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Antikes Lager: Erstmals Römer-Spuren in Mitteldeutschland entdeckt
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Am Kyffhäuser in Thüringen haben Archäologen die Spuren eines Römerlagers gefunden. Es soll aus der Zeit zwischen dem 1. und 3. Jahrhundert stammen. Damit wäre es der erste Nachweis für römische Truppen in der Region.

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Benutzernameoptional 09.05.2014, 17:55
1. Nicht überraschend

Dass die Römer ins finstere Germanien Truppen-Ausflüge gemacht haben, ist bekannt und wahrscheinlich. Die Frage ist, ob sie es aus dem dunklen Wald wieder nach Hause geschafft haben...

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Layer_8 09.05.2014, 18:12
2. Südwestdeutschland

Zitat von sysop
Am Kyffhäuser in Thüringen haben Archäologen die Spuren eines Römerlagers gefunden. Es soll aus der Zeit zwischen dem 1. und 3. Jahrhundert stammen. Damit wäre es der erste Nachweis für römische Truppen in der Region.
"Der Südwesten des heutigen Deutschlands gehörte daraufhin fast 500 Jahre lang zum römischen Reich."

500 Jahre. Ein halbes Jahrtausend. Und da ist auch heute noch irgendwie eine kulturelle Grenze gezogen. Leider wird Deutschland noch heute oft mit dem alten Preußen assoziiert, obwohl diese Gegenden eher dem romanischen (!) Kulturkreis zuzurechnen sind. Ob es den Norddeutschen gefällt oder nicht, genau das ist unsere Abgrenzung. Früher oft belächelt, heute (wieder) oft beneidet. Wir können alles, außer hochdeutsch. Gruß aus Baden :-)

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rdiess 09.05.2014, 21:03
3. Gedankenspiel

Ich ertappe mich immer wieder bei dem Gedanken, was Europa erspart geblieben wäre, hätte Varus sich nicht dermaßen vom Verräter Arminius übertölpeln lassen.
Der Fund in Thüringen wird nicht der letzte seiner Art sein. Auch die Akteure der Schlacht am Harzhorn, die noch ausgegraben wird, müssen Dutzende Marschlager angelegt haben.

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ali.wie.brecht 09.05.2014, 22:14
4. Auf dem Weg zum Harzhorn?

Da die Datierung des Lagerd noch sehr ungenau ist (1. -3. Jahrhundert) waren es vielleicht die Truppen, die später am Harzhorn (3. Jahrhundert) gekämpft haben.
Sie sollen von Südwesten kommend, um den Harz bis an die Elbe gezogen sein.

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joachim_m. 10.05.2014, 00:49
5.

Zitat von Layer_8
"Der Südwesten des heutigen Deutschlands gehörte daraufhin fast 500 Jahre lang zum römischen Reich." 500 Jahre. Ein halbes Jahrtausend. Und da ist auch heute noch irgendwie eine kulturelle Grenze gezogen. Leider wird Deutschland noch heute oft mit dem alten Preußen assoziiert, obwohl diese Gegenden eher dem romanischen (!) Kulturkreis zuzurechnen sind. Ob es den Norddeutschen gefällt oder nicht, genau das ist unsere Abgrenzung. Früher oft belächelt, heute (wieder) oft beneidet. Wir können alles, außer hochdeutsch. Gruß aus Baden :-)
Das ist richtig, aber die Mutter der wichtigsten aller Weltsprachen heißt trotzdem Plattdüütsch, schließlich ist Englisch nichts anderes als einer der Dialekte des Niedersächsischen, der sich wie Küstenplatt und Westfälisch aus dem Altniederdeutsch, wie die ältere Sprachform ganz wissenschaftlich in Hochdeutsch (Plattdüütsch: Oldnedderdütsch) heißt, entwickelt hat, nur im Gegensatz zu den anderen gespickt mit vielen französischen Fremdworten; das kommt davon, wenn man sich nachhaltig durch Normannen, Wikinger, erobern lässt, die inzwischen auch kein Altnordisch mehr konnten und deshalb französisch sprachen.

Was Norddeutschland insgesamt mit Preußen zu tun hat, erschließt sich mir nicht ganz, teilweise waren die Norddeutschen zwar Beutepreußen, aber nicht alle, sondern, wie gesagt, nur teilweise.

Aber eines steht auf jeden Fall fest: Wir haben damals im Gegensatz zu denen im romanischen Kulturkreis, wie Sie es so nett nennen, nicht einen Krieg verloren und sind deshalb Beuterömer geworden; und die Menschen im Südwesten sind auch nicht nur teilweise Beuterömer geworden, sondern alle! Und noch einen drauf: Befreit vom Römerjoch haben euch Kelten die Germanen, die nicht erobert worden sind! Und ja, ihr seit ursprünglich Kelten, so wie die Franzosen und Iren, keine Germanen; die kamen erst später und ihre Anzahl war zu gering, um romanisierten Kelten genetisch zu echte Germanen zu machen oder auch nur dafür zu sorgen, dass sie alle richtig Deutsch lernt, deshalb die Sprachprobleme, die - nach dem eigenen Bekenntnis - bis heute andauern ;)

Übrigens, wären nicht die germanischen Befreier aus Norddeutschland gekommen, wärt ihr im Südwesten und Süden noch heute Italiener und euer Ministerpräsident hieße Berlusconi ... also etwas mehr Dankbarkeit an Norddeutschland ;), auch wenn die Befreiung nicht ganz dazu geführt hat, dass die alte romanische Tradition der Steuerhinterziehung geendet hat; Fälle wie Berlusconi gibt es ja auch in Bayern und die Schweizer, ein Teilstamm der Alemannen, welcher auch Baden-Württemberg besiedelt, haben ja aus der Beihilfe zur Steuerhinterziehung sogar einen Beruf gemacht, den sie Bänker nennen.

Mit veelen Grötens vun de Waterkant, wo dat Engelsch un dat richtige Düütsch, Plattdüütsch, to Hus is un nich dat Baverdüütsch in de Form vun de Hoogdüütsch, datt hier ok keener kann, datt könen blot Professers.

Översetten: Mit vielen Grüßen von der Küste, wo das Englisch und das richtige Deutsch, Plattdeutsch, zu Hause ist und nicht das Oberdeutsch in der Form des Hochdeutschen, das hier auch keiner kann, das können nur Professoren.

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hartmut_s 10.05.2014, 01:23
6.

Augustus wurde erst nach der Ermordung Cäsars im Jahr 44 v. Chr. Kaiser, nicht 63. In diesem Jahr wurde er geboren, die Formulierung "Unter Kaiser Augustus (63 vor Christus - 14 nach Christus)" ist also zumindest missverständlich.

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joachim_m. 10.05.2014, 02:55
7.

Zitat von rdiess
Ich ertappe mich immer wieder bei dem Gedanken, was Europa erspart geblieben wäre, hätte Varus sich nicht dermaßen vom Verräter Arminius übertölpeln lassen. Der Fund in Thüringen wird nicht der letzte seiner Art sein. Auch die Akteure der Schlacht am Harzhorn, die noch ausgegraben wird, müssen Dutzende Marschlager angelegt haben.
Arminius als Verräter zu bezeichnen, ist vor dem geschichtlichen Hintergrund, dass er als Geisel unfreiwillig nach Rom kam und dort zum römischen Soldaten erzogen und gemacht wurde, völlig ahistorisch. Ich bin weit davon entfernt, in die Hermannshymne der Nationalisten einzusteigen, aber man muss Leute aus früheren Jahrhunderten auch nicht niedermachen, obwohl deren Verhalten in Anbetracht der historischen Verhältnisse völlig nachvollziehbar und letztlich die einzige Möglichkeit ist, sich vor der Ermordung durch die Machthaber zu schützen.

Arminius wurde als Kind von den Römern als Geisel geraubt, diese hätten nicht gezögert, das Kind zu töten, wenn seine Eltern sich als Oberhaupt eines Stammes oder was für eine höhere Position sie auch immer inne hatten, sich an einen Aufstand gegen die Okkupanten beteiligt hätten oder er selbst in Rom auch nur Anlass gegeben hätte, an seiner Loyalität zu Rom zu zweifeln. Aufgrund dieser Umstände konnte er gar nicht anders, als Rom zu "verraten", wenn er für die Unabhängigkeit seines Stammes, den Rom überfallen hat und nicht umgekehrt, kämpfen wollte.

Kurz gesagt: Arminius war alles mögliche, aber in Angesichts der Umstände und des Verhaltens der Römer garantiert kein Verräter. Im Gegenteil, es gehört zum ganz normalen Berufsrisiko von Despoten und Landräubern, dass Menschen, die er mit Gewalt zwingt, in seine Dienste zu treten, sich bei der ersten sich bietenden Gelegenheit gegen ihn wenden.

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Miere 10.05.2014, 03:08
8. Was haben uns die Römer schon gebracht?

Spannend. Ich frag' mich ja auch immer, was meine Altvorderen gegen Straßen, Wein, Teigwaren, Schulen und Fußbodenheizung einzuwenden hatten. Entweder hatten sie eine übersteigerte Vorliebe für Grünkohl mit Pinkel, oder es muss an den Steuern gelegen haben. Jedenfalls wissen wir die narrensichere Methode, nicht erobert zu werden: Man sei bettelarm und wohne im Moor. Lohnt einfach nicht. Juhu, Konfetti.

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ghfgfh 10.05.2014, 05:50
9.

Warum bezeichnen Sie Armenius als Verräter, rdiess? Armenius hat sich entschieden auf Seite seines Volkes zu stehen und nicht auf der der Besatzer, die ihn als Geisel von seiner Familie nahmen. Ein Verräter wäre er gewesen wenn den Römern geholfen hätte sein Volk abzuschlachten und zu unterjochen.

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