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Lärmforschung: Wann Geräusche bloß noch nerven

Im Büro, in der Schule, im Garten: Lärm ist allgegenwärtig. Die Psychologen Jürgen Hellbrück, Sabine Schlittmeier und Maria Klatte beschreiben in "Gehirn und Geist", welche Geräusche Gesundheit und Leistung beeinträchtigen - und zeigen Lösungen auf.

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Seekatze 17.07.2011, 17:06
10. Ob Lärm krank machen kann...

...wird doch neuerdings gesetzlich festgelegt: gerade wurde doch die Änderung des Bundesimmissionsschutzgesetzes BImSchG) beschlossen, wonach Kinderlärm kein Lärm ist. Merke: Düsenjäger böse, kann krank machen. Kinderlärm gut, macht auf keinen Fall krank. Und weil man das so einfach gesetzlich verordnen kann, trete ich dafür ein, Lärm grundsätzlich per Gesetz für unschädlich zu erklären, weil: Dann macht er nicht krank! Kann er dann gar nicht. Ich finde das toll. Haben wir nicht das Kyoto-Protokoll so ähnlich umgesetzt? Die Erde darf sich nicht um mehr als 2 Grad Celsius erhöhen. Da hat sie sich dran zu halten. Punkt.

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Boone 17.07.2011, 17:07
11. Lärm, eine moderne Folter

Teil 1

Lärm
So segensreich die technischen Erfindungen auch alle sein mögen, so haben sie doch meist einen unangenehmen Nebeneffekt: Sie erzeugen Lärm. Und da wir ständig mit neuen Produkten gesegnet werden, nimmt der Lärm ständig zu.

Ich habe öfter in meinem Leben extrem unter Lärm gelitten. Ein Ventilator einer chemischen Fabrik hat mir beinahe den Verstand geraubt, ein Autobastler in unmittelbarer Nachbarschaft mir viele ruhige Stunden gestohlen, ein Metallkünstler mit stundenlangem Schleifen von Rostplastiken mich geärgert, Flugzeuge im Tiefflug, LKW Verkehr vor dem Haus. Sie alle haben meine Abneigung gegen Lärm geschürt und mich in meinem Leiden auch wirklich aggressiv werden lassen.

Lärmgutachten auch für Privatpersonen bei
der Lärmberatung Wittstock aus Freiburg
Lärm kann man auch mit einer "Akustischen Kamera" fotografieren, siehe www.acoustic-camera.com

Lärm ist eine Folter. Er tut weh, manchmal sogar unmenschlich weh, aber er ist bisher schlecht zu beweisen oder zu dokumentieren. Er macht den Verursachern Spaß und die Leidenden krank. Lärm ist immer lokal und betrifft deshalb nur wenige, die sich dann auch nur schlecht wehren können.

Die üblichen Schritte gegen (öffentliche) Lärmsünder

Problem dokumentieren. Lärmstörung, Datum, Uhrzeit über einige Zeit notieren. Wenn möglich, mit Videokamera.
Die Lärmverursacher freundlich informieren und sie bitten den Lärm abzustellen. Denn oft wissen diese gar nicht, dass sie stören. Bei Firmen um schriftliche Stellungnahme innerhalb eines Monats bitten. Telefonisch nachfragen, wer diesen Brief bearbeitet und wer für dieses Problem verantwortlich ist.
Bei Straßen- oder Schienenlärm das Umweltbundesamt ("Lärmprobleme") informieren.
Lobby bilden. Mittels Gemeindeblatt, Ortszeitung, Gesprächen, Bürgerversammlung. Eine Kontaktadresse für andere Betroffene angeben. Dies macht meist ein politischer Funktionär ganz gerne.
Diese Aktion schon bald anleiern, wenn der Brief nichts gebracht hat. In Deutschland zählt das Einzelschicksal ganz wenig, aber vor gesellschaftlichem Druck haben viele Respekt!
Die Rechtslage klären. Dazu wird man wahrscheinlich Fachleute brauchen. Die gibt es z.B. im Umweltbundesamt oder in den Ordnungsämtern der Gemeinden.
Nochmals die Lärmverursacher bitten, den Lärm abzustellen, aber diesmal mit juristischen Schritten drohen.
Prozessieren.
Wenn dies alles nicht nützt, wegziehen! Ist meist immer noch billiger, als dauerhaften, gesundheitlichen Schaden zu nehmen.

Lärm wird von unserem Gehörsinn wahrgenommen. Dieser Sinn ist von der Evolution wunderbar für unser Überleben eingerichtet worden. Das Gehör schläft nie und es ist im natürlichen Umfeld der letzte Sinn, der stirbt. Menschen, die Sterbende begleiten, wissen, dass bis zum Tode der Gehörsinn funktioniert.

Messgeräte

HearSafe Hearsafety Schallpegelmesser für den Diskobesuch

Schallpegelmessgerät PCE-999, Klasse II. ±1,5 dB, Schallmesser, Lärmmessgerät, Lärmpegelmesser. Für genauere Messungen wird zusätzlich ein Schallkalibrator benötigt.

Aber Lärm zerstört auch das Gehör und ich denke - auf die Dauer - auch unsere Seelen. Ich mache mich deshalb für ein besseres Lärmbewusstsein stark und hoffe viele Mitstreiter zu finden.

Quelle: http://www.buchegger.de/laerm.html

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Marita 17.07.2011, 17:10
12. Eine Frage der Frequenz

Ob mich Lärm nervt oder nicht, hängt für mich persönlich in erster Linie von der Frequenz ab. Schrille Frauenstimmen sind tödlich! Gleich danach kommen moderne Autohupen - früher klangen die ganz anders und waren viel erträglicher.

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Diskutierender 17.07.2011, 17:11
13. Übertreibung

Das Thema Lärm wird schlicht übertrieben!

Es zeigt sich immer wieder, dass Lärmempfindlichkeit auch eine Einstellungssache ist. Wie lässt es sich erklären, dass die Lärmempfindlichkeit der Deutschen Bevölkerung in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr zugenommen hat (hat auch etwas mit Intoleranz zu tun). Oder warum ist die Lärmempfindlichkeit bei Bewohnern von Eigenheimen oder Eigentumswohnungen höher als bei Bewohnern von Mietwohnungen? - das ist wohl eher ein Luxuseffekt.

Außerdem zeigt sich bei Leuten, die sich über Lärm beschweren, häufig Egoismus. Wie viele dieser Leute, die sich über Auto- oder Fluglärm beklagen, fahren selbst Auto oder fliegen in den Urlaub? Nur die Lebensäußerungen der Mitmenschen werden nicht mehr toleriert. Beispiel aus einer Deutschen Universitätsstadt: Da ist eine Person ins Kneipenviertel gezogen und hat dann gegen abendlichen Lärm geklagt - so weit ist es gekommen.

Ich halte jedenfalls viele dieser Leute, die sich über Lärm beklagen, für übersensibel.

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sappelkopp 17.07.2011, 17:15
14. Ja, klar...

Zitat von debreczen
Schön, daß das mal einer erforscht hat. Ich erinnere mich, daß es zu meinen Schulzeiten eine spießige Regel gab, überflüssige Geräuschproduktion zu unterlassen. Wer andere permanent störte, flog raus und mußte bis zur darauffolgenden Stunde in Form eines Aufsatzes nachweisen, daß er sich den Unterrichtsinhalt durch Selbststudium (üblicherweise anhand der Mitschriften freundlicher Klassenkameraden) angeeignet habe. Dürfen Lehrer das heute nicht mehr?
...das dürfen Lehrer auch heute noch. Allerdings haben die allesamt Angst vor den Eltern. Einfach deshalb, weil Eltern heute die Tendenz haben, nur kleine Engel als Kinder zu haben. Die können noch soviel Blödsinn machen, Mama und Papa hauen die daraus; selbst wenn diese genau wissen, dass sie im Unrecht sind.

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LurchiD 17.07.2011, 17:23
15. Gedudel

Zitat von sysop
Im Büro, in der Schule, im Garten: Lärm ist allgegenwärtig. Die Psychologen Jürgen Hellbrück, Sabine Schlittmeier und Maria Klatte beschreiben in "Gehirn und Geist", welche Geräusche Gesundheit und Leistung beeinträchtigen - und zeigen Lösungen auf.
Das Allerschlimmste ist ja das Dauergedudel.

Setzt man sich abends ins Restaurant - Gedudel aus Lautsprechern, die so im Lokal verteilt sind, daß kein, aber wirklich kein Tisch unbeschallt bleibt.

Setzt man sich anschließend in die Kneipe, dasselbe, nur in dreifacher Lautstärke. Je lauter die Gäste, desto lauter die Musik, und je lauter die Musik, desto lauter schreien die Gäste.

Und in der Frühe dann um halb neun in der U-Bahnstation: Das, was ein Stadtwerke-Mitarbeiter für Klassik hält, krächzt aus den Stationslautsprechern. Tritsch-tratsch-Polka am Morgen vor der Arbeit. Wundervoll.

Und vom allgegenwärtigen Gezirpe und Gezische der iPods ganz zu schweigen...

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moderne21 17.07.2011, 17:27
16. Zivilgesellschaftliche Abhilfe

Zu diesem zunehmend drängendem Thema habe ich bisher leider noch keinen Artikel bei SPON über Selbsthilfeorganisationen und Initiativen wie `Pipedown e.V.´ oder `Dudelstopp´ gelesen. Ich hoffe, dies wird irgendwann nachgeholt, denn es interessiert sicher sehr viele genervte Leserinnen und Leser.

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Diskutierender 17.07.2011, 17:48
17. Alle Menschen ausrotten

Zitat von Boone
Teil 1 Lärm So segensreich die technischen Erfindungen auch alle sein mögen, so haben sie doch meist einen unangenehmen Nebeneffekt: Sie erzeugen Lärm. Und da wir ständig mit neuen Produkten gesegnet werden, nimmt der Lärm ständig zu. .......... Prozessieren. Wenn dies alles nicht nützt, wegziehen! Ist meist immer noch billiger, als dauerhaften, gesundheitlichen Schaden zu nehmen. Quelle:
Das einzige, was Menschen mit solchen Ansichten zufrieden stellen kann, wäre wohl, alle Mitmenschen auszurotten, damit die Welt komplett von Lebensäußerungen verschont bliebe und eine Totenstille herrscht. Ich frage mich hier wirklich, was für ein egoistisches Menschenbild dies ist. Derartige Menschen sollten einfach mal ihre Einstellungen zu Mitmenschen und Umwelt überdenken.

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peddersen 17.07.2011, 17:49
18. accd

Zitat von einzelkönig
Kann ich nur bestätigen. Diese Zwiebacksägen nerven hochgradig, stinken bestialisch und sind außerdem vergleichsweise schädlich für die Atemluft, wegen des ungefilterten Öl-Anteils. Meiner Meinung nach gehören diese Dinger via Gesetzgebung aussortiert! Kein Oldtimerbonus.
Sagen Sie mir, wie SIE leben, was SIE arbeiten, und ich weise Ihnen Punkt für Punkt nach, warum daß genau DAS die absolut umweltschädlichste und mitbürgernervenste Lebensweise ist.

Lärm ist schädlich. Manche Sachen sind geregelt (Verkehrslärm), an die sollte man sich halten. Manche Sachen sind nicht geregelt (Handy in der Öffentlichkeit), da liegt das Verhalten in der Frage der Höflichkeit. Manche Sachen sind zu Unzufriedenheit geregelt (Fluglärm) - da besteht noch Handlungsbedarf - reguläre Zweitakter (abgesehen von Rasenmähern :)) gehören da sicher nicht dazu.

Im Übrigen ist Ihnen sicher bekannt, daß derjenige, der auf einem Roller sitzt, NICHT im Auto sitzt - und da sind Verbrauch und Umweltbelastung ungleich höher.

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siehmal 17.07.2011, 17:57
19.

"Das Thema Lärm wird schlicht übertrieben!"

Lieber Diskutierender,

in Teilen haben Sie natürlich recht, viel ist übertrieben. Aber ich weiß leider sehr genau, wie anstrengend Dauerlärm sein kann. Es ist nicht einfach inmitten von Lärm 8h oder mehr zu arbeiten (und Menschen machen wahnsinnig viel Lärm mit ihrem Gebrubbel) und anschließend im Lärmpegel nach Hause zu düsen, wo dann der Straßenverkehr/ Bahnverkehr/ Fluglärm, schreiende Nachbarn etc. warten. Irgendwann kommt dann das erfreuliche Summen oder Piepen in den Ohren...und dabei kann man niemand einzelnem den Lärm vorhalten - die Masse machts und man kann einfach nicht mehr ausweichen...das macht leider krank, denn Lärm verursacht Stress...und der macht nachgewiesenerweise krank.

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