Forum: Wirtschaft
Zur Zukunft der EU: Wie wir den Euro - und damit Europa retten können
AP

Europa versucht, sich neu zu erfinden. In den kommenden Monaten soll die große Reformdiskussion in Gang kommen. Entscheidend wird am Ende aber nur eins sein: Ob es gelingt, den Euro zu retten.

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NewHuman 02.04.2017, 18:56
70. Die Lösung sieht anders aus

Zitat: "Ohne Eurozonen-weite Umverteilungsmechanismen sind ökonomische Spannungen, die innerhalb einer Währungsunion unweigerlich auftreten, kaum lösbar. Spannungen, die wiederum fast automatisch zu politischen Konflikten führen."
Nein. Es führt kein Weg daran vorbei zu erkennen, dass a) die Bürger der einzelnen Staaten einen solchen Eurozonen-weiten Umverteilungsmechanismus nicht wollen und dass es b) bei Einführung eines solchen Mechanismus "von oben" zu extremsten politischen Spannungen zwischen den Staaten kommen würde, die c) wiederum automatisch zu ökonomischen Spannungen führen. Dieses Projekt wird nicht gelingen - die politischen Spannungen würden die Euro-Staaten auseinandersprengen. Ein Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten ist nur durch die Bildung von (mindestens) zwei Euro-Zonen möglich, in denen sich einander sehr ähnlich denkende und arbeitende Volkswirtschaften und Gesellschaften befinden.

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Eddi Blanca 02.04.2017, 18:57
71. Demokratische Legitimation ist das Grundproblem der EU

Wenn Herr Müller sagt, dass es der Eurozone und Europa insgesamt an „demokratischer Legitimation“ fehlt, dann hat er Recht. Allerdings ist das Problem viel tiefergehend, als er denkt. Es fehlt nicht nur an einer angemessenen Bürgervertretung oder einem Parlament, sondern die Existenz des Euro und der EU an sich sind demokratisch gar nicht legitimiert. Die europäischen Politiker in ihrem Brüsseler Elfenbeinturm haben schlichtweg vergessen die Bürger in Europa zu fragen, ob sie eine gemeinsame Währung und die EU unter Aufgabe nationaler Souveränitätsrechte überhaupt wollen. Es fehlt das „OK“ der Bürger Europas zum Euro an sich, ein europaweites Referendum zu EU und Euro.

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Kanalysiert 02.04.2017, 18:58
72.

Lieber Ökofred, von Extremisten wie der AfD distanziere ich mich. Da ich mich aber von Extremisten aller Art distanziere, fällt da auch die CDU/CSU darunter, da ich auch Wirtschaftsextremismus zu Ungunsten des Volkes ablehne. Es ist mir ein Rätsel, wie ein Planet mit soviel Reichtum sich der Gier oder Märchendogma (sprich "Religionen") zum Opfer machen kann, statt den vorhandenen Reichtum zum Wohle -> ALLER (!) statt "einer handvoll Superreicher" zu nutzen. Dieser Egoismus ist einfach nur widerwärtig.

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dingodog 02.04.2017, 19:02
73. Ratlos

Es ist paradox - die einzige Chance für den Euro scheint ein EU- oder Eurozonen-Haushalt mit Steuern, Anleihen und allem Drum und Dran zu sein. Aber wir wissen alle, dass so ein Konstrukt nie durch Volksabstimmungen kommen wird, und dass es auch nicht langfristig lebensfähig sein wird. In einer Demokratie ist es den Wählern nicht langfristig vermittelbar, dass sie "Fremde" langfristig subventionieren. Es ist schon innerhalb Deutschlands schwer vermittelbar.

Allein schon die Größenunterschiede der potenziellen Kernländer machen es fast unmöglich - Deutschland als stärkster Partner, dann Frankreich und dann die Niederlande, ein gespaltenes Belgien und Luxemburg. Um diese Partner zu einem Block zusammenzuschweissen, müssten sie sich erstmal freiwillig in ihre Einzelteile zerlegen, die Bundesländer, die französischen Regionen, Flandern, Wallonien, Luxemburg und vielleicht sogar die Niederlande in Nord, Mitte, Süd, und daraus ein gemeinsames Konstrukt mit Parlament und Länderkammer.

Vielleicht ist es besser, sich das Heilige Römische Reich als Vorbild zu nehmen - schwach, aber ein Rechtsrahmen.

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freizeitverkaeufer 02.04.2017, 19:05
74. Gegen den Euro lassen sich unzählige Argumente anführen. ...

...folgende 3 sollten aber ausreichen: 1. Ohne Euro war der europäische Einigungsprozess erfolgreicher und dynamischer. 2. Eine Währung, die fortwährend gerettet werden muss ist keine Währung. 3. Für Geld kann man Freunde genauso wenig kaufen wie die Freundschaft von Staaten. Noch mehr Transferunion führt ganz sicher zu Neid, Mißgunst und Zerfall der europäischen Idee.

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EMU 02.04.2017, 19:05
75.

Zitat von opinio...
Weil wir uns doch nich wieder alle 40 Jahre die Köpfe einschlagen wollen! Haben sie den Balkankrieg schon vergessen?
Die Stimmung zwischen Griechenland und Deutschland oder Spanien und Deutschland oder generell zwischen Zahlern und Nehmern ist vergiftet wie lange nicht mehr.

Sorry, aber aktuell stiftet der Euro nur Unfrieden.

Und auch die Balkanvölker kommen wesentlich besser miteinander aus, seit sie nicht mehr im selben Staat sind.

Wenn wir uns also nicht "alle 40 Jahre die Köpfe einschlagen" wollen, wäre ein System dass ein bisschen mehr Differentiation zwischen den Ländern tolerieren kann, sicher sinnvoll.
Ein System flexibler Wechselkurse tut genau das.

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besonders_wachsam 02.04.2017, 19:08
76. Es geht um mehr als nur um eine Währungsunion

Natürlich ist der Euro eine Erfolgsstory, ganz besonders für die deutsche Wirtschaft und der Freizügigkeit der Menschen. Daran ändern auch alle Unkenrufe und teils gebetsmühlenhafte Wiederholungen von Ewig-Gestrigen nichts. Aber er ist eben nicht alles. Es war ein Fehler zu glauben mit der Einführung einer gemeinsamen Währung schaffe sich eine Art Staatskonstrukt irgendwann von selbst. Solange Nationalstaaten, und hier ganz besonders Deutschland, immer wieder auf nationale Souveränität bestehen in Dingen, die eigentlich längst in Brüssel geklärt gehören und zwar ein einem Parlament welches auch handeln kann wie ein solches, wird es mit Europa und letzlich auch dem Euro und der Eurozone kein Weiterkommen geben. Ja, Europa ist gut aber nicht gut genug. Wenn man den reformstau, den es zweifellos gibt, ändern will dann fange man bitte vor der eigenen Haustüre erst einmal an. Hier herrscht ein Reformstau ohne Ende denn heutzutage braucht man weder Regierungspräsidenten noch ganze 16 Bundesländer in Deutschland. Von den 630 Abgeordneten des Bundestages ganz zu schweigen, mehr als das Repräsentantenhaus und Senat der ganzen USA zusammen. Das gehört radikal reduziert und wer hierzu nicht bereit ist, braucht von Europa auch keine Wunder erwarten. Geschweige denn immer auf Europa schimpfen und wettern. Der Muff geht massiv von Deutschland aus, von alten trägen Politikern die da hausen wo sie selber hingehören - in die Vergangenheit. Es lebe Europa.

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Silversurfer2000 02.04.2017, 19:09
77. Umgekehrt wäre es richtig!

Den Euro über Bord werfen und die EU retten!!

Warum sollen die ganzen fantastischen Errungenschaften der EU wie Freiheit des Reisens, des Wohnens, des Arbeitens, Friede seit über 70 Jahren, etc., aufs Spiel gesetzt werden, weil ein vollkommen hirnrissiges Währungsexperiment, wie von allen Volkswirten vorhergesagt, gescheitert ist?

Das macht doch überhaupt keinen Sinn.

D. h. für den Euro: Weg mit Schaden und für die EU: Alles machen, um sie zu retten!

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garfield53 02.04.2017, 19:10
78. mmm

Da die EU auch 1989 weder politisch, gesellschaftlich noch wirtschaftlich so gefestigt war, das man ausser der bürokratischen Regulierungswut von einen homogenen Gebilde, sprechen konnte, war und ist es mittelfristig politischer und gesellschaftlicher "Selbstmord", nur um den "Russen" eins auszuwischen, den US-amerikanischen Einflußbereich auf unsere Kostenauszuweiten, fast jeden "Ost-Frontstaat", welcher weder wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch, bis heute, auch nur in Ansätzen, die Voraussetzungen erfüllte, in die EU aufzunehmen.

Wir verstricken uns immer mehr in politische, nationalistische und rassistische "Kleinstaaterei", weil die von uns gepushten neuen politischen Eliten in diesen Ländern, ohne jedwedes Feingefühl und Professionalität sich diese Staaten mittels nationalkonservativer und latent rassistischen Parteien in eine Art Privateigentum verwandelt haben und uns und die anderen westlichen Partner in einen politisch motivierten Streit mit Russland rein ziehen, welcher deren politisches Überleben garantieren soll, da sie ihren Völkern, ausser den Brüssler Alimenten, nichts bieten können.

Da diese Entwicklung Anfangs unseren geopolitischen Gedankenspielchen gegenüber Russland sehr entgegen kam, haben wir aktuell ein wachsendes Problem.

Die Gründungsmitglieder mit nationalen und gesellschaftlichen Problemen überfordert, fliehen von der "Fahne" bzw. denken ernsthaft darüber nach und die Ost-Frontstaaten wollen uns in einen ideologischen heissen Konflikt, fast um jeden Preis, mit Russland rein ziehen.
Was nun (?), weitgehende Sprachlosigkeit oder Phrasendrescherei, nach der Devise, Augen zu und abwarten.

Nur wird der Trümmerberg immer größer, innen- wie aussenpolitisch.

Und keine Alternative gewollt, oder in Sicht!

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adolfo1 02.04.2017, 19:13
79. Wunschträume - die Realität sieht anders aus

Hat Europa als Bundesstaat/Transferunion eine Zukunft?
Bin der Meinung, es kann nicht funktionieren. Länder sind beeinflusst durch ihren Geschichtsverlauf, unterschiedliche Denkweise (individuell oder kollektiv geprägt), Steuerehrlichkeit, Interpretation von Gesetzen und Regeln (Regeln an die Lebensweise anpassen oder umgekehrt), Wirtschaftskraft, Korruption, Klientelismus. Verweise an dieser Stelle auf einen Artikl vom 06.07.15 in der FAZ mit dem Titel „Gut ernährt dank Rousfetia“.
Hier finden wir das beste Beispiel zu Griechenland. Wobei nach meiner Meinung GR ein Bauernopfer war. Monatelang hat man sie mit den dortigen Mißständen beschäftigt. Dass seit geraumer Zeit in Spanien ein Korruptionsskandal den andern jagt und sich spanische Zeitungsleser in ihren Kommentaren schon selbst als Bananenrepublik mit einer verfaulten Gesellschaft bezeichnen, wird bei uns kaum wahrgenommen.
Derzeit läuft in Andalusien ein Verfahren (ging durch die intern. Presse), wonach dort ca. 300 Mio Euro Hilfsgelder,
bestimmt für die Aus- und Weiterbildung von Arbeitslosen, vermutlich zweckentfremdet worden sind. Die zuständige EU-Kommissarin ermittelt. Wir können natürlich im Hinblick auf die EU weiter Hirngespinste aufbauen, Schattenseiten ignorieren und so tun als sei alles paletti.

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