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Ideologien: Der Untergang taugt nicht als Utopie
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Die Faszination für den Kollaps der Zivilisation findet sich in der Literatur und auch in der Ideologie zwei sehr unterschiedlicher Bewegungen. Doch die Sehnsucht nach dem Zusammenbruch taugt nicht als politisches Ziel.

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pascal3er2 16.07.2017, 16:08
1. Der Untergang taugt nicht als Utopie

Eine Utopie taugt sowieso nie etwas.
Utopie heißt, geht überhaupt nicht.
Ziele oder Pläne würden was bringen und zwar wo man hin will.
Aber sowas kennen die Parteien halt nicht. Die kennen nur Wirtschaftswachtum.
Und wenn die wirtschaft nicht mehr wächst, geht die Welt direkt unter, so deren Vorstellungen...

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Pfaffenwinkel 16.07.2017, 16:37
2. Geht es den Menschen zu gut?

Diesen Eindruck könnte man gewinnen, wenn ich diesen Artikel lese. Oder wie soll man diese "Sehnsucht" nach dem Weltuntergang sonst verstehen?

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Newspeak 16.07.2017, 16:43
3. ...

Ich glaube das Problem ist zuviel Harmonie, politisch ausgedrueckt durch political correctness. Es wird zwar so getan, als lebten wir in einer Demokratie, aber eigentlich wird doch vorgegeben, wie alles zu sein hat, wie ein guter Buerger zu sein hat. Der soll naemlich vor allem ruhig sein. Ruhe ist erste Buergerpflicht, wie im Biedermeier. Das fuehrt dazu, dass nur Fassaden gepflegt werden, je offener dabei die Widersprueche zutagetreten, desto mehr wird kaschiert, vor allem auch sprachlich. Wo sind die Debatten im Parlament, die einer wahren Demokratie wuerdig waeren? Wo werden dringende und wichtige gesellschaftliche Probleme im Diskurs verhandelt? In Fernsehtalkshows, wo immer dieselben Clowns und Politikdarsteller eingeladen werden, die vorhersehbar immer dieselben Positionen monologisieren, unterstuetzt von den Medien, die das einfach nur wiederkaeuen, statt zu hinterfragen? Wer ist denn heute noch konfliktfaehig? Wer kann denn, wenn es sachlich angebracht ist, einen Konflikt eskalieren, und vor allem auch dazu stehen, den Konflikt aushalten, um eine Loesung herbeizufuehren. Das hat nichts mit Gewalt zu tun, sondern einfach damit, einen Gegenstandpunkt einzunehmen, rhetorisch und sachlich hart zu verteidigen, und Haltung zu zeigen. Wo waere das zu beobachten? Merkel z.B. diskutiert nicht. Sie wartet ab, bis sie anscheinend die Mehrheitsmeinung erspuert hat, und passt sich dann voellig opportunistisch an. Es wird nicht das getan, was noetig ist, oder auch nur herausgefunden, was das sein koennte, sondern das, was gerade, aktuell, kurzfristig, opportun erscheint. Ich glaube, wie auch immer man das beurteilen mag, dass bei jungen Erwachsenen der Hang besonders stark ausgepraegt ist, Dinge auch mal in Frage zu stellen. Vielleicht auch nur einfach so, ohne elaborierte Hintergedanken. Aus Protest. Trotzdem ist das gut. Und die Leute sind nicht dumm, die merken, wie die Realitaet aussieht und was man ihnen dazu erzaehlt und wie es dabei zur kognitiven Dissonanz kommt, wie Dinge nicht so sind, wie sie angeblich sein sollen. Und man sollte ihnen dabei nicht vorwerfen, dass sie keine Loesungen anbieten koennen, wo alle anderen das ja auch nicht koennen. Es gilt nach wie vor der Ausspruch von Lichtenberg: "Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen, es muß anders werden, wenn es gut werden soll."

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Watchcat 16.07.2017, 16:45
4. Es hat keinen Zweck, aber...

Dass Anarchisten sich nach Chaos und Untergang sehnen ist schlicht falsch, albern und es zu glauben ein Beweis für erfolgreiche Indoktrination und einen Mangel an Wahrheitsliebe. Dass die autoritäre Linke versucht alles ins Absurde zu verdrehen und aus dem entstehenden Chaos eine weltweite, noch autoritärere Hierarchie auferstehen lassen möchte, halte ich für denkbar.
Die autoritäre Rechte ist wahrscheinlich einverstanden, nur will sie diesen Alptraum auf nationaler Ebene, statt auf internationaler.
Anarchisten sind im Gegenteil die, die gegen Zwang und autoritäre Strukturen sind. Genau genommen ist es geradezu unmoralisch kein Anarchist zu sein, aber das muss ja jeder selbst entscheiden. Alles Chaos das durch die Hierarchie erzeugt wird immer den Anarchisten anzudichten wird langsam peinlich, nicht zuletzt, weil die dazu vorgenommene Projektion sehr durchschaubar ist.

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Hatch99 16.07.2017, 16:54
5.

Viele Evangelisten in Amerika wollen das auch, die können es auch nicht erwarten, dass Israel sein göttliches Territorium vollständig besitzt und dann die finale Lösung Gottes einsetzt.

Aber es ist auch Unsinn zu glauben, dass alle, die im schwarzen Block mitgelaufen sind, ein Ende jeglicher staatlicher Strukturen herbeisehnen.

Außerdem sollte man sich vielleicht mal Noam Chomsky zu dem Thema anhören, um eine wirklich intellektuelle, sehr gut überlegte Theorie über das Zusammenleben der Menschen zu lesen.

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dingodog 16.07.2017, 16:58
6. Auch auf der Rechten

Der Untergang der Gesellschaft als Utopie ist auch auf der Rechten gängiges Thema, vielleicht (noch) weniger bei uns, aber ziemlich stark in den USA, wo religiös geprägte Erfolgsromane die Apokalypse besingen und in Foren wie Zerohedge darüber diskutiert wird, was nach dem Zusammenbruch wertvoller ist, Gold oder Blei...

Aber auch bei uns finden sich da Spuren, das fängt alleine schon mit Oswald Spenglers "Untergang des Abendlandes" an, das nicht nur vom Titel her vom Untergang tief durchdrungen ist.

Bei allen diese Utopien, von welcher Ideologie auch immer geprägt, äussert sich der Überdruss an der globalisierten kapitalistischen Gesellschaft in Untergangsvisionen. Die früher noch vorhandenen positiven Utopien, bis hin zu Science Fiction, sind durch die ewige marktkonforme Gegenwart ersetzt worden, die sowohl zu Aggressionen als auch zu Depressionen führen kann. Mark Fisher hat das in "Ghosts of my Life" und "Capitalist Realism" gut beschrieben.

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Das Pferd 16.07.2017, 17:00
7.

Zitat von Watchcat
Dass Anarchisten sich nach Chaos und Untergang sehnen ist schlicht falsch, albern und es zu glauben ein Beweis für erfolgreiche Indoktrination und einen Mangel an Wahrheitsliebe. Dass die autoritäre Linke versucht alles ins Absurde zu verdrehen und aus dem entstehenden Chaos eine weltweite, noch autoritärere Hierarchie auferstehen lassen möchte, halte ich für denkbar. Die autoritäre Rechte ist wahrscheinlich einverstanden, nur will sie diesen Alptraum auf nationaler Ebene, statt auf internationaler. Anarchisten sind im Gegenteil die, die gegen Zwang und autoritäre Strukturen sind. Genau genommen ist es geradezu unmoralisch kein Anarchist zu sein, aber das muss ja jeder selbst entscheiden. Alles Chaos das durch die Hierarchie erzeugt wird immer den Anarchisten anzudichten wird langsam peinlich, nicht zuletzt, weil die dazu vorgenommene Projektion sehr durchschaubar ist.
äh, verstehe ich richtig:
da es praktisch keine funktionierende anarchistische Nicht-ordnung gab oder gibt, und weder die Ein- noch die Durchführung irgendwie im engeren Sinne anarchistisch möglich ist, sind halt an dem ganzen Schaden den man in seiner pubertären Sehnsucht anrichtet die anderen Schuld. richtig zusammen gefasst? Kleiner Tip. jenseits der 20 erschließt sich diese gefühlte Logik niemanden mehr.

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deb2011 16.07.2017, 17:02
8. Vielleicht sollte man etwas ganz anderes diskutieren:

Wie kommt es, dass sich die Wirklichkeit in erschreckendem Maß den sog. Verschwörungstheorien annähert? Ist das wirklich nur ein ganz dummer Zufall? Und wenn es ein Zufall wäre, wäre das dann nicht extrem ungewöhnlich und erstaunlich?

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Das Pferd 16.07.2017, 17:05
9.

Zitat von Newspeak
Ich glaube das Problem ist zuviel Harmonie, politisch ausgedrueckt durch political correctness. Es wird zwar so getan, als lebten wir in einer Demokratie, aber eigentlich wird doch vorgegeben, wie alles zu sein hat, wie ein guter Buerger zu sein hat. Der soll naemlich vor allem ruhig sein.......................................
Demokratie ist erst mal nur eine Herrschaftsform. Was Sie meinen ist die innere Verfasstheit, das Konzept der Gesellschaft. Und wenn Sie sich mal bei denen, die Sie sicher auch mit dem modischen Begriff "Eliten" bezeichnen, umsehen, stoßen Sie auf das Konzept der offenen Gesellschaft. Und die ist eben genau das Gegenteil von dem, was Sie vermuten. Die ist absolut nicht statisch, sondern eher ein Konzept der Veränderung, ohne in das Chaos abzugleiten. Lohnt der Beschäftigung, versprochen.

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