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Einfrieren nach dem Tod: Eiskalte Hoffnung
Paris Match/ Getty Images

Irgendwann in der Zukunft wird ihr eingefrorener Körper aufgetaut und sie wieder zum Leben erweckt: Daran glaubte eine verstorbene 14-jährige Britin - und viele andere auch. Was steckt hinter der Kryonik?

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kai kojote 19.11.2016, 21:51
1.

Die Leute müssten gleich mehrfach aus dem Tod geholt werden: Aus dem Gefriertod, aus dem Tod durch Krankheit, und ggf. auch noch aus dem Tod durch Enthauptung der Leiche, und dann müsste der Wiederbelebte auch noch von der Krankheit geheilt werden an der er bereits verstorben war. Ich glaube wenn die Menschheit jemals so weit sein sollte, hat sie ganz andere Sorgen als vor hunderten Jahren verstorbene. Für eine Gesellschaft die den Tod nicht kennt ist das Leben vermutlich nicht sonderlich wertvoll.

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Friedrich der Streitbare 19.11.2016, 22:17
2. Scharlatanerie

Ein anderer Begriff fällt mir für die angebliche Kryokonservierung nicht ein. Und dies sage ich als jemand, zu dessen täglich Brot die Kryokonservierung von Zellen gehörte. Schon die Anwendung des Begriffes Vitrifizierung im Zusammenhang mit dem Wort Sekunden - eine halbe Ewigkeit für eine echte Vitrifizierung - verrät entweder Ahnungslosigkeit oder Verlogenheit. Ebenso die Suggestion, die Substitution von Blut durch mit Gefrierschutzmittel versetzter Flüssigkeit würde die übrigen Körperzellen vor Gefrierschäden schützen. Die einzigen Zellen, die da geschützt werden, sind die entfernten Blutzellen.

Aber als Geschäftsmodell ist es ideal: die Bezahlung ist gesichert, der Kunde wird sich nie beschweren können.

p.s bei der Billig-Variante wird nur der abgetrennte Kopf kryokonserviert. Eigentlich konsequent, denn wenn die Techniken soweit fortgeschritten sind, wird das bischen Anstöpseln des Kopfes auf einen Ersatzkörper ja wohl problemlos möglich sein.

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Das Pferd 19.11.2016, 22:39
3.

Zitat von Friedrich der Streitbare
......................... p.s bei der Billig-Variante wird nur der abgetrennte Kopf kryokonserviert. Eigentlich konsequent, denn wenn die Techniken soweit fortgeschritten sind, wird das bischen Anstöpseln des Kopfes auf einen Ersatzkörper ja wohl problemlos möglich sein.
das ist ja genial, dann bin ich endlich mein Übergewicht los. Kann man sich auch einen Körper wünschen?

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wasnulos 19.11.2016, 23:00
4. Ist halt eine neue

und etwas mehr Kosten verursachende Art des Gedenkens.

Klassische Grabstätten kosten auch gerne mal 30K für 25 Jahre "Mietdauer".

Von daher, wer das Geld hat soll trauern wie er möchte.

Geringe Chance später weiter zu leben gegen definitiv "out of the Game", hat was von Lotto spielen oder Spon Kommentare nachvollziehen zu wollen ;)

Liebe Grüße
Wasnu

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brucewillisdoesit 19.11.2016, 23:41
5. nanana

Das mit der Scharlatanerie ist etwas übertrieben. Sofern Sie nicht an eine Seele oder ähnliches Zeug glauben, ist es das beste was man tun kann, denn die Chancen wiederbelebt zu werden stehen rational betrachtet nach Einfrieren und Lagerung in flüssng N2 (und damit Konservierung der Persönlichkeit in Form der neuralen Verschaltung) deutlich besser, als nach einigen 100 Jahren vermodern im Erdreich, oder nach Verbrennung. Richtig ? Das die Kryonik-Methoden alles andere als optimal sind, daß es selbstverständlich zur Kristallbildung kommt, die praktisch alle zellullärn Inhalte mehr oder weniger irreversibel shreddert und eine Reanimation dieses Gewebes damit, sagen wir es vorsichtig, eher "fraglich" ist, stimmt natürlich. Ebenso die Tatsache, das es ein Geschäftsmodell ist, mit der (ausgesprochen berechtigten) Angst der der Menschen vor dem Ende der eigenen Existenz als denkende Entität Geschäft zu machen. Alles vollkommen richtig. Es ändert aber nichts an der Tatsache das rational gesehen, die Chancen für eine eventuelle Weiterexistenz nach dem formalen Ableben eingefroren schlichtweg höher sind, als nach klassischer Bestattung. Die Frage ist: ist mir die 1% (oder vermutlich eher 0.01%) Chance ggf. weiterzuleben das Risiko wert Geld zu verlieren ? Das muß jeder imho für sich selbst entscheiden. Rein wissenschaftlich betrachte sollte übrigens in der Tat die DNA und die komplette Erhaltung des Connectoms ausreichend für eine Reanimation bei ausreichend fortgeschrittener Technik sein (das wir selbst im besten Fal eher von Jahrhunderten sprechen und die Kryonik Firmen vorher vermutlich alle Pleite sind und den Betrieb/Kühlung nicht aufrecht erhalten könenn, steht auf einem anderen Blatt).
Scharlatanerie wäre es aber nur dann, wenn die theoretische Chance auf Reanimation bei 0% liegen würden. Wie gesagt, so lange sie nicht an obskure DInge wie eine Seele oder eine vita animalis oder sowas glauben, sondern beinharter Naturwissenschaftler sind, ist dem aber nicht so.
Sie haben mit allen Argumentan inhaltlich recht, aber nicht mit der Schlußfolgerung, denn es mag Menschen geben, denen eine Wahrscheinlichkeit x mit x > 0 zu überleben (auch wenn x infinitesimal gegen 0 geht) durchaus Geld wert im Vergleich zum 100% garantiereten ableben. Ich vermute wenn Sie menschen Minuten vor ihrem Ableben diese Frage stellen würden sich vermutlich recht viele für erstere Option entscheiden. Das ist zwar primär emotional (Furcht-getrieben), aber formal gesehen durchaus logisch-rational.

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mhwse 19.11.2016, 23:58
6. das Experiment ist so einfach, wie die Durchführung jederzeit möglich

Ratte nach geltendem Gesetz betäuben - Blut raus - einfrieren - auftauen - Blut zurück.
(Variieren der Einfrier-Auftau-Methode ist erlaubt ..)
Lebt eine aus x Ratten ist das Prinzip OK - lebt keine der Ratten, ist es wohl unbrauchbar ..

Es würde im Übrigen im ersten Schritt reichen zu zeigen, dass ein Säugetier-Gehirn (nach Frost Temperaturen ..) neu 'gebootet' werden kann und dann Gelerntes wieder erinnert wird .. den Rest des Körpers könnte man ('in ferner Zukunft') aus vereinzelt noch lebensfähigen Körperzellen klonen, das Gehirn dann einsetzen ..

ich bezweifle aber alles zusammen .. (einzelne) Stammzellen einfrieren/wiederbeleben sollte aber gehen. (wird wohl schon gemacht.) Ein daraus neu erstellter Körper wäre ein Zwilling (Klon - wird heute regelmässig und industriell durchgeführt .. ist bei Menschen nur juristisch nicht möglich ..) des Verstorbenen - wüsste aber wenig über den Spender.. die Gehirnzellenanordnung ist einmalig, wie der Fingerabdruck - auch bei Zwillingen, der Charakter könnte ähnlich sein - müsste es aber nicht. Die Information im Gehirn, wie die bisher gemachte Erfahrung, wäre verloren. Man könnte aber Filme und Ton Aufnahmen verwenden .. Niemand kann sagen wie und wo Information im natürlichen Gehirn gespeichert wird - sogar bei sehr einfachen Nachbauten, neuronalen Netzen, ist das nicht ohne Problem möglich. (Künstliche Netze kann man aber als Ganzes speichern und laden - damit kann (könnte) man darauf verzichten zu verstehen, wie die Ergebnisse erstellt werden, solange man sicher ist, dass die Ergebnisse passen, das autonome Fahrzeug beim Fussgänger bremst, den Schatten eines Baumes aber ignoriert - ist leider nicht zu 100% so ..) Ggf. - lebt ein Gehirn nach dem Schockfrost sogar wieder, hat aber totale Amnesie ..

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brotherandrew 20.11.2016, 00:39
7. Das ist ...

... Quatsch hoch zwei für Menschen, die sich mit ihrer biologischen Endlichkeit nicht abgeben wollen und dazu noch zu viel Geld haben.

Der Vergleich mit Anna Bågenholm ist deshalb irreführend, weil diese - sofern sie "tot" war - ja gerade daran "gestorben" war, dass ihre Körpertemperatur derart massiv heruntergekühlt wurde und nicht an anderen Faktoren wie etwa einer Krankheit. Tatsächlich dürfte sie aber nicht "tot" gewesen sein im klassischen Sinn, weil ihre Körperfunktionen extrem reduziert, aber nicht unumkehrbar erloschen waren.

Wer wirklich tot ist, kann auch durch Aufwärmen nicht mehr wiederbelebt werden. Andernfalls könnte man ja auch die diversen Leichen erfrorener Bergsteiger auf dem Mount Everest problemlos wiederbeleben.

Fazit: Es bringt nichts, sich über den biologischen Tod hinaus ans Leben klammern zu wollen.

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at@at 20.11.2016, 00:56
8.

So, wie ich die Menschheit kenne, wird sie in hundert Jahren entweder vergessen haben, dass da noch ein paar eingefrorene Leichen herumliegen, oder schlimmer noch, diese einfach zu Forschungszwecken missbrauchen. Wem sollte denn das Leben der - in vielen Fällen für das Weltgeschehen eher unbedeutenden - Menschen, die sich heute einfrieren lassen, schützen? Niemand kennt diese Menschen mehr, also werden sie auch niemanden etwas bedeuten, der für sie eintreten könnte. Oder hat irgendjemand etwas dagegen gehabt, die Totenruhe von bspw. ägyptischen Königen zu stören, um etwas über ihr Leben und die damalige Zeit zu erfahren?

Für mich ist das Einfrieren von Körpern nur eine moderne Form der Mumifizierung - auch die alten Ägypter glaubten, damit den Körper über den Tod hinaus zu retten.

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Hesekiel 20.11.2016, 01:50
9.

Der Artikel fällt leider seltsam wohlmeinend und entsprechend unwissenschaftlich aus. Die Wahrscheinlichkeit, in einer besseren Zukunft aus der Tiefkühltruhe auferstehen zu dürfen ist gering genug, um Vollkörperkryonik in den Bereich der (sehr teuren) Religionsalternative zu schieben. Mit genau derselben Wahrscheinlichkeit reinigt der Atlantiskristall aus dem Astro-TV-Shop auch die Shakren. Natürlich kann dabei jeder mit dem eigenen Geld finanzieren, was und wen er will - trotzdem sollte ein Bericht dazu dann nicht noch die Tür dazu aufhalten.

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