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Renommierte Geigen: Das Märchen vom legendären Klang der Stradivari
John Stillwell/ PA Wire/ DPA

Mehrere hunderttausend Euro müssen Musiker für eine echte Stradivari ausgeben. Ob der Preis gerechtfertigt ist, ist allerdings fraglich. Das Konzertsaalpublikum findet moderne Geigen oft besser.

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rst2010 09.05.2017, 11:51
1. das komt doch

wohl stark auf den violinisten an, was er aus seinem instrument holen kann. danach erst auf die qualität des instruments. schön klingen muss gar nicht sein, das ist meist eh auf die dauer langweilig.

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sanchopansa 09.05.2017, 12:04
2. Jein,

alte Italiener wurden mit Darmsaiten gespielt und mit anderer Spieltechnik. Die heutigen Instrumente dagegen
mit ummantelten Stahlsaiten, die einen wesentlich anderen Klang produzieren und viel lauter gespielt werden können, was auch der Anforderung entspricht, wenn man an zeitgenössische Stücke und moderne Säle denkt.
Die nivellierende Diskussion ist uralt und bringt auch im vorliegenden Fall keine neuen Erkenntnisse. Der Ansatz, millionenschwere Instrumente mit wesentlich günstigeren zu vergleichen, verleitet stets dazu, dass der monetäre Aspekt in den Vordergrund tritt. Btw: Auch hervorragende neue Geigen haben ihren Preis!! Alle Instrumente klingen unterschiedlich und auch alle Instrumentalisten unterscheiden sich klangtechnisch voneinander. Es gibt dafür ein gutes Kontrollinstrument: Die eigenen Ohren!

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inline 09.05.2017, 12:10
3. Imstrumente machen auch dem Musiker Spass

Als Besitzer eines Pieret Saxophons von 1956 (die Firma Pieret ist in den 60ern erloschen) möchte ich anmerken dass man auf einem traditionsreichen Instrument auch schon mal begeisterter spielt als auf einem neuen. Ich habe es schon öfter erlebt dass Musiker besser spielen, wenn sie ihr Instrument "lieben".

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master-of-davinci 09.05.2017, 12:19
4. Nicht überraschend

Betrachtet man die Sache mal völlig frei vom Mythos ist das Ergebnis wenig überraschend.
Was hätte Stradivari vor fast 400 Jahren machen können, das den Klang bis heute einzigartig werden lässt? Holz, Leim und Lack sind das, was nicht reproduzierbar ist, da auch ein künstlicher Alterungsprozess keine echtes altern ist, wobei auch hier umstritten ist ob dies einen Unterschied machen würde. Analysen haben schon früher gezeigt, dass da nix besonderes an einer Stradivari ist. Was also macht den "heutigen" Klang einer Stradivari aus?
Verzogenes 400 Jahre lang vollgesaugtes Holz. Das ändert sicherlich den Klang, aber gewiss nicht in einer gewollten Art und Weise die ein Stradivari hätte vorausahnen können. Wir feiern heute also einen Stradivari für einen Klang, den ER sicher nicht gewollt hatte...
Das ist wie bei so einem alten verranzten, möglicherweise schon beschossenem Klavier einer Westernbar. Klingt miserabel aber typisch - was dazu führt, dass dieser Klang sogar Digital nachgebaut wird. Dennoch hat weder der Erbauer an den Klang gedacht, noch die Musiker die die "typischen" Honky Tonk Songs schrieben.

Meine persönliche Meinung ist, dass es bei Stradivari nicht um Klang sondern um Kohle geht. Besitzer einer Stradivari und Händler werden alles tun um den Mythos und somit den Wert der Geigen aufrecht zu erhalten.

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elisa1 09.05.2017, 12:24
5.

Ein seriöser Geigenbauer würde niemals behaupten, eine Stradivari wäre die beste Geige, sondern er würde einem fünf Modelle zum Probespielen geben und weder verraten, woher sie kommen, noch wie alt sie sind. So geschehen bei meiner Tochter. Und ich fand die Erklärung dafür toll, nämlich, dass jeder seine ganz persönliche Geige finden sollte, ohne sich von vermeintlich wichtigen Dingen ablenken zu lassen.
Das, was man dabei herausfindet, ist viel wertvoller als man denkt. Man findet schließlich das Instrument, was zu einem passt, was man am besten spielen kann und zu dem man sofort eine besondere Beziehung aufbaut.

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eigene_meinung 09.05.2017, 12:25
6.

Das ist wie bei gutem Essen. Bei einer Blindverkostung würden die meisten Leute ein Gericht mit viel Salz und Zucker und Geschmacksverstärkern etc. gegenüber einem frisch zubereiteten Essen mit passenden Kräutern bevorzugen. Und zwar vor allem daher, weil sie es gewohnt sind, und in zweiter Linie, weil es intensiver schmeckt.

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marenghi 09.05.2017, 12:28
7. Offensichtlich nicht...

"Alle Instrumente klingen unterschiedlich und auch alle Instrumentalisten unterscheiden sich klangtechnisch voneinander. Es gibt dafür ein gutes Kontrollinstrument: Die eigenen Ohren!"
Die Testergebnisse zeigen, dass selbst die Fachleute eben NICHT die unterschiedlichen Instrumentenarten identifizieren können.
Die Selbstüberschätzung ist hier wie bei allen anderen menschlichen Fähigkeiten auch vorhanden und wird - ebenfalls wie in anderen Bereichen - mit objektiven Tests gnadenlos aufgedeckt.
Herrliche weitere Beispiele für die Eigenrecherche: Blindverkostungen bei Bier http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/bier-koelsch-und-alt-im-test-nicht-zu-unterscheiden-a-1109418.html , Wein & Whisk(e)y - was heulen da die "Kenner" auf, wenn wieder mal eindrucksvoll demonstriert wird, dass sie viel weniger unterscheiden können, als sie denken und trompeten (bis zum eigenen Versagen beim Test) im Brustton der Überzeugung: "Also jeder, der Marke X nicht von Marke Y nicht unterscheiden kann, ist...!!!".
Jede Kommentarspalte unter solchen Experimenten ist ein Genuss mit wild gegen solche Wissenschaft um sich schlagenden entzauberten Dogmatikern. Schauen wir mal, was hier noch kommt - ich stell schon mal den 1984er Süd-Süd-West-Hang Glenfarclas in warmgelagerten Goldkabel-Verstärkerfässern auf 16,239 Grad. :)

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einwerfer 09.05.2017, 12:31
8. Alle Jahre wieder

der Artikel 'Stradivaris Geheimnis entdeckt' oder 'Neue Geigen klingen besser'.
Dabei ist es gar nicht umstritten, dass auch andere alte und auch moderne Geigenbauer teils hervorragende Instrumente bauten und immer noch bauen.
Wie schon sanchopanso schrieb: Auch hervorragende neue Geigen haben ihren Preis!! So z.B. Instrumente von P. Greiner, Jahrgang 1966 in Bonn. Eine Violine von ihm, gebaut 2004, erbrachte 2014 in einer Auktion ca. 70.000 Euro. Auch keine Summe, die ein Musiker oder gar Musikstudent so eben mal verfügbar hat.

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hman2 09.05.2017, 13:04
9.

Zitat von master-of-davinci
Das ist wie bei so einem alten verranzten, möglicherweise schon beschossenem Klavier einer Westernbar. Klingt miserabel aber typisch - was dazu führt, dass dieser Klang sogar Digital nachgebaut wird. Dennoch hat weder der Erbauer an den Klang gedacht, noch die Musiker die die "typischen" Honky Tonk Songs schrieben.
Der typische Klang eines Honky Tonk kommt nicht durch etwaigen Beschuss, sondern schlicht dadurch, dass seine Komponenten (heute absichtlich, damals der Not geschuldet) verstimmt sind...

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