Forum: Wissenschaft
YouTube, Facebook & Co.: Sehend ins Verderben
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Wenn man einen Roboter darauf ansetzt, sich möglichst viele YouTube-Videos hintereinander anzusehen, landet er verlässlich bei Horror und Verschwörungstheorien. Woran das liegt? An uns allen.

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fat_bob_ger 11.02.2018, 08:38
1. Treffende Analyse

Und irgendwann bekommen dann von uns nicht autorisierte Stellen Zugriff auf unsere Verhaltensweisen und ziehen dann Schlussfolgerungen in psychologischer, wirtschaftlicher und strafrechtlicher Hinsicht. Ein weiteres Problem wurde angesprochen: Die Wahrheit ist langweilig und nach einiger Zeit Dauerberieselung wirken die abstrusesten Verschwörungstheorien für manche sehr glaubhaft, zumal ab und an sich die ein- oder andere Vermutung bestätigt. Deshalb befürchte ich einen sich schleichend verstärkenden Einfluss auf die politische Willensbildung, der in Populismus, Skandalisierung von unwichtigen Vorgängen u. ä. äußert. In Russland, Ungarn, Polen, Tschechien und Polen finden wir bereits jetzt "Führer", die sich diese Mechanismen zu nutze machen. In 100 jahren befürchte ich, gibt es für jede Familie über drei Generationen hinweg Gesundheitsstatistiken mit Wahrscheinlichkeiten zu Erbkrankheiten und vermuteten Erbkrankheiten, Aggressionspotentialabschätzungen, Vermutungen über die Selbstkontrolle, Verhaltensaufälligkeiten, Konsumpräferenzen, .... was dann an jahrhundertelange Rennpferdzuchtstatistiken erinnern wird, mit dem Unterschied, dass die Daten viel genauer sind.

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doitwithsed 11.02.2018, 08:39
2.

Macht es wirklich Sinn Medienkonsumenten als kleine Kinder zu schelten, denen die Aufsicht fehlt und daher unter paternalistischen Schutz (des Staates?) gestellt und von veriegelten Türen aufgehalten werden müssen? Wird dadurch nicht die Algorithmendiktatur durch eine andere, nicht zwangsläufig bessere Art der Bevormundung ersetzt? Was ist mit der Medienkompetenz. Ist diese im Auge des Autors bei den Konsumenten so gar nicht vorhanden?

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vitalik 11.02.2018, 08:42
3.

Ja, und auch SPON hat in seiner Funktion vor den bösen Killerspielen gewarnt, die die kleinen Kinder zu Mördern machen. Mittlerweile gibt es genug Studien, die diese Behauptung widerlegt haben. Trotzdem taucht die Behauptung immer wieder auf.

Zitat: "Der Algorithmus optimiert das Angebot für maximale Sehdauer, "nicht für das, was wahr, ausgewogen oder gut für die Demokratie ist", so der ehemalige Entwickler.".

Die Optimierung der Videovorschläge auf den Nutzer ist nicht Verwerfliches, warum auch? Der Rest ist irgendwie totaler Blödsinn. Soll man sich nun Videos ansehen oder indoktriniert werden? Muss bei jedem Video, das man sich ansieht eine politische Botschaft dabei sein?

Warum schreibt hier der Autos A, meint aber eindeutig B, ohne es zu erwähnen. Der Autor meint doch hier die VT-, Rechts- oder Fakenewsvideos. Nun, diese Videos sind aber eine Minderheit. Ich behaupte, dass 99% der Videos auf Youtube sind irgendwelche DIY, Schmink, LetsPlays, Musik, Darsteller und sonstige Videos. Siehe die Videos mit den Milliarden Klicks. All diese Videos haben Null politische Botschaft und dienen reiner Unterhaltung. Und das ist auch, was sich 99% der Nutzer ansehen. Warum also wieder die Welt so darstellen, als ob es aus den 1% besteht und die 99% ignoriert werden?

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zehwa 11.02.2018, 08:46
4. Vergleich unglücklich

Wenn man Kinder in einem Süßwarenlager einige Stunden alleine lässt, ist ihnen am Ende schlecht, ohne Frage.
Liesse man sie einige Tage alleine, sähe die Sache anders aus, wie ein Experiment von Clara Davis nahelegt.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1626509/
Was sagt uns das in Bezug auf YouTube?
Entweder, dass Menschen anders surfen, als dieser Roboter, oder, das YouTube eben doch versucht, uns bevorzugt krasse Inhalte vorzusetzen.
Das würde mir was über die Programmierer sagen...;)

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dasfred 11.02.2018, 08:54
5. Mich erinnert das an einen Supermarkt

Dort will uns der Betreiber ja auch mit seinen Platzierungen zu den Bestsellern locken. Meine Strategie dagegen ist der Einkaufszettel, mit dem ich an den Lockangeboten vorbei direkt zur gewünschten Ware gehe. Ich hatte mich kurzzeitig mit YouTube befasst und festgestellt, dass man dort unendlich viel Zeit vertrödelt. Also mache ich mir heute auch so etwas wie eine Liste und suche, wenn überhaupt, nur nach Themen, die ich vorher bestimmt habe und wenn nichts dabei ist, schalte ich aus. Vorschläge ignoriert man am besten ganz. Das ist oft, als müsste ich eine Müllhalde umgraben, um einen Euro zu finden. Der Ertrag steht in keinem Verhältnis zum Angebot.

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clausde 11.02.2018, 09:15
6. Etwas komplexer

Machen wir nicht einen gedanklichen Fehler wenn wir Klicks mit zustimmenden Interesse gleichsetzen?
Ich schaue mir durchaus Videos z.B. über Flat Earther an. Aber nicht weil ich nicht wüsste, dass unser Planet ein Geodit ist, sondern weil mich interessiert welcher Typ Mensch dahinter steckt der an solche Dinge glaubt. Welche Argumente verwendet werden, wie solche manipulativen Videos aufgebaut sind usw. usw. Und das mache ich auch bei anderen völlig abstrusen Themen. Ich bin sicher nicht der Einzige der sich ab und an die Zeit nimmt, die verrückten digitalen Auswüchse der Menschheit kritsch anzusehen.
Ein großer Teil unserer digitalen Welt wird durch Werbung finanziert. Was Werbung kosten soll entscheidet die Reichweite des Mediums. Eine Messgröße im Netz sind die Anzahl der Klicks und der Verbleib auf dem Medium.
Und genau diese Daten sind für den Grund des Interesses des Nutzers, nicht ausschlaggebend.
Anders ausgedrückt: Fahre ich von A nach B nutze ich z.B. eine Autobahn genau wie viele andere Autofahrer. Was wir gemeinsam haben ist die Nutzung der Autobahn. Was wir nicht gemeinsam haben ist das Ziel und der Grund der Nutzung.
In der digitalen Welt meinen wir zu erkennen, welche Ausfahrt jemand nimmt (Nutzung des Inhaltes), welches Ziel er ansteuert. Das ist unser Trugschluß.

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krustentier120 11.02.2018, 09:17
7. Nur noch Öffis

Die einzigen Medien, denen egal ist ob der Nutzer weiterfrisst, sind die öffentlichentlich rechtlichen. Aber die wollen zahlreiche Zeitgenossen eben genau deswegen abschaffen: sie liefern nicht die Süßigkeiten, die sie sehen wollen.

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Immanuel K. 11.02.2018, 09:23
8. Letztlich ist...

...ja dieses "...mehr, mehr, mehr..." das zentrale Thema, um das sich alles (mehr oder weniger unwidersprochen) dreht - der Kapitalismus. Der funktioniert ja nur mit einem ständigem Mehr: stagniert das Wachstum, folgt unweigerlich die Rezession und das System kriselt... ...und die Krönung des Ganzen ist, dass behauptet wird, dieses verrückte System sei die Grundlage der Demokratie, bzw, was noch verrückter ist: ohne dieses System gäbe es gar keine Demokratie.
Da waren wir vor siebzig Jahren schon mal weiter - nach dem 2. WK war es Allgemeingut, dass der ungezügelte Kapitalismus den Faschismus erst möglich gemacht hat - heute laufen wir wieder in diese Richtung, weil das Wissen darum offenbar verloren gegangen ist.

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kaic 11.02.2018, 09:23
9. der Medienkonsum soll kontrolliert werden?

Der Autor drückt den Wunsch nach Inhaltskontrolle zwar nicht aus, impliziert das aber deutlich. Der Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen ist, dass Erwachsene nun mal eigenverantwortlich handeln, auch wann manchen das nicht passt. Dem Wortlaut des Autors folgend, währe es 'Demokratie' förderlich wenn einige Eliten die Hand auf den veröffentlichten Inhalten hätte, wie es bei Rundfunk und Print der Fall ist. Zu deren Leidwesen findet man bei YouTube und Co auch fundierte Analysen und Informationen über Lobbyismus, representative 'Demokratie' und den miesen Filz zwischen Regierung/Konzernen/Medien. Schon allein Horror und "Verschwörungstheorie" in einem Satz zu nennen belegt die Intention dieses Artikels eindeutig.

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