Forum: Wirtschaft
Wunsch fürs Wahljahr: Deutschland sollte seine Wirtschaftspolitik ändern
REUTERS

Deutschland verdient Respekt für seine Hartnäckigkeit in der Wirtschaftspolitik. Doch das Pochen auf Haushaltsdisziplin allein reicht nicht aus - und die hohen Exportüberschüsse sind in einer Währungsunion sogar gefährlich.

Seite 1 von 12
peterpahn 05.04.2017, 12:41
1. Mit anderen Worten: Deutschland soll seine Wettbewerbsfähigkeit zugunsten ...

Mit anderen Worten: Deutschland soll seine Wettbewerbsfähigkeit zugunsten einer völlig fehlkonstruierten gemeinsamen Währung beschädigen? Das wird nicht funktionieren, allein schon weil der Maßstab heute ja nicht mehr Europa ist, sondern der Weltmarkt. Deshalb würde es der Europäischen Union als Ganzes auch nicht wieder auf die Beine helfen, wenn nun Deutschland aus Solidarität mit Frankreich und den kränkenden Ländern der südlichen Euro-Zone seine Wirtschaft per Gesetz einhegt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
theanalyzer 05.04.2017, 12:42
2. Der übliche Ruf nach Umverteilung

Ich lese ihn: den üblichen Ruf nach Umverteilung. Ich gebe zu, daß ich nichts anderes erwartet hatte. Aber wie selbstverständlich mit einem Abgesang auf Maastricht gleichzeitig den Generalangriff auf deutsche Sparguthaben zu postulieren, das empfinde ich schon als frech. Mit Maastricht wurde uns seinerzeit der EURO aufgeschwatzt. Wenn es denn nun Konsens der Herrschenden ist, daß Maastricht scheiterte, dann wünsche ich mir eine Volksabstimmung.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Bondurant 05.04.2017, 12:47
3. Ach so

In Deutschland träumen viele von der Wiederauferstehung des Geistes von Maastricht: keine Vergemeinschaftung der Schulden, keine Sanierung eines Mitgliedstaates durch andere, Einhaltung der Haushaltsvorschriften, Überwachung durch funktionierende Märkte, die diejenigen bestrafen, die von diesen Prinzipien abweichen.

Wieso "Wiederauferstehung"? Soweit ich weiß, ist das noch geltendes Recht. Ansonsten köstlich französischer Beitrag: Solidarität bitte, damit es Frankreich besser geht. Da sage noch mal einer, es gäbe keinen Nationalcharakter.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
hergen.heinemann 05.04.2017, 12:56
4. Viele kluge Gedanken

und doch keine Lösung, weil es zwar richtig ist, dass die wettbewerbsfähigen Länder nicht mit den weniger wettbewerbsfähigen zusammen passen, es aber keine Lösung ist, die wettbewerbsfähigen weniger wettberwerbsfähig zu machen: Dann wird die Eurozone insgesamt in der übrigen Welt weniger wettbewerbsfähig. So kann doch Fortschritt nicht aussehen und eine Währungsunion nicht überleben. Und Deutschland sollte "lockerer" werden? Nachdem Deutschland schon einige hundert Milliarden Volksvermögen beigetragen und und einen Betrag von etwa zwei Bundeshaushalten ins Risiko gestellt hat, um den Euro am Leben zu erhalten, kann man mit der Aufmunterung zu noch mehr "Lockerheit" doch nicht noch mehr verlangen und glauben, dass das die Lebensfähigheit der Eurozone mittel- oder langfristig erhähen würde. Dem ist nicht so, denn irgendwann merkt auch die Bevölkerung der "Geberländer", dass sie vermögensmäßg durch alle möglichen Konstruktionen der EZB, der Rettungsschirme, der Bankenunion, der Arbeitlosenversicherung, der Schuldenschnitte oder gar unverhüllter Eurobonds usw. ausgesogen wird.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
gruenertee 05.04.2017, 12:56
5.

Ja, wir müssen den Exportüberschuss innerhalb Europas konstant über Jahre reduzieren. Genau wie Griechenland seine Ausgaben kürzen muss und Italien die Korruption/Vetternwirtschaft abbauen muss. Das sind aber alles Themen der Innenpolitik von souveränen Nationalstaaten. Der EU fehlt die Antwort darauf, wie sie nationale innenpolitische Themen steuern und lenken will. Ohne das am Ende die Vergemeinschaftung von Schulden, das EU Diktat und fehlende Demokratie der Untergang der Europäischen Gemeinschaft ist.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
whitewisent 05.04.2017, 12:57
6.

Die letzten Jahrzehnte haben gezeigt, daß alle Wirtschaftswissenschafler der Welt nicht einmal annähernd genau prognostizieren können, wohin sich einzelne Länder und Wirtschaftsräume entwickeln. Man liest viel mehr über erfüllte Vorhersagen und Prognosen als über die nicht Eingetroffenen.

Es ist keine "deutsche Überheblichkeit", wenn man feststellt, daß die europäischen Partnerländer nicht einmal annähernd in der Lage sind, gleichwertige Produkte in gleichem Umfang dem Weltmarkt anzubieten, wie es Deutschland derzeit allein tut. Bzw, genauer gesagt die Unternehmen mit Sitz in Deutschland. Denn man rechnet den Daimlergewinn komplett Deutschland zu, auch wenn Kuwait 6,8% daran hält, Renault übrigens 3,1%. Was bei anderen Unternehmen ähnlich ist. Also die Reichen der Welt schon am deutschen Exportüberschuss partizipieren.

Deutschland muss der Welt den freien Zugang zu seinem Markt gewähren, was schon durch die EU gewährleistet ist. Aber man muß nicht mit Steuergeldern im Ausland eine Konkurenz zur einheimischen Wirtschaft schaffen, welche man auch mit Steuergeldern teilfinanziert hat. Wesentlich sind geopolitisch Importe aus Ländern wie Indien, Brasilien, Türkei oder Nigeria. Aber unter dem Deckmantel des Überschussabbaus verbergen sich eher Interessengruppen aus den USA; Japan/Südkorea und China.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
rloose 05.04.2017, 13:03
7.

Zitat von peterpahn
Mit anderen Worten: Deutschland soll seine Wettbewerbsfähigkeit zugunsten einer völlig fehlkonstruierten gemeinsamen Währung beschädigen? Das wird nicht funktionieren, allein schon weil der Maßstab heute ja nicht mehr Europa ist, sondern der Weltmarkt. Deshalb würde es der Europäischen Union als Ganzes auch nicht wieder auf die Beine helfen, wenn nun Deutschland aus Solidarität mit Frankreich und den kränkenden Ländern der südlichen Euro-Zone seine Wirtschaft per Gesetz einhegt.
Deutschland hat seinen Aussenhandelsüberschuß nicht erst seit dem Euro. Von daher muss es seine Wettbewerbsfähigkeit auch nicht wegen des Euro einschränken. Deutschland muss sich nur entscheiden, ob es dauerhaft einen Überschuss erwirtschaften will, dann muss man eben konsequenterweise auch damit leben, dass sich andere Länder verschulden (da ist die Mathematik unerbittlich) oder aber man setzt auf eine ausgeglichene Bilanz indem man z.B. die, die jetzt diesen Überschuss erwirtschaften, auch daran in ausreichendem Maß beteiligt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
elektromotor 05.04.2017, 13:03
8. Wirtschaftlichen Erfolg

werden in Zukunft nur diejenigen Staaten haben, die eine ungefähr ausgeglichene Zahlungsbilanz mit China (+USA) haben. Staaten, die das nicht hinbekommen (Italien, Frankreich, UK, ...) werden mit oder ohne Euro, in oder außerhalb der EU längerfristig ein Pudel Deutschlands oder der USA.
Die Südländer müssen die Ursachen ihrer Malaise erkennen und gegensteuern. Wesentliche Ursache ist m. E. der ausgeprägte Wunsch nach Immobilienbesitz, der junge Leute schon früh an Orte ohne Jobs bindet und die Flexibilität der Wirtschaft behindert. Zur Korrektur braucht es eine starke, inflationssichere Währung. Irgendwann müssen sich die Südländer damit abfinden. Danach kann man über "Stimulation" reden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Silversurfer2000 05.04.2017, 13:04
9. Honi soit quit mal y pense

"Die Eurokrise hat gezeigt, dass Haushaltsdisziplin nicht ausreicht". Welche Haushaltsdisziplin? Die niedrigen Zinsen, die Deutschland den Südeuropäern nach der Einführung des Euro ermöglicht hat, haben zu einer schuldenbasierten Dauer-Party in Südeuropa geführt, als ob es keinen Morgen danach gäbe. Dann kam der Kater. Jetzt ist natürlich klar, dass Haushaltsdisziplin unbeliebt ist - aber die Haushaltsdisziplin zu verteufeln ... oh la la. Das ist schon eine Verdrehung der Tatsachen und der Geschichte.

Zeigt mal wieder glasklar, dass das gescheiterte Euro-Experiment endlich aufgegeben werden muss - asap bevor auch noch die EU in Summe drauf geht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 12