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Wirtschaftslage: Längste Wachstumsphase in Japan seit elf Jahren
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Gute Nachrichten für die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt: Japan erlebt die längste Wachstumsphase seit mehr als einem Jahrzehnt. Grund zur Entspannung? Nein! Ökonomen warnen vor verfrühtem Optimismus.

lachina 18.05.2017, 15:00
1.

"Doch Anlass zu überschwänglichem Optimismus sehen Ökonomen trotzdem nicht. Zum einen ist die Kauflaune der Bevölkerung immer noch nicht so, wie sich Japans Wirtschaft das wünscht. Zum anderen zeigen die Daten auch, dass die Nummer drei der Weltwirtschaft weiterhin in hohem Maße von ihrem Exportmotor abhängig ist.."
Das ist doch in Deutschland ganz genauso , und uns wird tagtäglich erzählt, wie gut es unserer Wirtschaft geht - doch in Japan geben die gleichen Verhältnisse zur Sorge Anlass? Verstehe ich nicht wirklich....

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Patrik74 18.05.2017, 15:09
2. Realsatire

"Doch Anlass zu überschwänglichem Optimismus sehen Ökonomen trotzdem nicht. Zum einen ist die Kauflaune der Bevölkerung immer noch nicht so, wie sich Japans Wirtschaft das wünscht. Zum anderen zeigen die Daten auch, dass die Nummer drei der Weltwirtschaft weiterhin in hohem Maße von ihrem Exportmotor abhängig ist."

Während bei uns der Exportüberschuss Ausweis unserer "Leistungsfähigkeit" ist und wie eine Monstranz anderen Völker ständig vor die Nase gehalten wird, soll der hohe Exportanteil in Japan ein Problem sein, ist klar. In Japan soll zudem die Binnennachfrage bei uns das Wachstum antreiben, während bei uns das hohe Lied der Lohnstückkosten gesungen wird. Erneut ein Beweis, dass es sich bei Ökonomie mitnichten um eine Wissenschaft, sondern eher um eine Lobbyorganisation handelt.

Am Ende geht es doch nur darum, implizit die Staatsverschuldungsparanoia aufrechtzuerhalten, denn wie könnte denn Japan mit einer Staatsverschuldung von 250% BIP auch noch wirtschaftlich erfolgreich sein (abgesehen davon, dass sie uns bei fast allen Sozialindikatoren überflügeln.

Als Krönung noch dieser Satz: "Zum einen ist die Kauflaune der Bevölkerung immer noch nicht so, wie sich Japans Wirtschaft das wünscht."

Das bedeutet wohl im Umkehrschluss, dass da noch Luft nach oben ist - schlimm...

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mettwurstlolli 18.05.2017, 16:32
3.

Zitat von Patrik74
Am Ende geht es doch nur darum, implizit die Staatsverschuldungsparanoia aufrechtzuerhalten, denn wie könnte denn Japan mit einer Staatsverschuldung von 250% BIP auch noch wirtschaftlich erfolgreich sein (abgesehen davon, dass sie uns bei fast allen Sozialindikatoren überflügeln.
Ihrem ersten Argument stimme ich zu, das Thema der staatsverschuldung ist aber strukturell ein völlig anderes, weil erstens: Japan Herr über seine Währung ist, zweitens: die Japaner keinen Regularien (wie dem Stabilitätspakt der Währungsunion und der Schuldenbremse) unterworfen sind, was die Verschuldung angeht und drittens, viel wichtiger: die Japanischen Staatsschulden zum allerüberwiegenden Teil den Japanern gehören. Das ist hier bei uns vollkommen anders. Insofern ist der Vergelich der deutschen und der japansichen Staatsverschuldung der der berühmten Äpfel mit den Birnen.

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quark2@mailinator.com 18.05.2017, 16:37
4.

Irgendwo in Asien gibt es ein Land, wo die Regierung regelmäßig die Bevölkerung danach fragt, wie glücklich sie ist und wo es offizielle Regierungspolitik ist, diesen Parameter zu optimieren. DAS wäre mal ein Maßstab. Ich freue mich für Japan dafür, daß die Talsohle offenbar langsam durchschritten ist, aber leider sagt der Artikel eben gar nichts darüber aus, wie sich die Masse der Japaner über die letzten 20 Jahre so gefühlt hat und im Moment fühlt. In DE könnte man ja mit Blick allein auf die Wirtschaft auch so tun, als wäre die Agenda 2010 das tolle Ding schlechthin gewesen. Jede Menge Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum etc. Bis man dann ins Detail geht und das Leben der Masse aus der Nähe betrachtet.

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Patrik74 18.05.2017, 18:24
5. Äpfel und Birnen

Zitat von mettwurstlolli
die Japanischen Staatsschulden zum allerüberwiegenden Teil den Japanern gehören. Das ist hier bei uns vollkommen anders. Insofern ist der Vergelich der deutschen und der japansichen Staatsverschuldung der der berühmten Äpfel mit den Birnen.
Der Grund, warum die Japaner in Staatsanleihen investieren, ist, weil sie es können.

In Japan werden eben so hohe Löhne gezahlt, dass weite Teile der Bevölkerung Überschüsse erzielen. Dass sie diese überwiegend in Staatsanleihen anlegen, widerlegt das neoliberale Argument, dass einen hohe Staatsverschuldung das Vertrauen der Bevölkerung beeinträchtigt - zumindest den Japaner scheint das nicht zu stören.

Wie wäre es damit: In Deutschland werden endlich die Löhne auf ein adäquates Niveau gehoben und wieder Bundesschatzbriefe mit einer ordentlichen Verzinsung eingeführt. Binnen weniger Jahre ist dann der Bund auch überwiegend bei der eigenen Bevölkerung verschuldet und der Drops ist gelutscht.

Dann brauchen wir auch keine Autobahnen mehr zu privatisieren...

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mettwurstlolli 19.05.2017, 17:56
6.

Zitat von Patrik74
Der Grund, warum die Japaner in Staatsanleihen investieren, ist, weil sie es können. In Japan werden eben so hohe Löhne gezahlt, dass weite Teile der Bevölkerung Überschüsse erzielen. Dass sie diese überwiegend in Staatsanleihen anlegen, widerlegt das neoliberale Argument, dass einen hohe Staatsverschuldung das Vertrauen der Bevölkerung beeinträchtigt - zumindest den Japaner scheint das nicht zu stören. Wie wäre es damit: In Deutschland werden endlich die Löhne auf ein adäquates Niveau gehoben und wieder Bundesschatzbriefe mit einer ordentlichen Verzinsung eingeführt. Binnen weniger Jahre ist dann der Bund auch überwiegend bei der eigenen Bevölkerung verschuldet und der Drops ist gelutscht. Dann brauchen wir auch keine Autobahnen mehr zu privatisieren...
Was für ein Käse. Aber ich habe keine Lust Ihnen zu erklären, wie Anleihen funktionieren und was das für das Thema Staatsverschuldung bedeutet. Nur soviel: Der Emittent begibt die Anleihen nur zu einer Nominalverzinsung. Die reale Verzinsung ergibt sich aus dem Kurs, den der Markt bestimmt. Begibt der Emittent eine Anleihe, die hoch über dem eigentlichen Markt verzinst, dann rauscht der Kurs nach oben, der Zins nach unten, ohne dass der Emittent davon was hat. Dann wird nur der Zwischenhändler reich, und der Staat hat sich teuer finanziert, das kann er dann mit harten sozialen Einschnitten wieder ausbügeln. Worin dabei der Sinn liegen soll, können Sie wohl akaum erklären.
Löhne rauf! ist übrigens kein politisches Programm, weil wir Tarifautonomie haben. Das müssen die Tarifpartner klären. Der staat legt hier (ausser bei seinen eigenen Angestelten) keine Löhne fest, auch wenn viele das hier noch nicht mitbekommen haben.

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Patrik74 21.05.2017, 08:25
7. Was hat das mit dem Thema zu tun

Zitat von mettwurstlolli
Was für ein Käse. Aber ich habe keine Lust Ihnen zu erklären, wie Anleihen funktionieren und was das für das Thema Staatsverschuldung bedeutet. Nur soviel: Der Emittent begibt die Anleihen nur zu einer Nominalverzinsung. Die reale Verzinsung ergibt sich aus dem Kurs, den der Markt bestimmt. Begibt der Emittent eine Anleihe, die hoch über dem eigentlichen Markt verzinst, dann rauscht der Kurs nach oben, der Zins nach unten, ohne dass der Emittent davon was hat. Dann wird nur der Zwischenhändler reich, und der Staat hat sich teuer finanziert, das kann er dann mit harten sozialen Einschnitten wieder ausbügeln. Worin dabei der Sinn liegen soll, können Sie wohl akaum erklären. Löhne rauf! ist übrigens kein politisches Programm, weil wir Tarifautonomie haben. Das müssen die Tarifpartner klären. Der staat legt hier (ausser bei seinen eigenen Angestelten) keine Löhne fest, auch wenn viele das hier noch nicht mitbekommen haben.
Ich erkenne keinen Zusammenhang zu der Aussage, dass man sich erst dann bspw. Staatsanleihen kaufen kann, wenn das verfügbare Einkommen hoch genug ist, um überhaupt genug übrig zu haben, sich solche leisten zu können.

Und natürlich hat auch in Deutschland der Staat ganz erheblichen Einfluss auf die verfügbaren Einkommen durch die Verteilung der Steuer. und Abgabenlast - insbesondere, weil sie in Deutschland recht hoch ist. Diese konzentriert sich in Deutschland bei den "kleinen Leuten". Würde der Staat diese eher auf die wirklich reichen (UHNWI) konzentrieren, dann hätte der "kleine Mann" auch wieder genug in der Tasche, um Rücklagen zu bilden (wie in Japan).

Und statt sich über Riester-Verträge an der Nase herumführen zu lassen, sollte es einfach gut verzinste Bundesschatzbriefe geben.Die müssen auch nicht "am Markt" gehandelt werden, sondern man kauft sie einfach zum Nominalwert direkt beim Staat und kriegt dafür den Nominalzins. Das ist sicher und das versteht auch jeder.

Warum "die Märkte" immer dazwischengeschaltet sein müssen, damit sie leistungslos mitverdienen, erschließt sich mir nicht.

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spontanistin 03.08.2017, 10:29
8. Ach was?

Und bedeutet nun das Dauer- Wachstum, dass alle (!) Japaner davon profitieren? Wer sind die Gewinner, wer die Verlierer? Immer diese blödsinnige Attitüde, Durchschnittswerte statt Verteilungskurven anzugeben.

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