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Bestsellerautor über Einsamkeit: Die Methode Spitzer
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Manfred Spitzer, der mit der "Digitalen Demenz", hat ein neues Buch geschrieben. Diesmal geht es um Einsamkeit, aber auch an der ist wieder irgendwie das Internet schuld. Warum kaufen die Leute sowas eigentlich?

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Pfaffenwinkel 11.03.2018, 10:32
1. Die Kritik des Autors ist berechtigt

Das Buch wird sich vermutlich auch deshalb gut verkaufen, weil es ein "Bestseller-Autor" geschrieben hat. Ob es dann wirklich gelesen wird, ist eine andere Sache. Ich werde das Buch jedenfalls ganz sicher nicht kaufen.

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bernie_witzbold 11.03.2018, 10:39
2. Die gute alte Zeit

Nichts war früher besser! Es war nur anders sch*ße, und man selbst war jünger und hat alles besser verstanden.

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OhMyGosh 11.03.2018, 10:43
3.

Natürlich sind auf eine breite Leserschicht zielende Sachbücher nicht "wissenschaftlich", sondern wohl eher populistsch. Aber das sind die Medien auch. im gleichen maße wie Spitzers Bücher. Offensichtlich existiert ein markt für derartiges. Das kann man beklagen, wird aber an der Sache nichts ändern. Wir galten ja mal als das Volk der Dichter und Denker, aber das bedeutete ja auch nicht, dass wir alle... weiß Gott nicht! Genauso, wie Junk Food nicht mehr aus dem Konsumverhalten vieler wegzudenken ist, ist auch die Verführbarkeit durch Medien, Parteipropaganda und Mainstreamgedöns eine Art degenerative Erscheinung des aktuellen Jahrhunderts. Dafür nun unter anderem das Internet verantwortlich zu machen, ist Kokolores. Und Spitzers Kampfbegriff "digitale Demenz" ist wenig feinfühlig, wenn man sich vor Augen führt, welche Katastrophe (Alzheimer-) Demenz für Patienten und ihre Angehörigen ist, emfinde ich diese Formulierung ung als unsensibel, ja roh.

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overmed 11.03.2018, 11:04
4. M;anchmal hat man Glück..

..Zum Beispiel, wenn man im Ausland lebt und nicht permanent mit den "Bestsellern" konfrontiert wird, die einen in den meisten Buchhandlungen regelrecht anspringen. Ich bin mir sehr sicher, daß ich nichts verpasse, wenn ich dieses und andere Bücher dieses Authors weder kaufe, noch lese. Javier Marías, sicher kompetent in Sachen Qualitätsliteratur, hat kürzlich erklärt, daß er sein Zeit nicht mehr mit der Lektüre der neuesten Produkte "verplempern" wird (sinngemäß), sondern den ein oder andren Klassiker nochmals oder zum ersten Mal lesen will. Das hat nichts mit Rückwärtsgewandheit zu tun, sondern mir Ökonomie glaube ich. Ich werde jedenfalls seinem Vorschlag folgen

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butzibart13 11.03.2018, 11:11
5. Das Gleichgewicht

Es ist wie immer wieder das gleiche: Ein Zuviel an Computer, Smartphones, Bildschirmen und digitalen Medien ist eine Sucht und gefährlich, bei einem Zuwenig ist man rückschrittlich und nicht auf Höhe der Zeit. Das Schwierige bei all diesen Dingen ist, den vernünftigen Mittelweg zu finden, was zugegebenermaßen nicht so ganz einfach ist. Das gilt besonders für die Politik. Ich werde das Buch auch nicht lesen, das erscheint mir als vertane Zeit, mich in irgendeine Retro-Richtung zu lenken.

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DenisBrodeck 11.03.2018, 11:15
6. Medizin und Wissenschaft

Die wissenschaftliche Methodik wird im Medizin-Studium kaum gelehrt. Das Sendungsbewusstsein offenbar schon. Ich hatte als Psychologe mit dem Schwerpunkt statistische Auswertung etlichen Medizinern bei der Verfassung ihrer Dissertation geholfen. Da ist bei den meisten nicht viel los. Sie wissen halt viel. Aber das Einordnen neuer Ergebnisse ist bescheiden.
An Spitzer und anderen stört mich neben der Verkennung von Korrelation und Kausalität sehr:
Da gibt’s dann einige interessante Neuro-Studien und schon wird darauf ‚aufbauend‘ eine komplett neue Psychologie aus dem Ärmel geschüttelt. Das macht mit Einschränkungen Gerald Hüther auch nicht anders. Dann wird plötzlich die Empathie durch die Spiegelneuronen erklärt ...

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josho 11.03.2018, 11:18
7. Natürlich wird Spitzer bis auf's Messer....

....bekämpft, da er sich nicht in die Schar derer einordnet, die am liebsten schon dem Ungeborenen per Funk den Weg ins Internet zeigen würden. Kann schon sein, dass die Art und Weise, wie Spitzer warnt und alarmiert, in der Sache ungeschickt, ja für ihn sogar kontraproduktiv ist, aber bei dem Thema geht es ja nicht um die Form, sondern um den Inhalt. Die wenigsten Kritiker, auch der Verfasser dieser Kolumne, liefert allerdings das Gegenteil von dem, was Spitzer behauptet. Die Thesen Spitzers passen ihm nicht, also müssen sie in Frage gestellt werden - man kann "ihm einfach nicht trauen". Macht man eigentlich etwas falsch, wenn man an dieses Thema mit größter Vorsicht herangeht? Bleiben die Kinder dümmer, wenn sie nicht schon in der Krippe auf einem Tablet hin - und herwischen dürfen? Sorry, aber dieser These traue ich nun nicht.

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ArminBiermann 11.03.2018, 11:26
8. Manfred Spitzers Beiträge...

zum – besseren – Verständnis der Auswirkungen übermässigen Konsums digitaler Medien durch Kinder und Jugendliche lassen sich nicht einfach diskreditieren, nur weil sie populärwissenschaftlich daherkommen und methodisch fragwürdig, zumindest aber nicht über jeden Zweifel erhaben sind. Spitzer verteufelt nicht die digitalen Medien, sondern nur deren zu frühen Gebrauch. Der Vergleich mit dem Autofahren, das auch erst ab einem gewissen Alter (und Entwicklungsgrad) erlaubt wird, trifft es ganz gut. Dass das menschliche Gehirn früh geprägt wird und dabei Strukturen annimmt, die später nicht mehr geändert werden können, ist seit langem aus der Sprachlernforschung bekannt. So macht es einen qualitativen Unterschied, ob vor dem 11. Lebensjahr nur eine Sprache gelernt wird – oder parallel mehrere Sprachen. Dass das Gedächtnis durch Schrift und digitale Medien, angefangen von Kopiergeräten, entlastet und damit dessen Leistung abgebaut (oder gar nicht erst aufgebaut) wird, bedarf nicht wirklich wissenschaftlicher Studien. Dass die Konzentration durch digitale Medien schon in jungen Jahren zumindest permanent stark abgelenkt wird, hat nachvollziehbar Auswirkungen auf die Konzentrationsfähigkeit. Dass die Kommunikation über Smartphones wieder starke Züge einer mündlichen Kultur annimmt, wodurch die Schreibfähigkeit verkümmert, von der Beherrschung der Rechtschreibung ganz zu schweigen, ist kaum zu entkräften. Allerdings gehen bei diesem neuen Kommunikationstyp die starken Vorteile von mündlichen Kulturen (Gedächtnis und Wissen) und Schriftkulturen (Abstraktionsvermögen, Fähigkeit, grössere Zusammenhänge zu erkennen oder herzustellen) verloren.
Das wird weithin nicht erkannt, weshalb der Begriff der 'digitalen Demenz' sehr wichtig ist. Die neue Staatsministerin für Digitales scheint nichts von alledem zu ahnen, und auch die fortschreitende Digitalisierung der Klassenzimmer sowie die immer häufiger zu hörende Forderung, Vierjährige sollten bereits eine einfache Programmiersprache erlernen, zeigen doch deutlich, in welche Richtung die Entwicklung tatsächlich geht. Wenn Sprache die Weltsicht bedingt, wovon Wilhelm von Humboldt überzeugt war, dann wird verstehbar, warum immer mehr junge Menschen, die viel über Emojis kommunizieren und der Meinung sind, man müsse nur noch eines wissen: wie man Informationen googelt, nachweislich sehr leicht zu manipulieren sind, etwa durch Propagandavideos.
Es geht also – auch Spitzer – nicht darum, dass früher alles besser war. Er mag in mancher Hinsicht umstritten sein, nicht jedoch als Mahner. Und wer bestreiten möchte, dass sich Industrie 4.0 in ihren Auswirkungen nicht nur graduell von den früheren industriellen Revolutionen unterscheidet, der richtet nach meiner Überzeugung durch Verharmlosung mehr Schaden an, als ein Manfred Spitzer, der vielleicht Methoden und Präsentationsformen verwendet, die eher populärwissenschaftlich zu nennen sind. Seine Bücher richten sich aber auch nicht an die wissenschaftliche Gemeinschaft, sondern an diejenigen, die vielleicht Denkanstösse für ihre eigene Praxis als Eltern, Lehrer oder Politiker für Bildung oder Digitales dringend benötigen...

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dasfred 11.03.2018, 11:30
9. Der Aufreger trifft auf mehr Zustimmung

als der Beschwichtiger. Spitzer bedient zuerst mal einen Markt. Da er lange in der Branche ist, weiß er eher, was sich verkauft und das sind nun mal die Themen, die Gemeinsamkeit schaffen. Wo Menschen eher breit sind, sich kollektiv über verrohte Jugendliche aufzuregen, als anzuerkennen, das Junge Menschen heute digitale Medien mit einer Selbstverständlichkeit nutzen, die wir Älteren erst später aneignen konnten. Wer Auflage machen will, findet zu allem eine Studie, oder er macht sie selbst. Unbestritten hat sich die Jugendzeit immer wieder verändert. Schließlich reagiert die Jugend meist schneller auf neue Einflüsse und Möglichkeiten. Die tatsächlichen Folgen sind aber nun mal erst in späteren Jahren Zweifelsfrei zu ermitteln. Alles andere bleibt Spekulation. Und Deutsche kaufen gerne Bücher, die ihre Ansichten bestätigen, nicht entkräften.

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