Forum: Wissenschaft
Elektroschock-Experiment: Fast jeder würde auf Befehl foltern
ddp images/ INTERTOPICS/ Landmark Media

Stanley Milgram zeigte 1961, wie leicht man Menschen dazu bringen kann, andere zu quälen und zu töten. Nun wurde der legendäre Stromstoß-Versuch wiederholt. Das Ergebnis ist ernüchternd.

Seite 1 von 15
swandue 15.03.2017, 12:08
0.

Wundert sich jemand? Für jeden Despoten finden sich Leute, die bereitwillig foltern und morden. Offenbar vielfach, ohne dass sie ausdrücklich aufgefordert werden müssen.

Meint jemand, er könne sich gewiss sein, wie er sich verhalten würde?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
darkace82 15.03.2017, 12:10
1. Und?

Und wo ist jetzt der Erkenntnis Gewinn? Oder die Neuigkeit? Wirso sollten gerade heute Menschen weniger Autoritätshörig sein? In einer Zeit in der der Ruf nach Autoritäten immer lauter wird. Der Wunsch das hart durchgegriffen wird. Hart bestraft, die Strafen erhöht werden usw. Der Wunsch andere leiden zu sehen (und der ist reichlich weit verbreitet wie man regelmässig zu Themen wie Flüchtlinge oder Straftäter lesen kann) zum Schritt anderen aktiv Leid zuzufügen (solange man dafür nicht belangt werden kann natürlich) ist nicht groß. Wenn man nur glaubt es diene einem Zweck, sind sehr viele Menschen bereit zu foltern...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
olli08 15.03.2017, 12:13
2. Wen wundert's?

Seit IMMER werden wir Menschen von Eltern, Lehrern, Vorgesetzten, Parteien, "Führern" und Religionsgemeinschaften darauf getrimmt, den Befehl als vollständigen Ersatz für die Eigenverantwortung zu akzeptieren! Warum also nicht zum Killer werden, wenn es von einer "Autoritätsperson" empfohlen (= angeordnet) wird?
Ich vermute, diese langjährige Konditionierung funktioniert bei den meisten Menschen, anders ist die erstaunliche Beliebtheit von "starken Männern", Religionen u.ä. nicht zu erklären ...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
butzibart13 15.03.2017, 12:15
3. Ein bisschen Skepsis bleibt

Die Probanden könnten dieses Experiment als Fake betrachten, frei nach dem Motto, die Versuchsleitung wird es nicht zulassen, dass irgendwelche Personen geqüält werden. Oder anders ausgedrückt, ob ich 150 Volt verabreiche oder 1000 Volt, bei den Teilnehmern kommt durch irgendwelche Manipulationen gar nichts oder ein Minikribbeln an, was nicht der wahren Voltzahl entspricht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ingofischer 15.03.2017, 12:16
4. Persönlichkeit des Probanden ausschlaggebend

Mich würde sehr interessieren, ob die Probanden zuvor über die Art des "Experimentes" informiert wurden, also ob evtl. schon im Vorfeld nur noch die Probanden mitmachten, die prinzipiell mit der Art des Experimentes einverstanden waren. Generell zeigt diese Studie sehr gut, wie schnell man von den eigenen moralischen Werten abrückt, wenn eine entsprechend starke Autorität einen zum Handeln auffordert. wie schwer es ist, sich einer entsprechend sicher auftretenden Autorität entgegenzustellen. Da wird es eine sehr große Rolle spielen, wie stark die Persönlichkeit des Probanden ist (um sich der Autorität zu wiedersetzen) und weniger wie moralisch unbedenklich die Probanden es finden jemandem Schmerzen zuzufügen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Boone63 15.03.2017, 12:17
5. Siehe auch Experiement Frankreich

Das gleiche wurde 2010 in Frankreich durchgeführt.
Im Rahmen einer angeblichen Testsendung für eine neue Spielschow, Jeu de la Mort wurden auch Stromstöße erteilt und zwar am Ende klar tödliche.
Das Ergebnis ist erschreckend!
Und da ging es es um eine TV Show.
Wer also laut tönt "ich würde das nie tun" der sollte sich das mal anschauen:
http://www.spiegel.de/video/jeu-de-la-mort-die-tv-show-mit-dem-stromschlag-video-1056047.html
Es gab eine sehr gute Doku über das Experiment bei Arte, finde aber den Link nicht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Putin-Troll 15.03.2017, 12:17
6. Unrealistische Bedingungen

Kein normaler Mensch weiß, wie viel Volt wie weh tun. Zumal es nebenbei auch auf die Stromsträrke und andere Paramenter wie den Weg des Stroms durch den Körper ankommt. Solange die Schauspieler nur ein bisschen stöhnen und rumzucken, werden die Probanden schlussfolgern, dass es so schlimm nicht sein kann (was ja auch der Realität entspricht). Würden die Schauspieler anfangen wie am Spieß zu schreien, und um Gnade zu winseln, sowie den Geruch von verbranntem Fleisch verströmen, wäre die Abbruchquote größer, behaupte ich mal.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
lachina 15.03.2017, 12:20
7. Mich interessieren

die acht Abbrecher. Was gab ihnen diesen Widerstand gegen Autoritäten? Bildung? Religion? Persönlichkeit? Empathie? Was für Menschen waren das? Wir sollten uns mehr auf Resilenz konzentrieren als auf bloßes Feststellen von Defekten, um wirklich was zu lernen. So bleibt es doch bei "Ja, die Welt ist schlecht" und bedauerndes Kopfschütteln ( immer mit dem Hintergedanken: ICH bin eh anders, natürlich)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
curiosus_ 15.03.2017, 12:22
8. Tja, da...

...scheint ein tiefer verankertes evolutionär herausselektiertes Verhaltensmuster dahinter zu stehen. Und so etwas kann kulturell halt nur mit entsprechend hohem und vor allem ständigen Einsatz überformt werden.

Evolution kennt halt keine Werte, nur den der möglichst hohen Reproduktionsrate.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 15