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Wettlauf um Raketentechnik: "Die Amerikaner wollen Europa aus dem Weltraum kicken"
AFP

Mit Milliardenaufwand entwickelt Europa die neue "Ariane 6"- Rakete. Aber das amerikanische Pendant SpaceX ist viel billiger. Alain Charmeau, Chef der Ariane Group, erklärt, wie die Amerikaner das schaffen - und setzt ein Ultimatum.

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Francois S. 18.05.2018, 06:12
1. SpaceX, lange von Europäern ausgelacht, ist jetzt eben erfolgreich.

Elon Musk sagt schon sei Jahren das man wiederverwendbare Raketen einsetzen sollte um Kosten zu senken und den Weltraum zugänglicher zu machen. Noch vor kurzem sagte er das er es toll findet wenn andere dieses Konzept folgen (damit bezog er sich auf eine neue Chinesische Initiative). Und in Europa? Lange wurde er von europäischen Weltraumgrößen (ESA, DLR, Arianespace...) dafür verspottet. Jetzt wird das Konzept mit Erfolg umgesetzt, und bald kommt die ebenfalls wiederverwendbare 'New Glenn' von Blue Origin (auch USA) dazu. Wie sagt man so treffend...wer zuletzt lacht....

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powaaah 18.05.2018, 06:24
2.

Widersprüche. Auf der einen Seite erzählt er, dass es wichtig ist die Technologie zu behalten, weil in Zukunft viel im Weltraum gemacht werden muss. Auf der anderen Seite kalkuliert er mit 10 Starts pro Jahr? Für weltweites Satelliteninternet werden 4000 Satelliten benötigt. Ob dafür 10 Starts reichen würden? Warum benötigt man für die Entwicklung der Ariane 5 mehr Geld als Space X für seine Raketen?
Laut Statista bekam Space X für 20 Flüge 1,6 Mrd $. Das sind 80 Mio pro Flug und damit 20% weniger als der Herr hier vermeldete.

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kpkuenkele 18.05.2018, 06:31
3. Perpetuum mobile mit gigantischem Energieverbrauch

Das Perpetuum mobile, das Herr Charmeau hier beschreibt - seine Mitarbeiter zahlen Steuern die der Staat dann wieder in neue, teure Raketen investiert - hat leider den Nachteil, das der Staat viel mehr aufwenden muss, als er über die Steuern wieder hereinbekommt; offenbar soviel mehr, dass es sich sogar lohnen würde, Raketen in den USA zu kaufen. Das Problem offenbart sich in Charmeaus Aussage über das Recycling, das deswegen keinen Sinn mache, weil seine Mitarbeiter sonst viel weniger zu tun hätten. Das ist sicherlich sehr sozial gedacht und entspricht der französischen Wirtschaftspolitik der vergangenen Jahrzehnte, es hilft aber nicht die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und wird alle Mitarbeiter am Ende den Arbeitsplatz kosten. Ich bin für eine europäische Raumfahrt, sehe aber einen Bedarf für mehr Innovation und Agilität.

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skygirl 18.05.2018, 06:35
4. Anschluss vepasst?

ok, die NASA bezahlt SpaxeX also 100 Mio. USD peo Start - wobei, das ist so nicht ganz richtig. Die NASA hat ja nun eher wenig davon, das SpaceX eine Rakete startet. Damit es Sinn macht, dafür Geld auszugeben startet SpaceX ja die Dragon Kapsel die zur ISS fliegt und dort Nachschub für die Crew sowie neue Experimente bzw. Equipment abliefert UND Material sicher wieder mit zur Erde nimmt. Das ist weit mehr, als nur einen Satelliten zunstarten (was bei Arianespace gut mit der doppelten Summe zu Buche schlägt).

Die Ariane 5 ist ein Ergebnis des Columbus-Programms aus den 80er Jahren. Wesentliches Ziel war der Start von Hermes, was bedeutet, die Rakete war human-rated. Das hat sie natürlich teurer gemacht. Aus Hermes wurde bekanntlich nichts, und mehrere Upgrades später ist sie zwar günstiger geworden (und konkurriert erfolgreich auf dem Weltmarkt) aber gegen einen Newcomer wie SpaceX mit einem neuen Design 20-25 Jahre später, kann sie ja kaum eine Chance haben.

Ist aber auch das typische Gejammere aus dem hause Airbus: die Amerikaner, egal ob Boeing oder SpaceX drücken ihre Preise wegen 'illegaler' Subventionen (aka. Regierungsaufträgen) durch die die kommerzielle Sparte quersubventioniert wird. Welches Unternehmen macht das nicht? Airbus/Arianespace haben auch Regierungsaufträge - das Airbus keine wettbewerbsfähige Militärflugzeuge bauen kann ist ja wohl kaum Schuld der Amerikaner und wenn Arianespace SpaceX belächelt, ist das eben Pech.

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Flying Rain 18.05.2018, 06:38
5. Ein Problem

Ein Problem ist auch dass diese deutsch-französischen Joint Ventures noch nie besonders Effizient gewesen wären und leider immer ein hartes gerangel um die Kompetenzen herscht.....
Ja die US-Regierung fianziert SpaceX auch ein wenig mit durch die Preise die sie zahlt aber das war es dann augenscheinlich auch. Wenn man sich aber unsere Situation ansieht darf man sich das eher wie bei der Nasa vorstellen welche auch nicht gerade von Kosteneffizienz gezeichnet ist.

Der nächste Punkt sind aber auch wohl die Steine die einem aus dem Boden gestampften neuen Unternehmen hier in Europa in den Weg gelegt werden würden wenn sie ne Rakete ins All schießen wollen würden.

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juba39 18.05.2018, 06:44
6. Ist doch nicht schwer zu verstehen

ICH habe bereits beim ersten mal verstanden, warum SpaceX billiger anbietet. Warum dann Herr Siedler nicht?
Dann wundert auch nicht, warum niemand den wahren Hintergrund des gegenwärtigen Handelsstreit mit den USA hinterfragt. Oder eben nicht hinterfragen darf. Dürfen wir nicht wissen, welchen Preis unsere Freiheit hat?
Wer seine Souveränität aufgibt, um eine vermeintliche Freiheit zu behalten, wird am Ende beides verlieren. Hat doch schon beim Ausspielen Freiheit gegen Sicherheit nicht geklappt.

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frenchie3 18.05.2018, 06:46
7. Da hat die WTO gerade

gegen Airbus entschieden. Da ist der Präzedenzfall gegeben, der Fall müßte schnell vom Tisch sein. Vielleicht bis auf die Tatsache daß so mancher (USA) vor Gericht dann doch etwas gleicher ist

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touri 18.05.2018, 06:47
8.

Oh je, das hört sich beim Interviewpartner eher nach Verzweiflung an. Und ob SpaceEx seine Preise nur deswegen niedrig hält, weil es seiner Regierung 100 Mio pro Start abnimmt kann auch Herr Charmeau nicht sagen, da er, wie er selbst sagt, die Kostenstruktur nicht kennt. Aus persönlicher Erfahrung im Baubereich kann ich zumindest sagen, dass private Firmen dem Staat grundsätzlich mehr Geld abknöpfen als privaten Kunden.

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Oberleerer 18.05.2018, 06:56
9.

Uns fehlt ein Gesetz, was Vorsorge trifft, daß wir die die Schlüsseltechnologien erhalten und zumindest auf Abruf jederzeit wieder in den Markt eintreten können. Dies gilt nicht nur für Raketen, auch für Spezialstähle, Fertigung von Speicherchips und Prozessoren, Großbauten etc.

Es gibt da verschiedene Beispiele. Die USA verbieten z.B. den Verkauf von Schlüsseltechnologie mit dem Verweis auf die nationale Sicherheit. Russland setzte militärisches Gerät (schwere LKW) in der Wirtschaft ein, um im Notfall schnell auf erprobtes Material zugreifen zu können. In Venedig wurde das Material für hunderte Kriegsschiffe vorgehalten. Schiffe konnte man nicht auf Vorrat bauen, weil diese nach wenigen Jahren verrottet sind. Als ein Großkunde eine neue Flotte benötigte, konnten in wenigen Monaten 200 Schiffe auf Kiel gelegt werden.

Wenn die US-Regierung oder China die dortigen Firmen alimentiert, sollten wir zugreifen, es ist praktisch ein Geschenk, was der dortige Steuerzahler uns machen muß.

Wir hingegen sollten weiterhin entwickeln um weder abgehängt, noch erpressbar zu werden. Wenn wie derzeit die Preise für RAM steigen, sollte in kurzer Zeit aus einem Forschungslabor Nachschub kommen. Schon kleine Stückzahlen reichen aus, um den Markt zu regulieren.

Die EU muß dabei auf Simulationen setzen, Trockenschwimmen. Nicht nur z.B. die Rakete selber (die wird ohnehin bis ins kleinste Detail simuliert), sondern auch die Verwaltung, Buchhaltung, Infrastruktur, Bauprozesse entsprechend planen und ggf. auch in der Realität überprüfen, damit man nicht jedesmal vor Problemen steht, wie beim BER.

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