Forum: Wissenschaft
"Vertical Farming" unter London: Unsere kleine Farm im Bunker
DPA

Sie wollten ungenutzten städtischen Raum in fruchtbares Land verwandeln: 33 Meter unter den Straßen Londons haben zwei Unternehmer ihr Farmland gefunden - in einem alten Luftschutzbunker.

dasfred 06.12.2017, 12:29
1. Ich wäre nicht in Deutschland

wenn nicht sofort die ersten Stimmen alles in Zweifel ziehen würden. Mir scheint dieses Konzept gar nicht so weltfremd. Es geht hier ja nicht um Salatgurken, Tomaten und Eisbergsalat sondern exklusive rasch wachsende Kräuter, die eine ähnliche Zielgruppe ansprechen wie exotische Pilze, welche auch hier in ähnlicher Weise angebaut werden. Gut, das ist nicht geeignet um einen Massenmarkt zu bedienen aber Spezialitäten für die gehobene Küche quasi im Keller zu züchten ist eine reizvolle Idee.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
oidahund 06.12.2017, 12:46
2.

Ich sehe in dem vorgestellten und auch ähnlichen Projekten keine wirkliche Lösung des Versorgungsproblems der großen Städte. Mit Kräutern, Wasabi und Champions lassen sich die Gastronomie oder ein paar Hobbyköche versogen. Nährmittel wie Getreide oder Kartoffeln lassen sich nicht wirtschaftlich auf diese Art anbauen. Auch "Massengemüse" wie Karotten oder Paprika eignen sich nicht sonderlich für diese Art der Gärtnerei. Da halte ich die Kombination von Fischzucht und Gartenbau für eher wegweisend. Aber vielleicht setzt sich der Trend zu Vitamin- und Mineralstofftabletten (vieleicht hat jemand die 1-Tagespillen mit allen notwendigen Spurenelementen und Vitaminen schon jemand mal gesehen) und Proteinshakes als Nahrung auch bei uns durch. Dann ist das vertical Farming eine nette Ergänzung zu den Pampen und Pillchen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
KlausP22 06.12.2017, 13:35
3. Energieintensiver als herkömmliche Landwirtschaft

Teure Hipster Nahrungszusätze lassen sich so wohl noch wirtschaftlich erzeugen, aber das Konzept ist "noch" keine Lösung für die Ernährung der Welt.
Ein ähnliches Konzept urbaner Nahrungserzeugung in Japan hat gezeigt, dass der nötige Energieeinsatz und Aufwand deutlich über dem bei der herkömmlichen Landwirtschaft liegt (zB bei Salat) und solche Nahrungsfabriken daher für Grundnahrungsmittel zu teuer sind.
Wenn Energie quasi unbeschränkt und Gratis zur Verfügung stände, dann sähe die Sache natürlich anders aus.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
markus.pfeiffer@gmx.com 06.12.2017, 21:19
4. Alter Hut - aber nachhaltig?

Keimlinge werden von Ökos und Gesundheitsaposteln schon mindestens seit den 50-er-Jahren verzehrt (weiß ich durch Erzählungen einer Tante) - sie sind in der Tat geschmacksintensiv und haben viel mehr Vitamine Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe als das Ausgangsprodukt Samenkorn.
Aber für jedes einzelne Samenkorn muss irgendwo auf der Welt eine Pflanze 6 oder 9 Monate an der Sonne (oder - CO²-mäßig viel schlimmer - unter künstlichem Licht) wachsen und reifen, sonst gibt's nichts zu sähen.

Insofern ist das erstmal weder wirklich COP²-arm noch Landwirtschaft, was die Jungs da machen; Anstatt ein Weizenkorn (oder jedes beliebige andere) zu mahlen und so weiterzuverarbeiten, lassen sie es eben mal keimen und machen damit - da bin ich voll dabei - ein wohlschmeckenderes und gesünderes Produkt daraus.

Das ist für mich aber Weiterverarbeitung oder Veredelung landwirtschaftlicher Produkte aber keine Landwirtschaft - und es löst (s.o.) niemals Ernährungsprobleme!
Denn energetisch wir die zu verzehrende Biomasse wird nicht mehr sondern allenfalls hochwertiger (i.S. von wertvolleren Inhaltsstoffen). Die Energie, die wir aus der Pflanze "gewinnen" müsste sogar eher abnehmen, weil das Samenkorn durch die Keimung Energie umsetzt, im Dunkeln (= ohne Photosynthese) aber keine neue produziert; Letztendlich wird die Biomasse durch das Wässern und Keimen lassen also einfach wasserhaltiger.

Oder ist mit der CO²-Einsparung nur gemeint, dass das Wasser halt direkt in der Stadt zugesetzt wird anstatt draußen auf dem Feld? Und woher kommt dann das viele zusätzliche Wasser, dass dafür in der Stadt gebraucht wird?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
vitma 07.12.2017, 06:56
5.

Samen Keimen zu lassen ist keine Landwirtschaft. Dies kann jede Kindergartengruppe. Selbst wenn etwas schief laufen sollte hat man ein paar Tage oder eine Woche in den Sand gesetzt. Man desinfiziert die Räume und startet die nächste Aussaat. Versuchen sie dieses Farming mal mit einer Kultur die mehrere Wochen und vielleicht sogar noch Bestäuber brauchen.
Das einzige was so toll an der Geschichte ist sind die Weltkriegsbunker. Das gibt eine tolle Geschichte für die reichen Gäste in Londoner Restaurants.

Beitrag melden Antworten / Zitieren