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Warenhaus-Zusammenschluss: Kartellamt stimmt Karstadt-Kaufhof-Fusion zu
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Die kriselnden Warenhausketten Karstadt und Kaufhof wollen ihr Heil in einem Zusammenschluss suchen. Nun geben die Behörden grünes Licht.

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schorsch_69 09.11.2018, 10:44
1. Och Joh!

Erstaunlich, das Karstadt erneut Gelegenheit bekommt, von einem Mitbewerber faktisch übernommen zu werden und diesen vermutlich erneut finanziell ausquetscht, so wie zuvor die Quelle AG, um diesen damit vom "Markt" zu fegen.

Karstadt, ein Beweis, das Zombies wahrhaft existieren!

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owi7 09.11.2018, 11:07
2. Willfährige Entscheidung ?!

Interessant finde ich den Satz: "Für eine stark wachsende Zahl von Verbraucherinnen und Verbrauchern sind Online-Händler in den meisten Warengruppen zudem eine wichtige Einkaufsalternative." Die Kaufhauskunden sind aber vermutlich kein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung - das hätte auch mit einfließen dürfen.
Schön auch: "Aus wettbewerblicher Sicht gibt es aber keinen sogenannten Warenhausmarkt." Und wo kein Markt, können alle munter fusionieren. Honi soit qui mal y pense?

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AlBundee 09.11.2018, 11:08
3.

Amazon macht den internationalen Einzelhandel platt und Deutschland beschäftigt sich mit Kartellrecht. Vielleicht sollte man die deutsche Kartellbehörde durch eine Beh?rde der deutschen Arbeitsplatzsicherung ersetzen, die Kaufhof und Karstadt danach bewertet, wie international konkurrenztauglich sie eigentlich sind (grosse robotergesteuerte Lager auf der grünen Wiese in der Nähe von Flughäfen vs. leere superteure Shoppingtempel in der Innenstadt, in der man mangels Verkäufer darum betteln muss, irgendwo bezahlen zu dürfen und Kreditkarten im Deutschland des 21. Jahrhunderts nicht akeptiert werden inkl. Online-Katalog der eigene Produkte nicht findet und nix über Verfügbarkeit weiss). Und die überbezahlte Geschäftsführung bei Nichterfüllung solange unter Elektroschocktherapie in eine Gummizelle einsperrt, bis sie mit den Mitteln von 2018 das auf die Reihe bekommt, wozu Gustav Schickedanz bereits 1927 in der Lage war: einen konkurrenzfähigen Versandhandel aufzubauen der soviel abwirft, dass man sich zusätzlich grosse Innenstadttempel MIT Service und Verkäufern leisten kann.

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Braveheart Jr. 09.11.2018, 11:22
4. Jetzt aber nix wie ran ...

... an die Filetstückchen: Beste Immobilien in zentraler Lage! Im Übrigen bin ich der Auffassung, daß "too big to fail" im Einzelhandel nicht funktioniert; Aber munter wird noch eine Verwaltungsebene obendrauf geklatscht, deren einziger Zweck darin besteht, als Zitronenpresse zu fungieren. Wie wir schon bei Nicolas Berggruen erlebt haben. Jetzt kommt Quetsche 2.0, und dann ab in den Konkurs!

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MannAusmNorden 09.11.2018, 11:23
5. Versandhandel ist der Grund

Vor ein paar Jahren hat hier ein Gemischtwarenhändler (Haushalt, Spielzeug, Modellbau) dicht gemacht. Das "Hallo" in der Stadt war groß, gingen doch immer noch hunderte pro Monat da hin um ihre Geburtstagsgeschenke zu kaufen. Aber die Preise im Internet sind teilweise 15% und mehr unter dem, was der Laden anbieten konnte. Der Vesandhandel spart sich die Ladenfläche, braucht an sich nur Logistik, und wenn alles direkt über Amazon versendet wird spart er sich auch noch das Lager.

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schofseggel 09.11.2018, 11:34
6. es kann nur beiden...

gut tun, hätte das Kartellamt dagegen gestimmt wären garantiert in beiden Kaufhäusern die Lichter in wohl kürzester Zeit die Lichter ausgegangen. Aber so können sich beide Spezialisieren.

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Emil Peisker 09.11.2018, 11:40
7. Die Abzocker...

Zitat von schorsch_69
Erstaunlich, das Karstadt erneut Gelegenheit bekommt, von einem Mitbewerber faktisch übernommen zu werden und diesen vermutlich erneut finanziell ausquetscht, so wie zuvor die Quelle AG, um diesen damit vom "Markt" zu fegen. Karstadt, ein Beweis, das Zombies wahrhaft existieren!
Als Karstadt 1977 den gesamten Neckermannkonzern übernahm,
inklusive Neckermann und Reisen, die Neckermann Versicherungssparte, das Fertighausunternehmen Streiff und natürlich den Neckermann-Versand, für 15 Millionen DM, war mir klar, dass da Abzocke in großen Stil lief.
Die Anzahl der Neckermann-Kaufhäuser in Städten im Süden, wo Karstadt keinen eigenen Marktzugang hatte, war für die Essener wie eine Frischzellenkur. Den Versandhandel beherrschten sie zwar nicht, auch nicht den sehr gut aufgestellten Technischen Kundendienst, aber viele dieser Serviceeinrichtungen wurden kurze Zeit später auch bei Karstadt eingeführt. Banken übernahmen zusätzlich für 2 Jahre die Haftung für Fusionsrisiken.

Wie man den damaligen Senior, Josef Neckermann, dazu gebracht hat, einem solchen Verkauf zuzustimmen, ist eine richtige Räuberpistole.
Aber das füllt 100 Seiten und ist für die heutige Betrachtung der Karstadt/Kaufhof-Situation nicht mehr von Belang.

Ich erinnere mich an das Auftreten der Karstadtlenker, als sie in meine Filiale kamen, und in meinem Büro für einen ihrer "Aufseher" einen Schreibtisch für drei Monate verlangten, bevor auch nur eine Seite eines Vertrages aufgesetzt wurde.

Sie waren arrogant und vor allem nicht bereit zuzuhören.

Das System Karstadt ist antiquiert und nicht überlebensfähig.
Diese neue "Infusion" wird der Kaufhof nicht überleben.

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hasselblad 09.11.2018, 12:04
8.

Am Ende bestimmt der Kunde, was an welchem Standort funktioniert. War zufällig jemand in der letzten Zeit mal bei Karstadt oder Kaufhof? "Ramschbude" ist noch freundlich ausgedrückt. Angefangen beim nicht existenten Präsentationskonzept - da liegt Billigware gleichwertig neben Markenprodukten und von Shop-in-Shop hat man anscheinend weder in Köln noch in Essen jemals gehört - bis hin zur zwischen Sportartikeln und Spielwaren integrierten Friseurkette, und um den Euro Umsatz auch noch mitzunehmen befindet sich neben der Parfumabteilung eine Frittenbude. Vielleicht etwas überspitzt, aber ihr wisst was ich meine. Die Kundschaft macht vielfach den Eindruck von Leuten, die offline gucken und dann online kaufen - die Läden sind voll, aber an den Kassen steht sich das Personal gelangweilt die Beine in den Bauch. Die klassische "Innenstadt" hat eigentlich auch nur noch zur Weihnachtsmarktzeit Sogwirkung. Hypothese: das geht noch höchstens 10 Jahre gut, dann guckt sich die verbliebene Stammkundschaft älteren Semesters die Blumen von unten an und übrig bleiben nur noch die Immobilien in tatsächlich bester Lage. Da Signa eher aus der Richtung Immobilieninvestment kommt, ist der Einstieg in den sterbenden Groß-Kaufhausmarkt aus langfristiger strategischer Perspektive daher klug: die Dinosaurier aussterben lassen, die Verluste in Kauf nehmen und in einer Zukunft ohne riesige Warenhäuser die Immobilien verwerten, wenn K&K dann erstmal tot sind kann man mit den Flächen tatsächlich spannende, kundenaktivierende Sachen machen. Vor ca. 15 Jahren wurde das Publikum auf einer Konferenz fast schon übergriffig, als ich das nahende Ende der Quelle- und Otto-Kataloge prognostizierte und auch das Ende der Unternehmen dahinter, wenn sie nicht aufhören Handel so zu denken wie in den 1950er Jahren. Otto hat den Cut ins digitale geschafft, immer wieder neues ausprobiert und auch viel Geld versenkt, ist heute in Deutschland aber nach wie vor einer der wesentlichen Player im Handelsgeschäft. Daher bin ich erneut zu einer gewagten Prognose bereit: in 10 - 15 Jahren wird es eine Generation geben, die ohne Karstadt und Kaufhof aufwachsen wird. Wetten?

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realplayer 09.11.2018, 12:53
9.

In einigen Städten wird sicherlich nur ein Geschäft weiterbetrieben, das andere geschlossen und das Grundstück (meistens in der City) zu horrenden Preise zu Gold gemacht. Amazon & Co sei Dank.

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