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Bauboom, Sparzwang und die Umwelt: Hauptsache billig
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Gut 2000 Jahre steht so manches Bauwerk aus römischem Beton schon. Moderne Gebäude halten da nicht mit. Gerade im Zuge des Baubooms drohen rasche Sanierungsfälle - mit Folgen auch für Umwelt und Klima.

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funny-smartie 30.05.2018, 11:21
1. Einheitliche "Trickserei"

wenn alle innerhalb der Baubranche die selben Tricks zur Berechnung der benötigten Wärmemenge anwenden, dann werden auch bei Neubauten die ausgewiesenen Energieangaben wieder vergleichbar. Siehe hier die Automobilbranche, die über mehr als 20 Jahre hinweg bei den Verbrauchsfahrten auf dem Rollprüfstand jegliche Tricks angewendet haben.

Problem bei allem ist doch einfach, dass wir alle als Verbraucher nur Laie sind. Uns wird was mit Zahlen an den Kopf geknallt und jeder denkt "ist doch toll". Dass allerdings viele umwelttechnische Einflüsse eine Rolle spielen, interessiert keinen bzw. ist keinem bewusst.

Beispiel: Eigentumswohnung im MFH auf der Südseite mit viel Fensterflächen südlicher Ausrichtung und nur 2 Außenwände. Was passiert? Es wird ein gesamter Energiewert für das MFH angegeben. Dass die parallel liegende Wohnung mit Nordausrichtung andere Umwelteinflüsse hat, wird dem Verbraucher nicht klar/bewusst da ihm nur der Gesamtverbrauch vorgelegt wird. Ist dann mal die ersten Jahre der Abrechnungen um, werden die Unterschiede schon deutlich aber dann kommt der Faktor "Mensch" dazu. Dem einem langen 22°C Temperatur im Wohnzimmer, ein anderer genügen 21°C und weil Kleinkinder im Haushalt sind, besteht die Frau auf 23°C Raumtemperatur im Wohnzimmer. Schon ist das "verzerrte" Bild da, und wenn mal ein Mieter-/Eigentümerwechsel bevorsteht, ist genau auch wieder das jeweilige Wohlempfinden der Bewohner ausschlaggebend für die Energiebilanz im Haus.

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nachfrager2015 30.05.2018, 12:06
2. solange keiner ernsthaft haftbar gemacht wird...

wird auch weiter dieser Schrott gebaut bzw. gute Bausubstanz mit billigen Styropur kaputt gemacht.
Ich habe es selber erlebt, wie ca. 50 cm dicke Aussenwände mit 16 cm Styropur "wärmegedämmt" wurden. Baupolizeiliche Maßnahmen brachten auch keinen Erfolg, da keinerlei Wissen und Interesse. Dem Eigentümer ist das auch egal, da es der Mieter vollumfänglich plus Gewinn für Ihn und die ausführenden bezahlt und er die Imobilie kurz vor dem "Verfall" weiter veräussert.
Zweites Beispiel; es wurden frei tragende Balkone geplant und genehmigt. Bei Bau stellte sich heraus, das die Wände diese nur mit hohem zusätzlichen Aufwand halten könnte (schon die leeren Balkone waren zu schwer) und man setzte eine zusätzliche Streben von unten nach oben um zu stützen.
Warum fällt soetwas nicht schon vorher auf? Warum glaubt man mit dieser Stütze die Belastung der Wände (Zug - und Druckkräfte) einfach wegzudenken? Die Stütze half doch nur das "abknicken" der der Balkonböden auf absehbare Zeit zu verzögern.
Aber sowas passiert, wenn auf Masse, statt Klasse gebaut wird ohne jegliche langfristige Verantwortung bei Architeckten und Bauträgern.

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interessierter Laie 30.05.2018, 12:42
3. @nachfrager2015

die Antwort steht im Artikel. Es muss vor allem billig sein - egal ob privat oder öffentlich. Da wird dann natürlich dort gespart, wo man es nicht gleich sieht: Unterm Putz! Geschickter wäre es, entweder eine vernünftige Garantiefrist zu vereinbaren oder das Gebäude nicht zu kaufen, sondern vom Ersteller zu mieten. Dann trägt er das Risiko für Schäden...

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buchnerg 30.05.2018, 13:01
4. Planungsfehler

Um hier mal etwas klar zu stelle,
nicht das Unternehmen, welches auf eine Ausschreibung bietet, gibt die Qualität vor, sondern der der Ausschreibt.
Dies ist meist ein Ingenieur-/ Architekturbüro welches die Kosten gleich mit ermittelt.
Dann sind die Kosten zu hoch und schon wird gespart und zwar am Material.
Oder es werden so lange Kosten "optimiert" bis das Budget passt und schon haben wir BER.
QUALITÄT KOSTET GELD !!!

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misterknowitall2 30.05.2018, 13:23
5. @funny-smartie

Legt man ihnen einen verbrauchsausweis vor haben sie vollkommen recht. Das Dingen ist nichts wert. Handelt es sich um einen bedarfsausweis werden sowohl Ausrichtung, Baustoff und schlichtdicke berücksichtigt. Zusätzlich basieren die Ergebnisse ausschließlich auf der Bausubstanz. Der Nutzer wurde bewusst nicht berücksichtigt, um genau die Fehler zu vermeiden, die sie erwähnt haben. Bei Verkauf sind verbrauchsabhängige Ausweise schon nicht mehr zulässig.

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calliston 30.05.2018, 13:31
6. Die Folge zu spät erkannte Feuchtigkeiteintritte und Leckagen

Schon Ex-Bauminister Töpfer forderte Mitte der 90er Jahre in seinem ersten Bauschadensbericht den Einsatz einfacher diagnostischer Systeme, um Bauschäden frühzeitig erkennen und orten zu können, als Grundlage für eine frühzeitige Schadenbeseitigung. Gerade bei den feuchtebedingten Schäden gilt je früher erkannt, desto geringer die Folgeschäden. Schon damals wurden die Schäden aus reaktiver Instandhaltung mit mehreren Milliarden pro Jahr allein bei den öffentlichen Gebäuden bezifftert.
Seit mehr als 25 Jahren bieten wir Monitoringsysteme zur automatisierten Überwachung von Bauwerksabdichtungen und Flachdächern, die nicht nur frühzeitig Alarm geben, sondern die Schäden auch orten. Obwohl solche Systeme nur einen geringen Bruchteil der Sanierungskosten zu spät erkannter Leckagen kosten, werden sie bis heute von den Verantwortlichen nicht eingesetzt. Rühmliche Ausnahme bildet hier das im Bericht zitierte KIT sowie der größte deutsche Fertighaushersteller, der alle Flachdachflächen seiner Häuser mit solchen Systemen ausrüstet, damit seine Kunden lange Freude an ihren Häusern haben.
Wie sagte einst ein schweizer Sachverständiger: "Es gibt zwei Arten von Flachdächern. Solche die rinnen und solche, die noch nicht rinnen." Wer dieses Problem planmäßig handeln will, braucht rechtzeitige Information. Im Informationszeitalter sollten das eigentlich auch Architekten und Bauingenieure verstehen.

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misterknowitall2 30.05.2018, 13:37
7. @buchnerg

Ich gebe Ihnen recht. Ich möchte nur ergänzen, dass die "Optimierung" nicht vom Techniker, Ing. Oder architekt gefordert wird, sondern vom Bauherrn, der meist Laie ist und ausschließlich aufs Geld schaut. Hinzu kommen aber leider, da hat der Autor recht, ein erhöhtes Maß an fuscherei durch schlecht ausgebildete Handwerker.

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misterknowitall2 30.05.2018, 13:51
8. @nachfrager2015

Naja, mal langsam. Ich verstehe die so, dass an einen Altbau neue Balkone angesetzt werden sollten!?! Nun, das kann schon mal passieren im Altbau. Besonders wenn plane nicht mit der Substanz übereinstimmen, meist als Ergebnis von pfuscherei der Handwerker, die früher die Unwissenheit des Bauherren schonungslos ausgenutzt haben. Die stütze ist eine vernünftige Idee, um die Lasten abzufangen. Das andere auflage ist die Wand. Da knickt nichts mehr weg und es gibt auch keine Belastung in die Wand.

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mirage122 30.05.2018, 14:00
9. Es gibt hinreichende Beispiele

Für diese Art des Sparens muss man nur in südlichere Ländern sehen wo eventuell auch mit Natureinflüssen wie z.B. Erdbeben usw. gerechnet werden muss. Das geht dann alles ganz schnell. Nun sind wir auch in Deutschland dort angekommen: Es geht nur noch um Geld und Profit. Und nun wird die Wiederverwertung von Füllmaterial praktiziert. Die Sicherheit spielt keine Rolle. Es geht in jeder Hinsicht abwärts mit Deutschland!

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