Forum: Wissenschaft
Radioaktive Wolke über Europa: Die Italien-Connection
IRSN

Woher kam die radioaktive Wolke über Europa im vergangen Herbst? Womöglich hat der Zwischenfall mit einem Physik-Experiment in Italien zu tun.

Seite 1 von 2
permissiveactionlink 16.02.2018, 20:02
1. 144Ce

Interessant, wie dieses Isotop zerfällt. Es erhöht durch zweimaligen Beta(-)Zerfall (es entstehen zwei Elektronantineutrinos pro Ceratom) zunächst die Ordnungszahl um 2 zum 144Nd (über 144Pr), um dann durch Alphazerfall (nach Äonen !) wieder in der Ordnungszahl um zwei zu sinken und beim stabilen 140Ce anzukommen. 40gr 144Ce besitzen nach Anlieferung eine radiologische Aktivität von 4,71 PBq, das sind etwa 4,7 Billiarden (!) Zerfälle pro Sekunde. Und dabei entstehen mit der Zeit ca. 3,4 *10^23 Elektronantineutrinos. Nach ca. 7,8 Jahren sind nur noch 40 Mikrogramm des 144Ce vorhanden, der Rest ist zerfallen, zum 144Nd, das selbst eine Halbwertszeit von 2,3 Billiarden Jahren besitzt, und im natürlich vorkommenden Neodym zu ca. 24% enthalten ist.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
neutron76 16.02.2018, 20:45
2. Liest sich wie ein Krimi

Trotzdem muss man weiter mit den Russen vernünftig und sachlich reden, sowie Majak in internationale Projekte miteinbeziehen. Es hilft ja nichts. Die radioaktiven Abfälle sind da, müssen gelagert und verarbeitet werden. Besser man kennt sich auf Expertenebene (solange wir noch Experten haben).

Beitrag melden Antworten / Zitieren
seikor 16.02.2018, 21:35
3. Italien-Connection?

Also ehrlich gesagt finde ich es doch etwas übertrieben, eine Gruppe Physiker mit Begriffen aus der Mafiawelt zu assoziieren...
Für ein Experiment wurde ein seltenes Element eingeplant, dessen Herstellung offenbar (?) nicht geklappt hatte - so what?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
mbaudis 16.02.2018, 23:42
4. Untergrundlabor

Das “Alleinstellungsmerkmal” des LNGS ist die Kombination aus low-level radiation background, Platz und guter Erreichbarkeit. Radioaktivität ist dort fehl am Platz; außer spezifische aber extrem schwache Eichquellen fuer die diversen Detektoren.

Also: Interessante Detektivarbeit, aber keine Mafia, keine Bedrohung, keine Radioaktivität. Und dass ein seltenes Isotop gemessen wird, ist evtl. interessant ~ aber recht limitiert, so wie “da war neulich ein pinker Maserati in Kamenz” - hat sicher auch eine Geschichte.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
unglaeubig 17.02.2018, 00:15
5. Schon klar...

...dass man für so einen Artikel vereinfachen muss. ‚Wolfram-Spezialstahl‘ ist aber leider wohl Unsinn, ‚Stahl‘ bezeichnet Legierungen mit mehr als 50% Eisen, hier wird aber als Behälter wohl reines Wolfram(metall) verwendet, weil dies einen der höchsten Schmelzpunkte aufweist und somit recht robust gegen die immense Zerfallswärme ist. Aus dem Grund kommt bzw. kam Wolfram ja auch in Glühbirnen zum Einsatz. Übrigens: Iridium wäre hier m.E. die bessere Wahl gewesen, zumindest an Luft.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
outofgermany 17.02.2018, 03:47
6. Alles unter Kontrolle?

Erstaunlich das in Europa kleine ungefährliche Wölkchen erfasst und erforscht werden während in Japan seit Jahren radioaktiver Abfall in riesigen Mengen in den Pazifik fließt weil niemand weiß wohin damit.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
tp13 17.02.2018, 13:05
7. Dengledeutsch ?

Zitat im Artikel:
"
So heiß, genau genommen, dass sich nukleare Wiederaufbereitungsanlagen wie die im französischen La Hague normalerweise sieben bis zehn Jahre Zeit ließen, bis sie das Material prozessierten.
"
Lieber Spiegel,
wurden die Brennstäbe in La Hague vor Gericht gestellt? Wie immer man zur Nuklearenergie stehen mag, nur sind die Brennstäbe wirklich das falsche Objekt für juristische Aufarbeitung.

Da wir schon von Aufarbeitung reden - wäre dieser Ausdruck hier nicht angebrachter? Oder Verarbeitung?

Es heisst, Anglizismen sind nur in vergleichsweise wenigen Fällen wirklich notwendig. Vielmehr zeigen sie an, dass ihr Verwender merkbare Lücken in beiden Sprachen aufweist.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
DasRotkaeppchen 17.02.2018, 15:13
8.

Ein bisschen wie Seikor finde ich die Verbindung von Borexino mit dieser Wolke ein bisschen drastisch formuliert.
Klar hat, wenn das alles so abgelaufen ist, Borexino bzw. Sox das Ce-144 bestellt. "Hat mit einem Teilchenexperiment in Gran Sasso" zu tun suggeriert, dass die das Zeug freigesetzt haben, zumal im Text noch das Wort "abgeblasen" fällt - das man querlesend so interpretieren könnte, als habe Borexino Ru-106 oder C-144 abgeblasen.
Bei dem Artikel muss ich als mittlerweile Strahlenschützerin und ehemals Astroteilchenphysikerin sagen: Das bringt Teilchenphysiker in Verruf, die mit der FREISETZUNG von dem Zeugs so richtig gar nichts zu tun haben, erst recht, weil bei ungenauem Lesen genau die Buzzwords im Artikel stehen, die erstmal Borexino für die Freisetzung verantwortlich machen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
gerd0210 17.02.2018, 18:32
9.

Zitat von tp13
Zitat im Artikel: " So heiß, genau genommen, dass sich nukleare Wiederaufbereitungsanlagen wie die im französischen La Hague normalerweise sieben bis zehn Jahre Zeit ließen, bis sie das Material prozessierten. " Lieber Spiegel, wurden die Brennstäbe in La Hague vor Gericht gestellt? Wie immer man zur Nuklearenergie stehen mag, nur sind die Brennstäbe wirklich das falsche Objekt für juristische Aufarbeitung. Da wir schon von Aufarbeitung reden - wäre dieser Ausdruck hier nicht angebrachter? Oder Verarbeitung? Es heisst, Anglizismen sind nur in vergleichsweise wenigen Fällen wirklich notwendig. Vielmehr zeigen sie an, dass ihr Verwender merkbare Lücken in beiden Sprachen aufweist.
Bisher hielt ich procedere für ein lateinische Wort mit der Bedeutung vorwärts gehen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 2