Forum: Wissenschaft
Studie: Auch offen verabreichte Placebos können offenbar helfen
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Scheinmedikamente können angeblich bei echten Schmerzen wirken - wenn Ärzte den Placebo-Effekt erklären. Die Ergebnisse einer neuen Studie könnten die Lösung für ein ethisches Dilemma unter Medizinern sein.

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Das Pferd 01.10.2017, 10:32
1.

interessant. Meine Mutter hatte nach ihrer Berentung Arztbesuche zum Hobby gemacht. Ich möchte nicht wissen wie viele der verschriebenen Mittelchen und Überweisungen aus Sicht des Arztes eigentlich nur die objektive Wirkung "schadet nicht" hatten. Für einen richtigen Artztgänger gehört der Zettel, mit dem man in der Apotheke Dinge bekommt, die man einfach so dort nicht kaufen kann, zwingend dazu.
Vielleicht ein Ausweg der ehrlicher ist als das "ich schreibe Ihnen mal was mildes pflanzliches auf".

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M.steitz 01.10.2017, 10:57
2. Eine Studie amerikanischer Wissenschaftler hat gezeigt ...

Kurz vor dem Versuch wurde eine Versuchsgruppe über den Placebo-Effekt informiert, immerhin eine viertelstunde lang. Könnte man auch Manipulation nennen. Besonders wenn es über das subjektive Schmerzempfinden geht.
«Die bisherige Annahme, dass Placebos nur wirken, wenn sie mittels Täuschung verabreicht werden, sollte neu überdacht werden»
Captain Obvious ?

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spon-facebook-10000012354 01.10.2017, 11:02
3. Placebo: Der Arzt als Droge

Wirklich aussagekräftig wäre die Studie nur dann, wenn der Versuch zusätzlich mit einem Arzthelfer bzw. einer Arzthelferin durchgeführt worden wäre. So haben die Forscher nur bewiesen, was man ohnehin schon weiß: der Arzt selber ist die Droge. Inzwischen haben sich die Erkenntnisse der Placeboforschung soweit bestätigt, dass sie in der jetzigen Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirats der BÄK als Eckpunkte der Ärzteschaft unterbreitet werden, um „auf die Bedeutung des Placeboeffektes in der alltäglichen Praxis aufmerksam zu machen“. Prof. Jütte macht zu Recht deutlich, dass genügend Vertrauen vonseiten des Patienten, Empathie vonseiten des Arztes und das therapeutische Setting einen höheren Gesamteffekt haben als die Evidenz der eingesetzten Maßnahme. Der Arzt an der Basis kann dieses therapeutische Setting aber nur schaffen, wenn er für die dafür aufgewendete Zeit auch bezahlt wird.

https://www.aerzteblatt.de/archiv/79023/Placebo-Der-Arzt-als-Droge

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marthaimschnee 01.10.2017, 11:07
4. und das gilt für alle Menschen?

Glaub ich nicht! Placebos belügen das Gehirn, sodaß es bei tatsächlich vorhandenen Schmerzen bestenfalls den Schmerz ausblendet. Schmerzmittel machen ja praktisch auch nichts anderes, nur daß sie eben einen Wirkstoff mitbringen, der das Gehirn dazu zwingt, statt es nett zu bitten. Wenn der Proband jedoch um diesen Effekt weiß und auch noch, daß er nichts wirksames bekommt, dann kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß hier "Testgruppe" und "Vergleichsgruppe" als Unterscheidung ausreichen, da müßte man schon mehr Faktoren, wie den psychischen Zustand, Gläubigkeit, (Ir)Rationalität usw betrachten.

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ruhepuls 01.10.2017, 11:08
5. Natürlich wirken Placebos

Jeder "medizinische" Akt, vom Gespräch über das Verordnen von Pillen bis hin zu Operationen hat immer auch einen Placeboanteil. Das zeigen beispielsweise Studien über "Placebo-Operationen", bei denen Eingriffe nur vorgetäuscht wurden (oberflächliche Schnitte und Nähte). So kam die arthroskopische Knorbelglättung als echte, wie als vorgetäuschte OP auf die gleichen Erfolgsquoten. Also ein reiner Placeboeffekt.
Das gezielte Nutzen dieses Selbstheilungseffektes sollte Teil der Medizin sein, setzt aber - wie in der og. Studie - eben Zeit voraus. Man muss erklären, was man tut. Zur gängigen 5-Minuten-Medizin passt das nicht. Aber umgekehrt sollte man auch nicht vergessen, dass beispielsweise Medikamente, deren Sinn Patienten nicht erklärt wird (so dass sie es verstehen...) meist im Mülleimer landen oder keine Wirkung haben oder verstärkte Nebenwirkungen (Nocebo-Effekt). Medizin ist eben mehr Kunst als Naturwissenschaft. Der Mensch ist ja auch keine Maschine.

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ThBl 01.10.2017, 11:10
6.

Objective posttreatment pain tolerance did not differ among groups

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freigeistiger 01.10.2017, 11:13
7. alte Kiste

Der Geist ist genauso ein Körperorgan. Der Geist und alle anderen Körperorgane hängen zusammen. Mit der Beeinflussung des Geistes können andere Körperorgane beeinflusst werden. Dass macht man sich beispielsweise beim Biofeedback zunutze. Der Artikel zeigt, wie wichtig es ist, dass jeder selber sich um seine Gesundheit kümmert und auf seinen Körper achtet. Ärzte sind nur bei Krankheiten da. Ein fatales Zeichen ist es, die Krankenkarte als "Gesundheitskarte" zu bezeichnen. Dass leistet der Institutionalisierung der Gesellschaft Vorschub, einer ist dafür zuständig. Ich muss nur die Dienstleistung in Anspruch nehmen. Anstatt sich selber um sich zu kümmern.

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ruhepuls 01.10.2017, 11:14
8. Subjektives Schmerzempfinden

Zitat von M.steitz
Kurz vor dem Versuch wurde eine Versuchsgruppe über den Placebo-Effekt informiert, immerhin eine viertelstunde lang. Könnte man auch Manipulation nennen. Besonders wenn es über das subjektive Schmerzempfinden geht. «Die bisherige Annahme, dass Placebos nur wirken, wenn sie mittels Täuschung verabreicht werden, sollte neu überdacht werden» Captain Obvious ?
Subjektives Schmerzempfinden ist eben subjektiv. Es lässt sich nach oben und nach unten beeinflussen. Auch eine Schmerztablette nimmt dem Schmerz nicht seine Ursache... (hat aber auch noch Nebenwirkungen).

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ruhepuls 01.10.2017, 11:18
9. Was sonst?

Zitat von Das Pferd
interessant. Meine Mutter hatte nach ihrer Berentung Arztbesuche zum Hobby gemacht. Ich möchte nicht wissen wie viele der verschriebenen Mittelchen und Überweisungen aus Sicht des Arztes eigentlich nur die objektive Wirkung "schadet nicht" hatten. Für einen richtigen Artztgänger gehört der Zettel, mit dem man in der Apotheke Dinge bekommt, die man einfach so dort nicht kaufen kann, zwingend dazu. Vielleicht ein Ausweg der ehrlicher ist als das "ich schreibe Ihnen mal was mildes pflanzliches auf".
Viele ältere (einsame) Patienten nutzen Arztbesuche als Beschäftigungstherapie und den Rest der Zeit zum Sammeln von Symptomen für den nächsten Besuch. Leider sieht der Alltag einer Arztpraxis derartige Betreuung nicht vor (und wird auch nicht bezahlt). Daher neigen viele Ärzte dazu, solchen Patienten "etwas" zu verordnen. Sozusagen, als ein Trostpflästerchen. Früher waren das oft homöopathische oder pflanzliche Mittel mit niedrigem Wirkstoffgehalt. Seit die Kassen das nicht mehr erstatten, werden wirksame Mittel als "Quasi-Placebo" verordnet. So kommen die Tüten voller Medikamente zusammen, die manche älteren Menschen so täglich einwerfen.

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