommen, hin zu Großkonzernen und Zeitarbeitsfirmen. Wie ein Krebsgeschwür wuchsen deren Glaspaläste in zahlreichen Städten in den Himmel. Die Damen Lorenz und Hoffmann sind auch mit Frau Merkel eng befreundet. Um die Gerechtigkeit wieder herzustellen, müssen zuerst diese Sklavenbuden enteignet und das geraubte Vermögen den Arbeitnehmern zurückgegeben werden. Im Anschluß müssen die Läden dicht gemacht und den Verantwortlichen der Prozess gemacht werden. Solche Verbrecher haben weder Verständnis noch Schonung verdient. Und Politiker die diese Verbrecher schützen haben unsere Stimmen nicht verdient!

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