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Weltall: Wie Forscher nach Leben auf Eismonden suchen
DPA

Ihre Ozeane könnten bis zu hundert Kilometer tief sein: Unter den Eispanzern von Monden ist Leben möglich, glauben Astronomen. Künftig wollen sie solche Orte besser untersuchen.

The Restless 14.09.2018, 15:10
1. Paradigmenwechsel

Die Entdeckung flüssigen Wassers auf Monden unserer Gasplaneten hat tatsächlich einen Paradigmenwechsel unter den Astrobiologen ausgelöst: Zuvor hielt man nach Planeten Ausschau, die sich in der relativ engen habitablen Zone um ausgesuchte Sonnen bewegten. Inzwischen vermutet man, dass diese Einschränkungen gar nicht unbedingt erforderlich sind: Monde, die auf exzentrischen Bahnen um Planeten kreisen, können durch die Gezeitenreibung warm gehalten werden, so dass große Wasserreservoire dauerhaft flüssig bleiben. Dort unten wäre Leben auch ideal vor kosmischen Strahlen geschützt. Dass unter diesen Bedingungen simple Mikroben entstehen können, gilt als gesichert. Die spannende Frage lautet: Könnte es noch weiter gehen? Komplexere Lebensformen, organisierte Kolonien, eventuell Formen von Intelligenz? Das werden wir wohl nie erfahren.

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permissiveactionlink 14.09.2018, 15:50
2. Technisch höchst anspruchsvoll !

Der Jupitermond Europa hat einen Ozean von maximal 100 km Tiefe, der von einer Eisschicht von maximal 15 km (!) bedeckt ist. Bei dem Saturnmond Enceladus ist der Ozean flacher mit ca. 10 km Tiefe. Dafür ist die Dicke der Eisschicht darüber imposant : 30 - 40 km. Zum Vergleich : Die Eisdecke auf dem antarktischen Kontinent ist maximal 5 km mächtig. Um da durch zu kommen und den Ozean darunter näher zu untersuchen, wird es nicht ausreichen, den Bohrroboter lauwarm zu machen oder mit Vaseline einzuschmieren. Die Energie, die man benötigt, um ein Forschungsgerät durch diese isolierende Barriere zu bringen, dürfte enorm sein. Mit Solarzellen wird man sie nicht liefern können. Nur Kernreaktoren oder Radionuklidbatterien dürften geeignet sein. Damit aber bedrohen wir eventuell existierendes Leben in diesen Mondozeanen, denn die Chance, das Gerät wieder nach oben zu bringen dürfte sehr gering sein. Ein weiteres Problem dürfte darin bestehen, die in den Ozeanen gesammelten Informationen durch die Eisdecke zurück zur Erde zu senden. Eine Raumsonde an solch einem Monde vorbeifliegen zu lassen, und über Schwerkraftanomalien auf den inneren Aufbau des Mondes samt Ozean und Eisdecke und deren Dimensionen zu schließen, dürfte dagegen vom technischen Aufwand her nur ein Klacks sein !

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zeichenkette 14.09.2018, 16:04
3. Faszinierend, aber schwer erforschbar

Diese Ozeane liegen unter dicken Eisschichten von zig Kilometern. Direkte Erforschung wird da noch lange Zeit Zukunftsmusik sein, denn da kommt man sehr schlecht ran, zumal dort draußen Sonnenenergie knapp ist, dafür gibt es massive Strahlungsbelastung. Schlechte Voraussetzungen. Aber man kann natürlich z.B. das Wasser analysieren, das ausgestoßen wird oder durch Risse im Eis auf die Oberfläche durchgedrückt wird und sich dort ablagert und damit kommt man der Sache schon einen Schritt näher.

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Emderfriese 14.09.2018, 17:08
4. Hohl

Gibt es also vielleicht doch eine Hohlwelt? Jedenfalls müsste für jeden Bewohner dieser untereisischen Gewässer die Welt wie ein Lebensraum gemäß der irdischen Hohlwelttheorie aussehen. Eine Intelligenz unter dieser Decke hätte es nicht leicht, das wirkliche Wesen des Universums zu verstehen...

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Oberleerer 14.09.2018, 17:51
5.

Zitat von permissiveactionlink
Der Jupitermond Europa hat einen Ozean von maximal 100 km Tiefe, der von einer Eisschicht von maximal 15 km (!) bedeckt ist. Bei dem Saturnmond Enceladus ist der Ozean flacher mit ca. 10 km Tiefe. Dafür ist die Dicke der Eisschicht darüber imposant : 30 - 40 km. Ein weiteres Problem dürfte darin bestehen, die in den Ozeanen gesammelten Informationen durch die Eisdecke zurück zur Erde zu senden.
Dem Ingenör ist nichts zu schwör.

Ganymed, als größter Mond hat einen Durchmesser von 5.200km, also weniger als die Hälfte der Erde. Damit ist das Gewicht um ein vielfaches kleiner und damit die Gravitation und der Wasserdruck in den großen Tiefen. Andere Monde sind noch vile kleiner.

Einen Tauchroboter zu senden ist natürlich immer noch ein irrer Aufwand.

Für solch einen Roboter kann man eine Glasfaserverbindung bauen. Der kann per Wärmetauscher das Eis vor sich abtauen und die Wärme über ihm nutzen. Der Roboter versinkt dann im Eis und über ihm friert alles wieder ein. Dabei kann er ja aber ein Kabel abwickeln, was den Kontakt zur Oberfläche hält.

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Oberleerer 14.09.2018, 17:54
6.

Ich frage mich, wie es mit einem tiefen Schacht wäre. Wie hoch ist der Luftdruck auf der Erde, wenn man 10km tief behren würde?

Und wie sieht das auf dem Mond aus? Ohne flüssigen Kern kann man doch da beliebig tief bohren. Und irgendwann verdichtet sich in dem Loch vlt. die dünne Atmosphäre zu einem nutzbaren Luftdruck?

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rudolfsikorsky 15.09.2018, 11:11
7.

Die Eisdecke von Enceladus liegt bei 5 km ( stellenweise sogar nur 2km) und die Tiefe des Ozeanes bei 65 km. Eine Erforschung der außerirdischen Gewässer wäre mit heutigen technischen Mitteln schon möglich aber die Gefahr einer Kontamination mit irdischen Mikroben wäre zu hoch. Aber an der Oberfläche der Monde, im aus der Tiefe emporgedrückten Eis, müsste es vor im Eis eingeschlossenen Lebensformen nur so wimmeln wenn es dort denn Leben gibt , ein Teil des von Cassini bei Enceladus entdeckten Methangases ist wohl jedenfalls tatsächlich biologischen Ursprungs .Die Vielzahl an Welten mit verborgenen Ozeanen allein im Sonnensystem , zu der auch Pluto und Titan gehören , könnte bedeuten , das solche Welten im Kosmos sehr häufig anzutreffen sein könnten und Leben am häufigsten in solchen geschützten von Eis ummantelten Ozeanen vorkommen könnte. In denn zwanziger Jahren wird ( hoffentlich) die Sonde Europa Clipper ihre Reise antreten und vieleicht zum ersten mal in der Geschichte ausserirdische Lebensformen entdecken. Wir dürfen gespannt sein.

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