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Original oder Fälschung? : Die mysteriöse Maya-Schrift aus der Höhle
INAH via AP

Nur drei Bilderhandschriften der Maya haben die Eroberung der Spanier in Mittelamerika überstanden. Über die Authentizität einer vierten streiten Forscher seit Jahren. Nun scheint der Fall gelöst.

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postit2012 05.09.2018, 19:24
1. Schön, dass die Fundlage etwas vergrößert wurde,

aber schade, dass sich manche frommen Spanier aufgeführt haben wie die Taliban.

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demiurg666 05.09.2018, 19:25
2.

Schön dass Mexiko wenigstens eine Schrift aus seiner eigenen Vergangenheit behalten darf.

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seamanslife 05.09.2018, 20:17
3. der Vatikan hat das angewiesen

Zitat von postit2012
aber schade, dass sich manche frommen Spanier aufgeführt haben wie die Taliban.
die Aufteilung der Welt und wer wo leben durfte hat der Vatikan und seine Abgesandten bestimmt. Torquemada, der Beichtvater von Königin Isabella hat verlangt das alle Juden bei Verlust ihres gesamten Eigentums Spanien innerhalb von drei Monaten zu verlassen hätten. Der Klerus hat auch die totale Vernichtung der "Heiden" angewiesen einschließlich des kulturellen Erbes. Das haben die Nazis mit Hilfe ihrer Sympatisanten in ganz Europa ja auch mit den Juden gemacht.

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hunactun 05.09.2018, 20:34
4. Aus dem Nähkästchen

Dem Fachmann (promovierter Religionswissenschaftler und Mesoamerikanist) seien einige kritische Anmerkungen gestattet.

1. Bei dem Dokument handelt es sich um die Reste eines Prognosehandbuches anhand dessen ausgebildete Wahrsager das Tagesgeschehen moderierten. Entsprechend sind ihre Bezeichnungen. Im Mayat'aan sind drei Titel belegt: Ah K'in, Hun Ah K'in und K'inich (in aufsteigender Rangfolge). Im Nahuatl ist der Titel Tonalpouhqui (sprich: Tonalpowki) belegt. In allen Bezeichnungen ist der jeweilige Begriff für "Tag" (K'in bzw. Tonalli) enthalten. Unter "Tag" ist allerdings nur die Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zu verstehen. Dieser "Helligkeits-Tag" hatte 13 Stunden.

2. Wie wir seit den Tagen Eduard Selers (Kommentar zum Codex Borgia, Berlin 1904: Seiten 4-75 und 75-217) wissen, sind die sogenannten "Tageszeichen" als semiotische Hinweise auf jeweils einen bestimmten Gott oder eine Göttin zu verstehen. Dessen/deren Handlungsprofil bestimmte die Prognose. Moderierend kam eine von 13 Zahlen hinzu, die dem Wahrsager Hinweise zu Menge, Qualität, Häufigkeit, Intensität, Örtlichkeit, Himmelsrichtung u.ä. der so ermittelten göttlichen Aktivität lieferten.

3. Dieses Verfahren ist eines der kennzeichnen Merkmale mesoamerikanischer Religion/Kultur. Es findet sich in dieser Form sowohl im Codex Dresden (Nordostyukatan), wie auch im Codex Borgia (Cholula-Tlaxcala-Becken).

4. Im sog. Codex Grolier ist dieses Konzept auf das bare Minimum reduziert. Auf den ersten 8 von den 10 Seiten ist jeweils ein Gott (in Ausübung seines Handlungsprofils) zu erkennen sowie das auf sie bezogene semiotisch aktive Tageszeichen in 13-facher Wiederholung samt numerischem Moderator zu erkennen (Seiten 5, 7, 9). Einzelheiten erspare ich mir aus Platzgründen.

5. Fazit: Solange eine gezielte religionswissenschaftliche Untersuchung nicht eindeutig die bekannte Verknüpfung zwischen semiotischem Zeichen und damit signalisiertem Gott ergibt, kann die Echtheit des Codex Grolier nicht als erwiesen gelten. Ikonographie und Materialanalysen können da allenfalls ergänzende Aspekte beisteuern.

Dr. phil. Hans Juergen Paul Kremer Mitglied Deutsche Vereinigung für Religionswissenschaft e.V

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postit2012 05.09.2018, 20:52
5. Man kann den Vatikan sicher für vieles tadeln,

Zitat von seamanslife
die Aufteilung der Welt und wer wo leben durfte hat der Vatikan und seine Abgesandten bestimmt. Torquemada, der Beichtvater von Königin Isabella hat verlangt das alle Juden bei Verlust ihres gesamten Eigentums Spanien innerhalb von drei Monaten zu verlassen hätten. Der Klerus hat auch die totale Vernichtung der "Heiden" angewiesen einschließlich des kulturellen Erbes. Das haben die Nazis mit Hilfe ihrer Sympatisanten in ganz Europa ja auch mit den Juden gemacht.
aber man sollte sich dabei auf Dinge beschränken, wo er tatsächlich Fehlleistungen erbracht hat. Im Vertrag von Tordesillas hat er lediglich einen Schiedsspruch zwischen Portugal und Kastilien/Aragon abgesondert, der es verhindert hat, dass sich die Pyrenäenländer an die Gurgel gegangen sind. Das kann man auch durchaus gutheißen.

Die Gleichsetzung von Vatikan und Nazis halte ich für völlig daneben, auch wenn ich mit der "heiligen Mutter" Kirche nicht viel am Hut habe. Eine Anweisung, die "Heiden" zu vernichten, wäre mir auch neu. Es ist im Gegenteil so, dass die wenigen ausgesprochenen Anständigkeiten für Lateinamerika durchaus auf Kirchenleute (z. B. Bartolomé de Las Casas oder auch später die Jesuiten in Paraguay) zurückzuführen sind,

Rundumschläge sind da einfach sinnlos und setzen einen nur selber ins Unrecht.

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Ökofred 05.09.2018, 21:08
6. nein, nicht manche...

Zitat von postit2012
aber schade, dass sich manche frommen Spanier aufgeführt haben wie die Taliban.
eigentlich Alle haben sich so verhalten. Es war einfach der vorherrschende Lebensstil. Fundamentalismus war state of the art, andere Länder waren da nicht besser...

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loquuntursaxa 05.09.2018, 22:30
7.

Zitat von postit2012
aber schade, dass sich manche frommen Spanier aufgeführt haben wie die Taliban.
Andere fromme Spanier haben mit Geduld die Sprache des nahuatl Volkes verstanden und nieder geschrieben. Nicht zu vergessen dass vor 500 jähren und noch später in Europa Millionen Menschen aus Religionsstreiten getötet wurden. Insbesondere in Deutschland.

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postit2012 05.09.2018, 22:34
8. Siehe No 5

Verbiesterung bringt nix. Informieren Sie sich einfach über das, was los war und lassen Sie nicht nur Ihre Vorurteile sprechen.

Mann, ich hätte nie gedacht, dass ich mal den Vatikan verteidigen muss...

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trafozsatsfm 06.09.2018, 23:25
9. Grundsätzlich ja...

Zitat von demiurg666
Schön dass Mexiko wenigstens eine Schrift aus seiner eigenen Vergangenheit behalten darf.
Ich stimme Ihnen zu, dass es richtig ist, diese Schrift in Mexiko aufzubewahren, aber... es ist gar nicht so schlecht, wenn das kulturelle Erbe eines "Landes"/"Volkes" (wie immer man das nennen mag) über die ganze Welt verstreut ist.
Es gibt so viele Katastrophen, bei denen archäologische Schätze für immer zerstört werden können: Kriege (Vernichtung von Artefakten im 2. Weltkrieg, insbesondere auch in Deutschland), Brand- und Naturkatastrophen (brasilianisches Nationalmuseum, gerade eben), religiöser Wahn (Zerstörung der Buddha-Statuen von Bamyan), revolutionäre Wirren (Einbruch ins Ägyptische Museum in Kairo während des "Arabischen Frühlings") usw.
Würde man alle Artefakte einfach dahin schaffen, wo sie ursprünglich "hingehörten", so könnte eine einzige umfassende Katastrophe das kulturelle Erbe eines ganzen Volkes auslöschen!
Insofern ist es gar nicht so schlecht, dass sich deutsche Kunst in Russland, ägyptische in England, byzantinische in Italien usw. befindet.

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