Forum: Wissenschaft
Sichelzellanämie: Wenn Rassismus Therapien verhindert
CDC / Janice Haney Carr

Sichelzellanämie ist die häufigste Erbkrankheit in den USA. Eine Heilarznei wurde nie entwickelt - auch, weil vor allem Schwarze betroffen sind. Nun soll eine Gentherapie die Versäumnisse wiedergutmachen.

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isi-dor 05.03.2018, 15:52
2. Was die wenigsten wissen:

Menschen mit Sichelzellenanämie sind immun gegen die Malaria-Erreger. Aber das hilft ihnen trotzdem kaum weiter. Die USA sind ein zutiefst rassistisches Land.

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rst2010 05.03.2018, 16:42
3. das gen

bzw. die träger des gens haben nur überlebt, weil es einen vorteil bei der malaria bietet. die malariaerreger könmnen nicht mit sichelzellen thrombozten.

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permissiveactionlink 05.03.2018, 17:15
4. Schwere lethal verlaufende Anämien

haben ihre Ursache oft in der Beta-Untereinheit des Hämoglobins, von dem zwei mit zwei weiteren Alpha-Untereinheiten ein funktionales Hämoglobin bilden. Neben der Sichelzellanämie betrifft das auch Patienten mit Beta-Thalassämie, oder Heinz-Körper-Anämie. Auf väterlichem und mütterlichem Chromosom (Nr 11) findet sich bei den Erkrankten dieselbe Mutation (homozygot). Patienten mit einem nicht veränderten Chromosom (heterozygot) sind weit weniger stark betroffen, besitzen aber eine höhere Resistenz gegen Malaria. Deshalb ist diese Mutation auf nur einem Allel in Malariagebieten ein evolutiver Vorteil. Die Mutation im sechsten Codon der Beta-Untereinheit ersetzt einen Guanin- oder Adenin-Rest gegen Thymin. (GGA oder GAG gegen GTA bzw. GTG) In der sechsten Position der Aminosäurekette ist dann Glutaminsäure gegen Valin ersetzt. Mit dem neuen gentechnischen Verfahren Crispr CAS 9 sollte es möglich sein, diese Punktmutation in den Vorläuferstammzellen der Erythrozyten rückgängig zu machen, damit sich Sauerstofftransport und Zellform (diese macht bei Sichelzellen die meisten Probleme) normalisieren können.

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Maler 05.03.2018, 18:36
5.

Die Sichelzellenanämie ist in den meisten Malariagebieten der Welt verbreitet, nicht nur in Afrika oder Afrikastämmigen. Früher, als die Menschen in den Tropen zumeist keine 40 Jahre alt wurden, war das in diesen Gebieten wohl ein Vorteil, denn der Tod durch Malaria trat normalerweise schneller ein als der durch die Anämie.

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Peletua 06.03.2018, 05:28
6. Fragwürdig

Dass den Sichelzellenanämie-Patienten endlich wirkungsvoller geholfen werden könnte, wäre an sich ja eine sehr begrüßenswerte Aussicht. Trotzdem glaube ich kaum, dass gerade diese Versuchsreihe aus purer Herzensgüte unternommen wird - im Gegenteil. Eine neue Methode soll erprobt werden, und siehe, da gibt es doch diese Erbkrankheit, von der praktischerweise fast nur Schwarze betroffen sind... Wieder wird diese Bevölkerungsgruppe zu Versuchskaninchen gemacht, und darin kann ich keine 'Versöhnung’, sondern eigentlich nur eine Fortsetzung des ekelerregend rassistischen Vorgehens der US-Wissenschaft sehen. Auch wenn die Chance besteht, dass ein Teil der schwarzen Versuchskaninchen von den Versuchen profitiert.

Ob es danach tatsächlich bessere Therapiemöglichkeiten für die Erbkrankheit gibt, steht in den Sternen, aber die Crispr-Methode konnte hinsichtlich ihrer Sicherheit (für weiße Patienten) erprobt werden - an Schwarzen. Was, bitteschön, unterscheidet solche Versuche von den Medikamententests der Pharmaindustrie in Afrika?

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wburger271 06.03.2018, 18:53
7. Rassismus des 21.Jhdts

Gut, dass der Spiegel wieder mal seine Finger in die Wunde legt und den modernen Rassismus (quasi durch unterlassene Hilfeleistung) aufzeigt. Ich betreue beruflich junge afrikanische Flüchtlinge. Ein Jugendlicher aus Guinea ist von der Sichelzellenanämie betroffen. Ärztlicherseits wurden lediglich Schmerzmittel zusammen mit der Prognose abgegeben, daß er wohl mit 20 ein künstliches Hüftgelenk brauchen wird. Wie soll ich ihm sein Schicksal erklären unter Berücksichtigung dieses backgrounds?

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jpphdec 06.03.2018, 20:19
8. Oberflächlicher Artikel der dem Anliegen eher schadet als nützt

Es gibt weltweit kein einziges derzeit zugelassenes Medikament gegen die Bluterkrankheit als solche. Dh. die Krankheit selbst ist derzeit unheilbar. Was es gibt sind Mittel gegen die akuten Auswirkungen, die größtenteils auch auf sehr ähnlichen Methoden basieren. Die schiere Anzahl der Mittel taugt also schlecht als Kriterium. Nicht vergessen sollte man auch, daß bis in die 2000er Jahre viele Bluter über entsprechende aus Blutkonserven hergestellten Präparate mit Hepatitis infiziert wurden. Ein Bias der Medizin zugunsten weisser alter Männer ist in diesem Beispiel beim besten Willen nicht erkennbar. Die Tuskegee Studie war selbstverständlich menschenverachtend und der Autor hätte sein Anliegen wesentlich besser untermauern können, wenn er belastbarere Beispiele für die bevorzugte Heranziehung von Afroamerikanern zu Menschenversuchen gebracht hätte. Einsteig für Interessierte zB. hier: https://en.wikipedia.org/wiki/Unethical_human_experimentation_in_the_United_Stat es
Ein gewisses Allgemeinwissen über noch üblere Dinge, die sich diesseits des großen Teichs abgespielt haben, sei übrigens vorausgesetzt, weshalb ich mir erspare hier ins Detail zu gehen.

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permissiveactionlink 07.03.2018, 18:21
9. #8

So ganz verstehen kann ich Ihren Beitrag nicht, denn die Sichelzellanämie hat nichts mit der Bluterkrankheit zu tun, die 1. beinahe ausschließlich Männer betrifft, da die betroffenen Gene bei den meisten Betroffenen auf dem X-Chromosom lokalisiert sind (x-chromosomal rezessiver Erbgang) und dabei 2. Proteine der Blutgerinnung (Gerinnungsfaktoren) betroffen sind. Mit dem Sauerstofftransportprotein Hämoglobin (bzw. der bei Sichelzellanämie in beiden Genen der Betauntereinheit vorhandenen Mutation) hat die Bluterkrankheit überhaupt nichts zu tun. Möglicherweise ist es aber schon bald möglich, auch hier betroffene Embryonen mit Crispr zu korrigieren, auch bei weiblichen Embryonen, aus denen sich Frauen entwickeln, die Trägerinnen eines Blutergenes sind ("Konduktorinnen"), bei denen statistisch 50% des männlichen Nachwuchses Bluter sind. Durch Präimplantationsdiagnostik lässt sich diese Gentherapie aber leicht umgehen, die betroffenen Embryonen werden nicht weiter verwendet, und nur gesunde Embryonen in den Uterus implantiert.

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