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Anthropologie: So besiedelte der Mensch Südamerika
André Strauss / dpa

Drangen Amerikas erste Siedler von Norden gleich weiter Richtung Süden? Oder gab es verschiedene Einwanderungswellen? Solche Fragen können durch gleich drei Studien besser beantwortet werden. Doch ein Rätsel bleibt.

Sissy.Voss 09.11.2018, 14:23
1. Warum? Ich kann mir nicht recht vorstellen...

"Auffällig ist, dass die Zusammensetzung der neuen Gruppe über die Jahrtausende bis heute teilweise recht konstant blieb. Dies ist umso erstaunlicher, als die Bevölkerungen etwa in Europa, Westasien und Afrika in diesem Zeitraum mehrmals durch große Zuwanderungswellen stark verändert wurden."

Ich kann mir nicht recht vorstellen, was daran erstaunlich sein sollte. Der euro-asiatische Raum war in seiner ganzen Weite immer uneingeschränkt zugänglich, ebenso der nordafrikanische. Im Gegensatz dazu waren die amerikanischen Kontinente nach dem Wegfall der Beringbrücke nur noch auf dem Seeweg erreichbar und die Handvoll Neusiedler gingen in der Bevölkerung der Amerikas noch nachhaltiger unter, wie es 10.000 Jahre später die paar Wikinger taten, die in Vinland siedelten. Mittlerweile scheint klar zu sein, dass außer den Clovisleuten nach andere Bevölkerungsströme von Ostasien nach Amerika migrierten. Dass man Gruppen nachweisen kann, die eventuell viel später über den Seeweg kamen und sich lokal abgegrenzt und durchgesetzt haben ist eine interessante Nachricht.

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gunpot 09.11.2018, 17:50
2. Um zur Lösung des Rätsels beizutragen

warum man Gene, wenn auch nur zu 3%, von Menschen findet, die nur dem Pazifikiraum zuzuordnen sind, so könnte es doch sein, dass es einigen wenigen gelang, über die Osterinsel im Westen des südamerikanischen Kontinents anzulanden. Schauen Sie sich mal die Entfernung von Tahiti zur Osterinsel an. das ist enorm. Nun nur noch den Faden weiterspinnen, Wer von den letzten bewohnten Inseln im Ostpazifik bis zur Osterinsel gelangte, dem ist auch zuzutrauen, dass er es von dort bis Chile schaffte.

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gunpot 09.11.2018, 18:26
3. Ich habe wegen des Nachweises

australasischer Gruppen in Südamerika noch einmal die Entfernungen etwas genauer gecheckt. Die Entfernung zwischen der Osterinsel und Chile oder Peru beträgt knapp 3.800 km. Die von Frz. Polynesien (Tahiti) zur Osterinsel kanapp 4.300 km. Die Insel Pitcairn, bekannt durch die Meuterer auf der Bounty liegt 2.o88 km von der Osterinsel entfernt. Sie war bis zur Ankunft der Meuterer unbewohnt, sie könnte aber als Zwischenstation der australischen Gruppen auf ihren Weg nach Osten, sprich Osterinsel oder sogar Chile/Peru gedient haben. Es war diesen australischen Gruppen durchaus zuzutrauen, über die Osterinsel den südamerikanischen Kontinent erreicht zu haben.

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permissiveactionlink 09.11.2018, 19:35
4. Australasiatisches Signal

Wenn man berücksichtigt, dass die ersten Sapiens Neuguinea und Australien schon vor ca 40000 Jahren erreichten, dann könnte man annehmen, dass sie auch Südamerika vor mehr als 10000 Jahren über den Seeweg erreicht haben könnten. Dies ist aber in erster Näherung unmöglich. Nimmt man als Ausgangspunkt der Seereise Port Moresby im Osten Neuguineas (9° 28' S, 147° 10' E) an und als Ankunftsort Manta an der Westküste Equadors (0° 57,74' S, 80° 42,75' W), dann sind schon am Äquator 132 Längengerade zu überwinden, was 14667 km entspricht. (Die sphärische Distanz beträgt 14579 km). Die Logistik für ein Inselhopping (von den Fähigkeiten zum Bau hochseefähiger Boote und zur Navigation unter dem Sternenhimmel ganz abgesehen) hatte 6000 - 7000 Jahre vor Stonehenge niemand. Und noch etwas anderes ist wichtig : Die Passatwinde wehen im Pazifik für gewöhnlich von Ost nach West, was eine Seereise in Gegenrichtung nahezu unmöglich macht. Ein solcher Trip wäre auch heute noch mit geeigneten Booten, Sextant, nautischen Tabellen, einer exakten Borduhr und der Fähigkeit, gegen den vorherrschenden Wind zu kreuzen, ein Himmelfahrtskommando. Das hätte keiner überlebt, schon gar nicht ohne geeignete Nahrungsmitteldepots auf den im Südostpazifik liegenden Inseln (Pitcairn, Henderson, Easter-Island etc.). Ich halte es für wahrscheinlicher, dass sich Einwanderer mit dieser australasiatischen Genausstattung mit Kanus vergleichsweise schnell an der Westküste Nord- und Mittelamerikas vorbeibewegten, ohne dort Wurzeln zu schlagen. Vielleicht waren sie dort unerwünscht und zogen einfach weiter.

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eswirdbesser 10.11.2018, 13:39
5. Bevölkerung ausgetauscht ?

Die Menschen, verwandt mit denen der nordamerikanischen Cloviskultur, verschwanden vor 9000 Jahren . Ab da siedelte eine andere Menschenpopulation. Wie habe ich mir das vorzustellen? Geonzid, Verdrängung in Richtung Mittel-und Nordamerika ?Was ist mit denen geschehen?

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clkr 12.11.2018, 01:44
6. @eswirdbesser, #5

Was ist mit den Neanderthalern in Mitteleuropa geschehen? Könnte man genauso fragen. Sie sind halt nur noch als Fossilien und genetisch im unteren einstelligen %-Bereich der Europäer (und deren Auswanderern) präsent. Leider haben sie keinen USB-Stick hinterlassen, auf dem sie darlegen, daß es vielleicht das letzte, härteste Interstadial der Würm-Eiszeit war, und ihre Höhlen-Zentralheizungen immer wieder versagten oder ihnen die Wollnashörner ausgingen. Da bleibt nur, plausible Faktoren abzuwägen. Verdrängung, Klimaumschwung (die Inka bspw. hatten daran mit ihrer Maiskultur sogar einen Eigenanteil!). Aber vor 9000 Jahren begann grade mal Seßhaftwerdung, da kann man kaum auf Bodenfunde hoffen.

Falls Sie der letzte Angehörige unserer Spezies sind, bevor wir an der selbstverursachten Klimakatastrophe zugrundegehen, im selbstweggeworfenen Plastikmüll ersticken oder unter Tonnen von ultraschweren Rotz-Protz-SUVs aus unserer heimischen Produktion plattgemacht werden, schreiben Sie's doch bitte auf Ihre To-Do-Liste und denken Sie an aufwärtskompatible Speichertechnik, damit die unsere Relikte aufspürenden Aliens auch easy damit klarkommen. Sie werden es Ihnen danken.

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