Forum: Wissenschaft
Satellitenbild der Woche: Ach so, ein Stiefel!
Copernicus Sentinel Data/ ESA

Die Formen der Länder und Kontinente kennt heute jeder. Das war nicht immer so: Die Römer zum Beispiel hatten eine eigenartige Vorstellung von Italien - sie passt so gar nicht zu modernen Fotos aus dem All.

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mhwse 12.03.2018, 10:41
1. OK wie Italien aussieht, wissen wir inzwischen

auch wie das Sonnensystem aussieht - die Galaxie -..

bei der Form des Universums - suggestiv eine Kugel - eher wohl (wenn klassisch), eine innen hohle Orange .. also das sichtbare Universum wäre eher die Schale der Orange - die Reste Innen, so fadenartiges Zeugs (Materie / Gas Fäden.. / ggf. "Ur" Galaxien ..) wie in der Orange eben - da wo die eigentliche Frucht ist - Nichts .. .. beginnt die Diskussion wieder interessant zu werden.

Wie das mit den anderen Universen ist?
Blubbern die da, nicht erreichbar, wie n-diminsionale Bläschen im Nirvana?
Interagieren sie doch mit unserem Universum - gibt es überhaupt ein klassisches "Aussen"?

Da ist die Messtechnik noch ganz am Anfang .. ebenso die Vorstellung.

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grandprix 12.03.2018, 10:56
2. leider schief

Den Römern war sicher klar, dass die Verhältnisse rein geometrisch nicht so sind wie auf der "Peutingeriana". Das ist ja auch eine Karte, die auf Abstände in Form von Tagesreisen (Tagesritten) spezialisiert ist. In diesem Sinne erfüllt sie ihren Zweck und ist so realistisch wie jede andere Karte. Ein römischer Seemann hätte sich sicherlich nicht nach dieser Karte orientiert. Die Annahme, dass eine Karte die "wirkliche Welt" (= Identität mit Satellitenbild) abbilden müsse, ist doch eine sehr naive. Auch ein moderner Straßenatlas zum Beispiel bildet zwar Längenverhältnisse zwischen Wegpunkten korrekt ab, aber funktioniert letztlich nur, wenn die relevanten Straßen als (nicht maßstabgerecht breite) Linien eingezeichnet werden.

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klarafall 12.03.2018, 10:57
3.

Das Design der "Tabula Peutingeriana" ist nicht dem Unwissen der Römer geschuldet, sondern der Vorgabe, die wichtigen Strassen des römischen Reiches in möglichst gerader Form darzustellen, um Entfernungen zwischen Städten/Siedlungen so genau wie möglich bestimmen zu können. Es ging den Kartendesignern nicht um eine geografisch exakte Darstellung. Daraus geografisches Unwissen abzuleiten spiegelt weit mehr das Unwissen des Autors wider als das Unwissen der antiken Kartografen.

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bommerlunder 12.03.2018, 11:04
4. Bloße Vermutungen

Der Autor hat die Ökumenekarte des Vispianius Agrippa nicht erwähnt. Diese zeigte die Verhältnisse im Mittelmeer ziemlich korrekt. Der Autor erwähnt auch nicht, dass die Tabula Peutingeriana lediglich eine verzerrte Straßenkarte ist, den Römern war bewusst, dass das Mittelmeer hundertfach größer ist. Es kann also durchaus auch noch genauere Karten (siehe Agrippa) gegeben haben, die den „Stiefel“ zeigen. Ich halte das sogar für wahrscheinlich. DIe Karten aus dieser Zeit sind praktisch alle komplett verschwunden. Aber es gab sie. Warum sollten Seefahrer keine Karten genutzt haben.

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merluzzo 12.03.2018, 11:44
5. So ein Stiefel!

Nicht die Römer "hatten eine eigenartige Vorstellung von Italien", sondern der Autor von der Funktion schematischer Pläne. Wie schon erwähnt (#2), diente die Tabula der Vermittlung von Entfernungen, Knotenpunkten und Routenmöglichkeiten (zu Lande) -- und eben nicht der Abbildung winkelgetreuer Küstenlinien o.ä. Nach der Logik von "pat" verdeutlichen die aktuellen U-Bahn-Pläne deutscher Großstädte, dass die Berliner oder Münchner keinen blassen Schimmer haben, wie ihre Städte wirklich aussehen. Eine solche Interpretation historischer Quellen ist dilettantischer Murks und hat in einem seriösen Medium nichts zu suchen. STIEFEL ONLINE...

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yoda56 12.03.2018, 11:55
6. Danke an die Foristen 2-4

Ohne deren Beiträge hätte ich den hier mal wieder von SPON produzierten Müll vielleicht sogar geglaubt und mich über die (gemessen an deren sonstigen Wissen) völlig unverständliche Unwissenheit der Römer gewundert.

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team_frusciante 12.03.2018, 12:07
7.

"Es brauchte den technologischen Fortschritt besserer Messtechnik, um so präzise Daten gewinnen zu können, dass sich daraus ein realistisches Bild unserer Welt zeichnen ließ."
Ich bin kein Historiker, aber die Karte sieht für mich nicht so aus, als hätte sie den Anspruch, ein realistisches Bild des Landes von oben zu zeichnen, sondern eher Informationen zu transportieren. Am besten noch in einem praktischen Format.
Vermutlich finden Archäologen in 3000 Jahren Nahverkehrslinienpläne und wundern sich, was für ein verzerrtes Bild wir von der Realität hatten.

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team_frusciante 12.03.2018, 12:10
8.

Vielleicht hätte ich erst mal die anderen Kommentare lesen sollen, die das auch kritisieren. Da war ich wohl etwas aufgebracht.

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postit2012 12.03.2018, 12:38
9. Die Römer waren Praktiker und wollten keine Europakarte malen,

sondern so etwas wie einen Übersichtsplan für den Truppenverkehr in ihrem Reich, ähnlich wie einen Plan für den U-Bahn-Verkehr in Berlin. Das ist ihnen auch vortrefflich gelungen. Die Peutingerschen Tafeln sind nur zum Wandern, Autofahren oder gar zur Regionalplanung nicht besonders gut brauchbar. Mit dem U-Bahn-Plan machen Sie sich auch nicht in Ihrem Auto reisefertig...

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