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"Penis schuld am Klimawandel": Forscher narren Fachzeitschrift mit Quatsch-Studie
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Erfundene Quellen, sinnlose Sätze, haarsträubende Thesen: Forschern ist es gelungen, einen Nonsens-Aufsatz in einer Fachzeitschrift zu publizieren. Ihr Experten-Jargon habe die Prüfer überzeugt, glauben die Autoren.

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hup 24.05.2017, 04:25
110. Mal ein paar Dinge sortieren

Korrekte Kritik:
- Es gibt unsinnige Magazine im Wissenschaftsbetrieb auf denen man Quark gegen Geld veröffentlichen kann.

Soweit, so schlecht. Allerdings ist die Schlussfolgerung, dass man damit Unsinn in den wissenschaftlichen Kanon der Sozialwissenschaft einschleusen kann weitenteils falsch, denn solche Magazine genießen schlicht keine Reputation. Der Schluß, dass damit die Geisteswissenschaft (gemeint ist wohl eher die Sozialwissenschaft) beschädigt wird ist aber falsch. Richtig ist, dass man damit Journalisten ausserhalb der Wissenschaft foppen kann, die den Unterschied nicht kennen, und alles amplifizieren was ihnen irgendwie verwertbar erscheint - das ist aber genauso korrekt für käufliche Magazine aus dem Bereich Medizin und Naturwissenschaft. Dort kann man z.b. Problemlos Studien zu irgendwelchen Diäten unterbringen (siehe angesprochene Schoko-Diät), oder gerne mal einen Aufsatz zu Aliens oder zur Mars-Besiedelung.

Nicht korrekte Kritik:
- Geistewissenschaft ist keine Wissenschaft

Wo sich die Autoren also irren, ist die Annahme dass das spezifisch für die Geisteswissenschaft ist (und nochmal, gemeint ist vermutlich Sozialwissenschaft). Das ist dann nur das übliche Klischee-Vorurteil, das Naturwissenschaftler gegenüber nicht Naturwissenschaftlern fahren. In dem Fall geht dieser Teil der Kritik aber nach hinten los, weil das Experiment die Schlussfolgerung nicht zulässt. Die unabhängige Variable ist falsch gesetzt.
Ein in einem reputationslosen Magazin für Physik oder Astronomie plazierter bezahlter Unsinns-Artikel in einem Pseudo-Fachjargong sagt auch nichts über generelle Qualitätsstandards in der Naturwissenschaft aus. Die Aussage ist nur, dass es pseudowissenschaftliche Magazine gibt, auf die such Journalisten nicht als Quelle beziehen sollten.
Dieser Teil ist korrekt, der andere bicht, bzw. zumindest nicht durch das Experiment.

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nomac 24.05.2017, 07:00
111. Aufklärung

Anstatt zum Echauffieren des zum größten Teil unwissenden Publikums beizutragen, wäre doch Aufklärung über die zunehmende Probleme wissenschaftlichen Publizierens angesagt wie etwa des ökonomischen Drucks für Verlage möglichst viel zu publizieren, der unentgeltlichen Arbeit von Reviewern, der Bedeutung von Zitationszirkeln und Antragszirkeln, dem (berechtigten) Verschwinden von klaren Disziplingrenzen et cetera pp. Ich reviewe für mehrere Journals, obwohl ich aus der Wissenschaft ausgestiegen bin. Ich werde bis heute mit dutzenden Einladungen zu Konferenzen etc täglich zugespamt.
Aber da echauffieren wir uns halt lieber entlang vertrauter Grenzen auch wenn das alles ein wenig an die fachlichen Abgrenzungsversuche von Erstsemestern erinnert...

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Immanuel K. 24.05.2017, 08:15
112. In Ihrer Aufzählung fehlen ganz klar...

Zitat von keine-#-ahnung
Aber noch viel lustiger ist, dass der Begriff "Wissenschaft" für Fächer wie Philisophie, Soziologie etc. anstatt Meinungsverkündigung in der Gesellschaft etabliert werden konnte. Vermutlich glauben Einige sogar daran, dass etwas mit Wissenschaft und nicht mit Ideologien zu tun hat.
...die Wirtschafts'wissenschaften' - nur werden da keine abstrusen Kunstworte aneinander gereiht, sondern dort werden abstruse Formeln zu Naturgesetzen erhoben...

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teerbutter 24.05.2017, 10:02
113.

Zitat von ostanleger
...wenn man versucht, Missstände durch überzeichnung anzuprangern. Sie haben es geschafft, in meiner Überzeichnung dessen, was Sie kritisieren, einen Zweifel meinerseits an der Wirklichkeit zu sehen. Die ich im Übrigen als Tatsache dargestellt habe (aus chemischer Sicht) und in Anlehnung an den Vorredner, den ich zitiert habe, aus der Perspektive eines Kiffers (Vorredner Morrison #26: Scherzbolde nach durchzechter Nacht) karikiert habe. Satire wirkt also. Aber laufen Sie nicht gegen noch eine Wand.
Was soll denn bitte (der Sinn/ die Überzeichnung Ihrer) Satire daran sein, eine falsche, lustig als falsch dargestellte Information, mit richtigen!, lustig als ebenfalls falsch dargestellten Informationen fort zu führen? Damit Sie das verstehen, der Klimawandel ist nicht durch den Menschen verursacht.

Satire, ja das kann immer alles sein. Auch schlechte Satire oder keine Satire. Satire darf schließlich alles. Sagen Sie doch einfach was Sie meinen, wenn Sie können und es nicht unbedingt nur lustig sein muss.

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deepbrain 24.05.2017, 10:25
114.

Zitat von Hans Neumann
Die Erwiderung "Schrott-Journal" in den Kommentaren greift viel zu kurz, zumal das Journal ganz und gar nicht zu einem Schrott-Verlag gehört. Das Problem ist NATÜRLICH, dass eine Menge Geld damit gemacht wird, dass Wissenschaftler publizieren müssen, und auch sehr seriöse Wissenschaftler müssen oft viel Geld auf den Tisch legen, um publizieren zu können. Manche Themen sind eben nur für einen ganz kleinen Kreis von Leuten interessant. Die eigentliche Parodie geht in Richtung diese Gender-"Wissenschaft". Man kann Tonnen von "seriösen" Gender-Papieren dagegen halten und wird feststellen, dass sie nicht viel mehr Sinn ergeben als dieser Hoax.
Nein, auch wenn die Autoren des Papers es auch gerne so drehen möchten, dass ihr "Paper" die Gender-Studies lächerlich macht, das Problem sind hier nicht die Gender-Studies, sonder die Schrott-Journale. Das "Paper" wurde doch zunächst bei seriöseren Journals eingereicht und - tatata - abgelehnt!
Nur bei einem predatory journal kam es unter. Für alle, dies nach den Kommentaren hier immer noch nicht wissen: predatory journals interessiert der wissenschaftliche Inhalt NULL, es geht nur um das Geschäftsmodell, Publikationskosten abzugreifen. Ich bin selber Wissenschaftler und bekomme im Schnitt pro Tag 3-4 Mails mit dem Inhalt "publizieren Sie bei uns, extra Rabatt für Sie". Und das sind dann Journals, die mit meinem Fachgebiet wirklich absolut gar nichts zu tun haben. Jede Wette, dort würde ich jeden Quatsch unterbringen, wenn ich nur genug zahle. Schlimm, dass ein eigentlich relativ angesehener Verlag auch predatory journals im Angebot hat.
Wer nun sagt: Ja gut, aber Unsinn fällt in gender studies weniger auf und deshalb sind die leichter unterzubringen. Von wegen! Es gibt einige Beispiele aus der Physik und Informatik mit ähnlichen Ergebnissen. Darüber macht SpON aber keine Artikel, gibt bestimmt nicht so viele Klicks und "erboste" Kommentare.
Wer wirklich etwas über den Hintergrund erfahren möchte,:Hier steht ein besserer Bericht: http://www.salon.com/2017/05/22/why-the-conceptual-penis-hoax-was-a-bust-it-only-reveals-the-lack-of-skepticism-among-skeptics/

Der letzte Absatz fasst es gut zusammen:
"Publishing in Cogent doesn’t merely muddy the waters on their point against gender studies; it completely vitiates it. Cogent isn’t even about gender studies. Not a single “senior editor” of the journal has an academic background in the field. Rather, the various editors’ expertise lies in (I kid you not) tourism, criminology, development planning, geography, sport management and communication sciences."

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deepbrain 24.05.2017, 10:29
115.

Zitat von anne4215
Natürlich ist es Unfug, aber wie sich hier wieder einige auf Gender-Wissenschaften einschießen, spricht auch Bände.(...)
Absolut richtig. Die gegenüber Gender Studies ach-so kritischen Foristen werfen ihre ach-so kritische Sichtweise ganz schnell über Bord, wenn es nur GEGEN Gender Studies geht. So kann man sich auch selber bloßstellen!

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Heinrich L. 24.05.2017, 10:40
116. Für open access Veröffentlichungen muss immer bezahlt werden.

Der Artikel und auch einige Kommentare zeugen ein bisschen von Unkenntnis bzgl. der Bezahlung bei Veröffentlichungen. Die meisten wissenschaftlichen Journals (zumindest in den Naturwissenschaften) verlangen eine Bezahlung (publication fee). Wenn es open access ist gibt es eigentlich kein Journal was kein Geld für die Veröffentlichung verlangt. Wer schon mal im Nature oder ähnlichem veröffentlicht hat, der weiß dass auch die ganz großen Journals Geld für open access Veröffentlichungen verlangen.
Man sollte hier eher das Selbstverständnis der Genderwissenschaften infrage stellen als die Bezahlung von Veröffentlichungen. Ob Artikel veröffentlicht werden oder nicht entscheidet nicht der Verlag sondern die Reviewer. Also Wissenschaftler von UNIS verstreut über die ganze Welt!

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Heinrich L. 24.05.2017, 10:44
117. Nachtrag

Das Journal ist natürlich nicht das Papier Wert auf dem es geschrieben ist und sicherlich dafür daGeld zu generieren. Trotzdem gilt nicht der Umkehrschluss Bezahlung für Veröffentlichung = schlechtes Journal.

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