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Ausstieg im Jahr 2024: Privatisierungspläne für ISS stoßen auf Kritik
NASA

Teile der ISS könnten schon in einigen Jahren in der Hand privater Firmen sein. Pläne dazu prüft derzeit die Nasa. Doch Esa-Chef Jan Wörner glaubt nicht an die Privatisierung der Raumstation.

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Chinainteressierter 13.02.2018, 14:09
1. Privatisierung ist in vielen Fällen sinnvoll

Wie das Beispiel SpaceX zeigt: es scheitert nicht unbedingt am mangelnde Geld, sondern oft die Ineffizienz der staatlichen Weltraumbehörden. Wie sonst ist es zu erklären, dass ein privates Unternehmen ein high-level Projekt wie eine Schwerlastrakete zu einen Bruchteil der Kosten stemmt? Kann SpaceX zaubern? Natürlich nicht! Es wird nur konsequent auf Ergebnisse gearbeitet, während die Weltraumbehörden hauptsächlich mit jahrelanger Konzeptentwicklung und Budgettopfverteilung beschäftigen (im englischen "pork barrel projects" genannt. Von daher ist die Entscheidung der USA durchaus richtig und konsequent. Private Unternehmen sollten Logistik, Versorgung und Fläche (Raumstationen) bereitstellen. Der Staat übernimmt Regulierung, Ausschreibung und Grundlagenforschung. Ein Wissenschaftsinstitut baut ja auch nicht selbst die Autos, mit denen die Mitarbeiter morgens zur Arbeit kommen.

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jojack 13.02.2018, 14:35
2. Prinzipiell ein Erfolgsmodell

Die Privatisierung der Raumfahrt ist für die Amerikaner prinzipiell ein Erfolgsmodell. Nur so konnten Firmen wie SpaceX entstehen, die den Amerikanern niedrigere Preise und moderne Raumfahrttechnik aus heimischer Produktion bereitstellen. Allerdings ist es unklar, ob sich dieses Modell so auch auf den Betrieb einer Raumstation übertragen lässt. Der kommerzielle Betreiber müsste Wege finden, die Kosten zu senken oder besser noch, neue Einnahmequellen zu erschließen. Die Frage ist daher, ob es einen Markt für Dienstleistungen gibt, die auf der ISS für private Kunden abgewickelt werden, also etwa Weltraum-Tourismus, private Forschungsaufträge und dergleichen.

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Ökofred 13.02.2018, 14:48
3. gut vorgetragen...

Zitat von Chinainteressierter
Wie das Beispiel SpaceX zeigt: es scheitert nicht unbedingt am mangelnde Geld, sondern oft die Ineffizienz der staatlichen Weltraumbehörden. Wie sonst ist es zu erklären, dass ein privates Unternehmen ein high-level Projekt wie eine Schwerlastrakete zu .....
Klar, es ist allerdings viel einfacher, wenn man nur einer Organisation nachfolgen muss, die ja bereits alles entwickelt und ausprobiert hat, was man braucht. Und dann benutzt man auch noch ihre Infrastruktur. Verstehen Sie mich nicht falsch, SpaceX ist sicher auf dem richtigen Weg, aber die falschen Wege hat die NASA vorher ja schon durchprobiert (Space Shuttle zB).
Es wird schwer werden den privaten Betrieb der ISS zu organisieren, der ca. 6 Mrd im Jahr kostet.. (bitte Korrektur, wenn ich mich da verschätzt habe), da werden sich einige ziemlich verbiegen müssen. Zu glauben, das wird nur aus privatwirschaftlichen Mtteln gehen ist naiv. Dann verabschieden wir uns schon mal langsam von der ISS, so traurig das wäre.

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schwerpunkt 13.02.2018, 15:13
4.

Zitat von Ökofred
Klar, es ist allerdings viel einfacher, wenn man nur einer Organisation nachfolgen muss, die ja bereits alles entwickelt und ausprobiert hat, was man braucht. Und dann benutzt man auch noch ihre Infrastruktur. Verstehen Sie mich nicht falsch, SpaceX ist sicher auf dem richtigen Weg, aber die falschen Wege hat die NASA vorher ja schon durchprobiert (Space Shuttle zB). Es wird schwer werden den privaten Betrieb der ISS zu organisieren, der ca. 6 Mrd im Jahr kostet.. (bitte Korrektur, wenn ich mich da verschätzt habe), da werden sich einige ziemlich verbiegen müssen. Zu glauben, das wird nur aus privatwirschaftlichen Mtteln gehen ist naiv. Dann verabschieden wir uns schon mal langsam von der ISS, so traurig das wäre.
Im US-Haushalt für nächstes Jahr sind ca. 1,5 Mia USD für den Betrieb(!) der ISS vorgesehen.
Dazu kommen noch weitere Finanzierung von Experimenten und die Unterstützung der privaten Versorgern (bzw. Bestellungen für Fracht zur ISS) oder durch Russland (Progress - was ja die USA auch finanziert) aus anderen Töpfen.
Insofern düfte der amerikanische Anteil am Betrieb der ISS an die 3 Mrd USD ran kommen.
Der Gesamtbetrieb kommt geschätzt durchaus an die 6 Mrd USD hin, wenn man alles zusammen zählt.

Eigentlich sollte sich die Menschheit so einen Außenposten durchaus leisten können, wenn man bedenkt, was für Summen sonst wo versenkt werden.
Einstellung lediglich, wenn man ein wirklich durchdachtes BESSERES System bereits in Betrieb genommen hat.

Leider wird gerade in der bemannten Raumfahrt in den SUA mit viel Ressourceneinsatz etwas großartiges Entwickelt ... und wenn man es hat, ausprobiert, verschrottet .. um dann mit noch mehr Ressourceneinsatz etwas neues zu entwickeln.

Kommt mir manchmal vor wie die beiden Firmen, in der viele Menschen in Fabrik A etwas bauen, was viele Menschen in Fabrik B wieder zerstören, damit aus dem Schrott in Fabrik A ...

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Chinainteressierter 13.02.2018, 15:33
5.

Zitat von Ökofred
Klar, es ist allerdings viel einfacher, wenn man nur einer Organisation nachfolgen muss, die ja bereits alles entwickelt und ausprobiert hat, was man braucht. Und dann benutzt man auch noch ihre Infrastruktur. Verstehen Sie mich nicht falsch, SpaceX ist sicher auf dem richtigen Weg, aber die falschen Wege hat die.....
Es stimmt, die NASA hat in verschiedenen Bereichen Starthilfe geleistet. Die heutige Architektur der SpaceX-Raketen hat allerdings nur noch wenig mit NASA zu tun. Triebwerke und Landetechnologie sind völlig eigenständige Entwicklungen. Insb. das Spaceshuttle dürfte eher als "so wird's nicht gemacht" Beispiel laufen. Tatsächlich gilt es in mehrfacher Hinsicht als Fehlkonstruktion.

Zur den Kosten: warum sollte es naiv sein? Zum einen können private Unternehmen immer noch Kapazität der Raumstation an die NASA zu einem entsprechenden Betrag vermieten. Zum anderen dürfte allein durch den Preisverfall der Raketentechnik der Unterhalt durch ein privates Unternehmen nur noch ein Bruchteil des heutigen Betrags kosten.

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jozu2 13.02.2018, 15:36
6. Gewinne privatisieren, Verluste verstaatlichen?

Zitat von Ökofred
Klar, es ist allerdings viel einfacher, wenn man nur einer Organisation nachfolgen muss, die ja bereits alles entwickelt und ausprobiert hat, was man braucht. Und dann benutzt man auch noch ihre Infrastruktur. Verstehen Sie mich nicht falsch, SpaceX ist sicher auf dem richtigen Weg, aber die falschen Wege hat die NASA vorher ja schon durchprobiert (Space Shuttle zB). Es wird schwer werden den privaten Betrieb der ISS zu organisieren, der ca. 6 Mrd im Jahr kostet.. (bitte Korrektur, wenn ich mich da verschätzt habe), da werden sich einige ziemlich verbiegen müssen. Zu glauben, das wird nur aus privatwirschaftlichen Mtteln gehen ist naiv. Dann verabschieden wir uns schon mal langsam von der ISS, so traurig das wäre.
Meine Befürchtung ist vielmehr, dass eine privatisierte ISS den Staaten vermietet wird und das Unternehmen satte Gewinne einfährt - der Geschjäftsführer wird sich bestimmt nicht mit einem 5-stelligen Gehalt zufrieden geben. Wenn's dann unrentabel wird, zieht sich der Unternehmer zurück und die Staaten, die dringend Experimente durchführen wollen, sanieren dann die ISS, weil die "neue ISS" noch nicht fertig ist. Und wer bezahlt den kontrollierten Absturz? Schickt die US-Regierung eine "Abrissverfügung" und vollzieht diese zur Not auf Kosten des Unternehmens. Oder lassen wir einfach einen riesen Haufen Weltraumschrott entstehen?

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schwerpunkt 13.02.2018, 15:50
7.

Zitat von jozu2
Meine Befürchtung ist vielmehr, dass eine privatisierte ISS den Staaten vermietet wird und das Unternehmen satte Gewinne einfährt - der Geschjäftsführer wird sich bestimmt nicht mit einem 5-stelligen Gehalt zufrieden geben. Wenn's dann unrentabel wird, zieht sich der Unternehmer zurück und die Staaten, die dringend Experimente durchführen wollen, sanieren .......
Eine neue ISS ist nicht geplant.
Alles was es als Ideenkonzept derzeit bei der NASA gibt, ist das DSH, eine Art bemannbare Raumbasis in Mondnähe, welche sehr viel kleiner als die ISS wäre .. und bei Versorgung durch das SLS/Orion-System unvergleichlich viel teurer wäre.
Selbst das ist allerdings eine Art "nice-to-have" der NASA, welches derzeit keine Finanzierung noch eine offizielle Absegnung durch die US-Administration hätte.

Wenn dieses DSH nicht realisiert würde, gibt es für die NASA derzeit keine bemanntes Nachfolgeprogramm, außer einer bemannten Mondumrundung im Jahr 2023 (nach derzeitiger Planung). Danach kommt erst mal viel Nichts.
Für Russland wäre das Ende der ISS wohl auch erst mal das Ende der bemannten Raumfahrt.

Einzig SpaceX plant derzeit weiter .. in der Hoffnung, dass deren weitreichende Pläne auch wirklich finanziert werden können, wenn die NASA keine bemannten und unbemannten Transportflüge zur ISS mehr bucht (mangels ISS).
Eventuell kann dann die USA ja bei China anfragen, ob sie sie hin und wieder mal auf deren Raumstation besuchen können.

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NauMax 13.02.2018, 16:11
8.

Zitat von schwerpunkt
Eine neue ISS ist nicht geplant. Alles was es als Ideenkonzept derzeit bei der NASA gibt, ist das DSH, eine Art bemannbare Raumbasis in Mondnähe, welche sehr viel kleiner als die ISS wäre .. und bei Versorgung durch das SLS/Orion-System unvergleichlich viel teurer wäre. Selbst das ist allerdings eine Art "nice-to-have" der NASA, welches derzeit keine Finanzierung noch eine offizielle Absegnung durch die US-Administration hätte. Wenn dieses DSH nicht realisiert würde, gibt es für .....
Mit dem Besuch auf der Chinesischen Raumstation sollten die USA sich dann aber beeilen, denn nicht mehr allzu lange und man wird hierfür anstelle einer Raumfähre Tiefsee U-Boot verwenden müssen ;-) http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/tiangong-1-absturz-von-chinas-raumstation-wer-muss-sich-sorgen-a-1189871.html

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schwerpunkt 13.02.2018, 16:22
9.

Zitat von NauMax
Mit dem Besuch auf der Chinesischen Raumstation sollten die USA sich dann aber beeilen, denn nicht mehr allzu lange und man wird hierfür anstelle einer Raumfähre Tiefsee U-Boot verwenden müssen ;-) http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/tiangong-1-absturz-von-chinas-raumstation-wer-muss-sich-sorgen-a-1189871.html
:-)

Dieser Absturz ist von China einkalkuliert, Tiangong-1 hat ausgedient das war mehr das Mock-Up einer Raumstation an und in dem man grundsätzliche Verfahren dafür geprobt hat), das nächste, bessere Modell Tiangong-2 ist bereits in Bau, Tinagog-3 (MIR-ähnlich) in Planung.
Nach 2024 wird China mit hoher Wahrscheinlichkeit und womöglich als einzige Nation, eine Raumstation in der Erdumlaufbahn haben.

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